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3/2021 | Produkte & Strategien
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Wo blieb bloß die Leistung?

FLOP. Bald zwölf Jahre alt wird der Ensio Forte E Fonds. Seit 2019 gelang dem Fondsmanagement fast gar nichts mehr. Nun trägt er ab 1. September einen neuen Namen: Equinox ­Aktien Euroland.

Der Eniso Forte E ist ein Aktienfonds, dessen Ziel es ist, mittels konsequenter und disziplinierter Entscheidungsmechanismen einen Kapitalzuwachs auf mittlere bis lange Sicht zu erzielen, heißt es vielversprechend im Selbstporträt. Mit dem Wort „Forte“ soll zum Ausdruck kommen, dass der Fonds aufgrund der Merkmale ­eines Aktienportfolios deutliche Kurschancen, aber auch Risiken beinhaltet. Der Buchstabe „E“ steht dafür, dass der Aktienfonds vor allem in erstklassige europäische Aktien in Euro investieren wird. Der Inves­titionsgrad in Aktien wird aktiv gesteuert. Gängige Benchmarks sollen bei kontrolliertem Risiko übertroffen werden – soweit die Wunschvorstellung, die Makulatur blieb.

Zwar sah es so aus, als ob Equinox Aktien Euroland vulgo Eniso Forte E bei einer Fünfjahresbetrachtung per 3. September 2021 bis ins Jahr 2019 hinein ziemlich ETF-ähnlich verlaufen würde, über einige Phasen lag man sogar vor dem MSCI EMU Net Total Return EUR Index. Doch dann kam der kräftige Kursrutsch im Zuge der Corona-Pandemie. Hier stürzte man stärker als der Vergleichsindex ab. Damit nicht genug: In den folgenden 13 Monaten bis ­inklusive März 2021, als der Index den Pandemierückgang bereits wieder voll wettgemacht hatte, gelang es dann bloß, die Hälfte des Pandemie-Rücksetzers aufzuholen. Man scheint sowohl bei der Länder- als auch bei der Titelselektion wenig Fortune gehabt zu haben.
Vergleicht man die Top-Ten-Ein­zelpositionen zum Jahresultimo 2020 mit den Top Five Anfang September 2021, so ­stehen an der Spitze die gleichen drei Titel (LVMH, ASML, L’Oréal), nur in anderer Reihenfolge, während SAP und Sanofi aufgestockt wurden und von den Rängen sieben und zehn auf die Plätze vier und fünf vorrückten.

Modellwechsel

Die tatsächlichen Anlageentscheidungen werden vom schweizerischen Unternehmen Eniso Partners mit Sitz in Zürich getroffen, das das Advisory innehat und systematisch gemäß den eingesetzten Modellen zur Inves­ti­tionsgradsteuerung Signale umsetzt. Auf Anfrage bestätigt ­Nicholas Arthur, COO und Leiter Kunden bei Eniso, dass man angesichts bescheidener Erfolge der ökonomisch getriebenen Modelle, die bis August 2020 verwendet wurden, seit September des letzten Jahres nun ausführlich getestete neue Modelle zur Signalgenerierung der Hedgingquote einsetzt. Man hat in Vor-Corona-Zeiten festgestellt, dass fundamentale Entscheidungsfaktoren oder Stimmungsindikatoren immer mehr in den Hintergrund treten, während die Trenderkennung immer wichtiger wird. Dank der modernen IT dreht sich die Welt schneller. Fundamentaldaten und viele Stimmungsfaktoren sind jedoch auf längere Fristigkeiten ausgerichtet und erkennen Trends nur verzögert.

Die neuen Modelle zur Signalermittlung basieren alle auf Momentum. Im kräftigen pandemiebedingten Abschwung der Monate Februar und März 2020 wurde zwar der neue Ansatz bereits getestet, die Signale lieferten jedoch noch die alten Modelle. Im Rückschlag hätten die Signale relativ spät gegriffen und die Aktienquote zudem nur bis auf 50 Prozent verringert, während bei der unmittelbar da­rauffolgenden rasanten Erholung des Marktes die Aktienquote infolge einer partiellen Absicherung nicht voll ausgefahren worden sei, so Nicholas Arthur. Seit September 2020 seien aber unter den neuen Modellen deutliche Verbesserungen zu sehen, die Umbenennung des Fonds Anfang September dieses Jahres habe mit der Vergangenheitsperformance nichts zu tun.

Licht am Tunnelende?

„Die neuen Modelle zeigen seit 2020 positive Auswirkungen in Form einer stark reduzierten Volatilität, ­eines deutlich tieferen Maximum Drawdowns, und gleichzeitig konnte die Sharpe Ratio verbessert werden“, sagt Arthur. Das ist auch korrekt, ­allerdings gibt es seit Systemumstellung eine Underperformance gegenüber dem Euro Stoxx 50 NR Index von stattlichen 9,36 Prozent, verbunden mit einem Tracking Error von 10,6 Prozent. Das bedeutet eine negative Information Ratio von –0,88. Dass sich das Volumen des Fonds in Grenzen hält, ist nur allzu verständlich. Für die Boutique bleibt die Hoffnung, dass sich der Modellwechsel auch einmal in der relativen Performance positiv niederschlägt.

Dr. Kurt Becker


Anhang:

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