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3/2020 | Produkte & Strategien
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Profiteure der Geldschwemme

PwC legt gemeinsam mit Elwood Asset Management einen Bericht über die unzweifelhaft im Aufschwung befindliche Krypto-Hedgefonds-Landschaft vor.

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Angesichts aufgeblähter Notenbankbilanzen und deutlich ausgeweiteter Staatsschulden sind immer mehr Anleger auf der Suche nach Ersatzwährungen, die mehr Geldwertstabilität ­erhoffen lassen. Neben Edelmetallen zählen auch Krypto-Hedgefonds zu den Profiteuren dieser Entwicklung.

© PwC, Nomad_Soul | stock.adobe.com
Noch ist es ein zartes Pflänzchen, doch in Zeiten, in denen Geld „gedruckt“ und ausgegeben wird, als gäbe es kein Morgen, steigt unweigerlich das Interesse an alternativen „Zahlungsmitteln“. Einzige Anforderung: Sie dürfen nicht beliebig vermehrbar sein. Neben Gold und anderen Edelmetallen, die zuletzt nicht zufällig eine fulminante Hausse erlebten, ist das Angebot an „harten Währungen“ allerdings klein. Und aus institutioneller Sicht sind Realwerte wie Kunst, Antiquitäten oder Oldtimer in aller Regel kein Thema, ­„digitale Währungen“ wie Bitcoin hingegen schon. Bitcoin sind nicht beliebig vermehrbar – 80 Prozent sind bereits geschürft – und dennoch einigermaßen liquide. Das Consultingunternehmen PwC schätzt, dass sich das verwaltete Vermögen von Krypto-Hedgefonds zwischen Ende 2018 und Ende 2019 von ­einer auf zwei Milliarden US-Dollar ver­größert hat. Der Report berücksichtigte dabei nur „echte“ Hedgefonds, Krypto-Index-Fonds wie passive Fonds und Indextracker sowie Krypto-Venture-Capital-Fonds, die aktienartige Investments tätigen, sind hier nicht enthalten.
 
Erkenntnisse
 
Die im ersten Quartal 2020 durchgeführte Untersuchung ergab, dass es etwa 150 aktive Krypto-Hedgefonds gibt, an­nähernd zwei Drittel davon – exakt 63 Prozent – wurden erst in den Jahren 2018 oder 2019 aufgelegt. Wenig verwunderlich stellte sich heraus, dass die Lancierung neuer Fonds mit der Preisentwicklung von Bitcoin hoch korreliert ist (siehe Grafik „Timing bei der Auflage von Krypto-Hedgefonds“). Dadurch unterscheiden sich Krypto-Hedgefonds also nicht von Fonds in traditionellen Assetklassen, bei denen ebenfalls nach einem Kursaufschwung regelmäßig die Fondsauflagezahlen steigen. 
 
Klassifikation
 
In dem Report werden Krypto-Hedgefonds in vier Hauptkategorien eingeteilt: diskretionäres Long-only, diskretionäres Long/Short (L/S), quantitative und Multi-Strategie-Fonds. Erstere richten sich an Investoren mit einem längeren Investmenthorizont, die tendenziell in Early-Stage-Token- und Coin-Projekte investieren und dazu auch Positionen in liquideren Kryptowährungen halten. Diese Fonds weisen naturgemäß die längsten Lock-ups für ihre Investoren auf. L/S-Fonds wiederum decken eine breite Palette an Strategien wie klassisches Long/Short, aber auch Relative Value, Event Driven, technische Analyse und auch kryptospezifische wie das Mining ab, also das Schürfen neuer Kryptowährungen. Oft fahren diese diskretionären Fonds auch ­Hybridstrategien, die Investments in Early-Stage-Projekte umfassen können. Quantitative Fonds können ihren Quant-Ansatz entweder in Richtung Direktionalität oder Marktneutralität aufsetzen. Das können Market-Making-Aktivitäten sein, die infolge der relativ hohen Geld-Brief-Spannen bei Bitcoin und Co. lukrativ sind, oder Arbi­trage und das sogenannte Low Latency Trading sein. Darunter versteht man eine Form des algorithmischen Wertpapierhandels, bei der die Ausführungsgeschwindigkeit der Computertechnologie entscheidend für den Handelserfolg ist. Überhaupt ist Liquidität ein Schlüssel für den Erfolg solcher Quant-Strategien und ein Grund dafür, dass diese Fonds nicht nur ­liquidere Kryptowährungen traden. Multi-Strategie-Fonds sind eine Kombination der genannten Strategien, die meist über Sub-Accounts abge­wickelt werden. Dominierend ist die Zahl der quantitativen Krypto-Hedgefonds, die die Hälfte (47 Prozent) aller Fonds ausmachen. Während die drei anderen Gruppen bei 19 Prozent (diskretionäres Long-only) beziehungsweise 17 Prozent (diskretionäres L/S und Multi-Strategie) liegen. 
 
Wer sind die Investoren?
 
Für diesen PwC-Bericht wurden die Krypto-Hedgefonds erstmalig um eine Selbsteinschätzung ihrer Investorenschaft gebeten. Bei den Nennungen fällt auf, dass Family Offices mit 48 Prozent aller Kunden und Superreiche (HNWI, High Net Worth Individuals) mit 42 Prozent die größten Investorengruppen darstellen. Eine Handvoll Fonds hatte bereits Stiftungs- und Universitätsgelder unter Verwaltung, jedoch keine Pensionsfondsgelder. Überraschend für die Autoren des Reports ist, dass der Anteil von Venture-Capital-Fonds oder Dachfonds sehr klein ist. Was die Zahl der Investoren in den einzelnen Krypto-Hedgefonds und die Ticketgröße der ­Investments anbelangt, so liegt deren Durchschnitt bei 58,5 Investoren beziehungsweise 3,1 Millionen US-Dollar Ordergröße. Betrachtet man jedoch die davon stark nach unten abweichenden Medianwerte (27,5 Investoren und eine Ticket Size von bloß 0,3 Millionen US-Dollar), so fällt auf, dass wenige große Orders den Wert des Durchschnittstickets nach oben schieben. Genauso muss es einige Fonds mit weniger Investoren geben. Analysiert man die Assets under Management je Fonds, so liegt Ende 2018 und Ende 2019 der Medianwert etwa bei einem Fünftel der durchschnittlich verwalteten Assets, was nichts anderes bedeutet, als dass die Vermögenskonzentration bei wenigen Krypto-Hedgefonds beachtlich sein muss. Die Grafik „Verteilung der Assets under Management“ illustriert diese zunehmende Vermögenskonzentration bei großen Fonds. Eine solche kommt wenig überraschend, weil größere Fonds tendenziell nicht nur neue Investoren anziehen, sondern auch größere Tickets erhalten, da viele Investoren aufgrund ihrer Anlagerichtlinien und der Konzentrations­risiken nicht mehr als zehn Prozent der ­Assets eines Fondsvermögens auf sich vereinigen dürfen. 
 
Fondsperformance
 
Die Performance 2019 fällt je nach Strategie durchaus unterschiedlich aus. Dabei zeigt sich, dass der Medianwert der Performance der Multi-Strategie-Fonds mit 15 Prozent deutlich geringer ausfällt als jener von quantitativen Strategien (30 Prozent), diskretionären L/S-Fonds (33 Prozent) und diskretionären Long-only-Fonds (40 Prozent). Die Autoren selbst weisen in der Analyse auf einen hohen Survivorship Bias hin, denn im Median verloren die Krypto-Hedgefonds 2018 46 Prozent, und der Median-Performancewert 2019 für jene Fonds, die 2018 und 2019 im Bericht zu finden sind, liegt bei 74 Prozent. Daraus lässt sich schließen, dass die 2018 signifikant underperformenden Fonds mittlerweile abge­wickelt wurden. Kleine Fonds mit schlechter Performance sitzen nämlich in der ­Gebührenfalle: Zum einen ist die von den Assets under Management abhängige Basisvergütung nicht kostendeckend, zum anderen werden auch keine Performance Fees generiert, die das Überleben sichern könnten. Um den Survivorship Bias abzumildern, sind bei der Grafik „Median-Performance-Vergleich 2018/2019“ nur die Strategien und nicht einzelne Fonds einander gegenübergestellt. Wenig verwunderlich zeigte Bitcoin mit einem Plus von 92 Prozent 2019 eine stärkere Performance als alle Strategien. Während diese Strategien in der Lage waren, die negativen Effekte des Krypto-Bärenmarktes 2018 abzufedern, ­gelang es ihnen nicht, den Bitcoin-Aufwärtstrend 2019 voll abzubilden. Somit sind diese Fonds als volatilitätsdämpfende Vehikel und nicht als performancesteigernde ­Katalysatoren im Krypto-Bereich zu betrachten. 
 
Hedgefondsgebühren
 
Die Median-Managementgebühren veränderten sich von 2018 auf 2019 nicht und liegen konstant bei zwei Prozent pro Jahr, verbunden mit einer zweiprozentigen Performancegebühr. Die durchschnittliche ­Managementgebühr stieg im Jahresabstand allerdings von 1,7 auf 2,3 Prozent, während die durchschnittliche Performancegebühr von 23,5 auf 21,1 Prozent sank. Die Autoren glauben, dass die meisten Manager ihre Managementgebühren erhöht haben, um ­ihre laufenden Kosten zu decken, die sich in den letzten Jahren materiell erhöht haben.
 
Da Krypto-Hedgefonds versuchen, mehr institutionelle Investoren und andere Marktteilnehmer wie Drittverwahrer für sich zu interessieren, sind sie stärker reguliert. Die daraus resultierende Kostenbelastung hat ebenfalls zugenommen. PwC erwartet, dass die Gebühren in den nächsten Jahren gra­duell rückläufig sein werden. Mit der zunehmenden Reife dieser jungen Branche werde es mehr Wettbewerb geben, noch ­dazu, wenn schließlich Institutionelle wie große Pensionsfonds vor der Tür stehen. Nachdem der Median-Krypto-Hedgefonds nur 8,2 Millionen US-Dollar schwer ist, macht die jährliche Fixgebühr gerade einmal 164.000 US-Dollar aus. Dies reicht nicht aus, da der Median-Fonds sechs Angestellte zu bezahlen hat. Einige Fonds haben daher begonnen, ihre Einnahmen zwecks Kostendeckung zu vergrößern, etwa indem sie mit Market Making beginnen oder als Early-Stage-Fonds im Beratungsgeschäft als Advisor für neue Projekte im Krypto-Bereich agieren. Andere Marktteilnehmer wiederum versuchen, zusätzliches Kapital dadurch aufzubringen, dass sie neue Anteilseigner (General Partners) dazunehmen. Wieder andere bleiben fokussiert auf ihre Strategie und hoffen, mithilfe von Performance Fees ihre Kosten zu decken. Während man letzteren Ansatz als positiv ansehen kann, besteht die Gefahr, dass manche Krypto-Fonds-Manager zusätzliche ­Risiken in Kauf nehmen, speziell vor Jahresende, um die Performance noch über die High Water Mark zu heben. Im Report wird angesichts dieser Malaise davon ausgegangen, dass angesichts der niedrigen Assets under Management viele Fonds schließen werden müssen, so sie nicht in der Lage sind, exzeptionell hohe Renditen zu generieren.
 
Kryptowährungen
 
Als Spezialfrage dieses Reports wollten die Ersteller wissen, wie die befragten Krypto-Hedgefonds Bitcoin und Co. für andere als reine Investmentzwecke einsetzen würden. Genannt wurden hier Staking (Glossar siehe Kasten), Lending und Borrowing. Letzteres sind die beiden Seiten des Leihgeschäfts. Damit werden Zusatzerträge erwirtschaftet. Staking trägt zur Stabilität und ­Robustheit des Netzwerks bei. Dies ist ein wichtiger Unterschied zwischen traditionellen Kapital- und Kryptomärkten. Die Vergabe eines Darlehens und das Monitoring ­eines Darlehens von Krypto-Assets erfordern spezielle Technologien und Fähigkeiten. Verschiedene Manager können zur Auto­risierung des Transfers erforderlich sein. Auch hier müssen die Informationstechniker sehr spezifische Tools designen, um alle einzelnen Schritte des Darlehensprozesses zu überwachen und Interfaces zwischen der eigenen Software des Fonds und Kryptobörsen oder anderen Marktteilnehmern herzustellen. 42 Prozent der befragten Krypto-Hedgefonds betreiben jedenfalls Staking, 38 Prozent Lending und 27 Prozent Borrowing (Mehrfachnennungen möglich). 
 
Was die täglichen Trading-Aktivitäten der Krypto-Hedgefonds betrifft, so berichten 49 Prozent der Fonds, dass sich mindestens die Hälfte ihres Handelsvolumens auf Bitcoin (BTC) bezieht, während nur fünf Prozent der Fonds reine Bitcoin-Trader sind. Abgefragt wurden auch die am meisten gehandelten alternativen Coins zu Bitcoin, wobei Stablecoins ausgenommen waren. Dabei stellte sich heraus, dass Ethereum (ETH) von 67 Prozent der Krypto-Hedgefonds, ­gefolgt von Ripple (XRP; 38 Prozent), ­Litecoin (LTC; 38 Prozent), Bitcoin Cash (BCH; 31 Prozent) und EOS (25 Prozent) gehandelt wurde (siehe Grafik „Beliebteste Kryptowährungen im Handel“). Interessanterweise wurde Litecoin trotz seiner relativ geringen Marktkapitalisierung oft genannt. Dies gilt in geringerem Ausmaß auch für ZCash (ZEC) und Ethe­reum Classic (ETC). 
 
Derivate und Leverage
 
Im letzten Jahr gab es eine Weiterentwicklung im Krypto-Lending-Markt. So haben viele zentralisierte und dezentralisierte Kryptobörsen ihren Kunden Lending und Margin Trading angeboten. Dadurch wird es Krypto-Hedgefonds ermöglicht, leichter Short-Positionen einzugehen, da der Derivatemarkt breiter und liquider wird. Einschlägige Hedgefonds können nun komplexere Investmentstrategien wie marktneutrale Anlagen verfolgen. Das bedeutet aber auch, dass die Korrelation zwischen den Investmentstrategien von traditionellen Hedgefonds und Krypto-Hedgefonds höher wird. Fast die Hälfte der Krypto-Hedgefonds – 48 Prozent – hat 2019 bereits Kryptowährungen geshortet, und 56 Prozent setzten Derivate aktiv ein. Was Futures anbelangt, so setzt zirka ein Drittel entweder mit Cash Settlement oder physischem Settlement ein, 31 Prozent traden Optionen. Die Existenz regulierter Futures sollte dazu beitragen, dass diese Instrumente in Zukunft noch häufiger eingesetzt werden. Zum Leverage stellte PwC fest, dass binnen Jahresfrist der Prozentsatz der Krypto-Hedgefonds, die ­Leverage einsetzen dürfen, von 36 auf 56 Prozent zugelegt hat. Allerdings setzten 2019 nur 19 Prozent diesen auch tatsächlich ein. Obwohl in Hinkunft mehr Krypto-­Hedgefonds in ihren PPM (Principles of Portfolio Management) den Einsatz von ­Leverage vorsehen, ist nicht klar, ob dann tatsächlich stärker gehebelt wird, da Krypto-Hedgefonds großen Schwierigkeiten beim Erhalt von Kreditlinien bei Brokern gegenüberstehen. Dabei handelt es sich um hohe Collateral-Forderungen, die aber angesichts der hohen Volatilitäten der Kryptowährungen nur zu verständlich sind.
 
Höhere Reife
 
Dass der Krypto-Hedgefonds-Markt professioneller wird, erkennt man auch daran, dass die Fonds immer häufiger einen unabhängigen Custodian wählen. Hatten 2018 erst 52 Prozent der Fonds eine unabhängige Verwahrstelle, so waren es im Folgejahr schon 81 Prozent. Einige der größeren Fonds arbeiten mit mehreren Custodians ­zusammen, wofür es viele Gründe gibt. Manche tun es wegen des Gegenparteienrisikos, speziell wenn man die Hacking-Risiken in dieser Branche in Betracht zieht. Andere brauchen einen zweiten Verwahrer, weil ihr Erstverwahrer seine Dienstleistung nicht für alle Krypto-Assets anbietet. Kleinere Fonds sind hier benachteiligt, da von Custodians gewisse Mindestverwahrentgelte in Rechnung gestellt werden, die die Nettoperformance kleinerer Krypto-Hedgefonds negativ beeinflussen würden. Die überwiegende Mehrheit der gewählten Verwahrstellen ist im Übrigen reguliert beziehungsweise in der einen oder anderen Form zertifiziert. PwC begrüßt diese positive Entwicklung als vertrauensbildende Maßnahme. Dazu kommt, dass eine Handvoll Custodians sogenannte System and Organiza­tion Controls (SOC) Reports veröffentlichen, die sich von Bilanzrevisionen unterscheiden. Diese bieten ein höheres Niveau an Transparenz von Finanzen und Operationalem, was ebenfalls vertrauensbildend auf ­Investoren wirkt. 
 
Was das Governance-Problem anbelangt, so gab es Ende 2018 erst in jedem vierten Krypto-Hedgefonds ein unabhängiges ­Board-Mitglied für diese Agenden, ein Jahr später bereits in 43 Prozent der Verwaltungsräte. Die Autoren merken an, dass es in der Startphase der Krypto-Hedgefonds-Szene auch nicht leicht war, Personen mit der nötigen Erfahrung in diesem Bereich ausfindig zu machen. Institutionelle Investoren allerdings fordern unabhängige Board-Mitglieder ein, um einer Investition näherzutreten. Des Weiteren besitzen heute ­bereits 86 Prozent der Krypto-Hedgefonds einen unabhängigen Fondsadministrator, der die Berechnung des Nettofondsvermögens (NAV) verifiziert. Dies stellt eine weit schwierigere Aufgabe dar als im klassischen Fondsmanagement, etwa wenn illiquide ­Token oder „Simple Agreements for Future Tokens“ (SAFT) gehalten werden. Damit wird aber einer weiteren Forderung der ­institutionellen Zielgruppe entsprochen.
 
Liquidität und Lock-ups
 
Hier hat sich naturgemäß im Jahresabstand wenig verändert. Quant-Fonds und deren Strategien sind dabei die liquideste Kategorie, traden sie doch generell sehr ­liquide, an den Kryptobörsen gehandelte Assets und können monatliche Liquidität bei einer Kündigungsfrist von ein bis zwei Monaten bieten. Die Grafik „Rückgabebedingungen“ listet für die einzelnen Strategien die durchschnittlichen Fristen und Ausstiegsfrequenzen auf. Dazu kommen Hard Locks, wo keine Rücklösungen bis zum ­Ende des Lock-ups gestattet sind, und Soft Locks, bei denen gegen einen Abschlag zum Schutz der verbleibenden Investoren ein vorzeitiger Fondsausstieg möglich ist. 
 
Die Bestimmungen in den Investorenverträgen sehen auch Gates vor. Diese ermöglichen es dem Fondsmanagement, in Ausnahmesituationen Beschränkungen betreffend die Geschwindigkeit, mit der Investoren aussteigen können, zu erlassen. Damit soll sichergestellt werden, dass es zu keinen Fire Sales kommen muss. Zwei Arten von Gates sind hier zu unterscheiden: Gates auf Fondsebene – etwa wenn mehr als 25 Prozent des Fondsvermögens gleichzeitig zurückgegeben werden sollen – führen dazu, dass die Ausstiegswilligen nur pro rata ihre Anteile zurücklegen können, wenn ein Cap installiert ist. Und dann gibt es noch Gates auf Investorenebene, die beispielsweise vorsehen, dass ein einzelner Investor an einem bestimmten Stichtag nur mit maximal einem Viertel seiner Anteile aussteigen kann. Der Bericht zeigt, dass insgesamt 63 Prozent der Krypto-Hedgefonds solche Gates-Klauseln aufweisen, auf Fondsebene sind es 38 Prozent der Fonds, der Rest von 25 Prozent entfällt auf die Investorenebene. Bei Krypto-Hedgefonds-Domizilen liegen die Cayman Islands vorn, gefolgt von den USA, BVI, Gibraltar und Liechtenstein. Die Manager selbst residieren mehrheitlich in den USA, gefolgt von Großbritannien, Gibraltar und der Schweiz (siehe Grafik „Wo Krypto-Hedgefonds und Manager residieren“).
 
Die Krypto-Hedgefonds-Branche ist jung und leidet noch an Kinderkrankheiten – allem voran an teilweise sehr geringen Volumina. Man ist sich aber der Probleme bewusst und stellt sich zunehmend so auf, wie institutionelle Investoren dies wünschen, um überhaupt an eine Investitionsentscheidung denken zu können. Bei den Marktteilnehmern wird sicherlich ein Verdrängungsprozess einsetzen und zu einer Flurbereinigung führen. 
 
Neben Early Movers, wie es traditionell die Family Offices sind, konnten erste Stiftungen und Manager von Universitätsgeldern für das Thema gewonnen werden. Ein wesentlicher Schritt vorwärts wird wohl dann gemacht sein, wenn die ersten Pen­sionsfonds Position beziehen. Die gegenwärtigen Umstände der Flutung der Märkte mit Geld in einem seit Jahrzehnten nicht mehr ­dagewesenen Ausmaß und steigender Korrelationen in den etablierten Investmentmärkten könnten Krypto-Assets in der ­Zukunft eine ähnliche Bedeutung wie Gold verleihen, so die Professionalisierung in puncto Organisation und Sicherheit weiter fortschreitet. Denn Alternativen zu traditionellen Assets bleiben gesucht. 
 
Dr. Kurt Becker

Fachjargon entschlüsselt

Über „Staking“, „PoW“, „PoS“, „Validatoren“, „Nodes“ und mehr

Staking bedeutet Kryptowährungen zurückzuhalten, um Belohnungen (Rewards) zu erhalten. In den meisten Fällen kann man seine Coins direkt in seiner Krypto-Wallet, z. B. der Trust Wallet, staken. Auf der anderen Seite bieten viele Börsen ihren Benutzern Staking-Dienste an. Mit Staking kann man auf ganz einfache Weise Einkünfte generieren, denn man muss seine Coins nur an der Börse aufbewahren. Um besser verstehen zu können, was Staking ist, muss man zunächst verstehen, wie Proof of Stake (PoS) funktioniert. Kurz gesagt ist PoS ein Konsensmechanismus, der es Blockchains ermöglicht, energieeffizienter zu arbeiten und gleichzeitig (zumindest in der Theorie) einen angemessenen Grad an Dezentralisierung beizubehalten.

PoW und PoS

Wer weiß, wie Bitcoin funktioniert, ist wahrscheinlich mit Proof of Work (PoW) vertraut. Es ist der Mechanismus, der es ermöglicht, Transaktionen in Blöcken zu sammeln. Diese Blöcke werden dann miteinander verbunden, um die Blockchain zu bilden. Genauer gesagt wetteifern ­Miner um die Lösung eines komplexen mathematischen Rätsels, und wer es zuerst löst, erhält das Recht, den nächsten Block der Blockchain hinzuzufügen.

Proof of Work hat sich als ein sehr ­robuster Mechanismus erwiesen, um einen Konsens auf dezentralisierte Weise zu ­erleichtern. Das Problem ist, dass er eine Menge willkürlicher Berechnungen beinhaltet. Das Rätsel, um dessen Lösung die Miner wetteifern, dient keinem anderen Zweck, als das Netzwerk sicher zu halten. Man könnte argumentieren, dass dies an sich schon dieses Übermaß an Berechnungen rechtfertigt. An diesem Punkt fragt man sich vielleicht: Gibt es andere Möglichkeiten, einen dezentralisierten Konsens ohne den hohen Berechnungsaufwand aufrechtzuerhalten?

Hier landet man dann bei Proof of ­Stake (PoS). Die Hauptidee ist, dass die Teilnehmer Coins (ihren „Stake“) sperren können, und in bestimmten Abständen weist das Protokoll einem von ihnen nach dem Zufallsprinzip das Recht zu, den nächsten Block zu validieren. In der Regel ist die Wahrscheinlichkeit, ausgewählt zu werden, proportional zur Anzahl der Coins – je mehr Coins eingezahlt und gesperrt werden, desto höher die Chancen.

Validatoren

Wer als sogenannter Validator an der Erstellung neuer Blöcke mitwirken möchte, muss also einen Teil seines Vermögens als Pfand hinterlegen. Sofern mehrere Validatoren an der Blockerstellung beteiligt sind, stellen diese nun untereinander Konsens (z. B. mit einem BFT-Verfahren) darüber her, welcher Block der Blockchain hinzugefügt werden soll. Danach wird dieser Block auch von den übrigen Knoten übernommen. Durch die Implementierung ­gewisser Regeln sollen die Pfänder von ­Validatoren, die sich missbräuchlich verhalten, zerstört werden. Dadurch sollen mehrere Formen von Angriffen für die ­Angreifer bedeutend teurer und damit ­unwahrscheinlicher werden.

Auf diese Weise können Blöcke hergestellt werden, ohne auf spezielle Mining-Hardware wie ASICs angewiesen zu sein. Während ASIC-Mining eine erhebliche ­Investition in Hardware erfordert, erfordert Staking eine direkte Investition in die Kryptowährung selbst. Anstatt also mit rechnerischer Arbeit um den nächsten Block zu konkurrieren, werden PoS-Validatoren auf der Grundlage der Anzahl der Coins, die sie staken, ausgewählt. Der „Stake” (der Einsatz in Coins, der gehalten wird) ist der Anreiz für die Validatoren, die Netzwerk­sicherheit aufrechtzuerhalten. Wenn sie dies nicht tun, könnte ihr gesamter Stake in Gefahr sein.

Belohnung fürs Stillhalten

Während jede Proof of Stake Blockchain ihre eigene Währung für das Staking hat, wenden einige Netzwerke ein Zwei-Token-System an, bei dem die Rewards in einem zweiten Token ausgezahlt werden.

Auf einer sehr praktischen Ebene bedeutet Staking lediglich, dass das Geld in einer geeigneten Wallet aufbewahrt wird. Dies ermöglicht es im Wesentlichen jedermann, verschiedene Netzwerkfunktionen als Gegenleistung für das Staking von Rewards auszuüben. Dazu kann auch das Hinzufügen von Coins zu einem Staking Pool gehören.

Nodes

Jeder Kommunikationspunkt im Netzwerk ist ein Node (Knoten). Ein Node bezieht sich auf jeden Computer, den ein Bitcoin-Klient einsetzt. Das Bitcoin-Netzwerk besteht also aus Tausenden über die Welt verteilten Nodes. Dadurch wird Bitcoin zu einem Peer-to-Peer-System. Es gibt unterschiedliche Formen von Knoten. Bei Bitcoin gibt es deren vier: Full Nodes, Listening Nodes, Miner’s Nodes und Lightweights oder SPV-Klienten. Full Nodes sind die einzigen, die die Bitcoin-Blockchain wirklich unterstützen und sichern, sie sind un­v­erzichtbar für das Netzwerk. Sie sind für die Verifizierung von Transaktionen und ­Blöcken entsprechend den Regeln des Bitcoin-Protokolls verantwortlich.

Quellen: Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik, Binance Academy


Anhang:

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