Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
1/2021 | Steuer & Recht
twitterlinkedInXING

Spezielles Vehikel

Der deutsche Fondsverband BVI schlägt einen neuen Fondstyp vor: Der European Impact Fund (EIF) soll ein nachhaltig investierender Mischfonds mit offener Struktur sein, der schwerpunktmäßig in­ ­„wirkungsorientierte Bonds“ investieren soll.

1616755446_eifs.jpg

Dem BVI schwebt ein spezielles Vehikel vor, das gleich mehrere aktuelle Probleme in Angriff nehmen könnte – vom Impact Investment über die KMU-Förderung bis zur Entlastung des EU-Haushalts. Der bisher nur als Konzept vorliegende European Impact Fund wäre nach Einschätzung des Fondsverbandes als spezielle Spielart des OGAW relativ einfach umsetzbar.

© BVI, Grispb | stock.adobe.com

Die Idee geht zurück auf ein Treffen, bei dem es eigentlich um das ELTIF-Vehikel ging. Damals wurde gerade heftig über die Corona-Folgemaßnahmen diskutiert. Dabei fiel uns auf, dass es in diesem Zusammenhang viele Projekte im EU-Haushalt gibt, die wir als Fondsbranche gut zwischenfinanzieren könnten, für die es aber keine passenden Vehikel gibt“, erinnert sich Markus Michel. Er ist Abteilungsdirektor Statistik und Research beim deutschen Fondsverband BVI und einer der Väter der Idee zur Schaffung von European Impact Funds.

Streng genommen wäre ein EIF kein wirklich neues Vehikel, sondern eine spezieller OGAW-Typ. Man stellt sich einen offenen Fonds für liquide Assets vor – also überwiegend Aktien und Anleihen. Was diese Fondsgattung zum EIF machen würde, wäre die Vorgabe, dass mindestens 50 Prozent in sogenannte „European Impact Bonds“ investiert werden müssten. Eine weitere Besonderheit wäre der Ausschluss des ­Finanzsektors. „Zehn Prozent des Kapitals können auch in Private Equity oder andere illiquide Papiere investiert werden, genau wie bei ­anderen OGAW“, erläutert Michel.

European Impact Bonds

Diesen zentralen Baustein hat Michel für seinen neuen OGAW-Fonds gleich miterfunden, denn „European Impact Bonds“ (EIB) sind spezielle Anleihen, die es bislang noch nicht gibt. Das Konzept ist an die Idee der Green Bonds ­angelehnt. EIBs sollen dementsprechend wirkungsorientierte Bonds sein, die die EU im Rahmen ihrer Regionalpolitik zur Finanzierung grüner, sozialer oder ander­weitig politisch motivierter EU-Projekte begibt. „Im Grunde handelt es sich um ­einen zweistufigen Prozess“, erklärt Michel den European Impact Fund. „Zunächst werden Projekte der Regional- und Struktur­förderung von der EU als European Impact Bonds (EIB) verbrieft, und diese Bonds werden dann von European Impact Funds gekauft. Der EIF ist stark an den europäischen Rechtsrahmen für offene Publikumsfonds (OGAW) angelehnt.“ Auf diese ­Weise ließe sich die Finanzierung von euro­päischen Impact-Projekten durch privates Geld bewerkstelligen.

Bei der Vorstellung seines Modells argumentiert der BVI politisch: Mit dem neuen Fondstypus könne man gleichzeitig mehrere wirtschaftspolitische Ziele in Angriff nehmen: Zum einen ließen sich damit die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abfedern, und zum anderen könnten damit auch die EU-Klimaziele in Angriff genommen werden. Darüber hinaus soll der EIF einen wirtschaftsfördernden Effekt haben, denn er dürfte ausschließlich in Aktien und Anleihen von Unternehmen investieren, die in Staaten der Europäischen Union beheimatet sind. Dabei schlägt man vor, dass mindestens 20 Prozent des Kapitals in Wertpapiere kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) fließen, denn die Förderung von KMU zählt zu den erklärten Vorhaben der Europäischen Kapitalmarktunion. Mithilfe des EIF könnte also auch dieses Thema anvisiert werden.

Es scheint, als habe man eine ­Prise von allem dazugegeben, was derzeit en vogue ist: ein bisschen Impact Investing, ein bisschen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und ein bisschen europäische Wirtschafts- und Arbeitsmarktförderung. Die Berücksichtigung der wichtigen Zeitgeistströmungen muss dem Konzept des EIF aber nicht abträglich sein. Dass privates Kapital bei der Lösung der beschriebenen Probleme dringend benötigt wird, steht fest. Der EU-Kommission dürfte das EIF-Konzept gefallen, da mit seiner Hilfe der EU-Haushalt, auf den derzeit mit den Corona-Folgemaßnahmen und dem Umbau der Wirtschaft hin zu nachhaltigen Konzepten einiges zukommt, entlastet werden könnte. „Bislang werden diese Projekte allein aus dem EU-Haushalt finanziert“, ­argumentiert der BVI. „Außerdem könnten EIFs mittleren und kleinen Unternehmen in der EU dringend benötigtes Kapital zur ­Verfügung stellen, zumal die Kapitalmarktunion noch auf sich warten lässt.“

Nutzen für Investoren

Da das primäre Ziel von privaten und institutionellen Investoren nicht darin besteht, wirtschaftspolitische Ziele zu finanzieren, kann das Konzept nur aufgehen, wenn auch diese Gruppe ihren Nutzen darin findet. ­Michel sieht für die Anleger aber durchaus Anreize: „Der EIF wäre ein offizielles Impact-Label, auf das sich Investoren verlassen können.“ Er verweist auf die Offenlegungsverordnung, die am 10. März in Kraft getreten ist und nach der nachhaltige Anlageprodukte klassifiziert werden. „Mit einem EIF hätten Sie automatisch einen Artikel-9-Fonds nach der Offenlegungsverordnung“, meint Michel. Für Privatanleger sieht er ­einen weiteren Vorteil: „Sie können die ­dahinter liegenden Projekte, die durch die EIBs finanziert werden, sehen und sich ­darunter etwas Konkretes vorstellen.“ Je nachdem, welche EU-Projekte es gibt, könnten das beispielsweise ein Fonds für Corona-Folgekosten in Osteuropa sein oder ein Fonds, der den Ausbau des Wasserstofftankstellennetzes in Deutschland fördert.

Es fällt auf, dass die Abkürzung des ­neuen „European Impact Fund“ (EIF) der des European Investment Fund entspricht. Dieser Fördertopf der Europäischen Union mit Sitz in Luxemburg wurde 1994 gegründet und ist auf Risikokapitalfinanzierungen und Garantien zugunsten von kleinen und mittleren Unternehmen spezialisiert. Die Gleichheit der Drei-Buchstaben-Abkürzung sei jedoch nicht gewollt, sagt Michel, der in der Realisierung seines Konzepts keine ­besonderen Hürden sieht. Er meint: „Die Umsetzung des EIF ist vergleichsweise ­einfach, weil es sich nicht um ein eigenes Vehikel handelt, sondern lediglich um einen speziellen OGAW-Typ.“

Diskussion angestoßen

Für den „kommerziellen“ Erfolg eines speziellen Impact-OGAW dürften vor allem die Rahmenbedingungen ausschlaggebend sein, was Regulierung und steuerliche Behandlung betrifft. Diesbezüglich sieht das BVI-Konzept bislang keine Sonderbehandlung vor. Steuerliche Dinge ließen sich nur auf einzelstaatlicher Ebene regeln, und regulatorische Erleichterungen für Institutionelle, etwa bezüglich der Eigenmittelunterlegung, seien wohl noch Gegenstand weiterer Diskussionen. Er will das Gedankenmodell weiter verfolgen, an dem sich sowohl die EU-Kommission als auch deutsche Bundesministerien interessiert zeigen. „Wir diskutieren den EIF weiter mit verschiedenen Ansprechpartnern in Brüssel und freuen uns, wenn wir damit einen Diskussions­anstoß geben können“, meint ­Michel.

Anke Dembowski


Anhang:

twitterlinkedInXING
 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren