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1/2022 | Produkte & Strategien
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Soziale Unternehmen

Die US-amerikanische Fondsgesellschaft Humankind Investments ist als erstes Investmenthaus als Benefit Corporation anerkannt.

Die US-Fondsgesellschaft „Humankind Investments“ war der erste Asset Manager, der von der SEC als „Benefit Corporation“ anerkannt wurde. Diese 2010 in den USA eingeführte Unternehmensform ist am ehesten mit der deutschen gemeinnützigen GmbH (gGmbH) vergleichbar. Sie soll die Profitinteressen der Aktionäre und das Wohlbefinden der Menschen, die direkt oder indirekt durch das Unternehmen beeinflusst werden, in Balance bringen. Anders als die gGmbH darf eine Benefit Corporation allerdings Gewinne an ihre Gesellschafter ausschütten. Steuerlich ist sie anderen US-Unternehmen gleichgestellt. Höhere Anforderungen als „normale“ ­Unternehmen muss die Benefit Corporation ­jedoch bei der Transparenz ­ihrer Geschäftszahlen erfüllen, und ihre Gemeinnützigkeit muss sie regelmäßig überprüfen lassen. Beispiele für Benefit Corporations sind Ben & Jerry’s, King Arthur Flour, Numi Orga­nic Tea, Patagonia, Public News Service  und nun eben auch der ETF-Anbieter ­Humankind Investments.
 
US Stock ETF
Humankind Investments ist ein Quant- Manager, der 2019 von James Katz, zuvor Analyst bei Vanguard, gegründet wurde. Zu seinem Unternehmen erklärt Katz: „Der größte Vorteil, eine Benefit Corporation zu sein, ist, dass das Gespräch nicht immer wieder darauf hinausläuft: ‚Ok, aber wie wird das mehr Geld für unsere Investoren bringen?‘, wenn wir als Unternehmen Entscheidungen treffen. Wir haben die Freiheit, das Richtige zu tun, auch wenn es nicht mit Gewinnmaximierung zusammenhängt.“ Zu den zusätzlichen Verantwortlichkeiten als Benefit Corporation meint er: „Wir sind gesetzlich verpflichtet, einen jährlichen Benefit-Report zu erstellen, in dem wir berichten, wie gut wir bei der Schaffung eines gesellschaftlichen Nutzens waren. Das ist zwar eine zusätzliche Aufgabe, aber ich mag sie, weil sie uns die Gelegenheit gibt, darüber nachzudenken, was wir im letzten Jahr ­getan haben, und dann Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren.“
 
Mit dem US Stock ETF legte das Haus im Februar 2021 seinen ersten Fonds auf (Expense Ratio 0,11). Er investiert breit in US-Aktien mit Fokus auf Unternehmen, die „am stärksten zur Werterhöhung für die Menschheit beitragen“. Als Index dient der proprietäre Humankind US Equity Index, Benchmark ist der S&P 1500 Composite.
 
Der Humankind US Equity Index „bildet die 1.000 führenden US-Unternehmen ab, die ein gesünderes, sichereres, gerechteres und längeres Leben fördern. Das Ranking des Index basiert auf der quantitativen Analyse positiver und negativer Beiträge jedes Unternehmens zur Gesellschaft, gemessen an den Auswirkungen auf Investoren, Verbraucher, Mitarbeiter und Bürger.“ Diese Beiträge zur Gesellschaft definiert die Gesellschaft als „Humankind Value“. Die Titelgewichtung erfolgt nach dem Humankind Value, angepasst um vorgeschriebene Liquiditäts- und Diversifikationsanforderungen.
 
Das Besondere sei, dass der Humankind Value durch einen einzigen Dollar-Wert den „wahren sozialen und wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens für die Menschheit“ darstelle, schreibt Humankind Investments. Im Ergebnis liegt der Total Return des US Stock ETF seit seiner Auflage im Februar 2021 bei 15,58 Prozent, während die Benchmark (S&P 1500 Composite) im selben Zeitraum bei 14,61 Prozent landete.
 
Genossenschaftlicher Gedanke
Und in Europa? ESG-Fonds gibt es derzeit viele, aber Asset-Management-Häuser, die selbst als Sozialunternehmen geführt werden, nicht.
 
Am nächsten dürfte diesem Gedanken Union Investment kommen. Sie sind Teil der genossenschaftlichen Finanzgruppe und betonen gern das „Wir-Prinzip“. „Viele unserer Kunden sind zugleich Mitglieder von Genossenschaftsbanken und damit unsere Eigentümer“, teilt ein Unternehmenssprecher mit. Ganz dasselbe wie eine Benefit Corporation ist das aber nicht, denn hinter der genossenschaftlichen Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen steht eher der Hilfe-zur-Selbsthilfe-Gedanke als das gesellschaftliche Allgemeinwohl.
 
Auch die US-Gesellschaft Vanguard läuft nach dem genossenschaftlichen Prinzip. „John C. Bogle gründete Vanguard als ­genossenschaftlichen Vermögensverwalter. Vanguard ist daher nicht börsennotiert und hat keine externen Shareholder“, erklärt ­Sebastian Külps, Leiter B2B Business Development für Vanguard Deutschland und Österreich. „Wir gehören keinen Investoren oder Eigentümerfamilien. Die Vanguard Group ist im Besitz der in den USA ansässigen Fonds und ETFs von Vanguard. Diese Fonds wiederum sind im Besitz ihrer Anleger. Diese einzigartige Struktur ist bis heute ein großer Bestandteil unserer Firmen-DNA, die die Interessen unserer Anleger in den Vordergrund stellt.“
 
Angesichts des herrschenden Nachhaltigkeitstrends wird es interessant zu beobachten sein, ob es bald auch in Europa Asset Manager geben wird, die als Sozialunternehmen ­arbeiten.
 
Anke Dembowski 
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