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3/2022 | Produkte & Strategien
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Gut Holz!

Das neu erweckte Interesse an Waldinvestments ist noch keine Reaktion auf die ansteigende ­Inflation, sondern den Themen Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion geschuldet. Außerdem ­locken derzeit die deutlich höheren Holzpreise.

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Waldinvestments galten lange Zeit zwar als nachhaltig, aber vergleichsweise ertragsarm. Die jüngsten Preisentwicklungen am ­Holzmarkt und der massive Inflationsanstieg werfen ein völlig anderes Licht auf „Holz“.

© MEAG, GMF
Wenn es eine Assetklasse gibt, die ohne Zweifel für Langfristigkeit steht, dann ist es Wald. „Wer heute Wald pflanzt, weiß, dass seine Enkel einmal das Holz ernten können“, sagt Wendelin von Gravenreuth. Der studierte Forstwirt stammt nicht nur aus einer Familie, die traditionell Waldinvestments tätigt, sondern er ist auch Senior Manager Global Forest Investment bei MEAG, dem Asset Manager der Munich Re Gruppe.
 
Verstärktes Interesse
Die Tatsache, dass es bei der MEAG eine solche Abteilung gibt, zeigt, dass neben Adelsfamilien und Staatsforsten, die traditionell in Wald investieren, zuletzt auch große institutionelle Investoren ein Auge auf Forstinvestments werfen. Dass sie Inflationsschutz bieten, ist aber nicht der alleinige Grund dafür. „Den Anstieg der Inflation haben wir noch nicht so lange, und bis eine Assetklasse in der strategischen Asset ­Allocation höher gewichtet wird und die Hebel tatsächlich umgelegt werden, dauert es eine Weile“, meint von Gravenreuth und verweist auf andere Gründe, die für Waldinvestments sprechen: „Nicht zuletzt lassen die Themen Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion viele Investoren nun auch an Waldinvestments denken. Außerdem ist mit weiter steigenden Preisen für Forstflächen und Holz zu rechnen.“
 
Die Munich Re Gruppe, für die er tätig ist, agiert hier schon länger. „Nach der Finanzkrise hat die ­Munich Re begonnen, Wald als ­eigene Assetklasse zu entwickeln. Derzeit haben wir rund 1,5 Milliarden Euro in Wald investiert und sind über sieben Länder diversifiziert. Jährlich schlagen wir mehrere Million Tonnen Holz ein. Wir steuern das über langfristige Einschlagsplanungen, und dann gibt es kurzfristige taktische Pläne mit jährlichen Budgets“, so von Gravenreuth. Ein bekanntes deutsches Beispiel im Portfolio der Munich Re ist die Forst Ebnath AG, deren Kerngeschäft die Bewirtschaftung von forstlichem Grund­besitz in der Oberpfalz ist. „Aus meiner ­Erfahrung allokieren institutionelle Investoren rund zehn Prozent ihrer Assets in ­Alternative Investments, und davon können Forstinvestments zwei bis drei Prozent ausmachen“, sagt von Gravenreuth.
 
Sukzessive investierte die Munich Re nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Erstversicherungstöchter in Wald, und vor einiger Zeit hat sich die Gruppe entschieden, ihre Wald- und Forstexpertise auch externen Investoren anzubieten. Im Juli 2022 kam MEAG mit dem MEAG Sustainable Forestry Equity Fund auf den Markt. „Wir managen den Ankauf und die laufende Bewirtschaftung direkt bei der MEAG“, so von Gravenreuth.
 
Aber nicht nur große Asset Owner wie die Munich Re Gruppe bauen ihre Aktivitäten mit Waldinvestments aus, sondern auch Asset Manager wollen ein Standbein in dieser Assetklasse haben. So hat J.P. Morgan Asset Management im Juni 2021 den spezialisierten Wald-&- Timber-Asset-Manager Campbell Global übernommen, der Waldflächen im Wert von 5,5 Milliarden US-Dollar (ca. 5,18 Mrd. Euro) verwaltet und fast 40 Jahre Expertise bei Wald- und Timber-Investments hat. Beheimatet ist dieser spezialisierte Asset Manager in Portland, Oregon, USA, und arbeitet mit rund 150 Angestellten, darunter Förster und akademische Forstwirtschaftler. „Diese Akquisition erweitert unser Angebot an alternativen Investments und zeigt unseren Wunsch, Nachhaltigkeit sinnvoll in unser Geschäft zu integrieren“, erklärte George Gatch, Chief Executive Officer von J.P. Morgan Asset Management, letztes Jahr bei der Übernahme.
 
Beliebte Nischen-Assetklasse
Neu sind Waldinvestments aber keineswegs, führt von Gravenreuth vor Augen: „In den USA haben einige der großen Institutionellen in den 1980er-und 1990er-Jahren begonnen, in Forst zu investieren“, sagt er. Der Harvard Endowment Fund habe damals mehrere Forstleute angestellt und Wälder in Neuseeland, Rumänien und dem ­Baltikum gekauft. „Aber auch der MassPRIM, CalPERS und die Lehrerpensionskasse TIAA haben umfangreiche Forstinvestments.“ In Europa begegnet er bei Pitches oft skandinavischen Pensionsfonds wie AP1 bis AP3, dem dänischen Lehrerfonds, dem holländischen Pensionsfonds APG, dem finnischen Pensionsfonds Ilmarinen oder der Church of England. „Die sind alle schon lange in Forst investiert, und aus Deutschland sehen wir öfter Versorgungswerke wie die BVK oder mittelgroße Pensionskassen, aber auch einige Kirchen“, so von Gravenreuth.
 
Tobias Bockholt, der bei WTW das ­Investment Consulting für Deutschland ­leitet, bemerkt, dass sich in letzter Zeit ­Investoren aus deutschsprachigen Ländern verstärkt für Forstinvestments interessieren: „Momentan lässt sich beobachten, dass sich das Investmentuniversum weiter auffächert und mehr in Nischenstrategien gegangen wird“, so Bockholt. Waldin­vestments hält er aktuell für eine besonders attraktive Nische. „Es handelt sich dabei um langfristig planbare Anlagen, die nachhaltig sind.“ WTW begleitet solche Überlegungen im Rahmen von Beratungs- mandaten, insbesondere über die Manager- selektion.
 
Felix Jenninger, der beim Asset Manager Salm-Salm den Bereich Land- und Forstwirtschaft zusammen mit Constantin Wendt verantwortet, sieht einen weiteren Vorteil für die Assetklasse: „Das Schöne an Timber-Investments ist, dass es sich um eine Kombination aus Substanzwert und Cashflow handelt. Sie werden Eigentümer von Grund und Boden, und gleichzeitig ­bewirtschaften sie ihn und haben mit dem Holzverkauf eine attraktive Einnahmequelle.“ Er verweist auf das Zitat von Mark Twain und findet, dass da was dran ist: „Buy land, they’re not making it anymore.“ Salm-Salm nutzt in seinem Fonds noch eine weitere Möglichkeit: „In einem unserer Wälder in Nordhessen haben wir zwölf Windkraftanlagen gebaut. Das geht sehr gut, denn die Bäume werden dort bis zu 40 Meter hoch, und die Windräder haben eine Nabenhöhe von 200 Metern.“
 
Allzu hoch fliegende Erwartungen, was die Allokationen betrifft, bremst Bockholt allerdings ein: „Institutionelle können Waldinvestments lediglich im Rahmen einer Nischenstrategie abbilden. Signifikante Allokationen werden Investoren darin nicht aufbauen, das wird im unteren einstelligen Bereich bleiben.“ 
 
Trotzdem: Das gestiegene Interesse neuer Investoren an dieser Nischen-Assetklasse treibt die Preise für Wald in die Höhe, weil es eine zusätzliche Nachfrage darstellt. Schließlich stoßen die traditio­nellen Waldbesitzer ihre Wälder nicht ab. Die größere Nachfrage und das nicht auf die Schnelle erweiterbare Angebot lassen die Preise für Forstinvestments steigen. „Natürlich gibt es staatliche Aufforstungsprojekte. In Großbritannien gibt es beispielsweise Zuschüsse, wenn freie Flächen und Wiesen bewaldet werden“, so Bockholt. Aber derzeit könnten die Aufforstungen mit der steigenden Nachfrage nach Waldinvestments kaum mithalten.
 
Ein weiterer Preistreiber für Wald ist auch die stetig steigende Nachfrage am Holzmarkt. „In den letzten zehn Jahren ist der reale Timber-Preis in Großbritannien nach Angaben von Forest Research jährlich im Schnitt um etwa sieben Prozent ­gestiegen, und ich denke, dass sich dieser Trend fortsetzt“, meint Edward Daniels, Team Head Forestry bei Aquila Capital. Dort kümmert er sich um Investments in kommerzielle Waldflächen. 2008 hat Aquila begonnen, in Wald zu investieren, erst für High Networth Individuals und dann auch in Form eines Fonds. „Bei ­unserem Waldfonds handelt es sich um einen luxemburgischen SICAV. Wir in­vestieren dabei global, haben beispiels­weise zwei Assets in Neuseeland und je eines in Australien und Finnland“, erklärt Daniels. Seine Expertise liegt insbesondere auf Weichhölzern, ­Kiefer und Fichte. ­„Solche Hölzer werden traditionell als Baustoff eingesetzt, aber auch zum Bau von Möbeln, MDF- und OSB-Platten“, ­erklärt Daniels. MDF sind mitteldichte Holzfaserplatten, die im ­Möbelbereich und im Innenausbau eingesetzt werden, während OSB-Platten aus ­relativ groben ­Spänen zusammengeleimt sind und für tragende Konstruktionen im Bau eingesetzt werden.
 
Steigende Bauholznachfrage
Für die Zukunft hofft Daniels auch auf ein starkes Wachstum bei Brettsperrholz. Hierbei handelt es sich um speziell behandeltes Holz, das im Hausbau eingesetzt wird. „Weltweit werden laut eines Berichts von Chatham House rund acht Prozent der CO2-Emissionen durch Stahl und Zement verursacht, die im Bau verwendet werden. Jedem ist klar, dass die CO2-Emis­sionen verringert werden müssen. Es gibt dazu fixe internationale Verträge, und die nationalen Gesetzgebungen geben dem Thema Nachdruck. Immer mehr Bauherren sind daher daran interessiert, Holz als Baustoff einzusetzen“, erklärt Daniels. Laut ihm sei dies vielleicht weniger beim Bau großer Bürokomplexe der Fall, aber beim Wohnungsbau zeichne sich dieser Trend bereits deutlich ab. Entsprechend rechnet er damit, dass sich die steigende Nachfrage nach Bauholz auch künftig positiv auf den Holzpreis auswirken wird.
 
Inzwischen gibt es sogar erste Hochhäuser aus Holz. In Hamburg gibt es mit dem Roots-Komplex mit 65 Metern Höhe das derzeit höchste Holzgebäude Deutschlands. Andere Beispiele für Holzhochhäuser sind das HoHo in der Seestadt Wien und das geplante 100 Meter hohe Holzhochhaus „Rocket und Tigerli“ in Winterthur. „Holz wird als Baumaterial zunehmend interessanter wegen der Verpflichtung zu einer ­Reduktion des CO2-Ausstoßes, die sich aus dem Kyoto-Protokoll ergibt. Damit steigt die Attraktivität dieser Assetklasse“, erklärt Bockholt. Das sieht auch von Gravenreuth so: „Im Prinzip ist Holz als Baustoff viel zu billig, denn Holz speichert CO2. Beton sollte auf jeden Fall teurer werden.“
 
Verknapptes Holzangebot
Aktuell fällt die vermutlich langfristig steigende Holznachfrage mit einer Verknappung des Holzangebots zusammen. „Russland und Belarus zählen zu den ­großen Holzlieferanten“, weiß Daniels. So liefere Russland laut einem Artikel im Fachmagazin „Weltexporte“, der sich auf Daten des International Trade Centre und der kanadischen Regierung stützt, etwa zehn Prozent der weltweiten Holzproduktion. „Durch die aktuellen Probleme werden wir von diesen beiden Ländern erst mal kein Holz abnehmen“, erklärt Daniels, was das ohnehin schon knappe Angebot weiter reduziere. Und da sich Bauholz nicht einfach innerhalb von zwei oder drei Jahren anbauen lässt, trifft das verknappte Angebot auf die erhöhte Nachfrage nach Bauholz, die wir derzeit erleben. „Fichten brauchen in Großbritannien etwa 35 bis 40 Jahre, bis sie für den Baubereich oder die Möbelproduktion genutzt werden können. In den nordischen Ländern sind es eher 60 bis 80 Jahre, weil es dort weniger Licht und Wasser gibt“, führt Daniels aus. ­Eichen in Frankreich müssten sogar 200 Jahre wachsen, bis sie geschlagen werden können. Schnelle Marktanpassungen sind mit Forstinvestments also nicht möglich, und daher stellt die Ukraine-Krise wohl auf absehbare Zeit einen zusätzlichen Grund für weitere Preisanstiege für Bauholz dar.
 
Werterhalt, Inflationsschutz
„Die steigenden Holzpreise sind der Haupttreiber für die Verteuerung von Waldgrundstücken“, sagt Daniels. Das sieht auch Angela Davis so. Sie ist President des zu J.P. Morgan Asset Management gehörenden Forstmanagers Campbell Global: „Gleichzeitig sind die Preissteigerungen für Bau- und Brennmaterial, die wir derzeit sehen, neben der Verteuerung von Energie einer der Inflationstreiber. Auf der anderen Seite suchen Investoren gerade mit Waldinvestments einen Schutz vor Inflation“, so Davis. „Ja“, sagt auch Daniels, „aber Land war eigentlich immer ein Inflations-Hedge! Langfristig können Sie mit einem Wald, der etwa in 35 bis 60 Jahren geschlagen werden kann, real zwei bis drei Prozent erwirtschaften, aber das ist eben bereits nach Inflation“, so Daniels.
 
Er rechnet vor, wie sich ein potenzielles Waldinvestment in Großbritannien seit 2010 gerechnet hat, auch wenn von Aquila Capital verwaltete Fonds dort selber nicht investiert sind. „Dank der steigenden Preise konnten seit 2010 nominal rund elf Prozent Rendite erwirtschaftet werden, 2,5 Prozent aus dem Cashflow und die restlichen 8,5 Prozent aus Wertsteigerungen. Diese setzten sich im Verhältnis 25:75 aus einer Wertsteigerung der Waldfläche und des darin wachsenden Baumbestands zusammen.“ Das Gute sei: Wenn der Holzpreis steigt, erhöht sich auch der Wert der Waldfläche. Wie viel künftig die Einnahmen aus CO2-Emissions­zertifikaten ausmachen könnten, kann er nicht sagen. „Diese Einnahmemöglichkeit ist erst sehr neu und auch noch volatil. Und künftig sollen ja auch noch Biodiversitätszertifikate kommen“, resümiert er. Schwierig sei derzeit auch die Berechnung der Menge an CO2, die im Wald oder in einem Holzgebäude gebunden wird. „Hier gibt es noch keinen Standard, der sich durchgesetzt hat, daher sollte man die CO2-Emissionszertifikate derzeit eher noch wie das Sahnehäubchen obendrauf sehen und nicht als primäres Produkt verfolgen.“
 
Um den Erlös aus dem Holzverkauf ­weiter zu erhöhen, könne man sein Holz noch zertifizieren lassen, beispielsweise von FSC oder PEFC. „Das Zertifikat erhalten Sie aber nur, wenn Sie Ihr Holz in einer umweltverträglichen Art und Weise anbauen. Viele Käufer achten darauf, dass das Holz ­zertifiziert ist. Im Verkauf kann das etwa fünf bis zehn Prozent Preisunterschied ausmachen“, so Daniels.
 
Von Gravenreuth stellt ebenfalls eine Rechnung an: „Mit einer Waldfläche in den USA konnten Sie in der Vergangenheit nach Kosten und Steuern etwa eine jährliche Rendite von fünf bis sechs Prozent erwirtschaften. Mit Investments in die holzver­arbeitende Industrie sollten aufgrund der höheren Risiken zweistellige Renditen erzielt werden.“ In Australien und Neuseeland könne man auch 100 bis 200 Basispunkte darüber liegen, in Deutschland eher darunter. „Die Haupteinnahmequelle bei Waldinvestments ist der Verkauf von Holz. Der macht etwa 95 Prozent der Rendite aus. In den USA haben Sie dann vielleicht noch fünf Prozent ­Einnahmen aus Jagdpacht, und künftig kommen vielleicht noch Einnahmen aus CO2-Emissionszertifikaten dazu“, meint von Gravenreuth. Durch die langfristige Ausrichtung seien Waldinvestments relativ stabil, auch wenn der Holzpreis zuweilen sehr volatil sei.
 
Inflation, Holzpreisentwicklung … Der eigentliche Punkt sei, dass Waldinvestments aufgrund des biologischen Wachstums eine weitgehend unkorrelierte As­­set­­-
klasse darstellen, meint Davis: „Wenn Ihnen als Waldbesitzer der Holzpreis ­aktuell nicht gefällt, dann schlagen Sie in Ihrem Wald jetzt eben kein Holz. Das Wachstum setzt sich dann aufgrund des biologischen Wachstums fort. Die Bäume wachsen und steigen im Wert, egal welche Turbulenzen es sonst in der Wirtschaft und geopolitisch gibt.“ Attraktiv sei auch, dass es sich um eine weitgehend unkorrelierte Assetklasse handle, ähnlich wie Cat-Bonds, die ebenfalls unkorreliert seien.
 
Marktglobalisierung
Eine Globalisierung des Marktes gebe es in einem gewissen Rahmen auch. „Früher war der Holzmarkt eher regional ausgerichtet, mittlerweile ist er deutlich globaler“, beobachtet Davis. „China und die USA sind derzeit die größten Nachfrager nach Rundholz. Während Neuseeland insbesondere den chinesischen Markt bedient, exportiert Europa Holz in die USA. Pellets hingegen werden von den USA nach ­Europa geliefert, und diese Lieferungen haben sich nach Ausbruch des Ukrainekriegs deutlich erhöht.“
 
Trotz der Marktglobalisierung bleiben aber auch viele regionale Besonderheiten des Timber-Marktes bestehen. „Jede Region hat ihre eigene ­Angebots-Nachfrage-Charak­te­-
ristik“, erklärt Davis. „Im Westen der USA ist die Nachfrage höher als das Angebot. Daher rechnen wir dort mit unmittelbaren Preissteigerungen. In den Südstaaten Alabama, Mississippi und Carolina gibt es hingegen ein breites Holzangebot. Daher fällt dort der Preisanstieg geringer aus.“ Aufgrund der immer noch existie­renden regionalen Unterschiede sollten Investoren eine globale ­Diversifikation bei Waldinvestments präferieren.
 
Daniels von Aquila Capital sieht das ebenso: „Regional können die Holzpreise trotz aller Globalisierung recht unterschiedlich sein. Sie hängen ab von der Neubauaktivität, den Währungsschwankungen und dem Importbedarf eines Landes. Deutschland ist beispielsweise weitgehend ausgeglichen, was die Menge von benötigtem und produziertem Holz betrifft. Die USA produzieren einen Holzüberschuss, während Großbritannien etwa 80 Prozent seines Holzbedarfs durch Importe decken muss.“
 
Auch die einzelnen Holzendprodukte sind unterschiedlich global. „Wir verkaufen unser Rundholz (Timber) an die Sägeindustrie. Dieser Markt ist weitgehend regional bestimmt“, erklärt von Gravenreuth. „Es macht grundsätzlich nicht viel Sinn, einen Baumstamm hunderte Kilometer weit mit dem Lkw herumzufahren. Für Schnittholz (Lumber) hingegen lohnt sich das, daher wird Schnittholz auch global gehandelt, und die Preisfindung ist deutlich globaler. Zuletzt waren die Preise hier äußerst volatil. „Bei Papier- und Zellstoffprodukten ist die Wertschöpfung noch höher als bei Lumber. Auch diese Produkte werden global gehandelt.“
 
Wie in Wald investieren?
Wer sich nun für Waldinvestments inter­essiert, fragt sich, wie er das angehen soll. „Wir investieren in große kommerzielle Waldflächen in unterschiedlichen Core-­Regionen der Welt“, sagt Davis von Campbell Global. Als Core-Regionen sieht sie insbesondere Nordamerika, Neuseeland, Australien und Chile, wo ein Großteil der von Campbell Global gehaltenen Wald­flächen liegt. „Wir fokussieren uns auf OECD-Länder, weil hier die Rechtssicherheit höher ist als andernorts“, unterstreicht sie den Aspekt von politischer und rechtlicher Sicherheit.
 
„Für unseren Salm-Salm Global Timber Fund legen wir mit mindestens 60 Prozent den Schwerpunkt auf Wälder in den USA. Außerdem erwerben wir Forstflächen in Neuseeland, Australien, Skandinavien, dem Baltikum und Mitteleuropa“, sagt ­Jenninger. Auch bei seinem Haus spielt die Rechtssicherheit eine wichtige Rolle. „Das brauchen Sie einfach bei dem langen ­Anlagehorizont dieser Assetklasse“, ergänzt er. Wichtig sei auch noch, dass es starke Abnehmer in der Nähe gibt.
 
Auch Nuveen, der zu TIAA gehörende Investment-Manager, ist aktuell dabei, einen Fonds für seine Global-Timberland-Strategie aufzulegen. Anlageregionen darin werden die USA, Kanada, Uruguay, Chile, Australien und Neuseeland sein. 
 
So viel wie für eine breite Diversifikation spricht, so schwierig ist es, das zu ­bewerkstelligen. „Sie können gar nicht in allen Regionen Wald kaufen“, erklärt Bockholt. „In Deutschland sind beispielsweise 80 Prozent des Waldes in Privat­besitz, und die Privaten verkaufen nicht – die Kommunen übrigens auch nicht. Daher können Sie als Investor kaum deutschen Wald kaufen. Neben den bisher etablierten Regionen wie z. B. Kalifornien bieten perspektivisch auch andere waldreiche Länder wie etwa Brasilien oder Indonesien Potenzial für Waldinvestments, insbesondere vor dem Hintergrund des Schutzes der noch ­intakten Urwälder dort.“
 
Für größere Investoren seien Deal-Flow und Deal-Size in Deutschland zu niedrig, meint von Gravenreuth. „In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Kleintransaktionen, aber kaum größere. Das ist in einem Flächenstaat wie den USA ganz anders. In den USA werden jährlich drei bis vier ­Milliarden US-Dollar Wald gehandelt“, daher schaut er sich derzeit verstärkt in den USA, Australien und Neuseeland um.
 
Diversifikation sei auch angesichts der spezifischen Risiken, mit denen Waldinvestments verbunden sind, wichtig. Neben der Preisentwicklung für Holz sind hier insbesondere die Gefahren von Waldbränden und von Schädlingsbefall, aber auch die Klimaänderung zu nennen. „Gegen Brände können Sie sich versichern, aber das tun wir nur in wenigen Fällen, weil in den USA die Prämien dafür sehr hoch sind“, erklärt Felix Jenninger. „Gegen Stürme versichern wir uns hingegen öfter, insbesondere in Neuseeland.“ Er ergänzt: „Wir schauen bei unseren Investmententscheidungen darauf, wie wir die Gefahr von Waldbränden möglichst gering halten können.“ Seiner Erfahrung nach sind privat gemanagte Wälder oft einer geringeren Waldbrandgefahr ausgesetzt als Staatsforste. „Private Waldbesitzer passen auf ihre Flächen besser auf. Beispielsweise überwachen sie die Wälder mit Kameras auf sich entwickelnde Feuer, oder sie legen Wasserreservoirs an und schlagen breite Brandschneisen. Wir kaufen daher ungern Wälder, die direkt an Staatswälder grenzen. Außerdem kaufen wir nicht nah an der Küste im Südosten der USA, weil dort die Gefahr starker Hurrikans hoch ist.“
 
Nachhaltigkeit
Daneben hat Wald, wenn er nachhaltig bewirtschaftet wird, die gute Eigenschaft, dass er atmosphärisches CO2 bindet. „Wald ist die einzige Assetklasse, die tatsächlich CO2 aus der Atmosphäre binden kann. Wald ist also netto negativ, was CO2-Emissionen betrifft“, so Davis. Das macht Nachhaltigkeit zu einer wesentlichen ­Eigenschaft der Assetklasse Forst. „Außerdem zahlt die Assetklasse auf mehrere Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ein, die UN SDGs“, ergänzt von ­Gravenreuth.
 
Unter langfristigen Aspekten scheinen Waldinvestments daher tatsächlich ziel­führend zu sein und Portfolios Resilienz zu verleihen. „Große Vermögen und Unternehmen sind über die Jahrhunderte untergegangen. Was häufig geblieben ist, sind deren land- und forstwirtschaftlichen Betriebe und die Kunstsammlungen“, bringt es von Gravenreuth auf den Punkt. Aus diesem Blickwinkel verweist Jenninger auf seinen Arbeitgeber: „Die Prinzen Salm sind ein 800 Jahre altes Adelsgeschlecht, das schon immer Land- und Forstwirtschaft betrieben hat. Diese Investments haben die Familie über die Jahrhunderte ­ernährt. Dazu gehören sowohl Wald auch der Weinanbau.“
 
Anke Dembowski

Anhang:

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