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1/2022 | Produkte & Strategien
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Hands-on-Investoren

Die Partners Group in Zug ist einer der global tätigen Private-Markets-Manager. Sie wurde 1996 ­gegründet und beschäftigt heute mehr als 1.600 Mitarbeiter. Wir sprechen mit Markus Pimpl, ­Managing Director Client Solutions, darüber, was Private Equity ausmacht.

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Markus Pimpl: „Bei der Partners Group begleiten wir die Unternehmen, wir entwickeln sie und bringen sie auf eine neue Ebene. Das hat viel mehr mit Unternehmertum zu tun als der schnelle Aktienhandel.“

© Vincent Keiner
Im Gespräch merkt man: Der Mann lebt das, was er tut. Die beiden Lieblingsthemen von Markus Pimpl sind Private Markets und ELTIFs. Er ist Managing Director Client Solutions bei der Partners Group. „Wir verstehen uns als Unternehmer, die die Wertschöpfung in unseren Investments fördern, indem wir ­aktiv in die Unternehmen hineingehen und Einfluss ausüben. Das ist sozusagen die Essenz des Unternehmertums.“
 
Essenz des Unternehmertums
Dass in Deutschland das Unternehmerische oft skeptisch gesehen wird und das Wort „Heuschrecke“ im Hinterkopf schwirrt, tut ihm weh. „Unternehmerisch tätig zu sein, ist ein immenser Quell an Innovationen. Wir haben ein tiefes Verantwortungsgefühl gegenüber unseren Investoren und gleichzeitig auch gegenüber den vielen tausend Mitarbeitern der Unternehmen, in die wir investieren. Die wollen wir ebenso mitnehmen, wenn Veränderungen anstehen.“ Er findet, dass beides gut Hand in Hand geht. „Das Bild der Heuschrecke, das in den 90er-Jahren kreiert wurde, ist misslich. Das mag der damalige Turbokapitalismus gewesen sein, mit viel Hebel, viel Fremdkapital und Filetierkunst. Auf diese Weise werden Sie heute keine Rendite mehr erwirtschaften können“, ist er überzeugt.
 
Die Partners Group investiert sektorübergreifend in Unternehmen und Anlagen, die ihrer Einschätzung nach das stärkste Entwicklungspotenzial aufweisen. Gefällt ihr ein Unternehmen, strebt sie eine Kontrollbeteiligung an, um Einfluss nehmen zu ­können. Diese positive Einflussnahme sieht Pimpl als den größten Unterschied zu den Public Markets. „Gerade wenn es unangenehm wird, wollen wir am Ruder stehen und die Geschicke selbst steuern. Das ist Private Equity. Auf der anderen Seite ist Public Equity. Da sitzen Sie als Investor bildlich gesprochen auf einem Floß und hoffen, in die richtige Richtung getrieben zu werden!“ Im Gespräch zieht er öfter maritime Vergleiche, weil er gern segelt. „Leider habe ich kein eigenes Schiff. Im Moment habe ich nicht die Zeit dafür!“, stellt Pimpl fest.
 
Dafür, dass da ein Manager am Ruder steht, anstatt auf einem Floß zu sitzen, gibt es einen Rendite-Pickup. Das ist der Hauptgrund dafür, weshalb sich in den letzten Jahren immer mehr Investoren den Private Markets zugewandt haben, während im Fixed-Income-Bereich die Renditen dahingeschmolzen sind. „Im Beteiligungsbereich gibt es strukturelle Vorteile, die interessante Renditen bieten, und zum anderen trägt dieses Marktsegment auch zur Diversifikation bei“, meint Pimpl.
 
Die niedrigere Volatilität von Private Equity sieht er nicht nur der Tatsache geschuldet, dass es hier naturgemäß ­weniger Datenpunkte gibt als bei börsengehandelten Unternehmen. „Sie sind hier insgesamt weniger durch das Markt-Sentiment getrieben. Nehmen Sie den Januar 2022, ein schlechter Börsen­monat. Geht es jetzt allen Unternehmen schlecht? Sicher nicht! Die Unternehmen sind ja nicht heute zehn Prozent weniger wert als vor einem Monat, nur weil der Markt gerade ängstlich ist. Bei Private Equity sind Sie diesem täglichen Markt-Sentiment nicht so stark ausgesetzt.“
 
Er verweist auf den Streit zwischen der Deutschen Börse und Wendelin Wiedeking. Die Frankfurter drohten 2001, Porsche aus dem MDax zu werfen, wenn die Zuffenhausener nicht wie die anderen Unternehmen auch ihre Quartalsberichte vorlegen würde. „Wiedeking argumentierte damals, dass Quartalsberichte den Blick auf zyklische Branchen wie den Automobilbau verzerren und nur unnötige Kosten verursachen“, zeigt Pimpl Verständnis für Wiedekings Haltung. „Als Private-Equity-Investor gehen Sie mit dem Unternehmen auch durch Phasen, in denen es sich neu positioniert, wo es neue Produktlinien aufbaut, wo ein neuer Kurs angelegt wird. Das braucht Zeit. Für den Markt sehen solche Manöver im Quartalsbericht nicht immer toll aus. Diese Zeit gibt Ihnen der öffentliche Markt leider oft nicht“, so Pimpl. Er merkt, dass diese Aussage in Zeiten, in denen immer mehr Transparenz gefordert wird, merkwürdig klingt. „Natürlich erhalten unsere Kunden quartalsweise Reportings. Aber die sind nicht so sentiment- und emotionsgetrieben. In den Private Markets haben Sie die Informationen zwar nicht innerhalb von Milli­sekunden, aber die Qualität der Information ist viel tiefer und mehrwertiger als das, was Sie zu börsengehandelten Firmen erhalten.“ Pimpl kennt das hektische Tagesgeschäft der Public Markets, denn am Anfang seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er als Aktienhändler in Frankfurt, zunächst beim Bankhaus Sal. Oppenheim & Cie. und später beim Börsenmakler Saunders & Zell­weger. „Früher als Händler, da habe ich tatsächlich nur in meine Bloomberg- und Reuters-Bildschirme geschaut und gehofft, dass der Markt sich in die richtige Richtung entwickelt. Jetzt bei der Partners Group begleiten wir die Unternehmen, wir entwickeln sie und bringen sie auf eine neue Ebene. Das hat viel mehr mit Unternehmertum zu tun als der schnelle Aktienhandel.“
 
Schleich und Rovensa
Er gibt zwei Beispiele, bei denen die Partners Group investiert ist: Schleich und Rovensa. Schleich-Tiere kennt jeder, der schon mal ein Kinderzimmer von innen ­gesehen hat. „Wir halten an Schleich eine Mehrheitsbeteiligung. Es ist ein gut geführtes Unternehmen, aber wir haben eine klare Idee, wie wir ein noch besseres Unternehmen daraus machen können. Beispielsweise die Erarbeitung einer neuen Markenstrategie, die Erschließung neuer Absatzmärkte sowie die engere Bindung der Mitarbeiter durch die Einführung eines Mitarbeiter­beteiligungsprogramms. Natürlich haben wir auch die Umwelt im Blick und setzen auf die Entwicklung nachhaltigerer Mate­rialien und Verpackungen“, erklärt Pimpl.
 
Rovensa ist ein Unternehmen aus Portugal, das biologische Pflanzenschutzmittel, Saatgut und Dünger entwickelt. Es passt gut zu den globalen Trends wachsende Weltbevölkerung, erhöhter Lebensmittelbedarf und ökoverträgliche Landwirtschaft. „Hier halten wir eine signifikante Beteiligung. Der Vertrieb war sehr inlandsorientiert. Wir strukturieren den Vertrieb jetzt neu, bauen das Unternehmen globaler aus, beispielsweise in Richtung Südeuropa und Lateinamerika“, erklärt Pimpl. „Man erwartet, dass der Bedarf an Lebensmitteln bis 2050 um 50 Prozent zunehmen wird und gleichzeitig die Flächen, die zur Erzeugung genutzt werden, gleich bleiben oder weniger werden. Sie brauchen also höhere Erträge“, nennt er Wachstumsargumente.
 
So geht die Partners Group generell vor: Wo sind Unternehmen, die weniger konjunkturanfällig sind als andere oder die mehr Preismacht als ihre Wettbewerber ­haben? Partners Group ist bekannt dafür, Unternehmen mit einem bestehenden, oft marktführenden Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Mit eigenen Industrie- und Sektorexperten werden Unternehmen analysiert und bereits vor der Investitionsentscheidung Businesspläne entworfen, um die transformative Weiterentwicklung von Tag eins der Beteiligung an zu ermöglichen. Dabei geht es vor allem darum, das Unternehmen im Detail zu kennen, um effizient Hilfestellung bei der Weiterentwicklung anbieten zu können. Neben einer Mitarbeit in den Verwaltungs- und Geschäftsführungsgremien kommt es durchaus auch zu einer ganz praktischen operativen Mitarbeit. 
 
ELTIF-Pionier
Für die Private Markets hält Pimpl das EU-Vehikel ELTIF (European Long-Term Investment Fund) wie gemacht: „Die EU wollte die privaten Märkte öffnen, auch für Privatanleger. Wir brauchen mehr Unternehmertum in Europa und auch mehr Inves­titionen in die Infrastruktur.“
 
Das Instrument des ELTIF hat die EU im April 2015 als reguliertes Fondsvehikel für illiquide Anlagen eingeführt und mit einem europäischen Vertriebspass ausgestattet, was den auflegenden Gesellschaften den grenzüberschreitenden Vertrieb erleichtern sollte. Neben Institutionellen sollen ELTIFs auch Privatanlegern offenstehen. „Wenn wir Privatanleger in ELTIFs investieren lassen, müssen diese auch besonders geschützt werden“, sagt Pimpl. „Ich halte private Märkte auch für Privatanleger für sehr sinnvoll. Das eröffnet ihnen neue Renditequellen und bringt das Unternehmerische in ihre Portfolios. Da stehen wir von der Partners Group voll dahinter.“ Einige Marktteilnehmer sehen es als Nachteil für Institutionelle, dass das ELTIF-Regime klare Investmentvorgaben im Sinne des Anlegerschutzes macht; nicht so die Partners Group. „Natürlich haben Institutionelle andere Due-Diligence-Möglichkeiten, aber auch sie mögen es, dass für den ELTIF-Asset-Manager bei der Portfoliozusammenstellung transparente und einheitliche Regeln, etwa zur Risikostreuung, für den Einsatz von Fremdkapital auf Portfolioebene etc., bestehen. Bisher konnten Institutionelle nur über unregulierte AIFs in illiquide Assetklassen investieren. Jetzt erhalten sie diese Assetklassen auch im regulierten Vehikel – das ist doch kein Schaden! Wir sehen auch erste Institutionelle, die in ELTIFs investieren, und es werden mehr“, so Pimpl. Gerade für kleinere Stiftungen, Pensionskassen und Family Offices, die nicht immer die großen Abschnitte zeichnen wollten, sei der ELTIF ideal. „Und auch für Versicherungen wird jetzt ein ­Zeichen für ELTIFs gesetzt, da es für sie möglich ist, auf eine 22-prozentige Solvency-Ausstattung zu kommen, während typischerweise eine 39-prozentige Hinterlegung für ,Type 1 Equities‘ gefordert ist. Das wird dem ELTIF als Instrument für Langfrist­investments gerecht. Da wird sich in Kürze einiges tun!“, freut sich Pimpl über die ­guten Aussichten. Im vierten Quartal 2021 habe die EFAMA erst 51 registrierte ­ELTIFs gezählt, aktuell seien es schon 67.
 
Pimpl ist stolz, dass er bei der EFAMA-Konferenz zur anstehenden regulatorischen Überarbeitung des ELTIF-Regimes einen Fonds der Partners Group als Case Study für die erfolgreiche Umsetzung eines ELTIF vorstellen durfte. „Bei der Partners Group haben wir vergleichsweise lange Erfahrung mit ELTIFs. 2016 haben wir unseren ersten ELTIF aufgelegt, aktuell arbeiten wir mit der zweiten ELTIF-Generation, und wir ­bereiten jetzt die dritte Generation vor. Ich bin froh, dass ich bei einer Firma arbeite, die mich dieses Thema entwickeln lässt und mir Raum für die Umsetzung gibt. Das macht für mich die Partners Group aus: Die Maßstäbe, die wir an unsere Beteiligungen anlegen, gelten auch für uns!“, lobt Pimpl seinen Arbeitgeber.
 
Dieses Engagement für den ELTIF wird auch beim luxemburgischen Fondsverband ALFI wahrgenommen: „ALFI hat eine sehr engagierte ELTIF-Arbeitsgruppe, und wir sind dankbar für die Unterstützung führender Experten wie Herrn Pimpl, die gemeinsam zum Erfolg der ELTIFs beitragen“, sagt Emmanuel Gutton, Director Legal & Tax bei der ALFI. Hintergrund ist, dass der Verband das Thema ELTIF aktiv vorantreiben möchte. 
 
Dass einige dieses Instrument nicht mögen, werde dem ELTIF nicht gerecht und liege nicht selten an der möglichen Selbsterkenntnis einiger Asset Manager, dass man einen ELTIF nicht einfach umsetzen kann, findet Pimpl. Gerade jetzt, da viele Asset Manager aus dem Public-Equity-Bereich spüren, dass der ETF-Erfolg ihnen in ihrem angestammten Bereich auf die Margen drückt, versuchen Public-Markets-Asset- Manager, in die Private Markets hineinzukommen. „Aber es gibt im Vergleich zu den Public Markets nicht viele Asset Manager in Europa, die über eine langjährige Private-Markets-Erfahrung verfügen, insbesondere wenn man den Anspruch hat, aktiv in einer Unternehmung seinen Beitrag zu leisten. Dazu braucht es Mitarbeiter, die über entsprechendes Industrie-Know-how und Hands-on-Erfahrung in der Unternehmensführung verfügen“, so Pimpl. Diese Art zu inves­tieren sei nicht nur sehr personalintensiv, sondern erfordere auch eine ganz andere Form der Spezialisierung im Vergleich zu einem Aktienfondsmanager. „Viele inter­nationale Player, die im Private-Markets-Segment zu Hause sind, orientieren sich bisher nicht sehr stark an der europäischen Regulierung, was häufig an der angelsächsisch geprägten Herkunft und dem reinen Fokus auf institutionelle Investoren liegt“, beobachtet Pimpl. Letztlich sei das auch ein Grund dafür, dass sich die Zahl der ver­fügbaren ELTIFs zunächst nur langsam entwickelt hat. 
 
Nachhaltigkeit als Chance
Das Thema Nachhaltigkeit betrachtet die Partners Group als unternehmerische Chance. „Die grüne Transformation mag im ersten Schritt etwas kosten, aber sie birgt auch viele Opportunitäten. Wir können Unternehmen weiterentwickeln und dadurch langfristig auch Wertschöpfung im Bereich der Nachhaltigkeit schaffen“, meint Pimpl. Dazu müssten nur die In­vestitionsbudgets anders ausgerichtet und der längere Zeithorizont für manche ­Entwicklung akzeptiert werden, aber im Prinzip sei das wie jedes andere Investment. „So wie sich ein Bauunternehmer einen Bagger kauft, so kauft jetzt ein Energieversorger einen Windpark. Ich ­mache mir wenig Sorgen um die Kosten der Transforma­tion, sondern eher um diejenigen Unternehmen, die das Thema noch ignorieren“, meint Pimpl. Aus Inves­torensicht sei die Transformation eine langfristige Investi­tionsrechnung, an deren Ende ein gutes ­Ergebnis stehe: Nachhaltige ­Unternehmen sind resilienter und langfristig erfolgreicher. 
 
Alle aktuell im Vertrieb befindlichen Fonds der Partners Group seien SFDR-­Artikel-8-Fonds: „Wir integrieren Nach­haltigkeit in unseren gesamten Investitionsprozess und können darüber transparent ­berichten. Die Investoren fragen danach, private wie institutionelle“, sagt Pimpl.
 
Vielfalt in privaten Märkten
Er verweist darauf, dass es 1998, als er bei Sal. Oppenheim am Frankfurter Bör­senparkett angefangen hat, in den USA knapp 50 Prozent mehr börsennotierte ­Gesellschaften gab als heute. „Aktuell gibt es in den USA 23 Mal so viele privat ­gehaltene Unternehmen wie gelistete Unternehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Trend anhalten wird“, meint Pimpl. Weil es immer weniger börsengehandelte Unternehmen gibt, würde sich das Universum für Investoren bei Public Equity verengen. Im Gegensatz dazu stehe ­Investoren in den privaten Märkten schon rein quantitativ eine ­größere Vielfalt an Investitionsopportunitäten offen.
 
Anke Dembowski 

Anhang:

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