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2/2019 | Produkte & Strategien
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Geheimtipp unter Investoren

Auf der Liste der bisher kaum bekannten Assetklassen tauchen neuerdings auch Trade Receivables auf. Diese Subkategorie der Private-Debt-Sparte bietet sich sowohl als Diversifikation im Credit-Bereich als auch als Kurzfristanlage an.

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Bis ein Rohstoff oder ein sonstiges Handelsgut verschifft und ausgeliefert wird und der Käufer die Rechnung bezahlt hat, vergehen oft bis zu 180 Tage. Dieser Part wird durch Trade Finance finanziert.

© Gothaer Asset Management AG, M. Johannsen | stoc

Auf Listed Debt braucht man zwar noch keinen Abgesang anzustimmen, aber Private Debt ist bei institutionellen Investoren eindeutig im Aufwind. Dies ist nicht nur international, sondern auch bei ­Investoren im deutschsprachigen Raum der Fall. Christof Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management AG, erklärt: „Der Anteil an Private Debt an unseren Gesamtinvestments macht etwa zehn Prozent aus. Wir inves­tie­ren in den Bereichen Private Equity, Real Estate, Exportkredit­finan­zie­rung und in Trade Receivables.“ Konkret auf Trade Receivables angesprochen, erklärt Kessler: „Wir wollen unser Portfolio um Trade Receivables erweitern. Unser Ziel ist es, hier im Jahr 2019 einen Bestand von etwa 350 Millionen aufzubauen.“

Trade Receivables scheinen unter Inves­toren zum neuen „Geheimtipp“ unter den Private-Debt-Instrumenten zu avancieren. Dabei handelt es sich um ­Ansprüche, die Unternehmen auf Güter haben, die sie handeln. „Ein europäischer Kabelproduzent bestellt bei seinem Lieferanten in Südamerika beispielsweise Kupfer. Bis der Rohstoff produziert und geliefert ist und die Rechnung vom Kabelproduzenten bezahlt wird, vergehen einige Monate. Solche Geschäfte wurden traditionell von Banken finanziert und erhalten zunehmend die Aufmerksamkeit institutioneller Anleger“, erklärt Suresh Hegde, Lead Portfolio Manager Export Finance und Co-Lead Trade Finance bei NN Investment Partners.

„Auf jeden Fall bringt diese Subassetklasse neue Emittenten ins Spiel und hat eine niedrige Korrelation zu traditionellen Assetklassen. Sie bietet Investoren also zusätzliche Diversifikationsmöglichkeiten“, erklärt Hans-Peter Dohr, Managing Partner bei ICA Institutional Capital Associates Beratungs GmbH & Co. KG in München.

Der Markt an Trade Receivables ist groß, und auch die Bandbreite ist enorm. „Das geht von sehr kurzfristigen Finanzierungen mit bekannten und bonitätsmäßig gut dastehenden Partnern aus sicheren Ländern bis hin zu längerfristigen Finanzierungen mit bonitätsmäßig weniger kreditstarken Partnern, die neben der Handelsfinanzierung auch Teile der Produktion finanzieren lassen – und das in politisch weniger sicheren ­Ländern“, führt Hegde die Bandbreite vor ­Augen. Außerdem kann der Transport des Wirtschaftsguts versichert sein, was überwiegend der Fall ist.

Darüber hinaus kann sich der Darlehensgeber die Waren als Collateral sichern. „Wenn Sie sich die Ware sichern, müssen Sie die Preisvolatilität des Sicherungsgutes kennen und außerdem wissen, an wen Sie die Ware im Zweifelsfall verkaufen können“, so Hegde. Da es sich bei Handelsfinanzierungen um eine bilaterale Darlehensform handelt, ist der Markt weniger standardisiert und transparent als im Bereich gelisteter Wertpapiere. „Sie müssen die Covenants beziehungsweise die bilateralen rechtlichen Vereinbarungen sehr genau lesen und verstehen, wenn Sie hier selbst unterwegs sein wollen“, meint Hegde. Credit Suisse bietet mit dem Credit Suisse (Lux) Supply Chain Finance Fund einen entsprechend spezialisierten Fonds an, der im April 2017 aufgelegt wurde.

Die Informationsbeschaffung im Bereich Trade ­Receivables ist nicht leicht. Gute aggregierte Daten bietet hier die Internationale Handelskammer (International Chamber of Commerce, ICC). Nach ICC-Daten lag im Jahr 2017 die volumensgewichtete Ausfallsrate bei 0,22 Prozent, und der Verlust bei Ausfall bei 34 Prozent. Somit beträgt der ­erwartete Verlust lediglich 0,07 Prozent.

NN Investment Partners ist im längerfris­tigen Exportfinanzierungsgeschäft seit rund zehn Jahren tätig und hat vor einiger Zeit begonnen, sich auch die Möglichkeiten im kurzfristigen Trade-Finance-Bereich anzusehen. „Bisher waren wir überwiegend im Bereich der staatsgarantierten Exportfinanzierung und in der besicherten kurzfristigen Finanzierung tätig. Hier sind die Risiken niedrig, und die Renditen liegen bei 0,5 bis zwei Prozent. Wir wollen uns jetzt aber auch in den Bereich der nicht garantierten Trade-Finanzierung begeben, vor allem besicherte Post-Export-Transaktionen, wo die Laufzeiten mit bis zu einigen Monaten länger sind, da man auch die Zeit während des Transports der Ware finanziert“, erklärt Hegde. „Je nachdem, wie riskant die beiden Handelspartner und die betroffenen Länder eingeschätzt werden, kommt man hier auf eine Rendite von bis zu fünf Prozent.“ Es geht aber sowohl vom Risiko als auch von der Rendite noch höher, insbesondere wenn auch Teile der Rohstoffförderung beziehungsweise der Produktion finanziert werden. „In dem Fall wollen Sie als Investor die Beziehung zwischen Produzent und Käufer kennen und wissen, wie erfolgreich der Produzent in der Vergangenheit bei der Produktion des jeweiligen Gutes war“, erklärt Hegde.

Da der Großteil des Welthandels in US-Dollar läuft, sind auch Trade Receivables überwiegend in US-Dollar denominiert. Während der kurzen Laufzeit des Darlehens sind sie nicht handelbar.

Einsatzmöglichkeiten

Manche Investoren, wie etwa Kessler, setzten Trade Receivables zur Diversifika­tion als Portfoliobestandteil ein, einfach weil ein interessanter Kupon draufsteht. „Versichert erhalten wir hier einen Kupon zwischen 1,7 und zwei Prozent, unversichert sind es sogar zwischen 4,7 und fünf Prozent“, erklärt Kessler. Diesen Zins nimmt Kessler gern mit, und die deutlich längere Duration, die er in seinen Versicherungs- und Pensionskassenportfolios benötigt, stellt er über Swaps dar. Unter Solvency-II-Aspekten sind Trade Receivables aufgrund der extrem kurzen Laufzeiten sehr ­eigenmittelschonend.

Andere Investoren setzen diese Vehikel ein, um Gelder, die in einer illiquiden Assetklasse bleiben sollen, lukrativ zwischenzuparken. „Wir erhielten kürzlich eine Anfrage eines großen Investors, der Rückflüsse aus Private Equity und Immobilieninvestments erwartete. Er wollte zwar grundsätzlich seine Positionierung in illiquiden Assetklassen beibehalten, aber bis das jeweilige Anschlussinvestment getätigt werden konnte, wollte er die Gelder zwischenparken und sprach uns auf Trade Receivables an“, erzählt Thomas Wendt aus seiner Vertriebspraxis. Er ist ­Senior Sales Director Institutionals bei NN Investment Partners.

Managementintensiv

Um angemessen in Trade Receivables ­investieren zu können, sollten Investoren in der Lage sein, Credit-Risiken einzuschätzen. Dabei geht es in erster Linie um die Bonitätsbeurteilung der beiden Handelspartner – welchen Track Record hat der Pro­duzent mit der Produktion des jeweiligen Gutes? Ist der Käufer in der Lage, die Ware zu bezahlen? Außerdem geht es um die ­Einschätzung des Risikos für das Land, in dem produziert wird. Wenn die Gefahr von Kapitalkontrollen oder Nationalisierungen besteht, kann das Risiko enorm sein.

Im Trade Financing ist der Due-Diligence-Aufwand angesichts der meist kurzen Laufzeiten relativ hoch. „Daher bietet es sich an, die Darlehen revol­vierend zu vergeben. Das reduziert zum einen den Compliance-Aufwand des ­Investors und senkt zum anderen das Risiko, weil man die Partner und deren Zusammenarbeit bereits kennt“, meint Hegde. Bemerkt man eine Verschlechterung im Kreditprofil, kann der Inves­tor beim nächsten Darlehen die Marge erhöhen oder aufhören zu rollen.

Private Debt im Aufwind

Wie bei allen Private-Debt-Instrumenten beruht auch der Aufbau von institutionellen Positionen in Trade Receivables auf der Lücke, die Banken aufgrund der Basel-Gesetzgebung lassen. „Für Banken wird es zunehmend herausfordernder, Trade-Finance-Anlagen in ihren Bilanzen zu halten, sie wollen aber gleichzeitig auf das lukrative Geschäft der Handelsfinanzierung nicht ganz verzichten und ihre Corporate-Kunden weiter bedienen. Eine Partnerschaft mit institutionellen Investoren eröffnet daher für beide Seiten interessante Möglichkeiten“, weiß Hegde. Versicherer und andere Inves­toren füllen die Kreditlücke, die die Banken lassen, und begeben sich in das für sie bis dato wenig bekannte Credit-Terrain, weil sie hier die gesuchten Renditen finden.

Diese Entwicklung dürfte auch zukünftig anhalten. „Das Volumen in Private Debt wird sich bis 2023 voraussichtlich verdoppeln und ein Vermögen von 1,4 Billionen US-Dollar (1,26 Bio. Euro) erreichen“, schreibt Preqin, der Datenspezialist für Alternative Investments. Laut Preqin wird das Gesamtvolumen an alternativen Asset bis 2013 auf 14 Billionen US-Dollar (12,56 Bio. Euro) ansteigen, was einer Steigerung von 59 Prozent gegenüber dem Volumen Ende 2017 oder einer jährlichen Steigerung von acht Prozent entspricht. Diese Schätzung basiert auf 420 Interviews mit Fondsmanagern und Investoren, die Preqin geführt hat. Damit hätte Private Debt 2023 ­einen Anteil von zehn Prozent an den Gesamtanlagen in alternativen Investments.
„Generell gewinnen alternative Kreditstrategien an Bedeutung, weil Investoren schon länger höhere Renditen und Diver­sifikation suchen“, erklärt Dohr. Weiteres Potenzial sieht er aber immer noch: „Trotz des gestiegenen Interesses und der zunehmenden Investmenttätigkeit sind institutionelle Investoren bei Private Debt nach wie vor unterinvestiert.“    

Anke Dembowski


Anhang:

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