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2/2017 | Theorie & Praxis
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»Wir legen die Messlatte sehr hoch«

Jutta Hinrichs und Ralf Kern von der Steyler Ethik Bank erklären im Interview, wie ein auf Nachhaltigkeit spezialisiertes Institut in einem Umfeld extrem niedriger Zinsen agiert, um seinem Anspruch der Unterstützung eines Missionsordens gerecht werden zu können.

Die Steyler Ethik Bank ist die einzige Missionsbank in Deutschland und wurde 1964 vom Orden der Steyler Missionare gegründet. Das Motto der Bank lautet „Wo Geld Gutes schafft“, entsprechend dienen die ausgeschütteten Bank­gewinne ausschließlich sozialen und öko­logischen Zwecken. Zusammen mit frei­willigen Zinsabtretungen und Kapitalschenkungen fließen sie in internationale Hilfsprojekte der rund 10.000 Steyler Missionare und Missionsschwestern, die in mehr als 80 Ländern weltweit tätig sind. Seit der Gründung der Bank kamen so bisher knapp 100 Mil­lionen Euro für den guten Zweck zusammen. Allerdings muss auch eine Ethikbank einen Weg finden, mit den Entwicklungen und Unwägbarkeiten an den Kapitalmärkten zurechtzukommen. So konn­te die Bank 2016 zwar das verwaltete Kundenvermögen gegenüber dem Vorjahr um 6,9 Prozent auf 480,7 Millionen Euro steigern, und auch die ­Bilanzsumme stieg um 2,9 Prozent auf 298,3 Millionen Euro. Die Gesamterträge gingen allerdings von 8,1 Millionen im ­Vorjahr auf nun 7,7 Millionen Euro zurück. Dabei hat sich in der Niedrigzinsphase unter anderem ein Rückgang des Zinsüberschusses auf 3,2 Millionen Euro (2015: 4 Millio­nen Euro) ausgewirkt, der durch höhere Provisionsüberschüsse (plus 156.000 Euro gegenüber 2015) und höhere Erträge aus ­realisierten Kursgewinnen (plus 290.000 Euro) nur teilweise kompensiert werden konnte. Ein Gespräch zur Strategie der Bank mit Sitz in Sankt Augustin bei Bonn.
 

Institutionelle Investoren befinden sich aktuell in einer Situation zwischen Hammer und Amboss, weil einerseits die meisten ­Investoren einen Großteil ihrer Kapitalanlagen in Zinspapiere investieren, andererseits der Ren­ditedruck enorm zugenommen hat. Wie geht Ihr Haus damit um?
Ralf Kern: Es würde nicht den Tatsachen ­entsprechen, wenn wir behaupten würden, dass die Niedrigzinsphase spurlos an uns vorbeigeht, im Gegenteil. Zumal das An­lagegeschäft unserer Bank zu 98 Prozent abhängig ist vom Rentenmarkt, denn wir können aufgrund unserer internen Richt­l­i­nien lediglich einen sehr kleinen Teil unserer Investments in Aktien anlegen. Insofern trifft uns die nun schon einige Jahre anhaltende Niedrigzinsphase natürlich deutlich. Als Bank haben wir in dieser Situation zum Glück die Möglichkeit, zusätzliche ­Erträge in anderen Geschäftsfeldern zu generieren. Entsprechend haben wir neben dem Provisionsgeschäft in der Anlageberatung unserer privaten und institutionellen Kunden auch das Kreditgeschäft weiter ausgebaut. Insbesondere Letzteres hatten wir in der Vergangenheit eher rudimentär bearbeitet. Aber durch die Stärkung dieser beiden anderen Geschäftsfelder können wir zurück­gehende Erträge im Depot-A-Geschäft zumindest abmildern.
 

Das verwaltete Kundenvermögen konnte im vergangenen Jahr erfreulich gesteigert ­werden. Allerdings dürften Ihnen rückläu­fige Zahlen sowohl beim Bilanzgewinn wie auch bei den Gesamterträgen der Bank ­alles andere als Freude bereitet haben.
Ralf Kern: Natürlich hätten wir uns einen ­anderen Verlauf gewünscht. Aber die Zinssituation ist nun einmal so, wie sie ist, und wir können nur versuchen, so gut es geht, gegenzusteuern. Neben den erwähnten Maßnahmen in den genannten Geschäftsfeldern ­arbeiten wir zudem daran, einen ­eigenen ­Bereich für unser Asset Management zu etablieren. Derzeit werden unsere hauseigenen Fonds noch von Warburg-­Invest als Kapitalverwaltungsgesellschaft verwaltet. Unser langfristiges Ziel ist es, ­eine eigene, euro­päisch orientierte Fondsgesellschaft unter rein ethisch-nachhaltigen Gesichtspunkten auf die Beine zu stellen und das Nachhaltigkeitsthema in die Breite zu tragen.

Bleiben wir beim Thema Ertragssituation. Für eine Ethikbank wie Steyler bedeuten rückläufige Erträge natürlich auch, dass weniger Spielraum für gemeinnütziges ­Engagement vorhanden ist. Ein Problem?
Jutta Hinrichs: Die ursprüngliche Idee der Steyler Ethik Bank ist, auf einen Teil der erwirtschafteten Zins- und Kapitalertäge zu verzichten und damit den ursprünglichen Gedanken der Missionstätigkeit unseres Ordens zu unterstützen. Hinzu kommen dann noch ausgeschüttete Stiftungserträge und der Bankgewinn, den wir erwirtschaften. Auch wenn diese Zahlen geringer ausgefallen sind als in den Vorjahren, konnten wir für das vergangene Jahr über 1,5 Millionen Euro für die Arbeit unserer Missionare und Missionsschwestern zur Verfügung stellen. Immerhin sind so inzwischen knapp 100 Millionen Euro zusammengekommen, die wir seit der Gründung der Bank den Steyler Missionaren zukommen lassen konnten. Wobei wir auch in Zukunft nicht das Ziel einer Gewinnmaximierung um jeden Preis verfolgen werden. Für uns steht vielmehr die Gewinnoptimierung unter der Prämisse einer ethisch-nachhaltigen Zielsetzung im Vordergrund. Entsprechend versuchen wir, auch unsere Kunden davon zu überzeugen, dass nachhaltiges Investment, dass überhaupt Kapitalanlage mit unserem Haus letzt­endlich wieder den Menschen zugute­kommt. Vor diesem Hintergrund ist es nicht ausschließlich das Bankgeschäft, das dazu beiträgt.

Dennoch muss natürlich auch eine Ethikbank den wirtschaftlichen Gegebenheiten entsprechend wirtschaften? Mussten Sie an der Gebührenschraube „drehen“?
Ralf Kern: Dazu muss man wissen, dass wir auch in der Vergangenheit noch nie ein kos­tenfreies Girokonto angeboten haben, ein Modell, das auch bei vielen anderen Banken angesichts der allgemein angespannten Ertragssituation immer mehr infrage gestellt wird. Wir unterscheiden zudem zwischen privaten und institutionellen Kunden und bei Letzteren wiederum zwischen herkömmlichen Geschäftskunden und Non-Profit-Organisationen, sogenannten NGOs. Bei den NGOs wird es auch künftig dabei bleiben, dass wir deren Konten gebührenfrei führen, ausgenommen davon sind nur Buchungskosten in Höhe von zehn Cent pro Buchung, die künftig anfallen. Für die sons­tigen Geschäftskunden bieten wir ein auch künftig sehr moderates Kontenmodell mit einer monatlichen Kontoführungsgebühr von zehn Euro zuzüglich der entsprechenden Buchungskosten. Im Bereich der Privatkunden haben wir unser ursprünglich dreifach gestaffeltes Modell sehr stark vereinfacht, künftig zahlen diese Kunden fünf Euro im Monat.

Sind denn Negativzinsen ein Thema für Ihre Kunden?
Ralf Kern: Im Grunde stehen doch heute alle Banken vor der Herausforderung, ein entsprechend kostendeckendes Modell zu finden, gerade dann, wenn Kunden sozusagen nur Geld auf dem Girokonto oder im Festgeld parken wollen. Denn für solche Anlagen entstehen den Banken Kosten. Daher geht es darum, ein verursachergerechtes Modell der Kostenbelastung zu finden. Insofern könnte es durchaus sein, dass wir, vorausgesetzt die Zinssituation verändert sich nicht nachhaltig, in absehbarer Zukunft über Negativzinsen nachdenken müssen, zumindest für Neukunden.

Wie investiert die Bank zurzeit ihre eigenen Gelder im Depot-A-Geschäft?
Ralf Kern: Wir verwalten knapp 220 Millionen Euro an Eigenanlagen der Bank. Davon entfallen rund zwei Drittel auf sogenannte Covered Bonds, insbesondere hypothekenbesicherte Pfandbriefe. Jeweils rund 12 Prozent entfallen auf Anleihen öffentlicher Emittenten wie Städte oder Regionen und Unternehmensanleihen. Letztere wollen wir künftig sicher noch stärker ausbauen.

Muss man daraus schließen, dass Sie gar keine Staatsanleihen in Ihrem eigenen Portfolio halten?
Ralf Kern: Das ist richtig, zumindest was die Einzelanlage betrifft. Wir investieren aber gut 40 Millionen Euro unseres Gesamtportfolios in unseren eigenen Rentenfonds, der durchaus auch in Staatsanleihen investiert. Andere Instrumente wie ABS- oder Hybridanleihen sind für uns aufgrund unserer internen Anlagerichtlinien, die uns unser Ethikbeirat und der Gesellschafter auferlegt haben, nicht investierbar. Solche Instrumente stehen uns aufgrund ihres spekulativen Charakters unter dem erwähnten Stichwort Gewinnoptimierung statt Gewinnmaximierung nicht zur Verfügung. Wir sind von der Sinnhaftigkeit unseres Ansatzes zutiefst überzeugt, deshalb ist Nachhaltigkeit für uns – eben auch bei unseren Eigenanlagen – alles andere als ein Marketingschlagwort.

Das müsste Sie aber doch nicht daran hindern, etwas mehr als nur zwei Prozent Ihrer Investments in Aktien zu investieren, um so die Ertragssituation Ihres Portfolios möglichst zu optimieren.
Ralf Kern: Natürlich diskutieren wir eine mögliche Erhöhung der Aktienquote regelmäßig auch in unserem Ethikbeirat. Denn als Portfoliomanager würde ich natürlich  gern mehr in Aktien investieren im Hinblick auf einen eventuell damit verbundenen ­höheren Ertrag. Aber diese Entscheidung obliegt nicht mir, sondern ich habe mit den Rahmenbedingungen umzugehen, wie sie für unsere Bank gesetzt sind.

Jutta Hinrichs: Wir legen die Messlatte nun einmal sehr hoch, was die Erfüllung unseres Nachhaltigkeitsanspruchs angeht. Das gilt genauso für den Bereich der Investments, die wir im Depotgeschäft für unsere Kunden anbieten, in dem wir auch zirka 200 Millionen Euro verwalten. Hier bieten wir neben vier eigenen Fonds auch eine Fondsvermögensverwaltung an, die inzwischen sehr stark nachgefragt wird. Möglich sind auch Anlagen in Fremdfonds, ausgenommen Hebelprodukte, oder Zertifikate, die natürlich auch unserem Ansatz entsprechen müssen.

Angesichts der strengen Kriterien, die Ihr Haus anlegt, kann aber doch die Auswahl an Fremdfonds nicht sehr groß sein.
Jutta Hinrichs: Es war tatsächlich nicht einfach, hier eine ausreichende Zahl an Produkten für eine Fondsvermögensverwaltung zur Verfügung zu stellen. Hätten wir den Maßstab angesetzt, wie er für unsere hauseigenen Fonds gilt, bei dem wir ja nicht nur einen strengen Best-in-Class-Ansatz ver­folgen, sondern zusätzlich noch insgesamt 18 Ausschlusskriterien hinterlegt sind, dann wäre kaum ein Produkt übrig geblieben. Deshalb mussten wir die Messlatte hier ein wenig senken, um überhaupt eine gewisse Auswahl an Fonds zu finden, mit der eine sinnvolle Fondsvermögensverwaltung möglich ist. Denn schließlich behaupten viele Anbieter, mit ihren Fonds nachhaltig zu agieren. Wenn man aber genau hinschaut, dann entspricht der Inhalt nicht dem, was am Ende tatsächlich drinsteckt. Wir haben bestimmte Mindestkriterien definiert, die für die Aufnahme eines Fonds in unsere Fondsvermögensverwaltung erfüllt sein müssen.

Wie viele Fonds blieben am Ende übrig?
Jutta Hinrichs: Es sind rund 120 Fonds anderer Anbieter, die unseren Auswahlkriterien entsprechen. Dabei muss als Mindestvoraussetzung gegeben sein, dass der Fonds ­Investments in Atomkraftwerke und Rüs­tungskonzerne ausschließt. Außerdem müssen Unternehmen ausgeschlossen sein, bei denen es zu Verstößen gegen das Arbeitsrecht und die Menschenrechte kommt. Zusätzlich erlaubt sind darüber hinaus Wasser- und Klimafonds.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihr Institut über die notwendigen Informationen und Analysen verfügt?
Jutta Hinrichs: Das können wir angesichts der Größe unserer Bank natürlich nicht in Eigen­regie darstellen. Deshalb haben wir von Anfang an auf die Expertise der Rating­agentur Oekom Research gesetzt. Das Unternehmen analysiert regelmäßig rund 6.000 Unternehmen, von denen am Ende 500 übrig bleiben, die unserem Nachhaltigkeitsfilter standhalten und damit für unsere eigenen Fonds investierbar sind. Wir haben zudem den Vorteil, dass wir zusätzlich über ein eigenes Ethiknetzwerk verfügen. Die Missionare und Missionsschwestern des Steyler Ordens sind in nahezu allen Teilen der Welt unterwegs und können natürlich sozusagen direkt vor Ort wertvolle Informa­tionen über das tatsächliche Verhalten der entsprechenden Unternehmen in der jewei­ligen Region zusammentragen. Das ist ein wesentlicher Vorteil, den wir gegenüber ­anderen Nachhaltigkeitsanbietern haben.

 

Wir danken für das Gespräch.   


Anhang:

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