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3/2018 | Produkte & Strategien
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Private Equity für Anfänger

Das unabhängige Multi-Family-Office HQ Trust geht neue Dinge an. Die Tochtergesellschaft Liqid, bisher als Robo-Advisor bekannt, lanciert nun mit dem Liqid Private Equity Vintage II ihren zweiten PE-Dachfonds und richtet dieses Angebot auch an kleinere institutionelle Anleger.

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Das Interesse der Investoren an alternativen Investments, auch an ­Illiquids, steigt. Es braucht allerdings eine gewisse Erfahrung, um hier ­direkt zu investieren. Daher bieten sich Dachfondskonstruktionen an,
die allerdings oft teuer sind.

lqid, Sondem | stock.adobe.com

Wenn das Family Office der Familie Harald Quandt etwas Neues anfängt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. HQ Trust betreut eines der größten privaten Vermögen Deutschlands, steht aber seit der Öffnung vor rund zehn Jahren als Multi-Family-Office auch Dritten zur Verfügung. Und die Praxis, das im Rahmen der Vermögensverwaltung erworbene Know-how zu vermarkten, geht man konsequent in mehreren Richtungen (siehe unten).

Für andere Family Offices, Stiftungen und kleinere Institutionelle besonders interessant ist die Private-Equity-Fonds-Schiene der Berliner. Die Idee dazu entstand, weil man das Gewünschte am Markt nicht fand. Kim Felix Fomm – er leitet die Vermögensverwaltungstochter Liqid Asset Management – über die Entstehungsgeschichte: „Bezogen auf das Gesamtvermögen von High Networth Individuals halten wir eine Zielquote für Private Equity von bis zu 30 Prozent für sinnvoll. Diesen Betrag nimmt man dann aus der Zielaktienquote heraus, weil es wirtschaftlich ja genau das Gleiche ist.“ Ähnlich hohe Gewichtungen hätten auch die US-Endow­ment-Funds von Harvard und Yale. Liqid erwartet sich im aktuellen Marktumfeld im Private-Equity-Bereich ­eine jährliche Überrendite von drei bis fünf Prozent gegenüber dem S&P 500. Für Kunden wurde der Markt nach Fonds abgesucht, aber nichts gefunden, was den Anforderungen entsprach. In die Fonds der erwiesenermaßen guten PE-Fondsmanager komme man, so Fomm, als kleiner bis mittelgroßer Investor nicht hinein, und bei bestehenden PE-Dachfonds seien die Kosten oft extrem hoch. „Das gilt selbst für Dachfondsprodukte für Institutionelle oder Wealth-Management-Kunden. Auf Dachfondsebene werden hier oft 1,5 Prozent pro Jahr verlangt, zusätzlich fallen meist erhebliche Gründungskosten und teilweise ein Agio an, und auf Zielfondsebene noch einmal Verwaltungsge­bühren. Wenn dann auch noch auf beiden Ebenen Performancegebühren verlangt werden, hat man realistischerweise nicht mehr die attraktive Renditechance, die man sich durch Private-Equity-Investments erhofft“, meint Fomm.

Der Zugang zu guten Managern stelle ­eine weitere Herausforderung dar. „Viele der erfolgreichen Manager wie beispielsweise Bain, CVC oder Apollo arbeiten mittlerweile in der achten oder neunten Fondsgeneration. Die Anleger, die hier seit den ers­ten Fondsvehikeln dabei sind, zeichnen immer wieder“, beobachtet Fomm. Die Fonds hätten limitierte Kapazitäten und bevorzugten die Investoren der ersten Stunde. „Da können Sie sich zum Beispiel darauf verlassen, dass sie die Kapitalabrufe bedienen. Wenn man aber nicht in die etablierten erfolgreichen Fonds hineinkommt, sondern in die Fonds der zweiten Garde, dann lässt das Renditepotenzial erheblich nach.“ Was bei Aktienfonds nicht funktioniere, klappe bei PE-Fonds nämlich sehr gut: Hier sei die historische Performance tatsächlich ein guter Indikator für die zukünftige Performance.

Fondsserie geplant

Mit dem neuen Fonds will Liqid ein ­Vintage-Programm anlegen, es ist geplant, alle eineinhalb bis zwei Jahre einen neuen Fonds zu lancieren, sodass Investoren sukzessive über mehrere Investments ihre Ziel-PE-Quote aufbauen können.

„Das ist sinnvoll, weil die Performance von PE-Fonds sehr stark abhängig vom ­Investitionszeitpunkt ist. Die meisten institutionellen Investoren, die vorher noch kein PE gemacht haben, bauen über den Lebenszyklus einer Fondsgeneration, also etwa über zehn bis zwölf Jahre, ihr gewünschtes Exposure auf“, erklärt Fomm.

Dass der Vermögensverwalter bereits den zweiten Private-Equity-Dachfonds vermarktet, zeigt, dass er kein Nachfrageproblem hat. Die sensible Frage, ob und wie eigene Produkte in der unabhängigen Vermögensverwaltung eingesetzt werden, ist für Fomm leicht zu beantworten: „In unseren Ver­mögensverwaltungsprodukten sind unsere eigenen Fonds nicht enthalten, denn das würde unsere Unabhängigkeit in Frage stellen. Wir bieten unsere Fonds aus dem illiquiden Bereich lediglich als zubuchbare Option an. Derzeit haben wir nur PE-Fonds im Angebot, aber perspektivisch wollen wir auch Immobilien- und Private-Debt-Fonds auflegen.“

Beim ersten Private-Equity-Fonds lag das angepeilte Volumen noch bei vergleichsweise bescheidenen 15 Millionen Euro, eingenommen wurden dann 27 Millionen. Dieser Fonds ist bereits geschlossen und zum Teil investiert. Der zweite ist seit Juni 2018 geöffnet und hat ein Zielvolumen von 30 bis 50 Millionen Euro, das man bis Mitte oder Ende 2019 einsammeln möchte.

Investoren, die sich engagieren, erhalten dafür eine in jeder Hinsicht ausgewogene Diversifikation. Aus geografischer Sicht soll etwa je zur Hälfte in den USA und in Europa investiert werden, die Asien-Beimischung wird bewusst beschränkt. In Asien sei die Asset-Sicherheit nicht immer gegeben, gibt Fomm zu bedenken. Auf Strategieebene wird zu 80 Prozent in die klassischen Private-Equity-Themen Buyout und Growth Funds investiert – mit einer 20-prozentigen Beimischung von Secondary Investments. „Hier kaufen wir Fondsanteile vom Zweitmarkt, beispielsweise weil ein insti­tutioneller Anleger durch regulatorische Änderungen gezwungen ist, seine PE-Quote zu reduzieren“, erklärt Fomm. „So können wir die Anteile mit einem Abschlag kaufen, und außerdem handelt es sich dabei um reife Fonds, bei denen wir schon gut einschätzen können, wie sie sich entwickeln werden.“ Nach Fomms Ansicht bieten die Secondaries weitere Vorteile, weil sofort die gesamte Summe abgerufen wird und sich schon bald die ersten Rückflüsse einstellen. „Mit dem Anteil, der in Secondaries inves­tiert ist, haben wir also nicht den klassischen J-Curve-Effekt, den man sonst bei PE-Investments antrifft. Diese Aufteilung ist die seit 30 Jahren erprobte PE-Strategie der HQ-Gruppe“, so Fomm.

Entsprechend laufen dann auch das Sourcing und die Due Diligence über HQ Capital, die Büros in den USA, Europa und Asien unterhalten und deren Mitarbeiter vor Ort gut vernetzt sind. „Es gibt dann ein ­Investmentkomitee, in dem jeweils ein Vertreter von HQ Trust, HQ Capital und von Liqid sitzt“, erklärt Fomm. „Wir investieren gemeinsam mit den Kunden von HQ-Trust und der Familie Quandt in die PE-Fonds, die ausgewählt werden.“

Der jüngste Fonds hat eine festgelegte Laufzeit von zwölf Jahren, die sich an der Laufzeit der Zielfonds orientiert. Dafür gibt es keine Rückgabemöglichkeit. Fomm stellt klar: „Die Kapitalbindung ist aber geringer, denn wir rufen die Summen über die ersten vier, fünf Jahre ab.

Außerdem werden von der Zeichnungssumme vielleicht nur 65 bis 70 Prozent ab­gerufen, weil wir in Secondaries in­vestieren, die bereits frühere Rückflüsse generieren, die wir sozusagen recyceln können.“

Schlanke Kostenstruktur

Die Kostenstruktur des Liqid Pri­vate Equity Vintage II ist mit jähr­lich 0,72 Prozent Verwaltungsgebühr aufs Commitment vergleichsweise schlank. Agio oder erfolgsabhängige Gebühren fallen nicht an, und die Gründungskosten sind mit 20 Basispunkten gedeckelt. Vergleichbare Private-Equity-Dachfonds haben bis zu fünf Prozent Ausgabeaufschlag, Verwaltungsgebühren von über einem Prozent, darüber hinaus Administra­tionskosten und oft um die zwölf ­Prozent Erfolgsbeteiligung.

Der Liqid Private Equity Vintage II Fonds ist mit einer Mindestsumme von 200.000 Euro erwerbbar. Fomm: „So gilt er offiziell als Produkt für semiprofessionelle und professionelle Anleger, und außerdem wollen wir bewusst diese interessante Assetklasse auch für private und institutionelle Anleger anbieten, die nicht gleich mehrere Millionen darin allokieren können.“   

ANKE DEMBOWSKI


„Wir sehen uns als digitaler Vermögensverwalter“

HQ Trust ist kein typisches Family Office, seit der Öffnung zum Multi-Family-Office wird das Repertoire laufend ausgebaut. Neben der beschriebenen Private-Equity-Dachfonds-Schiene gründete das Unternehmen 2016 den Robo-Advisor Liqid, der bis dato rund 200 Millionen Euro akquirieren konnte. Und auch Liqid folgt nicht dem klassischen Robo-Konzept, sondern versucht die ­Stärken von menschlichen Managern und Algo­rithmen zu kombinieren. „Wir sehen uns nicht als klassischer Robo-Advisor, sondern als digitaler Vermögensverwalter“, erklärt Kim Felix Fomm, Managing Director von Liqid Asset Management. „Der ­Robo-Begriff weckt in den Leuten immer die Erwartung, dass ganz außergewöhn­liche Dinge mithilfe von künstlicher Intel­ligenz geschehen. Bei uns sind schon noch Mensch und Maschine miteinander kombiniert.“

In der Vermögensverwaltung arbeitet ­Liqid mit aktiven Strategien, die HQ Trust managt, und passiven Strategien, die von einem Algorithmus gesteuert werden. Zum Einsatz kommen dabei offene Fonds, die zum Vertrieb in Europa zugelassen sind. Aus Kostengründen werden jeweils institutionelle Tranchen bevorzugt. Angeboten werden drei Strategien:

a) Liqid Select: Dies ist eine Mischung aus aktiven und passiven Produkten, wobei die besonders effizienten Aktienmärkte über ETFs abgedeckt werden und die ­anderen Märkte über aktive Fonds.

b) Liqid Global: Diese Strategie basiert auf ETFs und wird regelbasiert von einem Algorithmus gesteuert, der auch Signale zum Rebalancing gibt.

c) Global Impact Portfolio: Hier handelt es sich um eine nachhaltige Variante der Strategie Liqid Global.

Um für jeden Anlegertypus eine Lösung bieten zu können, gibt es die drei Strategien in je zehn Risikoklassen. „Hier ist nicht jedes Portfolio vom Inhalt her unterschiedlich, aber die Mischung unterscheidet sich“, stellt Fomm klar. Mit seiner digitalen Vermögensverwaltung wendet sich Liqid in ers­ter Linie an vermögende Privatanleger und Family Offices, aber auch kleinere insti­tutionelle Investoren wie Stiftungen und Versorgungskassen zählen zur Kundschaft.

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