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2/2022 | Produkte & Strategien
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Land unter?

Risikoparitätsansätze galten so manchen als Nonplusultra unter den Anlagestrategien. Nun ­haben eingefleischte Jünger von Risk Parity die Reißleine gezogen. Wie reagieren Fondsmanager ­darauf?

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Das Umfeld hat sich (auch) für Risk-Parity-Investments deutlich verschlechtert, wobei diese Produktklasse mit ihren ganz speziellen Problemen zu kämpfen hat. Immer mehr Investoren ziehen sich aus den Fonds zurück.

© Pensionsfonds PFA, Vladimir Wrangel | stock.ado
Die goldenen Jahre der Risikoparitätsfonds, die mithilfe ihres sorgfältig ausbalancierten Risikoprofils in fast jedem Marktumfeld gut funktionieren sollten und das auch geraume Zeit schafften, liegen schon lang zurück. Selbst langjährige Anhänger des regelbasierten Ansatzes, der auf den Hedgefondsmanager Ray Dalio zurückgeht, haben ihr Vertrauen in ihn verloren. Daran, dass die Idee der Risikoparitätsansätze gut ist, gibt es keinen Zweifel. Nur mithilfe von Volatilitäten und Korrelationen verschiedener Assetklassen (meist Aktien und Anleihen) werden Portfolios gebildet, ohne dazu die traditionell unzuverlässigen Ertragsschätzungen zu benötigen. Das Problem, das dem Konzept zusetzt, sind negative Zinsen über fast alle Laufzeiten. Zudem hat sich langsam, aber unaufhaltsam das Kreditrisiko in die festverzinslichen Wertpapiere inklusive Staatsanleihen eingeschlichen und die Vorstellung, dass Staatsanleihen risikofreie Cashflows generieren würden, zunichte gemacht. Und schließlich kommt hinzu, dass Anleihen und Aktien zunehmend korrelieren, wie man gerade in den letzten Wochen beobachten konnte. Einerseits steigen die Renditen für Staatsanleihen, was die Kurse der Langläufer in den Keller schickt, ­anderseits büßen Aktien angesichts drohender Zinserhöhungen und sinkender Gewinnerwartungen einiges von ihrer Alternativlosigkeit ein. Damit nicht genug, gerät die Risikoparität dann ins Wanken, wenn dem Markt Liquidität entzogen wird. Bald sollen ja dem US-Markt 95 Milliarden US-Dollar pro Monat von der US-Notenbank an Liquidität genommen werden. Und ­Liquidität ist für Risk-Parity-Manager, die oft mit deftigem Hebel agieren, entscheidend, wenn man angesichts steigender ­Volatilitäten vor allem auch auf der Bondseite Positionen abbauen muss, um sein Volatilitätsziel nicht zu verletzen. 
 
Nicht mehr sexy?
Des Weiteren gilt es bei vielen Ökonomen als gesetzt, dass es angesichts der Ukrainekrise und hoher Rohstoffpreise zu einer Stagflation kommen wird, die ebenfalls maue Aussichten für Aktien und Anleihen, die beiden Hauptbestandteile von Risikoparitätsstrategien, erwarten lässt. Crowdy Trades sind hier ein wichtiges Thema, denn die Bestandteile eines Risikoparitätsansatzes finden sich eben in vielen Risk-Parity-Lösungen wieder. Diese Gemengelage gefällt beispielsweise Kasper Lorenzen, Group CIO bei Dänemarks 94 Milliarden US-Dollar schwerem Pensionsfonds PFA, gar nicht. Er sagte im April 2022 in einem Interview mit Top1000­funds.com, dass er das Vertrauen in Risk Parity verloren habe. PFA setze Risikoparität seit 2021 nicht mehr als strategisches Instrument ein, denn das ursprünglich als Diversifikator zum Aktienrisiko gedachte Zinsrisiko wurde seiner Rolle immer weniger gerecht, da die Zinsen niedrig blieben und der Inflationsdruck zunahm. Cashflows in verschiedenen Assetklassen seien sich heute ähnlicher als vor einigen Jahren. Risikoparitätsinvestoren müssen ansprechende Zinssätze befürworten, damit die Diversifikation ihren Beitrag, wenn es nottut, auch leisten kann. Doch diese sehen sich allein auf weiter Flur, da sich die Notenbanken angesichts einer schwachen Wirtschaft und der hoch verschuldeten Staaten nur zu gern vom Zinsnormalisierungspfad abbringen lassen, um die Wirtschaft durch Öffnen der Geldschleusen wieder anzuschieben. Ein klein wenig Risk Parity gibt es aber immer noch bei PFA, und zwar in Form von Elementen eines 2020 eingeführten Overlays. 
 
Wie die Grafik „Fünfjahresperformances im Vergleich“ zeigt, schneiden die beiden auf US-Dollar lautenden Fonds, AQR Global Risk Parity UCITS Fund und UBS All Rounder USD, mit einer annualisierten Performance von 5,95 beziehungsweise 5,40 Prozent deutlich besser ab als die auf Euro lautenden Fonds. Dass die in der Dollar-Hemisphäre tätigen Fonds einen Performancevorsprung gegenüber den Euro-Kollegen herausgearbeitet haben, ist insofern nicht wirklich überraschend, als dass Zinsniveau und Spreads am US-Rentenmark höher ­ausfallen und auch die US-Aktientangente besser als europäische Aktien wegen der höheren Trendstärke und des Fokus auf Big Techs, die nun einmal in den USA angesiedelt sind, performt. Lombard Odier Investment Management gibt zu bedenken, dass über den Fünfjahreszeitraum die US-Dollar-Fonds von einer höheren Cash-Rendite in Dollar gegenüber dem Euro profitieren, die mehr als acht Prozent erreicht, sprich: Die Performance der Euro-Version der US-Dollar-Fonds dürfte in diesem Zeitraum um etwa acht Prozent niedriger sein. Unter den Europäern schnitt der R 337 – Strategic Alloca­tion Master A.R.1 Fonds mit 4,40 Prozent annualisierter Performance deutlich besser als die beiden fast gleichauf liegenden Invesco Balanced Risk Allocation mit 3,30 Prozent und LO Funds – All Roads mit 3,23 Prozent Zuwachs pro Jahr ab. Eindeutiges Schlusslicht ist der Vontobel Fund 2 – Vescore Global Risk Allocation Fund, der nur mit mageren 41 Basispunkten pro Jahr rentierte und insbesondere in den letzten zwölf Monaten deutlich gegenüber den Wettbewerbern zurückfiel. Berücksichtigt man den Cash-Rendite-Nachteil der Euro-Fonds, so verringert sich das Performance Gap, und der R 337 rückt sogar zu AQR auf. 
 
Flows
Was die Flows bezüglich Risikoparitätsansätzen anbelangt, so bietet sich für Max Widmer, Senior Client Portfolio Manager von Invescos Global Asset Allocation Team, ein gespaltenes Bild: „Die Jahre 2019 bis 2021 waren drei sehr starke Aktienjahre. In diesem Umfeld sind immer mehr Privat­anleger von breiter diversifizierten Strategien auf aktienorientierte Strategien umgeschwenkt. Diese Entwicklung haben auch wir zu spüren bekommen. Bis Anfang dieses Jahres haben wir dort Abflüsse beobachtet. Im institutionellen Bereich sehen wir aber keine Abwendung von unserer Strategie. Hier haben wir im Lauf der Jahre ein starkes, stetiges Wachstum erlebt. Derzeit entfallen 72 Prozent unseres verwalteten Vermögens von 18,5 Milliarden US-Dollar auf institutionelle Mandate.“ 
 
Fondsmanager Peter Schlagbauer, der für die Raiffeisen KAG den am 4. April 2008 aufgelegten R 337 – Strategic Allocation Mas­ter A.R.1 Fonds managt, der das Thema Risikoparität zum Gegenstand hat, berichtet über Abflüsse bis ins erste Halbjahr 2020 bei den Active-Risk-Parity-Fonds des Hauses, dann setzte allerdings ein gegenläufiger Trend ein. Schlagbauer: „Da sich unser aktiver Managementansatz aber während der Coronakrise sehr bewährt hat, sehen wir seither wieder Zuflüsse. Die stabile Kursentwicklung unserer Fonds in den ersten Monaten des heurigen Jahres hat diese Entwicklung noch beschleunigt. Denn gerade die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Assetklassen mit Inflationsbezug (Rohstoffe, inflationssensitive Aktien, inflationsgeschützte Anleihen) eine wichtige Rolle in jedem Portfolio spielen sollten.“ 
 
Eine zunehmende Skepsis gegenüber Risk-Parity-Strategien hat in den vergangenen Jahren Alain Forclaz, Deputy CIO, Multi Asset, Lombard Odier Investment Managers (LOIM), beobachtet: Tatsächlich dürfte das Interesse um die Jahre 2013, 2014 herum seinen Höhepunkt erreicht haben. Seitdem haben selbst wichtige Marktteilnehmer der Strategie den Rücken gekehrt und ehemalige Risk-Parity-Fonds umbenannt. Bei LOIM sind wir unserer Kernphilosophie treu geblieben, haben uns aber nicht auf möglicherweise vereinfachte Grundsätze versteift. Wir haben immer gesagt, dass die Welt der Risk-Parity-Strategien etwas missverstanden wird. So ziehen wir es vor, von ,risikobasierten‘ Strategien zu sprechen statt von Risk Parity im Speziellen.“ 
 
Eine andere Beobachtung macht Tim Stehle, Portfoliomanager bei Vescore, der heute den Vontobel Fund II – ­Vescore Global Risk Diversification Fund, der am 30. November 2009 das Licht der Welt erblickte, managt: „Risk Parity mit seiner klassischerweise hohen Anleihequote hat aktuell einen schweren Stand bei Investoren. Wir sind weiterhin von Risk Parity als Strategie überzeugt und setzen sie als wesentlichen Baustein in unseren Fonds und Mandaten ein.“ Den Volumenhöhepunkt hat der Fonds Ende Mai 2013 mit gut 475 Millionen Euro erreicht, am 2. Mai 2022 waren es nur mehr 103,62 Millionen und damit weniger als ein Viertel zu Zeiten des Höchststandes.
 
Keine Wunderwaffe
Invesco hat mit seiner Strategie aber auch auf die Veränderung des Marktumfelds reagiert, das heute deutlich anders ist als vor zehn Jahren. Widmer dazu: „Wir haben unsere Strategie seit ihrer Einführung in mehrerlei Hinsicht verbessert. Unser Portfolio wird zwar vollständig systematisch gemanagt, basiert aber auf unserer ‚Research-Agenda‘, die von uns jährlich überprüft und angepasst wird. Dadurch hat unsere Strategie auch ein qualitatives beziehungsweise pragmatisches Element.“ So wird jährlich neu ermittelt, was die aussichtsreichsten Themen sind. Schwachstellen im Prozess werden adressiert. Modelle und Strategien werden also innerhalb eines strukturierten und systematischen Rahmens ständig überprüft und bei Bedarf weiterentwickelt, um mit Veränderungen der grundlegenden Funktionsweise der Märkte und der Beziehungen zwischen Anlageklassen Schritt zu halten. Zu den jüngsten Anpassungen, mit denen Invesco auf Veränderungen der Marktkräfte reagiert hat, gehören die Integration einer strukturellen Diversifikation durch Optionen, die Umsetzung einer Zinsanpassung in der strategischen Anleihenallokation und die Umstellung von der Standardabweichung auf die Duration als Maß für das Risiko von Anleihen. Außerdem hat man die Berücksichtigung von Bewertungsänderungen bei Aktien und die Kontraktauswahl unter Einbeziehung der Saisonalität bei Agrarrohstoffen optimiert. Was die Zukunft des Risk-Parity-Ansatzes angeht, so steht für Invesco fest, dass es die eine Anlagelösung, die für alle Anlagebedürfnisse und -ziele die richtige ist, nicht gibt. Widmer führt aus: „Eine Wunderwaffe ist auch der Risikoparitätsansatz nicht, und auch er kann keinen Schutz vor Extremrisiken ­garantieren. Wo er aber glänzt, das ist in der ­Interaktion mit anderen Komponenten des Anlageportfolios. Wir sehen insbesondere vier wichtige Anwendungsbereiche für ­unseren benchmarkunabhängigen Risk-Parity-Ansatz: als Portfoliokernbaustein, als ­liquide Alternative oder Ergänzung zu Hedgefonds, zur Minderung der Volatilität und zur Inflationsabsicherung. In Bezug auf das Stagflationsrisiko adressiert unsere ­Strategie drei Risiken, denen jeder Anleger ausgesetzt ist: das Langlebigkeitsrisiko in Bezug auf eine angemessene Versorgung im Alter, das Verlustrisiko und das Kaufkraft­risiko.“
 
Anlageprozesse
Angesichts der Tatsache, dass Korrelationen in wichtigen Anlageklassen (Aktien und Credit beispielsweise) in den letzten Jahren zugenommen haben und nur wenige Investoren Staatsanleihen zutrauen, ihrem Diversifikationscharakter weiterhin gerecht zu werden, erhebt sich die Frage, ob die Anbieter an ihren Anlageprozessen bezüglich Risk Parity etwas verändert haben. Peter Schlagbauer, Fondsmanager des R 337, winkt im Wesentlichen ab: „Die wichtigste Nachricht in diesem Zusammenhang ist, dass es keine wesentlichen Änderungen im Prozess gegeben hat und dass sich vor ­allem das Festhalten an den langfristig erprobten asymmetrischen Overlay-Strategien bezahlt gemacht hat. Natürlich spielen nun auch Nachhaltigkeitsüberlegungen in unserem Investmentprozess eine wichtigere Rolle, und wir haben mit dem Raiffeisen Nachhaltigkeits-Diversified-Fonds auch einen Active-Risk-Parity-Fonds mit geringerem Zielrisiko, der mit drei Sternen des FNG-Siegels ausgezeichnet ist, im Angebot.“
 
Im Anlageprozess von Invesco hat sich in den letzten Jahren hingegen einiges geändert: 2021 hat man sowohl Long-Put-Optionen als auch defensive Faktorengagements in die Aktienkomponente der Strategie integriert, um die „Verteidigung“ im Portfolio zu stärken und gleichzeitig das explizite Zinsrisiko zu reduzieren. Angesichts der zunehmenden Korrelation zwischen Aktien und Anleihen ging man bei Invesco davon aus, dass bonitätsstarke Anleihen nicht mehr in der Lage sein würden, in Rezessionsphasen die nötige Verteidigung zu bieten. Daher hat man sich intensiv mit einer Lösung für dieses Dilemma beschäftigt und nach geraumer Zeit dafür entschieden, Staatsanleihen durch Optionen auf Aktien zu ergänzen. Widmer: „Auf diese Weise integrieren wir eine strukturelle Verteidigung, die nicht von negativen Korrelationen zwischen Anlageklassen abhängig ist.“
 
Auch Alain Forclaz und sein Team bei LOIM haben nachgebessert: „Wir blicken auf eine zehnjährige Erfolgsbilanz mit der All-Roads-Fondspalette zurück, aber vor ­allem auf eine gleich lange Erfolgsbilanz in der Forschung und Entwicklung, um die Strategie besser zu verstehen und den Prozess im Lauf der Zeit zu verbessern. Wir wollen unsere Grundprinzipien nicht ändern, sind aber fest davon überzeugt, dass wir unseren Prozess optimieren können, um unsere Diversifizierung oder Reaktionsfähigkeit durch eine effizientere Risikomodellierung oder die Integration neuer Risikoprämien oder Strategien zu verbessern. Eine wichtige Entwicklung, die wir Ende 2018 vorgenommen haben, war die Integration eines Bausteins sogenannter ,konvexer‘ Strategien, das heißt Strategien, die auf ­hohe Volatilität setzen und in der Regel von einem starken und unerwarteten Anstieg der Marktbelastung profitieren. Dieser Portfoliobaustein lieferte während des Ausbruchs der Covid-19-Pandemie im März 2020 sehr starke Renditen. Er trug dazu bei, Verluste in anderen Anlageklassen zu diversifizieren und das Portfolio im Fall einer starken Rekorrelation zwischen den Anlageklassen zu schützen. Staatsanleihen sollten unserer Meinung nach nicht völlig in Vergessenheit geraten, sie sollten aktiv verwaltet werden, etwa mit geeigneten Risikomodellen und Trendfolgestrategien, aber auch angemessen mit anderen Vermögenswerten oder Strategien diversifiziert werden, so zum Beispiel mit Long Volatility bei Zinssätzen oder anderen inflationsempfindlichen Vermögenswerten wie Inflation-Linkern und Rohstoffen.“
 
Tim Stehle von Vescore blieb auch nicht untätig: „Im Jahr 2021 haben wir die Volatilitätsschätzung grundlegend überarbeitet, um sie insbesondere beim Abklingen von Marktturbulenzen reagibler zu gestalten und eine schnellere Rückkehr in den Markt zu ermöglichen.“
 
Inflation-Linker: ja oder nein?
Wie sieht es mit dem Einsatz von Inflation-Linkern, speziell von TIPS (Treasury Inflation-Protected Securities) aus? Widmer von Invesco dazu: „Auf den ersten Blick ­erscheint eine Allokation in inflationsgeschützte Staatsanleihen in einem inflationären Umfeld sicherlich sinnvoll. Wie andere Staatsanleihen auch zahlen TIPS alle sechs Monate Zinsen und bei Fälligkeit den Kapitalbetrag. Der Unterschied besteht darin, dass der Coupon und das zugrunde liegende Kapital automatisch erhöht werden, um die Verbraucherpreisinflation auszugleichen. Ein Punkt, den TIPS aber nicht adressieren, sind die realen Renditen, und diese werden von den Wachstums- und Inflationserwartungen der Investoren beeinflusst. Inflationsgeschützte Anleihen sind auf die realisierte Inflation indexiert.“ Im Rückblick habe man gesehen, so Widmer weiter, dass TIPS in der letzten Phase einer hohen Inflation in den 1970er Jahren hinter Geldmarktanlagen und der Inflation zurückblieben. Grund dafür seien die Inflationserwartungen der Investoren, die höher als die realisierte Inflation gewesen seien und die realen Anleiherenditen in die Höhe getrieben hätten. Das hatte Kapitalverluste zur Folge. Hätten die Inflationserwartungen der Anleger der realisierten Inflation entsprochen, hätte die kumulative Rendite von TIPS die Inflation um den kumulativen Effekt der Realrendite übertroffen. Invescos Schlussfolgerung daraus ist, dass TIPS in Zeiten steigender Inflation zwar wahrscheinlich besser performen als nominale Anleihen, aber nicht automatisch eine positive reale Rendite liefern. So ist es durchaus möglich, dass TIPS negative Renditen liefern, aber trotzdem besser abschneiden als normale Anleihen. Aus diesem Grund glaubt Invescos Global Asset Allocation Team, dass Geldmarktanlagen zumindest aus langfristiger strategischer Sicht eine bessere Inflationsabsicherung bieten als TIPS. 
 
Peter Schlagbauer hält es mit Inflation-Linkern im R 337 wie folgt: „Da wir schon seit vielen Jahren auf eine sehr breite Assetklassenabdeckung besonderen Wert legen, um möglichst hohe Diversifikationseffekte zu nutzen, hat es auch in dieser Hinsicht keine Änderungen gegeben. Inflationsgeschützte Anleihen haben vor allem im letzten Jahr – zu Jahresanfang mit Gewichten rund um 50 Prozent – einen entsprechend positiven Performancebeitrag geliefert.“
 
Auch bei LOIM konnte man sich schon vor einigen Jahren für Inflation-Linked Bonds (ILBs) im Zusammenhang mit Risk Parity Ansätzen erwärmen. Alain Forclaz führt aus: „Anfang 2017 haben wir begonnen, in ILBs zu investieren. Unsere Absicht war es, die Diversifikation des Portfolios aus struktureller Sicht – nicht taktisch – zu verbessern. ILBs haben sich in den letzten ein bis zwei Jahren als sehr nützlich erwiesen, da die Inflationsüberraschungen zunahmen. Abgesehen von den ILBs war der ­einzige neue ,Vermögenswert‘, den wir in den letzten Jahren eingeführt haben, der ­erwähnte ,Long Volatility‘-Korb“, der nicht wirklich eine Anlageklasse darstellt, sondern eher eine Reihe von systematischen Strategien für die Aktien- und Zinsvolatilität. Ansonsten ändern wir die Zusammensetzung unserer Anlageklassen kaum, da ein wesentliches Ziel unserer Strategie darin besteht, jederzeit extrem liquide zu bleiben. Die Anzahl der in Frage kommenden Anlageklassen und Instrumente ist aus unserer Sicht relativ begrenzt und beschränkt sich auf Staatsanleihen, einige Kreditmärkte, Aktien aus Industrie- und Schwellenländern, Rohstoffe und verschiedene Long-Volatility-Techniken. In ihrer Gesamtheit bieten sie jedoch eine ausreichende Diversifikation.“
 
Vescores Tim Stehle berichtet davon, dass man Währungen 2021 als neue strategische Assetklasse eingeführt hat, um eine breitere Risikostreuung zu erreichen. Im gleichen Zug wurde das – marktneutrale – Exposure gegenüber Rohstoffen deutlich ­erhöht.“ TIPS sind nicht in seinem Fonds enthalten und werden in absehbarer Zeit auch nicht Teil des Konzepts sein, verrät der Manager. Da der Fonds nur auf sehr liquide Instrumente setze, sei diese Anlageklasse aktuell nicht im Fokus.
 
Peergroup-Vergleich
Mit den Fünfjahresperfomances konfrontiert, erläutern die einzelnen Fondsmanager, welchen Umständen sie ihren Platz im ­Ranking zuschreiben. R-337-Manager Peter Schlagbauer erwähnt den sehr breiten ­Assetklassenansatz der Raiffeisenfonds, von dem sein Fonds profitiert habe, und die sehr aktive Positionierung, die ein gutes Abschneiden ermöglicht hat: „Im Gegensatz zum gleichen Risikobeitrag in unseren vier Risikoblöcken – Aktien-, Zinsrisiko, Infla­tionsrisiko und Spread-Risiko – waren wir in den letzten Jahren beim Inflationsrisiko deutlich über- und beim Zinsrisiko deutlich untergewichtet. Außerdem haben wir vom antizyklischen Agieren im Rahmen unserer strategischen Asset Allocation profitiert. Beispielsweise haben wir die strategische Aktienquote von 23 Prozent zu Beginn 2020 – im Zuge der Coronakrise – Ende März 2020 auf 33,5 Prozent angehoben.“ 
 
Dass der Invesco Balanced Risk ­Allocation Fund im Mittelfeld des Peergroup-Vergleichs aufscheint, begründet Widmer folgendermaßen: „Ich gehe davon aus, dass die Manager, die uns geschlagen haben, stärker in Aktien und aktienähnlichen Anlagen wie Hochzinsanleihen investiert waren. Wie hatten ja gerade erst drei sehr starke Aktienjahre. Die neuesten Daten zeigen aber, dass wir zuletzt im Vergleich zu unseren Konkurrenten gut abgeschnitten haben, hauptsächlich aufgrund unseres Rohstoffengagements, aber auch wegen des geringeren Zinsrisikos.“
 
Stressphasen gemeistert
Alain Forclaz von LOIM weist darauf hin, dass die ausgewogene All-Roads-Strategie im Peergroup-Vergleich wegen ihrer geringeren Volatilität von fünf Prozent per annum ein konservativeres Risikoprofil ­aufweise als die Wettbewerber, deren Volatilität in der Vergangenheit in der Range von 7,5 bis 9,0 Prozent gelegen habe. Er findet, dass die All-Roads-Growth-Strategie (gleiche Bestandteile, aber höherer Leverage) passender wäre, die im betreffenden Zeitfenster eine Rendite von 5,97 Prozent erzielt habe. Mit dieser 2017 aufgelegten Strategie habe man Stressphasen in der Regel besser gemeistert, was auf Risikobudgetierungstechniken (Deleveraging) oder lange Vola­tilitätsbausteine sowie auf alternative Risi­ko­prämien-Overlays zurückzuführen sei. Auf der anderen Seite habe man sich ­anschließend möglicherweise weniger schnell erholt. Insgesamt erzielte man mit All Roads Growth eine bessere Sharpe ­Ratio und auch eine bessere Calmar Ratio (Quotient aus Überschussrendite und Maximum Drawdown). Forclaz betont, dass bei LOIM der ­Kapitalerhalt von großer Bedeutung sei, und daher sei das bevorzugte ­Risikomaß das Verlustrisiko und nicht nur die Volatilität.
 
Tim Stehle von Vescore verweist auf das Grundkonzept des Fonds: „Der Fonds sieht ein Long-Exposure für die zwei Hauptassetklassen Aktien und Anleihen vor. Die stark steigenden Zinsen in Kombination mit den derzeitigen geopolitischen Risiken begrenzten im bisherigen Jahresverlauf die Diversifikationsmöglichkeiten für den Fonds.“
 
Was die Zukunft bringt
Forclaz ist davon überzeugt, dass Risk Parity eine Zukunft hat: „Wir haben unser Vermögen in der All-Roads-Fondspalette von einigen hundert Millionen Euro vor ­sieben Jahren auf heute fast 3,5 Milliarden Euro erhöht. Um der Kundennachfrage gerecht zu werden, haben wir 2017 und 2020 neue Risikoprofile aufgelegt. Das Interesse an unserer Strategie nimmt zu, nicht unbedingt aus taktischen Gründen, sondern weil die Erfolgsbilanz beweist, dass eine risikobasierte Strategie bessere Renditen erzielen kann und aus Sicht der Diversifizierung sinnvoll ist. Aus unserer Sicht ist Risk ­­Parity derzeit sehr sinnvoll, da es eine ­Alternative zu der weit verbreiteten Tendenz darstellt, das Aktienengagement (sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor) zu erhöhen, um die angestrebten Renditen zu erreichen – allerdings ist dies mit einem Verlust an Diversifikation verbunden. Es stimmt nicht, dass alle risiko­basierten Strategien zu stark von Staatsanleihen abhängig sind und im heutigen Umfeld scheitern sollten. Es mag zwar zutreffen, dass einige Produkte auf dem Markt konstruktionsbedingt ein höheres Beta zu bestimmten Vermögenswerten (wie Dura­tion, Aktien oder Krediten) aufweisen, aber robuste, gut diversifizierte risikobasierte Strategien haben diese Tendenz zur Risikokonzentration nicht – ganz im Gegenteil, sodass sie in allen Markt- und makroöko­nomischen Situationen eine bessere Diversifizierung beibehalten können. Das macht sie zu einer natürlichen Ergänzung zu traditionellen Ansätzen.“ Optimierungspotenzial gebe es laufend bei den Risikomodellierungstechniken, etwa die Einbeziehung von Daten mit höherer Frequenz. Daneben erforsche man den Einsatz von maschinellem Lernen und KI, um neue Wege bei der ­Renditeerzielung und Diversifizierung zu finden, und man prüft Handelstechniken, die helfen, LOIMs Strategie in allen Marktumgebungen effizient umzusetzen.
 
Positiv gestimmt für die Zukunft von Risk Parity ist auch Peter Schlagbauer: „Da sich unser langfristig ausgerichteter Prozess nun schon seit Auflage 2008 in zahlreichen Krisen bewährt hat, haben wir keine wesentlichen Änderungen in unserem Investmentansatz geplant.“ Laut Tim Stehle sind für die nähere Zukunft keine wesentlichen Änderungen am Modell geplant. Weiterentwicklungen, kleinere Verbesserungen an der Strategie seien aber natürlich immer möglich, auch angesichts dessen, dass Risk ­Parity neben dem Fonds auch in weiteren Produkten als Baustein eingesetzt werde. Was die unmittelbare Zukunft betrifft, ­verweist Max Widmer auf die diesjährige Research Agenda von Invesco: „Diese umfasst eine Stärkung der defensiven Eigenschaften unserer Strategie. Diesmal nehmen wir das Engagement in Rohstoffen unter die Lupe.“
 
Unterm Strich zeigt sich, dass im Umfeld mit statischem Risk Parity wenig zu gewinnen ist. Wer noch engagiert ist, muss klären, ob die Fonds, die man hält, daran arbeiten, das Konzept zu ergänzen – die Bandbreite der Möglichkeiten reicht von Overlay- und Optionsstrategien bis zur Erweiterung um bisher nicht vereinnahmter Risikoprämien. Die einstige Wunderwaffe in der Asset ­Allocation ist aber nicht tot, sondern hat nach wie vor ihren Platz im Portfolio­kontext.

Dr. Kurt Becker

Anhang:

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