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3/2020 | Steuer & Recht
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Lang fristige Perspektive

EIOPA: Regelungen bezüglich der variablen Vergütungen im ­Versicherungsbereich sollen die langfristige Stabilität der Branche stärken.

Dass variable Vergütungsbestandteile in der Finanzbranche das Geschäft beeinflussen, zeigte die Finanzkrise 2007/08. Bonusvereinbarungen incentivierten die Mitarbeiter teilweise, ­höhere Risiken einzugehen, als eigentlich angemessen waren. Führten die eingegangen Risiken zu höheren Gewinnen, profitierte der Mitarbeiter über seinen Bonus; wurden die Risiken hingegen schlagend, gingen die Verluste zulasten anderer.
 
Nachhaltige Vergütungssysteme
 
Im Zuge der Aufarbeitung der Finanz­krise wurde erkannt, dass unter anderem die Vergütungsstrukturen im Finanzsektor zu deren Entstehung beigetragen haben. Bemängelt wurden dabei die teilweise sehr ­hohen variablen Vergütungsanteile und die fehlende Berücksichtigung eingegangener Risiken. „Da Erfolge zwar belohnt, Miss­erfolge jedoch nur eingeschränkt abgebildet wurden, haben diese Systeme insgesamt in Fehlanreizen zum Eingehen unverhältnismäßig hoher Risiken gemündet“, sagt ­Andreas Meier, Senior Manager für Board Services & Compensation beim Beratungsunternehmen Kienbaum Consultants International.
 
Opinion der EIOPA
 
Entsprechend hat die EIOPA am 7. April 2020 eine „Opinion“ zu einzelnen Aspekten der Vorgaben veröffentlicht, die auf variable Vergütungsbestandteile im europaweiten Versicherungssektor anzuwenden sind. „Die EIOPA möchte mit ihrer Opinion eine einheitliche Auslegung und eine einheitliche Umsetzung von Vergütungsgrundsätzen fördern“, erklärt Meier. Es sei zu erwarten, dass die BaFin die Inhalte der Opinion in weiten Teilen umsetzen wird. „Hierbei sind zwar grundlegende Änderungen zu erwarten, jedoch keine Zäsur“, so Meier.
Betroffen sind Vergütungsvereinbarungen von Vorständen, Aufsichtsräten, Personen, die das Unternehmen tatsächlich leiten, und sogenannten Risikoträgern. „Versicherungen müssen ihre Risikoträger anhand allgemeiner Kriterien identifizieren. In der Praxis sind dies in Deutschland oftmals Mitarbeiter der einzurichtenden Schlüsselfunktionen Com­pliance, Risikocontrolling, interne Revision und Versicherungsmathematik, vereinzelt aber auch aus dem Bereich Kapitalanlage“, so Meier.
 
Wichtigster Teil der EIOPA-Opinion ist, dass fixer und variabler Vergütungsbestandteil das Verhältnis 1 : 1 nicht überschreiten sollen. „Von derart hohen Bonusvereinbarungen sind wir in der Versicherungsbranche sehr weit entfernt“, sagt ein leitender Mitarbeiter einer deutschen Versicherung, der nicht genannt werden möchte. Meier gibt ihm recht: „Im Vergleich zu anderen Bereichen der Finanzbranche sind variable Vergütungen in der Versicherungswirtschaft moderat dimensioniert. Selbst auf Vorstandsebene sehen wir im nicht börsen­-notierten Branchenumfeld bereits heute meist ein Verhältnis von fixen und variablen Vergütungsbestandteilen, die den Vorgaben der Opinion entsprechen“, macht Meier deutlich. 
 
Langfristorientierung
 
Wie hoch die Gehälter in der Branche und deren Aufteilung im Schnitt sind, lässt sich nicht so einfach sagen. „Das richtet sich nach den Aufgaben und Leistungen der Funktion, der Vergütungspolitik und nach der Größe des jeweiligen Unternehmens“, so Meier.
 
Die EIOPA fordert, dass die Vergütung auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens auszurichten ist, und sieht allzu kurzfristige Incentives kritisch. „Zum einen sollen neben finanziellen auch nicht finanzielle Parameter wie Kundenzufriedenheit oder Nachhaltigkeitskriterien bei der Leistungsbewertung herangezogen werden. Zum anderen soll ein Teil der variablen Vergütung nicht sofort, sondern zeitlich verzögert ausbezahlt werden“, erklärt Meier.
 
Des Weiteren diskutiert die EIOPA in ihrer Opinion Malus- und Clawback-Vereinbarungen, also inwiefern die variable Vergütung auch gekürzt werden kann. Ein großer Punkt sind auch Abfindungszahlungen.
 
Prozess geht weiter
 
Man kann davon ausgehen, dass der Prozess der Vergütungsregulierung weiter läuft, und zwar in allen Bereichen des Finanzsektors: Banken, Versicherungen, Asset Manager, Pensionsfonds und andere Finanzdienstleister. „Bisher haben die gesetzlichen Regelungen die Banken wohl am schärfsten getroffen“, meint Meier. In einigen Ländern – Frankreich und Großbritannien – belegte man nach der Finanzkrise die hohen Bonuszahlungen sogar mit einer ­Extrasteuer, um sie für die Unternehmen unattraktiver zu machen.
 
Für Versicherungen enthält bereits das seit Januar 2016 geltende Solvency-II-Regelwerk Passagen über die Vergütungsstrukturen. Dort heißt es unter anderem, dass ein wesentlicher Teil der variablen Vergütung nur mit zeitlicher Verzögerung ausgezahlt werden darf. In Deutschland wurde nach der Finanzkrise auch der Corporate Governance Kodex (DCGK) angepasst, der aber eher generell gehaltene Anregungen für ­variable Vergütungen enthält und alle börsennotierten Unternehmen betrifft. Im Wesentlichen gelten für Versicherungen Artikel 275 der Delegierten Verordnung und untergeordnet noch die Versicherungsvergütungsverordnung.
 
Anke Dembowski 
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