Logo von Institutional Money
Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
3/2022 | Steuer & Recht
twitterlinkedInXING

Stresstest für EbAV

Nicht nur die Märkte, sondern auch regulatorische Themen bereiten EbAV weiterhin Kopfschmerzen: eigene Risikobeurteilung (ERB), Klimastresstest, Kostenbetrachtung, Ausgliederungen, Marktkonsolidierung.

1664370918_sr_6.jpg

Günther Weißenfels, Leiter des Grundsatzreferats für EbAV bei der BaFin, informiert die EbAV beim WTW-Pensionskassentag 2022 über die Entwicklungen bei Pensionskassen aus Sicht der Aufsichtsbehörde.

© Anke Dembowski | Institutional Money
Die angesichts einer drohenden Rezession hochgradig volatilen Märkte, der Krieg in der Ukraine und die infolge der Energiekrise anhaltend ungünstigen Inflationszahlen halten professionelle Kapitalanleger in Atem. Entsprechend enger will die Aufsicht den Puls messen, um rechtzeitig gegenlenken zu können, falls eine Pensionskasse in Schieflage geraten sollte.
 
Daher ist davon auszugehen, dass es Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) keineswegs langweilig wird – sicher auch nicht aus regulatorischer Sicht. Günther Weißenfels, Leiter des Grundsatzreferats für EbAV bei der BaFin, berichtete am Pensionskassentag von Willis Towers Watson (WTW) am 30. Juni in Frankfurt über die aktuellen Entwicklungen bei Pensionskassen aus Sicht der Aufsichtsbehörde. Was die Kassen derzeit stark beschäftigt, ist die eigene Risikobeurteilung (ERB), die teilweise ein Äquivalent zum ORSA (Own Risk and Solvency Assessment) für Versicherungsunternehmen darstellt (siehe Beitrag zu diesem Thema in diesem Heft).
 
Stresstest-Jahr 2022
Daneben fällt in diesem Jahr erneut ein Stresstest an – der letzte EIOPA-Stresstest für EbAV fand 2019 statt. Während es damals in erster Linie um die Asset-Liability-Konzepte ging, handelt es sich dieses Jahr um einen Klimastresstest, an dem insgesamt 21 betriebliche Altersvorsorgeeinrichtungen teilgenommen haben. Die Teilnehmer wurden bereits Anfang des Jahres informiert, und derzeit werden die von den Unternehmen eingereichten Ergebnisse ausgewertet.
 
Weißenfels stimmte die Teilnehmer auch darauf ein, dass die Bundesanstalt für ­Finanzdienstleistungsaufsicht in Deutschland erstmals eine nationale Bestandsaufnahme zu den Kosten und Gebühren bei EbAV durchführen wird. Ein regelmäßiges Kostenberichtswesen gibt es bisher nur in einigen EU-Ländern, beispielsweise in den Niederlanden und in Italien. Allerdings ­erscheine es sinnvoll, mit dem Start dieser Erhebung zu warten, bis die Fondsindustrie die PRIIP-Verordnung umgesetzt habe und die EbAV mit den entsprechenden Zahlen versorgen könne. Basis ist die EIOPA-­Opinion zu „Costs and Charges“, die zwar keinen Rechtscharakter hat, aber klarmacht, wohin die Reise gehen soll. Besonders ­herausfordernd dürfte für die Kassen die ­Ermittlung aller Kapitalanlagekosten und der gesamten Transaktionskosten sein.
 
Weitergehen wird es auch mit der VAG-Anzeigevorordnung zu Ausgliederungen. „Dieses Jahr wird dazu etwas kommen“, kündigte Weißenfels an. Ziel der systema­tischeren Erfassung sei es unter anderem ­sicherzustellen, dass die BaFin im Fall von IT-Vorfällen schnell die betroffenen (Sub-) Dienstleister kontaktieren kann.
 
Stille Reserven schmelzen ab
Wie die EbAV mit den steigenden Zinsen zurechtkommen, muss sich noch zeigen. Von den rund 30 Milliarden Euro an stillen Reserven, die sie aufgebaut hätten, sei Ende des ersten Halbjahres 2022 bereits die ­Hälfte abgeschmolzen, gab Weißenfels zu bedenken. Zinsinduzierte Unterdeckungen zu Zeitwerten im Sicherungsvermögen ­würden jedoch von der BaFin akzeptiert, wenn die Unternehmen die Papiere bis zur Endfälligkeit halten können und wollen. ­Abschreibungen allein aufgrund des Zins­anstiegs seien nach Kenntnis der Aufsicht nicht erforderlich. „Diese Frage müssen die Unternehmen aber mit ihrem Wirtschaftsprüfer klären“, so Weißenfels. 
 
Aufgrund der bisherigen Kapitalmarktentwicklung im Jahr 2022 sei ­davon auszugehen, dass sich einige Szenarien aus dem Stresstest 2021 bereits realisiert hätten. Bei Fortdauer der Entwicklung drohe Ende 2022 eventuell ein BaFin-Stresstest bezüglich der ohnehin schon gestressten Bilanz. Die Zahl der Unternehmen, die im Stresstest Schwierigkeiten bekommen, könne dann ansteigen. „Natürlich ist das Bestehen des Stresstests und damit eine ausreichende Risikotragfähigkeit sehr wichtig“, stellte Weißenfels klar. Pro­bleme im Stresstest bedeuteten aber nicht sofortige Maßnahmen durch die BaFin. Vielmehr werde die Situation mit dem ­Unternehmen analysiert und das weitere Vorgehen abgestimmt.
 
Weitere Konsolidierung
„Für kleinere Pensionskassen wird es ­vermutlich schwierig, den in den letzten Jahren nicht nur an den Kapitalmärkten ­gestiegenen Anforderungen zu begegnen“, so Weißenfels. Dabei verwies der Aufseher auf den Konsolidierungsprozess in Deutschland, der bereits mit Auflösungen einiger Pensionskassen und entsprechenden Bestandsübertragungen im Gange sei. Dieses Jahr würden vermutlich fünf weitere Pen­sionskassen aufgelöst. „Sollte auch Ihre Kasse in diese Situation kommen, sprechen Sie Ihren Aufseher oder auch mich an“, empfahl Weißenfels den Unternehmen. Die BaFin begleite Auflösungsvorhaben eng und stelle auch Kontakt zu aufnahmewilligen anderen Pensionskassen her. „Beim derzeitigen Zinsniveau lässt sich jedoch nicht vermeiden, dass gegebenenfalls noch negative Kaufpreise für die Bestände nötig werden“, schätzte Weißenfels die Lage ein.
 
Anke Dembowski
twitterlinkedInXING
Institutional Money Kontakt
Logo von Institutional Money
Institutional Money
c/o FONDS professionell Multimedia GmbH, Landstrasser Hauptstraße 67, EG/Hof, 1030 Wien

Telefon: +43 1 815 54 84-0
Fax: +43 1 815 54 84-18
E-Mail: office@institutional-money.com

Redaktion Köln:
Hohenzollernring 52
50672 Köln
Telefon: +49 221 33 77 81-0
Telefax: +49 221 33 77 81-19
 Schließen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren