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1/2022 | Produkte & Strategien
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Paketlösungen für Megatrends

Das Konzept Themenfonds richtet sich traditionell eher an Privatanleger, die im Alleingang nicht in der Lage sind, vernünftig diversifiziert in spezielle Trends zu investieren. Trotzdem können diese ­Produkte auch für Großanleger interessant sein. Die Nachfrage steigt jedenfalls deutlich.

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Thematische Investments sind eine Klasse für sich. Meist wird nicht nur in eine Branche investiert, sondern in sehr unterschiedliche Unternehmen, die vom selben Trend profitieren. Das macht entsprechend spezialisierte Fonds auch für Großanleger interessant.

© AXA IM, bluedesign | stock.adobe.com
Grundsätzlich erscheint die Idee vernünftig, in Aktienportfolios Unternehmen stärker zu gewichten, die von tiefgehenden wirtschaftlichen Strukturänderungen oder neuen technologischen Megatrends profitieren sollten. Als Beispiele fallen Tom Riley, Head of Global Thematic Strategies bei AXA IM, Dinge wie die fortschrei­tende Digitalisierung, die Energiewende, Elektromobilität oder Robotik ein. Und interessanterweise sind es nicht nur Privatanleger, die hier auf spezialisierte Produktekonzepte setzen. Auch institutionelle Investoren integrieren entsprechende Ansätze in ihre Strategien. „Wir ­beobachten in den vergangenen Jahren ein verstärktes Interesse institutioneller In­vestoren an thematischen Aktienstrategien. Hier hat ein klares Umdenken stattgefunden“, erklärt auch Walter Liebe, Co-Leiter Pictet Asset Management Deutschland, ­gegenüber Institutional Money. Aus diesem Grund haben die meisten der unzähligen Themenfonds inzwischen auch institutionelle Anteilsklassen. 
 
Große Nachfrage
Die Nachfrage kann sich sehen lassen: Nach Angaben von AXA ­Investment Managers entfallen seit 2017 rund zwei Fünftel alle Nettoumsätze im Fondsbereich mittler­weile auf diese Nische, ihr Anteil am gesamten Aktienfondsuniversum liegt inzwischen bei rund drei Prozent. Morningstar kam in der im Mai 2021 veröffentlichten „Global Thematic Funds Landscape“-Studie per Stichtag 31. 3. 2021 auf eine Verdoppelung der globalen Zuflüsse von 300 auf 600 Milliarden US-Dollar innerhalb eines Jahres, wobei Europa als Marktführer auf diesem Gebiet den ­Anteil von 150 auf 300 Milliarden US-­Dollar steigern konnte. Bei den eingesetzten Instrumenten gibt es regionale Unterschiede: Während auf dem Alten Kontinent ­Investoren bei Themenfonds überwiegend auf aktives Management (89 % des Fondsvolumens) setzen, ist es in den USA umgekehrt: Dort sind 63 Prozent der thematischen Gelder passiv investiert. 
 
Neue Wege 
Auch wenn es hinsichtlich „Themeninvestments“ keine allgemein gültige Definition gibt und Vermögensverwalter oftmals ihre eigene Terminologien verwenden, fragten Anleger in den letzten Jahren am stärksten jene Themenfonds nach, die in den ­Kategorien „Technologische Disruption“ und „Nachhaltigkeit“ einzuordnen sind. Insbesondere Fonds auf Themen wie „Künstliche Intelligenz“ oder „Clean Energy“ standen ganz oben auf den Kauflisten der Anleger – obwohl oder vielleicht gerade weil diese Strategien in Aktien abseits der großen Indizes investieren. „Viele Anleger wählen ein globales thematisches Engagement als Teil eines neuen Ansatzes für die Vermögensallokation und entfernen sich vom traditionellen, regional ausgerichteten Ansatz“, bestätigt Cosmo Elms, Head of ETF Business bei LGIM. 
 
Mit Themenfonds einhergehendes höheres Exposure und damit Risiko abseits klassischer Aktien-Referenzindizes schrecken die traditionell benchmarkfixierten Institutionellen offenbar nicht mehr so oft ab wie in früheren Zeiten – ganz im Gegenteil: „Thematische Aktienmandate werden gezielt als Komplement zu passiven oder kontrolliert aktiven Strategien hinzugefügt, um hier eine Überrendite anzustreben“, nennt Liebe den wohl wichtigsten Grund für diese Entwicklung. 
 
Diese erhofften Überrenditen motivierten auch jene Großanleger, die über das „Mandate-Tool“ von Institutional Money explizit nach Managern von Themenfonds suchten. Gesucht wurde in einem Fall beispielsweise ein UCITS-Themenfonds, der Aktieninvestments auf den Gebieten Wissen, landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduk­tion, Ressourceneffizienz, erneuerbare Energien, Healthcare, Infrastruktur und Mobilität mit einem Bias in Richtung Technologie tätigen sollte. Fokussierter war hingegen jene Ausschreibung, in deren Rahmen ein Investor einen Asset Manager für Investments in asiatische Technologie- und Innovationsführer suchte – inklusive einer Beimischung von Venture Capital.
 
Big Player
In Richtung Themeninvestments ­bewegt sich offenbar auch der milliardenschwere Staatsfonds von Saudi-Arabien, der 1971 gegründete Public Investment Fund (PIF). Dieser will mit rund zehn Milliarden US-Dollar an ­trockenem Pulver bei Aktien weltweit auf Einkaufstour gehen und dabei eine „thematische Strategie“ verfolgen, die sich insbesondere auf Unternehmen in den Bereichen E-Commerce oder erneuerbare Energien fokussiert.
 
Auf thematisches Investieren schwören darüber hinaus die Pensionskasse der Angestellten von Texas, der Philipps-Pensionsfonds, die APG-Rentenkasse und insbesondere der rund 370 Milliarden Euro schwere kanadische Pensionsfonds, der sogar eine eigene Abteilung für thematische Investments gegründet hat. In Deutschland zählen beispielsweise Adressen wie die Gothaer oder die Versorgungsanstalt der Zahnärzte Rheinland-Pfalz zu jenen Investoren, die auf thematische Investments setzen.
 
Profianleger befragt 
Die steigende Bedeutung thematischer Investments bei professionellen Marktteilnehmern zeigen drei Umfragen von AXA IM, BNP Paribas AM und Vontobel AM: Für das im Sommer 2021 veröffentlichte AXA IM Whitepaper („Thematic investing set to transform asset management?“) befragte Broadridge weltweit 90 Fondsselektoren – darunter beispielsweise auch Versicherungen –, wie sie Themenfonds nutzen und qualitativ beurteilen. Es zeigte sich, dass mittlerweile 90 Prozent der Befragten auf thematische Investments setzen und ­lediglich zehn Prozent dies nicht machen. 
 
BNP Paribas befragte ihrerseits über Greenwich Associates im ersten Quartal 2021 153 institutionelle Investoren und ­Finanzintermediäre aus Asien und Europa, wobei die Studie Letztgenannte unter die Kategorie „Großanleger“ subsummiert. ­Eines der Studienergebnisse lautet: 88 Prozent der Großanleger und 36 Prozent der ­institutionellen Anleger nutzen aktuell ­bereits themenorientierte Anlagestrategien oder planen, zukünftig in solche Strategien zu investieren. „Das Wachstum bei den themenorientierten Investitionen ist wirklich bemerkenswert“, kommentiert Pierre Moulin, Mitglied des Executive Committee und Global Head of Product & Strategic Marketing bei BNPP AM, die Zahlen.
 
Vontobel AM fokussierte sich bei seiner Umfrage, deren Ergebnisse ebenfalls im Sommer 2021 veröffentlicht wurden, rein auf europäische Profianleger. Immerhin 84 Prozent der befragten 300 institutionellen Investoren und Intermediäre haben mit der Integration thematischer Ansätze in ihre Portfolios begonnen, und 49 Prozent planen eine Erhöhung ihrer Allokationen in den nächsten drei Jahren. Thematische Allokationen sind laut der Vontobel-Umfrage mittlerweile ein wichtiger Portfoliobestandteil: Beachtliche 57 Prozent der Befragten teilen mindestens 20 Prozent der Allokationen ­ihrer Aktienportfolios einem thematischen Ansatz zu. Jeder fünfte Investor hat sogar 40 Prozent oder mehr seiner Gelder thematisch allokiert. Dabei zeigen sich regionale Unterschiede: Während Investoren aus den Beneluxländern und der Schweiz thematische Anlagen mittlerweile hoch gewichten – drei Viertel der Befragten gaben Allokationen von mehr als 20 Prozent an –, fällt dieser Anteil bei deutschen und französischen Institutionellen etwas geringer aus. Interessantes Detail: Größere Institutionelle (Investoren mit mehr als 50 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen) neigen zu höheren Gewichtungen von Themeninvestments: 89 Prozent dieser Großinvestoren haben zumindest 20 Prozent dergestalt allokiert. „Unsere Studie hat ergeben, dass die Frage für Investoren nicht lautet, ob sie überhaupt in thematische Strategien investieren sollten, sondern wie sie diese Stra­tegien am effektivsten umsetzen können. Zur Umsetzung ihrer Ziele wünschen sich Investoren Unterstützung und Orientierung bei der Auswahl der Themen, der Integra­tion dieser Themen im Rahmen einer globalen Asset Allocation sowie beim Umgang mit ihren spezifischen Risiko-Rendite-­Aspekten“, resümiert Christel Rendu de Lint, Deputy Head of Investments bei Vontobel.
 
Wie es Anleger aus der DACH-Re­gion mit Themeninvestments halten, ­erkundete auch Institutional Money über eine ­Onlineumfrage von Mitte ­November vergangenen bis Ende Ja­nuar dieses Jahres. Im Ergebnis sind fast zwei Drittel der Befragten bei „Themeninvestments“ entweder bereits investiert oder wollen dies zukünftig tun. Fast ein ­Viertel erachtet dies als „uninteressant“, etwa zehn Prozent haben sich damit noch nicht ­beschäftigt (siehe Grafik „Steigendes Inter­esse“).
 
Themenfonds im Vorteil 
Angesichts des Wachstums- und Renditepotenzials vieler derzeitiger struktureller Veränderungen könnten Investoren auf die Idee kommen, von diesen nicht über explizit dafür aufgelegten Themenfonds, sondern über einen der seit vielen Jahren verfüg­baren Branchenfonds oder -ETFs zu profitieren, beispielsweise über einen Fonds auf den Technologiesektor. Andreas Fruschki, Head of Thematic Equity bei Allianz Global Investors, hält davon wenig: „Möchte man als Anleger vorausschauend und ausschließlich in Unternehmen investieren, die von solchen strukturellen Veränderungen positiv betroffen sind, so kommt man mit traditionellen Länderfonds oder herkömmlichen Sektorklassifizierungen nicht weiter.“ Das liegt unter anderem daran, dass klassische Branchenfonds in den meisten Fällen – im Gegensatz zu breiter ­investierenden Themenfonds – bei ihren Anlageuniversen eingeengt und auf eine konkrete Region, Unternehmensgröße oder Anlagestilzugehörigkeit beschränkt sind. Oftmals decken diese Aktien, insbesondere wenn dahinter Großkonzerne mit vielen unterschiedlichen Geschäftsbereichen stehen, nur partiell das von ­Investoren gewünschte Thema ausreichend ab. 
 
Darüber hinaus sind viele dieser klas­sischen Konzerne beziehungsweise deren Dividendenpapiere bereits stark in den gebräuchlichen Benchmarks und den an diesen ausgerichteten Standardfonds gewichtet, sodass über zusätzliches Branchenfonds-­Exposure Klumpen­risiken drohen. 
 
Im Vergleich dazu können Themenfonds mehr Potenzial bieten. Das liegt daran, dass diese sektorenübergreifend sowie auch in Nebenwerte investieren und eine breitere Spielwiese zur Performancegenerierung vorfinden. „Häufig ist ein Themenfonds zeitlich vor der Etablierung eines MSCI-Sektors angesiedelt, da er ,neuer‘ ist und noch überwiegend aus kleinen bis mittleren Spezialunternehmen besteht. Diese sind in den gängigen Standardwerteindizes nicht oder noch nicht repräsentiert. Wenn ein Thema stark wächst und damit ,reift‘, kann es zum Sektor werden – beispielsweise Biotechnologie oder Kommunikationsdienstleistungen“, merkt Liebe an. „Nach unseren Beobachtungen weist ein Themenfonds – wenn er an langfristige Entwicklungslinien (Megatrends) angelehnt ist – in der Regel höhere Wachstumsraten auf als die meisten herkömmlichen Indexsektoren. Zudem ist dieses Wachstum säkulär, also gleichbleibend hoch über Konjunktur- und Börsen­zyklen hinweg, sodass diese Anlagethemen über die Zeit an Bedeutung gewinnen.“
 
Rendite im Fokus
An das höhere Wachstums- und Renditepotenzial der über Themenfonds investierten Unternehmen glaubt mehr als die Hälfte der Teilnehmer der Vontobel-Umfrage. 51 Prozent meinen, dass ihre eingegangenen Themeninvestments überdurchschnittliche Anlagerenditen liefern und damit besser performen werden als klassische Sektor- oder Länderfonds. Diese Anleger waren wohl beeinflusst von der guten Performance der letzten zwei, drei Jahre. 
 
Entsprechende Performance stellte jedenfalls die jüngste veröffentlichte „Global Thematic Funds Landscape“-Studie von Morningstar fest: Per Stichtag Ende des ­ersten Quartals 2021 haben mehr als zwei Drittel aller Themenfonds im Einjahres­betrachtungszeitraum den globalen Aktienmarkt, repräsentiert durch den Morningstar Global Markets Index, outperformt. Ein Performancevergleich auf Indexebene über einen längeren Zeitraum von LGIM spricht ebenfalls für Themenfonds. Der Vermögensverwalter hat die Kursentwicklung des MSCI World Index mit elf Themen­fonds­indizes über fünf Jahre per Stichtag 31. 12. 2021 verglichen: Zehn der elf Themenindizes lieferten eine höhere Performance als der MSCI World Index (siehe Grafik „Performancevergleich“). 
 
Bei der Wahl des „richtigen“ Themenfonds sollten Investoren jedenfalls ihre Hausaufgaben machen, denn die Spreizung bei den Renditen wird im Lauf der Zeit größer. Dem Morningstar-Papier zufolge zeigen über das Fünf­jah­­reszeitfenster noch 43 Prozent der Fonds ­eine Outperformance. Über 15 Jahre sinkt dieser Wert dann auf bescheidene 22 Prozent. Als eine Begründung für die auf lange Sicht maue Performance führt Morningstar die höheren Verwaltungsgebühren von ­Themenfonds an, die zulasten der Rendite gehen. Zur „Ehren­rettung“ von Themenfonds sei angemerkt, dass es grundsätzlich die meisten aller aktiv verwalteten Fonds nicht schaffen, über lange Zeiträume bei der ­Performance über der Benchmark zu liegen. 
 
Des Weiteren moniert die Morningstar-Studie die mit Themenfonds einhergehenden höheren Kursschwankungen: Mehr als 80 Prozent der Themenfonds wiesen im Fünfjahreszeitraum hinsichtlich der Volati­lität eine höhere Standardabweichung auf als der Morningstar Global Markets Index. Morningstar-Senior-Analyst Kenneth Lamont zufolge sprechen langfristig die Chancen gegen den Investor, einen Themenfonds zu finden, der auf lange Sicht einen kostengünstigen, globalen investierenden Aktienindexfonds outperformt.
 
Pictets Walter Liebe sieht dies als Ver­treter des größten Themenfondsanbieters in der DACH-Region naturgemäß anders und bricht eine Lanze für das thematische Investieren: Ein guter Themenfonds investiert Liebe zufolge in die Gewinner von morgen hält sich nicht mit den klassischen Indexschwergewichten – also den Gewinnern vergangener Perioden – auf. Das höhere Wachstum von Umsätzen und Gewinnen, der Bedeutungsgewinn neuartiger Geschäftsmodelle, habe insbesondere bei längeren Betrachtungszeiträumen einen guten Erklärungsgehalt für bessere Wertentwicklungen. „Auch wenn in der aktuell stattfindenden Rotation der Anlagestile von Growth zu Value dieser Aspekt mitunter in Frage gestellt wird, ist dieser Zusammenhang gültig. Kurzfristig kann das Kursmomentum für oder gegen Themenfonds laufen, allerdings setzen sich höhere Wachstumsraten in der längeren Frist durch“, erklärt Liebe. „Das bedeutet natürlich nicht, dass jede Marktnische und erst recht nicht jedes gehypte Einzelunternehmen eine glänzende Zukunft vor sich hat, im Gegenteil. Hier findet eine ständige Auslese statt, ­welche Technologien oder Geschäftsmodelle zu den Gewinnern zählen und welche scheitern. Dies ist genau die Aufgabe eines Themen-Portfoliomanagers, die Chancen zu erkennen und die Verlierer zu vermeiden.“
 
Diversifikation 
Neben dem Wunsch nach möglichst hohen Renditen steht bei Profianlegern vor allem auch das Bedürfnis nach Risikoreduktion und damit Diversifikation im Fokus. Das spiegelt sich auch in der oben angeführten Vontobel-Umfrage wider: Nach Ansicht von 56 Prozent der befragten 300 Profianleger kann ein ­thematischer Ansatz Portfoliorisiken reduzieren, und 46 Prozent wollen damit Diversifikationsvorteile erzielen. Themenfonds können auch zur Erreichung anderer Ziele dienen. Eine mögliche Umsetzung in der Praxis nennt Morningstar-Experte Lamont: „Themenfonds können speziell zur Reduktion von Portfoliorisiken eingesetzt werden. Beispielsweise können Investoren mit Alternative-Energien-Fonds klassische Energiewerte substituieren, um CO2-Risiken zu senken.“ 
 
Risikoreduktion wird auch auf anderen Gebieten erhofft: Viele betriebliche Altersvorsorgeeinrichtungen schätzen mittlerweile die Vorteile von Gesundheitsfonds. Die Überlegungen dieser Investoren sind folgende: Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft, die mehr Geld zur Aufrecht­erhaltung ihres Gesundheitszustands in die Hand nehmen muss, und der damit einhergehenden Wachstums- und Renditeaus­sichten des medizinischen Sektors sollen ­Investments in „Healthcare“-Fonds über ­hohe Kurssteigerungen die auf der Passivseite der Bilanz schlummernden biometrischen Risiken von Pensionskassen und vergleichbaren Institutionen aufgrund immer höherer Lebenserwartungen ihrer Leistungs- und Anspruchsberechtigten zumindest ­etwas kompensieren.
 
Als angenehmer ­Nebeneffekt können Institutionelle aufgrund der von Healthcare-Fonds eingesetzten Gelder auch für sich reklamieren, das dritte der UNO-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) „Gesundheit und Wohlergehen“ zu unterstützen. Aber auch die anderen 16 der insgesamt 17 SDGs der UNO bilden mittlerweile die Grundlage für immer mehr der in jüngster Zeit zahlreich aufgelegten Themenfonds, die in der Regel gerade wegen ihres wirkungsorientierten Investierens (Impact Investing) die begehrte Einstufung nach ­Artikel 9 der SFDR-(Sustainable Finance Disclosure Regulation) der EU erhalten.
 
Die SDGs, Impact Investing und Nachhaltigkeit generell haben dafür gesorgt, dass Gremien von Pensionskassen und ähnlichen Institutionellen im Gegensatz zur Vergangenheit bei Themeninvestments nicht mehr bremsen, sondern diese aktiv im Rahmen der Umstellung auf mehr Nachhaltigkeit beim Investieren einfordern, um unter anderem die Reputation des eigenen Hauses in der Öffentlichkeit zu verbessern. Das erklärt unter anderem, warum institutionelle Investoren bei Themenfonds insbesondere Nachhaltigkeitsstrategien stark nachfragen. 
 
Ruhige Hand gefragt
Trotz gewisser Vorteile von Themenfonds haben viele Institutionelle aus gutem Grund ihre Bedenken: beispielsweise dahingehend, ob ausreichend Marktliquidität aufgrund ­hoher Gewichtungen von (illiquideren) Nebenwerten besteht. Auch ein inhärenter Growth-Bias der meisten Themenstrategien sollte gerade in Zeiten steigender Zinsen ­berücksichtigt werden. Wetten auf einzelne Themen oder sozioökonomische Trends können auch schieflaufen. Während bei Fonds auf Cannabis-Aktien hohe regulato­rische Risiken, die diese Branche über Nacht wieder kriminalisieren können, wohl klar ersichtlich sind, tauchten bei anderen Themen die Risiken aus einer unerwarteten Ecke auf – in diesem Fall aus China: So wurden (Luxus)-Konsumwertefonds angesichts einer kaufkräftigeren Mittelschicht, insbesondere in China beziehungsweise Asien, als relativ sicheres Themeninvestment betrachtet. Dies änderte sich schlag­artig, als in China Konsumgüter westlicher Nobelmarken als „unpatriotisch“ gebrandmarkt wurden und deren Absatz einbrach. 
 
Vor diesem Hintergrund sind Themeninvestments vor allem für jene Großanleger geeignet, die angesichts damit einhergehender ­höherer Schwankungen einerseits über ausreichend hohe Risikobudgets, andererseits auch über die notwendige Nerven­stärke und Geduld verfügen. „Da Themenfonds besonders über längere Anlagezeiträume ihre überproportionale Wachstumskraft entfalten, eignen sie sich in besonderer Weise für institutionelle Asset Owner, die ebenfalls in langen Investitionsperioden denken. Die Herausforderung besteht darin, in Zusammenarbeit mit dem Risikomanagement im gewählten Anlagethema investiert zu bleiben, wenn die relative Wertentwicklung zwischenzeitlich nicht in die gewünschte Richtung läuft“, empfiehlt Liebe abschließend. 
 
Anton Altendorfer 

Anhang:

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