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2/2022 | Theorie & Praxis
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»Es braucht eine kritische Instanz«

Statt voreilig Produkte aufzulegen, muss zuerst die unternehmensweite ESG-Integration erfolgt sein, sonst macht man den zweiten Schritt vor dem ersten. Davon ist Jennifer Wu, Globale Leiterin des Sustainable Investing Teams von J.P. Morgan Asset Management, überzeugt.

Wenn man einen Blick auf Jennifer Wus Lebenslauf wirft, kommt einem fast unwillkürlich das Bild ­einer Kosmopolitin in den Sinn, die ­offenbar in der Lage ist, sich überall auf der Welt zu Hause fühlen. Während ihrer über 20-jährigen Laufbahn in der Finanzwirtschaft hat sie für diverse Institute in verschiedenen Ländern des asiatisch-pazifischen Raums gearbeitet, in den USA und aktuell wieder in Europa, wo die diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin ursprünglich schon ihre Schulzeit an der École Internationale Bilingue in Paris verbracht hat. Schon früh ist dabei das Thema Nachhaltigkeit ins Zentrum ihrer Tätigkeit gerückt. Daher kann es am Ende kaum verwundern, dass sie heute von ­London aus als Global Head das Team für Sus­tainable Investing von J.P. Morgan Asset Management leitet. Im Interview mit Institutional Money spricht sie unter anderem darüber, wie sich das ESG-Thema im Lauf der Zeit entwickelt hat und worauf es aus ihrer Sicht ankommt, um es für Inves­toren erfolgreich in Finanzprodukten umzusetzen. 
 
Frau Wu, Sie arbeiten seit gut drei Jahren bei J.P. Morgan Asset Management als Leiterin für Sustainable Investing. Was hat sich seither wirklich Nennenswertes getan?
Jennifer Wu: Abgesehen davon, dass unser Team für nachhaltiges Investieren in dieser Zeit von drei auf 36 Mitarbeiter angewachsen ist, haben sich meiner Meinung nach zwei Dinge wirklich verändert: Zum einen hat sich insgesamt das Verständnis für die Bedeutung von ESG-Daten, besser gesagt von nicht traditionellen oder nicht finanziellen Daten, und dafür, wie diese zur Verbesserung von Investmentprozessen beitragen können, erheblich verbessert. Wir wissen heute sehr viel mehr darüber, wie ESG-Daten – und da spreche ich nicht über Ratings, sondern über tatsächliche Rohdaten wie ­etwa die Kohlenstoffemissionen eines Unternehmens oder ob es sich Beschwerden von Nichtregierungsorganisationen gegenübersieht – dazu genutzt werden können, unseren Investmentprozess zu unterstützen und vor allem den Outcome zu verbessern. Denn schlussendlich geht es bei ESG doch um weit mehr als Glaubens- oder Wertefragen. Am Ende zählt dabei vor allem, wie man diese Daten nutzen kann, um bessere Investitionsentscheidungen für unsere Kunden zu treffen. Zweitens hat sich die Umsetzung des Nachhaltigkeitsthemas verändert. Vor fünf Jahren, als sich auf der Kundenseite ein zunehmendes Interesse an ESG-Investments herausgebildet hatte und es sich immer mehr zu einem „Hot Topic“ entwickelte, wollten viele Anbieter möglichst schnell auf diesen Zug aufspringen und entsprechende Produkte auf den Markt bringen. Heute bin ich froh, dass unsere Gesellschaft hier eher abwartend geblieben ist. Wir haben erkannt: Wenn wir den Anspruch hegen, der weltweit beste ESG-Manager zu sein, müssen wir das Nachhaltigkeitsthema zunächst ­einmal in seiner Gänze durchdringen und wirklich verstehen. 
 
Wo unterscheidet sich Ihre Gesellschaft denn tatsächlich vom Wettbewerb?
Ich glaube schon, dass wir ein tiefes Verständnis dafür entwickelt ­haben, was ESG-Integration wirklich bedeutet. Natürlich unterscheidet sich unser Ansatz in Teilen nicht wesentlich von der Art, wie auch andere das Thema angehen. An der Basis arbeiten auch wir mit bestimmten Ausschlusslisten oder suchen nach Best-in-Class-Vertretern in einzelnen Branchen. Wir haben darüber hinaus aber eine eigene ESG-Datenbank aufgebaut, in die eine ­immense Zahl von Informationen einfließt, die weit über die Metriken von Drittanbietern hinausreichen, weil wir schon früh ­erkannt haben, dass es nicht ausreicht, sich auf den Datenstrom von externen Anbietern zu verlassen. Darüber hinaus kommt dem gesamten Themenkomplex Stewardship ­eine immer größere Bedeutung zu. Der ­aktive Dialog mit börsennotierten Unter­nehmen, in die wir investieren, wird immer wichtiger. Wer sich unseren kürzlich erschienenen Stewardship Report, der inzwischen 134 Seiten umfasst, etwas intensiver anschaut, wird schnell feststellen, dass wir es mit den Themen aktive Eigentümerschaft und verantwortungsvolles Investieren durch­­aus ernst meinen. Nicht zu vergessen der Aspekt Divestment als wesentlicher Bestandteil unserer Strategie. 
 
Als Kritiker würde man sagen, dass das ­alles doch eigentlich schon immer zum Handwerkszeug eines guten Asset Managers gehört hat, nur hat man es früher im Grunde unter dem Stichwort Governance zusammengefasst. 
Ich denke, dass es auch heute noch wichtig ist, sich als Fondsmanager zuallererst darauf zu konzentrieren, wie es um die Unternehmensführung einer Aktiengesellschaft, in die man investiert, steht. Denn am Ende ist das nach wie vor die wesent­liche Grundlage eines Unternehmens. Man sollte sehr genau wissen, wie es um die ­Vorstandsstruktur einer Gesellschaft bestellt ist, wer die CEOs und das Managementteam beaufsichtigt, ob das Unternehmen seine Steuern ordnungsgemäß entrichtet und ob es einen zuverlässigen und unabhän­gigen Wirtschaftsprüfer beauftragt hat. Aus diesem Grund ist das „G“ in ESG nach wie vor so etwas wie die Essenz von allem; ­zumal es auch heute noch nur sehr wenige Unternehmen gibt, die beim „G“ schlecht abschneiden, beim „E“ und beim „S“ aber sehr gute Werte aufweisen. Aber es gibt heutzutage sehr gute Gründe dafür, „E“, „S“ und „G“ in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Denn damit deckt man als Fondsmanager wesentliche Aspekte ab, die vor zehn Jahren noch gar keine Relevanz gehabt haben. 
 
Wie zum Beispiel?
Damals spielten Aspekte wie ­etwa Cybersicherheit, Risiken bei Kundendaten oder Datenschutz noch so gut wie keine Rolle. Der Klimawandel, der CO2-Ausstoß eines Unternehmens oder ein ­Thema wie Biodiversität waren noch nicht Teil der Überlegungen, die die Marktteilnehmer und insbesondere Investoren angestellt haben. Deshalb liegt auch bei uns das Hauptaugenmerk immer noch auf dem ­Thema Governance, weil es sich auf die ­finanzielle Leistungsfähigkeit eines Unternehmens auswirkt. Wir wissen aber inzwischen auch, dass Umwelt- und Sozialbelange in dieser Beziehung eine zunehmend größere Bedeutung haben. Deswegen haben unsere Analysten und Fondsmanager aus dem Emerging-Markets-Team und dem ­Infrastrukturteam wahrscheinlich sogar ­einen gewissen Vorteil gehabt, was die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten in die konkrete Arbeit ihres jeweiligen Bereichs anbelangt.
 
Warum einen Vorteil?
Weil sie schon sehr viel länger als die Sparten für Investments in den etablierten Ländern daran gewöhnt waren, nicht nur die offiziell verfügbaren Informationen und Angaben zu den Unternehmen, in die sie investieren, zu betrachten, sondern auch andere Quellen heranzuziehen. Ganz einfach, um so besser beurteilen zu können, ob ein Unternehmen im Hinblick auf seine Unternehmensführung wirklich gut abschneidet oder eben nicht. 
 
Über die notwendigen Instrumente in Form von umfangreichen Informationen bis hin zu einer eigenen Datenbank zu verfügen, ist ­das eine. Um das alles erfolgreich in einen Mehrwert für den Investor zu verwandeln, müssen aber doch alle Unternehmens­sparten mitziehen und in diesen Prozess ­einbezogen werden. 
Ich gebe Ihnen vollkommen recht, deswegen bedeutet Integration nicht nur die Bereitstellung von Informationen, man muss auch wirklich alle Mitarbeiter mitnehmen auf dem Weg zu einer selbst­verständlichen Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien innerhalb des gesamten Investmentprozesses. Auch das subsumiert der Begriff „Integration“ in diesem Zusammenhang. Wir wollen wirklich alle Kolleginnen und Kollegen daran beteiligen und eine Informationsplattform schaffen, um das kollektive Wissen aller zu fördern. Das Ziel ist, gewissermaßen ein Forum zu haben, in dem die besten Ideen untereinander ausgetauscht werden können. Genau darin sieht das Team, das ich leite, seine eigentliche Aufgabe. Am Ende ist J.P. Morgan Asset Management in erster Linie ein aktives ­Investmenthaus. Deshalb ist es für uns entscheidend, unser eigenes Konzept von Nachhaltigkeit vollständig in allen Bereiche des Unternehmens zu integrieren – vom ­Research über das Portfoliomanagement bis hin zur Risikoüberwachung und zum ­Berichtswesen. Nachhaltigkeit kann nicht allein die Aufgabe eines ESG- oder Compliance-Teams sein. Deshalb haben alle ­betroffenen Mitarbeiter spezielle ESG-Trainings durchlaufen. Das war natürlich für ­jeden mit einem entsprechenden zeitlichen Mehraufwand verbunden. 
 
Setzen Sie auch auf externe Datenabieter?
Wir haben durchaus den Zugang zu Datenanbietern wie MSCI oder Sus­tainalytics. Die wesentliche Basis für die ­Investmententscheidungen eines Portfoliomanagers aber bilden unsere eigenen Analysen, die in unserer Datenbank hinterlegt sind. Den Kern bilden die Arbeiten unserer Analysten, die zu jedem von ihnen analysierten Unternehmen einen Katalog von 40 Fragen – in den Schwellenländern sogar über 60 – bezüglich Nachhaltigkeit beantworten müssen. In diesen Reports sind ­zudem bestimmte Einzelthemen mit einer roten Flagge gekennzeichnet, wenn ein Unternehmen bei einem bestimmten Kriterium nicht den Mindestanforderungen bei diesem speziellen Aspekt entspricht. Daher sind die Daten externer Provider zwar eine wichtige Referenz – so etwas wie eine zweite Meinung –, die vom Risikomanagementteam aber eher dazu genutzt werden, den jeweiligen Portfoliomanager gewissermaßen zu „challengen“ oder herauszufordern. 
 
Den hohen Anspruch Ihrer Gesellschaft scheint der Markt allerdings noch nicht zu teilen. In der Broadridge-Studie zur Markenwahrnehmung von Asset Managern ­landet Ihre Gesellschaft zwar in Bezug auf Anlagestrategie, Kundenorientierung und Transparenz unter den Top Drei. Beim ­Thema Nachhaltigkeit ist das aber noch ­keineswegs der Fall. Ärgert Sie das?
Ich würde eher sagen, dass ich es sogar verstehen kann, wenn das so ist. Denn man kann schon sagen, dass wir ziemlich lang gebraucht haben, um die ESG-Integration unseren Ansprüchen entsprechend über unsere aktive Investmentplattform hinweg umzusetzen. Und es ist sehr aufwendig zu erklären, was ESG-Integration für uns wirklich bedeutet. Es ist sehr viel einfacher, zu behaupten, man investiere nur noch rein nachhaltig, und sich darauf zu beschränken, Produzenten von Rüstungs­gütern, Förderer von fossilen Brennstoffen oder Tabakhersteller auszuschließen, um ­einige Beispiele zu nennen. Einen solchen Ansatz zu erklären, dauert eventuell nur ­wenige Minuten. Unseren von ESG-Integration und der Transformation von Unternehmen geprägten Ansatz zu erläutern, ist sehr viel schwieriger, komplexer. Ganz zu schweigen davon, was mit Themen wie ­Stewardship, Engagement oder Divestment-Entscheidungen alles zusammenhängt. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass auch am Markt und unter Investoren mehr und mehr erkannt wird, wie stark sich unser Unternehmen in den vergangenen drei Jahren ­verändert und weiterentwickelt hat – und dass es sich wirklich lohnt, mit uns über das Thema Nachhaltigkeit zu sprechen.
 
Im Moment ist es eher noch so, dass Ihre Gesellschaft als eine Art Late Mover beim Thema ESG wahrgenommen wird. 
Was ja partiell noch nicht einmal so falsch wäre. Wir waren definitiv ein Nachzügler, als es um die Einführung nachhaltiger Produkte ging, das steht fest und lässt sich leicht an der Anzahl der bisher aufgelegten Produkte sowie am bis jetzt jeweils erreichten Fondsvolumen ablesen. Ein Großteil ist eben erst in den vergangenen zwei oder drei Jahren aufgelegt worden. Im Vergleich dazu haben unsere Mitbewerber zum Teil schon vor fünf, manchmal sogar schon vor zehn Jahren die ersten Produkte auf den Markt gebracht. Auf der anderen Seite sind wir definitiv kein Nachzügler, wenn es um das Thema ESG-Integration geht. Das jedenfalls wird inzwischen auch von Consultants deutlich wahrgenommen. Ich glaube, wir waren einer der ersten ­Manager, der mit seinen Kunden und den Ratingagenturen darüber gesprochen hat, was eigentlich unter ESG-Integration zu verstehen ist. Und ich bin nach wie vor ­davon überzeugt, dass es richtig war, einen anderen Ansatz als viele unserer Mitbewerber zu wählen und zuerst die ESG-Integration umzusetzen. Damit verfügen wir heute über die wesentliche Basis, um innovative Produkte auf den Markt zu bringen, die sehr spezifische Bedürfnisse ansprechen. Wir wissen heute, was man tun muss, um seine ESG-Ziele zu erreichen. 
 
Wissen Sie auch, was man als Asset Manager tun muss, um nicht dem Vorwurf des Greenwashings ausgesetzt zu werden?
Wenn Mitbewerber jetzt in der Kritik stehen, Greenwashing betrieben zu haben, dann hängt das meiner Ansicht nach damit zusammen, dass sie sich bei der ­Umsetzung von Nachhaltigkeit lediglich auf einen Teil des Investmentprozesses konzentriert haben. Es reicht nicht aus, wenn eventuell das Research umfangreiche Infor­mationen über die ESG-Performance eines Unternehmens erarbeitet hat, diese Infor­mationen aber dem Fondsmanager nicht in seinem Portfoliomanagementsystem zur Verfügung stehen. Denn dann wird er gar nicht in der Lage sein, diese bei seinen ­Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Es braucht zudem eine kritische Instanz, die die Investments eines Fondsmanagers hinterfragt, ob das nun jemand aus dem Risikomanagement, der Rechtsabteilung oder aus dem Compliance-Team ist. Deshalb müssen alle am Prozess Beteiligten verstehen, was ESG eigentlich konkret bedeutet. 
 
Wie setzt Ihre Gesellschaft das in konkreten Produkten um? Welche Strategie verfolgen Sie in Bezug auf die Einordnung gemäß EU-Offenlegungsrichtlinie SFDR? 
Wir bieten im Grunde das ­gesamte Spektrum an. Unsere integrierten Produkte nach Artikel 6 SFDR haben zwar keine obligatorischen Ausschlusskriterien, berücksichtigen aber dennoch ESG-Kriterien als einen wesentlichen finanziellen Faktor. Am Ende entscheidet der Portfoliomanager über ihre Berücksichtigung beim Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers. Unsere nach Artikel 8 aufgelegten Fonds wenden je nach Ausgestaltung Ausschluss- oder ­Positivkriterien, einen Best-in-Class-Ansatz oder eine Kombination dieser Strategien an. Unsere Artikel-9-Produkte sind im Wesentlichen thematisch ausgerichtet, weil sie nach der Definition der Verordnung spezifische nachhaltige Ziele erreichen müssen. 
 
Wie zum Beispiel?
Es sind standardmäßig eher ­ergebnisorientierte Anlagelösungen wie unsere auf den Klimawandel ausgerichteten Lösungen auf der Aktienseite oder der Forstwirtschaftsfonds, den wir gerade auf der Private-Equity-Seite aufgelegt haben. Was unsere Produktstrategie betrifft, arbeiten wir intensiv daran, Artikel-6-Fonds in Artikel-8-Fonds umzuwandeln – das haben wir inzwischen für rund zwei Drittel unserer Luxemburger Fondspalette umgesetzt. Vieles hängt dabei auch von den künftigen ­Erwartungen unserer Kunden ab, denn am Ende sind es deren Gelder, die wir treuhänderisch verwalten. Entsprechend sollten sie sich wohl damit fühlen. Unter dem Blickwinkel Produktinnovation gehen unsere Pläne eher in Richtung von Lösungen, die sich an Artikel 9 orientieren, weil nach unserer Wahrnehmung dort das höchste Kunden­interesse besteht. Wir planen die Auflage weiterer Themenfonds, mit denen wir neben dem Klimaaspekt auch bisher weniger berücksichtigte Felder wie Biodiversität oder Ernährung auf den Markt wollen. 
 
Ist es eigentlich schwieriger, einen Rentenfonds, einen Multi-Asset-Fonds oder einen Aktienfonds so zu definieren, dass er den in Artikel 8 SFDR definierten Regeln ­entspricht?
Angesichts des zunehmenden Angebots an sogenannten Green Bonds ist es aus meiner Sicht einfacher geworden, ­einen nach Artikel 8 zugelassenen Rentenfonds aufzulegen. Denn die grünen Anleihen gelten genauso wie sogenannte nachhaltigkeitsbezogene Anleihen oder auch Transition Bonds per definitionem als nachhaltig. Im Aktienbereich ist die Suche nach Zielinvestments etwas schwieriger. Denn die Unternehmen, in die man investiert, müssen ja den Vorgaben der EU-Taxonomie entsprechen. Viele Unternehmen machen aber noch gar keine Angaben dazu, inwieweit sie an der Taxonomie ausgerichtet sind. Laut entsprechenden Studien publizieren erst drei Prozent der europäischen Unternehmen, welcher Anteil ihres Umsatzes den Vorgaben der Taxonomie entspricht. Deswegen müssen wir uns bei nach Artikel 8 aufgelegten Aktienfonds oft noch auf Einschätzungen anhand unserer hauseigenen Methodik verlassen. Das macht es natürlich etwas komplexer. 
 
Stichwort Green Bonds: Diese Anleihen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit gerade bei institutionellen Investoren. Zu Recht?
Zumindest lässt sich sagen, dass inzwischen die tatsächliche Verwendung der Erlöse aus diesen grünen Anleihen sehr viel genauer geprüft wird, und zwar noch bevor die Anleihe wirklich aufgelegt wird. Üblicherweise gibt es heute ein Underwriting, daher haben schon die Emissionsbanken ein Interesse daran sicherzustellen, dass bei der Emission einer grünen Anleihe eine entsprechende Überprüfung durch Dritte gewährleistet ist. Außerdem sind die Vorgaben des sogenannten Green Bond Standards mittlerweile sehr gut etabliert. Insofern ist die ­Integrität von grünen Anleihen heute sehr viel besser als noch vor fünf Jahren, selbst in einigen Schwellenländern. Grundsätzlich können Investoren sich heute sehr viel wohler fühlen mit ihrem Investment. Andere Kategorien wie sogenannte Transition oder Social Bonds müssen wohl noch ein wenig weiterentwickelt werden, was die Definition und die tatsächliche Erreichbarkeit ihrer ­Finanzierungsziele angeht. 
 
In der Regel haben Green Bonds eine etwas geringere Verzinsung als die entsprechende traditionelle Zwillingsanleihe. Ist ein solches „Greenium“ gerechtfertigt?
Meiner Meinung nach entsteht ein solches Greenium, das in der Regel zwischen fünf und zehn Basispunkte beträgt, in erster Linie nachfragebedingt. Immer mehr Investoren sind dazu angehalten, nachhaltiger zu investieren, was dazu führt, dass die Nachfrage nach Green Bonds höher ist als das Angebot – und das mit steigender Tendenz. Mit Blick auf die Ziele des von der EU formulierten Green Deals wäre es natürlich wünschenswert, dass es eher früher als später zu einem Gleichgewicht zwischen eingesetztem Kapital auf der einen Seite und dem dafür bereitgestellten Finanzierungsangebot auf der anderen Seite kommt. 
 
Wir danken für das Gespräch.
 
Hans Heuser 
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