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Zugang zum globalen Markt für kurzlaufende Hochzinsanleihen, bei niedriger Sensivität für Leitzinsänderungen. Konzentration auf das kurze Ende des Marktes: die Anleihen im Fonds haben aktuell eine durchschnittliche Fälligkeit von 1,3 Jahren (per 30. Sep 2017). 

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2/2017 | Theorie & Praxis
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Schlicht und einfach

Komplexität ist nicht renditeförderlich. Absolutes Momentum im Multi-Assetklassen-Kontext, gepaart mit Risk Parity, als universaler Trendfolge-Overlay liefert exzellente Ergebnisse.

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Einfaches absolutes Momentum kann eine kosteneffektivere Alternative zu Managed Futures darstellen. Auch dient absolutes Momentum als attraktive Alternative zu teurem Tail-Risk-Hedging. Auch der Bedarf, aggressiv zu diversifizieren, womit man sich Assets mit geringeren erwarteten Renditen einkauft, kann durch den Momentum-Overlay-Einsatz eingeschränkt werden.

Der Momentum-Effekt ist eines der stärksten und am weites­ten verbreiteten Phänomene der Finanzindustrie. Alles hatte mit Jegadeesh und Titman 1993 begonnen, die in „Returns to Buying Winners and Selling Losers: Implications for Stock Market Efficiency“ den Grundstein legten. Seither haben viele Kapitalmarktforscher die Erkenntnisse für einzelne und auch mehrere verschiedene Assetklassen verifizieren können. Zu nennen sind hier im Speziellen Cliff Asness, Tobias Moskowitz und Lasse Pedersen, die 2012 im „Journal of Finance“ „Value and Momentum Everywhere“ publizierten. Das Relative-Stärke-Momentum hält Out-of-sample-Betrachtungen genauso stand wie Analysen, die bis ins Jahr 1801 zurückreichen.


Zusätzlich zum Relative-Stärke-Momentum, bei dem die Performance eines Assets im Vergleich zu seinen Peers dessen künftige relative Performance prognostiziert, funktioniert das absolute Momentum eines einzigen Assets über die Zeit. Hier dient die eigene historische Rendite als Prognosewerkzeug für die künftige Wertentwicklung. Harvard-Absolvent Gary Antonacci, Principal von Portfolio Management Consultants in Vancouver, untersucht in seiner Arbeit das Momentum anhand der Excess Returns, also der Überschussrenditen, gegenüber einer risikolosen Anlage in Dreimonats-T-Bills, bezogen auf eine bestimmte Look-Back-Periode. Beim absoluten Momentum gibt es eine signifikante positive Auto-Kovarianz zwischen der Rendite eines Assets im kommenden Monat und der Überschussrendite des vergangenen Jahres. Absolutes Momentum ist daher klassische Trendfolge. Trendfolgemethoden im Allgemeinen haben aber nur langsam Akzeptanz in der akademischen Literatur gefunden, denn der Trendfolgeansatz widerspricht der Random-Walk-Theorie, die davon ausgeht, dass Kursbewegungen zufällig und nicht vorhersagbar sind.


Absolutes Momentum erscheint genauso robust und universell gültig zu sein wie das relative Momentum. Es performt gut in einem extremen Marktumfeld, über mehrere Assetklassen hinweg (Rohstoffe, Aktienindizes, Bondmärkte und Währungspaare) und rückgerechnet über ein Jahrhundert. Trotz einer Fülle von Research, das in den letzten 20 Jahren zu Momentum publiziert worden ist, sind die Wissenschaftler sich nicht sicher, warum Momentum offensichtlich funktioniert. Brown und Jenkins entwickelten im Jahr 1989 ein rationales gleichgewichtsbasiertes Modell, wobei sie historische Kurse mit technischer Analyse verbanden. 2014 haben Zhou und Zhu Gleichgewichtsrenditen aufgrund der Risk-Sharing-Funktion, die von auf Trendfolge basierenden Handelsregeln ausgeht, identifiziert.


Die allgemein herangezogene Erklärung für die Existenz von Momentum und Gewinnen aus Trendfolge hat mit Faktoren aus der Behavioral Finance zu tun, hier sind Anchoring, Herding und der Dispositions­effekt zu nennen. Anchoring bedeutet, dass Investoren nur langsam auf neue Informationen reagieren, was anfangs zu einer Unterreaktion führt. Bei Herding lösen Käufe weitere Käufe aus und führen zu einer Preisüberreaktion, die den Kurs über den fundamentalen Wert – nach der zuerst beobachteten Unterreaktion – hinausführt. Durch den Dispositionseffekt verkaufen Investoren die Gewinner zu früh und behalten die Verlierer zu lange. Das sorgt für Gegenwind bei der Verlängerung von Trends, bevor ein Asset seinen wahren Wert erreicht.


Auch Risikomanagementschemata, die in schwache Märkte hinein verkaufen und in steigenden Märkten zukaufen, also prozyklisch agieren, können dazu beitragen, dass Trends beständiger sind – genauso wie der Confirmation Bias, der Investoren dazu veranlasst, gegenwärtige Preisbewegungen als repräsentativ für künftige Preisentwicklungen zu betrachten. Da­raus entsteht dann eine Trendverlängerung, die Tversky und Kahneman schon 1974 beobachteten. Die aus der Verhaltensökonomie bekannten Muster sind tief verwurzelt, was ein Grund dafür sein kann, dass Gewinne aus Momen­tum-Strategien bis dato zu beobachten sind und auch in der Zukunft Bestand haben können.


Antonacci fokussiert sich in seiner Studie auf das absolute Momentum aufgrund von dessen Einfachheit und der Vorteile, die es für Long-only-Investoren bereithält. Außerdem lässt sich absolutes Momentum auf jedes Asset oder Portfolio verschiedener Assets anwenden, ohne dass man die Beiträge anderer Assets dadurch verliert. Beim Relative-Stärke-Momentum hingegen wird der Einfluss einiger Assets in Bezug auf das Portfolio eliminiert oder zumindest reduziert. Dadurch können die Vorteile einer Diversifikation über verschiedene Assetklassen verlorengehen und zu einem Opportunitätsverlust führen, wenn man hinterherhinkende Assets ausschließt, die vor dem Beginn einer Outperformance stehen.


Der zweite Vorteil des absoluten Momentums ist seine überlegene Eigenschaft, die Downside-Volatilität zu verringern, indem der Regimewechsel erkannt wird. Sowohl relatives als auch absolutes Momentum können Returns steigern, aber im Unterschied zum relativen Momentum ist das absolute Momentum in der Lage, bei Long-only-Investments wirksam das Downside-Exposure zu reduzieren. Dies hat Antonacci 2012 in einem Working Paper mit dem Titel „Risk Premia Harvesting Through Dual Momentum“ nachgewiesen.


Was die Datenbeschaffung anbelangt, so greift Antonacci auf Monatsdaten ab 1973 zurück, so diese schon für diese Zeit verfügbar sind. Für Aktien zieht er den MSCI US beziehungsweise den MSCI EAFE (Europe, Australia, Far East) Index heran. Für Fixed Income sind dies der Barclays Capital Long US Treasury, der Intermediate US Treasury, der US Credit, der US High Yield Corporate, der US Government & Credit sowie der US Aggregate Bond Index, die alle mit dem 1. 7. 1983 beginnen, während Daten für den Aggregate Bond Index bereits ab dem Januar 1976 zur Verfügung stehen. Für den Zeitraum vor 1976 wählt der Autor den Government & Credit Index als Substitut für den Aggregate Bond Index. Für Treasury Bills werden die Monatsrenditen der 90-tägigen US-T-Bills herangezogen. Bei den realen Assets sind dies der FTSE NAREIT US Real Estate Index, während für Rohstoffe der S&P GSCI Index sowie für Gold die Renditen basierend auf den Monatsschlussständen des Londoner Nachmittags-Fixings Verwendung finden.


Welches Momentum sticht?
Das absolute Momentum in dieser Studie ist dann positiv, wenn die Überschussrendite (Excess Return über dem risikolosen Zins in Form von Dreimonats-T-Bills) beim Vergleich mit der Look-Back-Periode (Formationsperiode) positiv ist. Doch wie viele Monate soll man zurückblicken, und ist der Look-Back-Zeitraum für verschiedene Assetklassen der gleiche? Praktiker wählen meist einen 12-Monats-Zeitraum für Aktien, und das hat durchaus seine Berechtigung, wie die Tabelle „Sharpe Ratio je Formationsperiode“ zeigt. Hier sind ab 1973 (für High Yields ab Juli 1983) die Sharpe Ratios für Look-Back-Perioden von zwei bis 18 Monaten abgetragen, wobei die Ergebnisse von Juli 1974 bis Dezember 2012 reichen. Tatsächlich gibt es eine Cluster-Bildung um den Bereich von 12 Monaten. Zur Kontrolle dieses Ergebnisses hat Antonacci die Daten in Teilmengen zerlegt und die höchste Sharpe ­Ratio für jede Assetklasse in jeder Dekade zwischen 1974 und 2012 gesucht. Die Grafik „Beste Look-Back-Perioden“ zeigt an, wie oft die Sharpe Ratio mit dem höchsten Wert (mit einer kleinen Toleranz von zwei Prozentpunkten) in das Look-Back-Spektrum zwischen zwei und 18 Monaten hineinfällt. Auch hier wird die Häufung bei 12 Monaten manifest. Auch viele wissenschaftliche Studien stellen daher auf den 12-Monats-Zeitraum zur Signalgenerierung für Momentum-Strategien ab, wobei die Halterperiode immer einen Monat beträgt, ehe die Rechnung wieder durchgeführt wird. Diese Vorgehensweise sollte helfen, die Transak­tionskosten zu minimieren und das Risiko des Data-Snooping zu verringern.


Momentum-Charakteristika
Wie die Tabelle „Resultate 1974 bis 2012“ zeigt, in der Assetklasse für Assetklasse die Ertrags- und Risikokennzahlen sowie die Anzahl der Gewinnmonate eines Buy-and-Hold-Ansatzes mit jenem einer Momentum-Strategie verglichen werden, ist die Sharpe Ratio in allen Fällen bei Anwendung eines Momentum-Ansatzes höher, ­wobei diese verbesserte Kennzahl hauptsächlich der Verringerung der Volatilität zuzuschreiben ist. Bei Rohstoffen und Gold aller­dings ist der Beitrag der höheren Rendite dank Momentum-Strategie der wesentlichere. Auch die Maximum Drawdowns (MDD) zeigen die Meriten der auf absolutem Momentum fußenden Strategie auf. Diese bilden sich besonders deutlich bei High Yields und REITS zurück, während die relative Verbesserung des MDD bei Rohstoffen am geringsten ausfällt. Ausnahmslos steigert sich durch einen Abso­lute-Momentum-Overlay die Anzahl der ­gewinnträchtigen Monate. Dies macht sich insbesondere bei Rohstoffen und Gold ­bemerkbar.
Betrachtet man die Korrelationen zwischen den einzelnen Assetklassen über den Untersuchungszeitraum von 1974 bis 2012 einmal mit dem absoluten 12-Monats-Momentum und einmal ohne, dann liegt die durchschnittliche Korrelation der acht Assetklassen bei der Betrachtung ohne Momentum bei 0,22 und im Falle des Vergleichs der Momentum-Strategien bei 0,21. „Somit finden sich keine Anhaltspunkte, dass der Einsatz des absoluten Momentums generell korrelationserhöhend wirkt“, hält Antonacci fest. Das hat wiederum positive


60/40-Portfolio
Dieser Analyseschritt ist nur natürlich, da ja wie eben gesehen das 12-Monats-Momentum die risikoadjustierte Performance auf Ebene der einzelnen Assetklassen verbessert. Es ist daher von hohem Interesse festzustellen, was die Auswirkungen des Einsatzes eines absoluten Momentums im Multi-Assetklassen-Fall sind. Das in den USA als einfachster Fall dafür herangezogene Musterportfolio ist jenes, das der institutionellen Asset Allocation am nächsten kommt und aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen besteht. Dieses fußt auf den Betrachtungen der Aktien- und Bondrenditen der Jahre 1926 bis 1965. Setzt man nun dieses Portfolio aus 60 Prozent MSCI USA und 40 Prozent US-Treasury-Indizes zusammen und startet wieder mit 1974, wobei man das eine Mal ohne Momentum, das andere Mal mit Momentum arbeitet, dann zeigt sich folgendes Resultat: Im Falle des klassischen 60/40-US-Portfolios errechnet sich bis Ende 2012 eine annualisierte Rendite von 10,86 Prozent, gepaart mit einer Jahresvolatilität von 10,77 Prozent, woraus sich unter Berücksichtigung des risikofreien Zinssatzes ­eine Sharpe Ratio von 0,47 ermitteln lässt. Damit einher gehen eine Korrelation zum S&P 500 Index von 0,92 und eine Korrelation zum zehnjährigen US-Treasury von 0,46. Nicht vergessen werden soll in diesem Zusammenhang auch der Maximum Drawdown von 29,32 Prozent, den kein institutionelles Portfolio heute aushält.


Anders verhält es sich beim 60/40-Portfolio unter Einschluss des absoluten Momentums. Die Jahresrendite liegt mit 11,52 Prozent um 66 Basispunkte pro Jahr höher und die Volatilität mit bloß 7,88 Prozent um ein gutes Viertel unter jener des traditionellen Mischport­folios mit zwei Assetklassen. Das spiegelt sich in einer superioren Sharpe Ratio von 0,72 wider, die mit einem MDD von 13,45 Prozent einhergeht. Dieser macht weniger als die Hälfte des maximalen Rückschlagspoten­zials des klassischen Ansatzes aus. Die Korrelationen zu US-Aktien und -Bonds liegen in diesem Fall nur bei 0,67 respektive 0,67 und damit ebenfalls deutlich niedriger. Das klassische 60/40-Portfolio kommt – aus der Risikoperspektive betrachtet – schon sehr nahe beim reinen US-Aktienportfolio zu liegen, da die Aktienmarktvolatilität den größten Teil der Volatilität des Mischportfolios erklärt.


Interessanterweise hat der MSCI US Index unter Hinzufügung des absoluten Momentums gegenüber dem S&P 500 eine Korrelation von 0,74, die damit niedriger ist als die Korrelation des traditionellen 60/40-Portfolios zum S&P 500 Index mit 0,92. Der MSCI US mit inkludiertem Momentum zeigt beim Maximum Drawdown ein besseres Ergebnis als das 60/40-Portfolio und liefert dazu noch mehr Ertrag im Untersuchungszeitraum. Das 60/40-Portfolio mit absolutem Momentum zeigt in etwa den gleichen Ertrag wie das eine MSCI-US Index-Portfolio, aber mit der Hälfte der Volatilität. Der MDD sinkt hier im Vergleichsfall um mehr als 70 Prozent. Die Grafik „Gut abge­federt“ zeigt im Vergleich den Ein-, Drei-, Sechs- und 12-Monats-Maximum-Drawdown eines Investments in den MSCI USA, verglichen mit dem 60/40-Portfolio mit und ohne absolutes Momentum.


Das traditionelle 60/40-Portfolio hat ­wenig für die Risikoreduzierung anzubieten, obwohl es in Bezug auf die Investitionssummen in Aktien und Renten einen aus­balancierten Eindruck macht. Über den Zeitraum von 1900 bis Ende 2012 liegt die Wahrscheinlichkeit, dass man mit 60/40 ­eine negative reale Rendite erzielt, bei 35 Prozent über ein Jahr, bei 20 Prozent über einen Fünfjahreszeitraum und noch immer bei zehn Prozent über ein Jahrzehnt. Das zeigen Daten, die über die Yale-Website von Robert Shiller abrufbar sind. Der reale ­Maximum Drawdown lag bei 66 Prozent. Fügt man einen einfachen 12-Monats-Absolute-Momentum-Overlay zum 60/40-Port­folio hinzu, erreicht man auch die Marktrenditen, aber mit einem wesentlich vernünftigeren Downside-Risiko.


Antonacci führt an, dass die Trendfolge- und Market-Timing-Funktion des absoluten Momentums in der historischen Betrachtung unter Umständen weniger wertvoll ­erscheint, als sie dies heute in einer Welt ist, in der die Märkte stärker miteinander verknüpft und Korrelationen der Assetklassen höher als früher ausfallen. Damals war ­Diversifikation besser in der Lage, das Downside-Exposure zu verringern.


Risk-Parity-Portfolio
Der übliche Weg, um den starken Aktien-Tilt des 60/40-Portfolios zu eliminieren, ist, breiter zu diversifizieren oder ­einen größeren Teil der Assets in Fixed Income zu investieren. Antonacci widmet sich in seiner Arbeit dem Thema des Risikoparitätsansatzes, durch den das Risiko gleichmäßig auf verschiedene Assetklassen verteilt wird und damit mehr Kapital den Assetklassen mit weniger Volatilität zugewiesen wird. Für ein Aktien-Anleihen-Portfolio ist damit zumindest eine 70-prozentige Rentenalloka­tion vonnöten, um das Risikogleichgewicht zwischen Aktien und Anleihen herzustellen. Ein gangbarer Weg ist es, bei Risk Parity die Assetklassen mit dem Kehrwert ihrer Volatilität zu gewichten, um damit das Risiko-Exposure über alle Assetklassen zu normalisieren. Doch es gilt, das beste Look-Back-Intervall zu finden, das als Basis der Volatilitätsberechnung dient, und auch die Frequenz für die Messung der Volatilität muss entschieden werden. Damit kommt auch der Bias des Data-Snooping ins Spiel. Schließlich sind Korrelationen und Volatilitäten nicht stabil und nicht stationär. Daraus resultieren ein zusätzliches Schätzrisiko und eine potenzielle Instabilität des Portfolios.


Antonacci geht einen einfacheren Weg, der zu einem Portfolioaufbau gelangt, der traditionellem Risk Parity ähnelt. Ausgehend vom MSCI USA und den Treasury-Bond-Indizes, die im 60/40-Portfolio Verwendung finden, werden REITs, Credit Bonds und Gold hinzugenommen. Dann werden alle Assetklassen gleich gewichtet. Credit Bonds treten hinzu, weil sie die Fixed-Income-Tangente auffüllen und diversifizieren, indem sie eine Risikoprämie für das Kreditrisiko ins Spiel bringen und weniger Duration als Trea­suries aufweisen. REITs wiederum geben Exposure zu realen Vermögenswerten und ein wenig zusätzliches Risikoexposure zu Aktien. Gold hat die höchste ­Volatilität und im Paritätsport­folio von Antonacci nur einen Anteil von 20 Prozent, während die Fixed-Income-Tangente doppelt vertreten ist und damit auf 40 Prozent Gewicht kommt. Das Aktien-Exposure liegt irgendwo zwischen Gold und Anleihen.


Somit hat Antonacci, ohne zusätzliche Schätzrisiken einzugehen, eine Balance zwischen dem Risk Exposure von Fixed Income, Aktien und Real Assets auf nicht-parametrische Weise gefunden. Wenn zu diesem „Paritätsport­folio“ absolutes Momentum hinzukommt, verändern sich die Ri­si­­koeigenschaften über alle Assetklassen beträchtlich. Die Tabelle „Monatliche Korrelationen 1974–2012“ zeigt die Korrelationen des S&P 500, des zehnjährigen US-Treasuries und des GSCI Rohstoffindex zum traditionellen 60/40-Portfolio und zum Paritätsportfolio, beide mal mit und ohne Momentum-Overlay. Dabei zeigt das Paritätsportfolio mit dem 12-Monats-Momentum eine bescheidene und fast gleiche Korrelation zu Aktien und Anleihen. Damit ist de facto Risk Parity erreicht, wobei Fixed Income auf 40 Prozent des Portfolios limitiert wird. In diesem aus­balancierten Portfolio sollten in einem Umfeld mit niedrigem Wachstum und niedriger Inflation Bonds das Portfolio outperformen und stabil halten, während Aktien und REITs besser performen sollten, wenn sich ein Szenario mit hoher Inflation und hohem Wachstum ­manifestiert.


Die Tabelle „Paritätsportfolio versus 60/40-Portfolio“ zeigt einen Performancevergleich zwischen dem 60/40- und dem Paritätsportfolio, beides mit und ohne 12-Monats-Momentum-Overlay – sowohl über den ganzen Analysezeitraum als auch über jede der vier Dekaden. In Bezug auf die Sharpe Ratio ist dabei das Paritätsportfolio mit dem Momentum-Overlay in allen Zeiträumen Spitzenreiter. Diese Überlegenheit wird auch sichtbar, wenn man rollierende 12-Monats-Portfoliorenditen von 1975 bis 2012 bildet und die Ertragsquartile der vier Portfolios vergleicht. Die Streuung der Returns beim Paritätsportfolio mit Momentum-Overlay ist dabei am geringsten.


Zu einer starken Verbesserung des Maximum Drawdown kommt es in Phasen deutlicher Baissen am US-Aktienmarkt, wenn man statt eines reinen Aktienengagements ein Paritätsportfolio mit Absolute-Momentum-Overlay gefahren wäre. Während der US-Aktienmarkt von März bis September 1974, September 1987 bis November 1987, September 2000 bis September 2001 und April 2002 bis September 2002 jeweils zirka ein Drittel und zwischen November 2007 bis Februar 2009 gut 50 Prozent verlor, hätte man in den gleichen Zeiträumen mit einem Paritätsportfolio inklusive Momentum-Overlay 1974 plus 2,2 Prozent, 1987 minus 1,7 Prozent, 2000/01 plus 5,4 Prozent, 2002 plus 7,3 Prozent und bei der Aktienmarktkurshalbierung 2008/09 minus 0,4 Prozent Performance erzielt.


Deutlich sichtbar wird die Verkürzung der Verluste in einem Renditediagramm, auf dessen
x-Achse die Quartalsrenditen des S&P 500 Index und auf dessen
y-Achse Quartalsrenditen des Paritätsportfolios über fast 40 Jahre abgetragen sind (siehe Grafik „Verlustbeschneidung“). Die Regressionskurve legt nahe, dass ein negativer US-Aktien-Quar­tals­ertrag im Durchschnitt noch immer mit einem leicht positiven Quartalsertrag des Paritätsportfolios einhergeht. Da Finanzmärkte ­eine nicht stationäre Varianz sowie autokorrelierte Renditen und damit voneinander abhängige Renditeverteilungen aufweisen kön­nen, analysiert Antonacci unter anderem mithilfe des Modells der stochastischen Dominanz zweiter Ordnung die kumulative Verteilungsfunktion der Monatsrenditen des Paritätsportfolios einmal mit und das andere Mal ohne Momentum-Overlay. Dabei zeigt das Paritätsportfolio mit Momentum eine geringere Verlustwahrscheinlichkeit und ­eine größere Gewinnwahrscheinlichkeit als das Paritätsportfolio ohne Absolute-Momentum-Overlay. Da der Durchschnittswert der Monatsrenditen beim Paritätsportfolio mit Momentum-Overlay ebenfalls höher liegt, würde ein risikoaverser Investor jedenfalls dem ersten den Vorzug geben, da die Returnverteilung des Paritätsportfolios mit Overlay eine stochastische Dominanz zweiter Ordnung aufweist.


Leverage
Risikoparitätsansätze haben sehr oft so viel Fixed Income in ihren Portfolios, dass die Risk Parity Manager gehebelt arbeiten müssen, um eine akzeptable Zielrendite erreichen zu können. Da das absolute Momentum die Volatilität des Paritätsportfolios, das Antonacci als Proxy für Risk Parity untersucht, verringert und dabei die Ertragshöhe des Aktienmarktes in etwa beibehält, ist die Anforderung in Bezug auf Leverage in diesem Fall geringer. Wegen des gezeigten geringeren Drawdowns eines Paritätsportfolios mit Momentum-Overlay ist der Wunsch verständlich, Leverage als Rendite-Turbo einzusetzen, um die erwartete Rendite zu steigern. Die Tabelle „Pro-forma-Resultate mit Leverage“ zeigt die Ergebnisse, wenn man über besagte fast 40 Jahre das Paritätsport­folio mit Momentum-Overlay auf das Volatilitätsniveau des klassischen 60/40-Portfolios hebelt. Unterstellt werden dabei Leverage-Kosten in Höhe der Federal Funds Rate zuzüglich 25 Basispunkten und ein Hebel von 1,85x. In einem mit Hebel arbeitenden Portfolio sind viele Dinge wie Fat Tails, Liquiditätsfragen und Gegenparteienrisiken sowie das Risiko der steigenden Konvergenz in den Korrelationen zu beachten. Da die meisten Risikoparitätsansätze deutlich mehr als 50 Prozent ihrer Assets in Fixed Income inves­tiert haben, könnte das größte Problem ein rapider Zinsanstieg bei festverzinslichen Wertpapieren sein. Ein Anstieg auf sechs Prozent Rendite würde bei Langläufern ­einen Kursrückgang unter 50 Prozent auslösen. Ein Paritätsportfolio mit einem 12-Monats-Momentum-Overlay wäre anpassungsfähiger als ein normales Risk-Parity-Portfolio, da es sich wegen seiner Trendfolgenatur zur Gänze aus Fixed Income in Perioden steigender Zinsen zurückziehen kann. Absolutes Momentum ist eine wertvolle Ergänzung bei jedwedem Einsatz von Leverage.


Rentenbedarf verringerbar
Die vorliegende Arbeit zeigt, dass eine Trendbestimmung durch das absolute Momentum helfen kann, das Downside-Risiko in erträglichem Rahmen zu halten, gleichzeitig aber auch Vorteile aus der Persistenz der Regime zu ziehen und höhere risiko­adjustierte Renditen zu erzielen. Zusätzlich ist absolutes Momentum als regelbasiertes Instrument einfach zu implementieren, geht es doch nur darum festzustellen, ob die Erträge der Assetklassen relativ zu T-Bills im Jahresabstand gestiegen oder gefallen sind. Ein gelungenes taktisches Overlay-Konzept für ein Multi-Asset-Portfolio wird daher ­ohne Momentum-Indikator nicht auskommen. Ein Risk-Parity-Portfolio mit absolutem Momentum kann wegen seiner relativ geringen Korrelation zu Aktien und Anleihen sowohl als Core-Bestandteil als auch als alternatives Asset dienen.


Die Studie zeigt aber auch, dass absolutes Momentum, in Kombination mit Aktien eingesetzt, den Bedarf an Renten als Portfo­liodiversifikationsinstrument verringert oder sie gar ganz unnötig macht. Damit kann man auch den Einsatz von Leverage reduzieren oder gänzlich auf diesen verzichten, und die Selektion risikobehafteter Assets wie Hedgefonds oder Private Placements bleiben dem Inves­tor erspart. Damit wird der ­Ansatz dem Motto „Keep it ­simple“ gerecht.


Einfaches absolutes Momentum kann eine kosteneffektivere Alternative zu Managed Futures darstellen. Auch dient absolutes Momentum als attraktive Alternative zu teurem Tail-Risk-Hedging. Auch die Notwendigkeit, aggressiv zu diversifizieren, womit man sich Assets mit geringeren erwarteten Renditen einkauft, kann durch den Momentum-Overlay-Einsatz eingeschränkt werden. Wer sein Portfolio hebeln möchte, sollte ebenfalls auf das 12-Monats-Momentum nicht verzichten, hält es doch den Maximum Drawdown in Grenzen. Es bleibt allerdings rätselhaft, warum eine so einfache Strategie in der Praxis nicht öfter Verwendung findet. Sein Heil in komplexen Overlay-Konstruktionen zu suchen, kann angesichts der Datenlage nicht empfohlen werden.


Anhang:

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