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4/2020 | Produkte & Strategien
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Preiswerte Outperformance

Dem sentix Fonds Aktien Deutschland gelingt es seit 2013, den DAX zu schlagen, ohne dafür die ­üblichen Kosten aktiver Fonds zu verursachen. Der Vertriebserfolg blieb dem Fonds bisher versagt.

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Der sentix Aktien Deutschland schlägt den DAX seit 2013 nach jährlichen Kosten von 1,10 Prozent um annualisierte 36 Basispunkte. Die Analyse zeigt, dass der Ansatz nicht von einigen wenigen geglückten Trades lebt, sondern bei der Betrachtung der monatlichen Überrenditen vor Kosten in der Mehrzahl der Fälle tatsächlich Alpha gegenüber dem DAX-ETF von Comstage generiert.

© sentix Asset Management, lagom | stock.adobe.com

Die Erfahrung lehrt, dass alles seinen Preis hat. Wer auf passive Fonds setzt, spart Kosten, darf sich aber keine Outperformance erhoffen. Wer den Index schlagen möchte, muss Kosten und zusätzliche Risiken, die mit aktivem Management verknüpft sind, in Kauf nehmen. Was die richtige Entscheidung gewesen wäre, erfährt man erst nachträglich. Obwohl dieser naturgesetzartige Zusammenhang bekannt ist, ­suchen quantitativ arbeitende Vermögensverwalter hartnäckig nach systema­tischen Investmentstrategien, die mit ­einem geringeren Tracking Error und ähnlichen Ertrags-Risiko-Eigenschaften wie der Index zuverlässig Alpha produzieren. Was im Backtest vergleichsweise schnell funktioniert, scheitert meist in der Praxis. Das heißt aber nicht, dass es gar keine Produkte gäbe, die – zumindest bisher – das fast Unmögliche schaffen. Eines davon ist der seit März 2013 aktive sentix Fonds Aktien Deutschland. Das Basisportfolio des Fonds besteht aus 80 bis 90 Prozent DAX-Aktien, der Rest ist Cash, der als Margin für die Derivate auf den DAX dient – meist sind es ­Futures, es könnten gemäß Anlagerichtlinien aber auch Optionen sein. Mit diesen wird die Long-Position je nach Signallage der auf Behavioral Finance und Sentimentanalyse spezialisierten Investmentboutique mit Sitz in Frankfurt zwischen 80 und 120 Prozent aktiv gemanagt.

Investmentprozess

Bekanntlich beeinflusst der Wechsel der Stimmungslage der Marktteilnehmer die Aktienkursentwicklung sehr stark, allerdings nur auf kurze Sicht. Langfristig sind es nämlich fundamentale Daten wie das Wirtschaftswachstum und die Zins- und Gewinnentwicklung der Unternehmen, die die entscheidende Rolle bei der Kursentwicklung spielen. Da die Marktteilnehmer nicht nur rational agieren, sondern sich von ihren Stimmungen beeinflussen lassen, kann ein verhaltensökonomischer Ansatz Nutzen aus der Psychologie an den Märkten ziehen und diese in Asset-Allocation-Entscheidungen, Aktienquoten sowie Branchenüber- und -untergewichtungen einfließen lassen. Die sentix Asset Management GmbH tut genau das, denn sie befragt in wöchentlichen Inter­vallen institutionelle sowie private Investoren nach deren Anlageverhalten, Investi­tions­grad und Markteinschätzung, womit die Stimmungslage abgegriffen wird. Da­rauf aufbauend analysiert man bei sentix die Entscheidungsprozesse der Anleger, verfasst eine Sentiment-Studie und leitet daraus konkrete Handelsentscheidungen ab, die man als Signale anbietet beziehungsweise in den hauseigenen Fonds umsetzt. Für den sentix Fonds Aktien Deutschland bedeutet das ­Folgendes: Vom neutralen Ausgangspunkt eines hundertprozentigen DAX-Exposures ausgehend wird mithilfe von makroökonomischen Inputs und dem Risikoradar unter Berücksichtigung von Events und Zyklen eine strategische Abweichung zur neutralen Startquote ermittelt. Dazu kommen quantitative taktische Sentiment-Modelle, die wöchentlich Signale generieren und zu Veränderungen der Anlagequote führen können. Die Umsetzung erfolgt dann durch den Fondsmanager, der auch das ­Risiko täglich überwacht.

Performancetreiber

Zeigt das Stimmungsbild großen Optimismus oder sind die Investoren offensichtlich sorglos, was sich am Abbau der Cashquoten und hohen Investitionsquoten zeigt, reduziert sentix den Aktienanteil des „Aktien Deutschland“ auf bis zu 80 Prozent. Umgekehrt gilt: Dominieren Sorgen und Ängste der Kapitalanleger die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse und sind die Cashquoten im historischen Vergleich hoch, können die sentix-Experten die Aktienquote auf bis auf 120 Prozent erhöhen. Dieses antizyklische Element beim Ab- und Ausbau des Aktienexposures entpuppt sich als der entscheidende Performancetreiber. Ziel des Fonds ist es, einen jährlichen Mehrertrag vor Kosten von ein bis drei ­Prozentpunkten im Vergleich zum DAX mit einem vergleichsweise geringen Tracking Error, einem sich kaum vom Index unterscheidenden Marktrisiko und einer hohen Korrelation zum DAX zu erarbeiten. Die Fondsanalyse zeigt, dass die Versprechen gehalten werden. Das durchschnittliche ­Beta liegt bei 1,01, die Mehrrendite kann mit einem Ex-post-Tracking-Error von 2,4 Prozent aufwarten, und die Korrelation mit dem DAX liegt bei 0,99. Vor Kosten hat das Team um die beiden sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy und Manfred Hübner auch sein Performanceziel erreicht. Wie der Chart „Outperformance“ illus­triert, bleiben nach Kosten von 1,10 Prozent per annum vom Fondsstart, dem 15. März 2013, bis zum 22. Oktober 2020 ­gegenüber dem DAX annualisiert 36 Basispunkte übrig, gegenüber dem kostengünstigen Comstage DAX UCITS ETF sind es im Vergleichszeitraum sogar 77 Basispunkte im Jahr.

Kontinuierlich Leistung

Dass der Ansatz nicht von einigen wenigen geglückten Trades lebt, sondern bei der Betrachtung der monatlichen Überrenditen vor Kosten in der Mehrzahl der Fälle tatsächlich Alpha gegenüber dem DAX-ETF von Comstage generiert, zeigt die Grafik „Verteilung der monatlichen Überrendite versus DAX-ETF“. Von 90 Monatsrenditen sind 54 Über­renditen positiv (60 Prozent), während 36-mal – oder in 40 Prozent der Fälle – eine negative Überrendite zu verzeichnen ist. Wenn die monatliche Überrendite positiv ausfiel, betrug diese im Schnitt 52 Basispunkte, im Fall einer negativen Überrendite lag diese durchschnittlich bei 43 Basispunkten. Die Ausreißer nach oben beziehungsweise unten betrugen 2,03 respektive minus 2,30 Prozent.

Nun sollte man vermuten, dass ein solches mehrfach preisgekröntes Produkt längst im Hundert-Millionen-Bereich angesiedelt sein müsste, da neben der privaten vor allem die institutionelle Nachfrage dafür sorgen sollte, dass die Assets prosperieren. Noch dazu ist der Ansatz aufgrund der ­Futures- und Options-Overlay-Komponente bis in den Milliardenbereich hinein skalierbar. Doch dem ist nicht so: Das Volumen des Fonds bewegt sich nach wie vor unter fünf Millionen Euro, erreichte in der Spitze nicht einmal 14 Millionen. Vor Ende Fe­bruar waren es noch mehr als neun Millionen, die dann auf fast ein Drittel im Tief ­zurückgingen.
Liegt es an einer ausgeprägten Vertriebsschwäche in der Vergangenheit oder doch daran, dass die Kosten von 110 Basispunkten insofern abschreckend sind, als sie doch mehr als die Hälfte des Brutto-Alphas auffressen? Nun ist es angesichts der restrik­tiven Position der Aufsicht zu niedrigen ­Basisgebühren und einem hohen Anteil beim Profit Sharing für sentix sicher nicht leicht, eine entsprechende Anteilsklasse einzuführen, die beispielsweise eine Kondition von zehn Basispunkten fix plus einer Performance Fee von 35 Prozent vorsieht. Aber eine institutionelle Anteilsklasse mit der halben Managementgebühr von 55 Basispunkten wäre ein Anfang, bei dem sichergestellt ist, dass vom erzielten Mehrertrag der größere Teil beim Investor bleibt.

Dr. Kurt Becker


Anhang:

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