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3/2018 | Produkte & Strategien
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Meinung: Trumps Handelskrieg

Meinungs-Radar: Bedeutet Donald Trumps protektionistische Wirtschaftspolitik eine Rolle rückwärts für die Globalisierung und den weltweiten Wohlstandszuwachs? Droht uns allen am Ende gar Stagflation?

Institutionelle Investoren sind immer gefordert, über den Tellerrand hinauszuschauen und ihre Portfolios möglichst krisenfest zu bauen. Wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, tritt mit der Politik zunehmend ein neuer Störfaktor auf, der durch seine Unberechenbarkeit das Anlagegeschäft noch komplizierter macht und in dieser Intensität seit den Marktliberalisierungen in den 80er-Jahren nicht beobachtet werden konnte.

Was liegt daher näher, als institutionelle Investoren zu befragen, wie sie sich auf die geänderten politischen Verhältnisse einstellen. Die Implikationen eines möglichen globalen Handelskrieges und der Wiedererrichtung von Zollschranken würde sowohl Anlagen in den Indus­triestaaten als auch in den Schwellenländern in Mitleidenschaft ziehen und viele Vorteile wie etwa die Disinflation durch die globale Arbeitsteilung in  Frage stellen. Neben einem geringeren Wirtschaftswachstum würde dadurch die Inflation verstärkt nach vorn kommen und die Notenbanken fordern, bei der Normalisierung der Leitzinsen einen Zahn zuzulegen. Die Bremsspuren einer solchen Entwicklung würden sich dann sowohl in den Aktien- als auch den Anleihentangenten institutioneller Portfolios niederschlagen. Schon taucht ein fast für tot gehaltenes Gespenst der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts wieder auf: die Stagflation.

Vielleicht kommt aber auch alles anders, und die Welt bietet den Amerikanern Paroli, indem sich andere Player auf einen Abbau von Zollbarrieren verständigen. Die Gefahr aussitzen oder handeln? Einige Institutionelle waren bereit, uns an ihren Gedanken teilhaben zu lassen. 

Monika Reisinger | Dr. Kurt Becker


Fragestellung: „Inwieweit berücksichtigen Sie mögliche Auswirkungen eines Handelskriegs in Ihren Allokationsüberlegungen?“

Reiner Stöhr, Leiter Kapitalanlage, Rentenzuschusskasse der N-ERGIE Aktiengesellschaft Nürnberg: »Die Globalisierung wird sich dadurch nicht aufhalten lassen. Im Gegenteil, der amerikanische Protektionismus ermöglicht und beschleunigt Freihandelsabkommen mit ­anderen Ländern und Regionen.

Es wird zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums kommen. Das wiederum wird die Tendenz zu steigenden ­Inflationsraten deutlich reduzieren.

Allerdings hoffe ich, dass die Amerikaner bald einsehen ­werden, dass sie sich mit ihrem Protektionismus selbst am stärksten schaden, und nicht noch mehr Zölle einführen oder erhöhen. Sollte der Handelskrieg eskalieren, würde es vor ­allem in den USA zu einer Stagflation kommen.

Neben vielen anderen Punkten muss man natürlich einen Handelskrieg in seinen Anlageentscheidungen berücksich­tigen. Die Entscheidungen werden dadurch noch ­anspruchsvoller. Es wird schwierig sein, die wenigen Gewinner zu finden.«

Sven Röckle, Hauptgeschäftsführer, Versorgungswerk der ­Architektenkammer ­Baden-Württemberg, K.d.ö.R.: »Grundsätzlich versuchen wir aktuelle emotionale ­Themen aus der mittelfristig orientierten Allokations­entscheidung herauszuhalten. Oftmals sind die Märkte sehr gut in der Lage, negative Themen wie den Brexit oder Trump-Tweets zu absorbieren.

Ein umfassender Handelskrieg (insbesondere mit China), ­steigende Inflation, eine aggressivere Fed und steigende US-Zinsen am kurzen Ende und ein starker US-Dollar belasten sowohl die globalen Supply-Chains mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Emerging Markets wie auch High Yield Bonds. Wir haben diesbezügliche Allokationen bereits deutlich reduziert. In einem sich verschlechternden Umfeld werden wir die Aktienallokation in den USA und Europa ­defensiver ausrichten. Der Handelskrieg spielt in der Anlageentscheidung aber so lange keine Rolle, so lange wir von Seiten unserer Markt- und Konjunkturindikatoren einen Rücken­wind für die Risikomärkte feststellen können. Ein ­enges Monitoring der Marktsignale ist angezeigt.«

Martin Jugel, Abteilungsleiter Treasury, Sparda-Bank Nürnberg eG: »Neben den geopolitischen Themen, der internationalen Geldpolitik, vor allem von Fed und EZB, sowie dem konjunkturellen Umfeld spielt der vom Weißen Haus geschürte Handelskonflikt ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle für unsere Allokationsüberlegungen. Insbesondere die Diskussion über eine mögliche Konjunkturabschwächung ­sowie Unternehmensergebnisbelastungen infolge protektionis­tischer Eingriffe führt zu einer vorsichtigen Gangart in Bezug auf „Risky Assets“ wie Aktien und Credit-Spread-Produkte. Für die Asset Allocation bedeutet dies momentan ganz ­konkret, Aktienportfolios zugunsten von Aktienanleihen mit attraktivem Risikopuffer zu tauschen, in EM-Bonds lediglich über breit diversifizierte Laufzeitenfonds in vertretbarem ­Ausmaß zu investieren und auf High-Yield-Anlagen gänzlich zu verzichten.«

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