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3/2022 | Produkte & Strategien
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Green Bonds: Erster Belastungstest

Auch grüne Anleihen konnten sich dem Bärenmarkt am Rentenmarkt nicht entziehen. Das verpatzte auch den vielfach in den vergangenen Jahren neu lancierten Green-Bond-Fonds die Performance, bietet nun aber preisgünstige Einstiegsmöglichkeiten. Ein Überblick.

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2022 bescherte der vergleichsweise jungen Produktgruppe der Green-Bond-Fonds ihren ersten Belastungstest. Für bisher noch nicht investierte Anleger bietet das den Vorteil, dass man leicht ­überprüfen kann, wie sich die einzelnen Fondsmanager in diesem schwierigen Umfeld gehalten haben. 

© DWS, nordroden | stock.adobe.com
Grüne Anleihen haben seit ­Jahresbeginn wie der gesamte Anleihenmarkt unter den Auswirkungen des russischen Angriffskriegs, der Energiekrise und der steigenden Inflation gelitten. Dabei spielten insbesondere die steigenden Zinsen eine bedeutende Rolle“, beschreibt Bernhard Birkhäuser, Portfolio Manager bei der DWS, das für Rentenanleger äußerst schwierige Marktumfeld der vergangenen Monate. Den Kursverfall sieht der Fondslenker aber nicht nur ­negativ: „Wir sehen Green Bonds gerade nach den gesunkenen Preisen als ­interessante Anlage.“ 
 
Einstiegswillige Anleger, die gerade bei grünen Anleihen auf die Expertise externer Vermögensverwalter und damit auf Investmentfonds setzen wollen, steht für dieses Thema eine immer größere Auswahl an Green-Bond-Fonds zur Verfügung. Institutional Money hat sich basierend auf Daten von Mountain-View alle global investierenden für institutionelle Investoren aus Deutschland und Österreich aufgelegten Green-Bond-Fonds angesehen, die „Green Bond“ im Fondsnamen tragen und über einen Track Record von mindestens einem Jahr verfügen. Die Datenauswertung und das Ranking der Fonds erfolgten per Freitag, 19. August 2022 anhand der zurückliegenden Dreijahresperformance (siehe Tabelle „Auswahl an Green-Bond-Fonds“).
 
Duration entscheidend
Auf Platz eins des Rankings liegt der Amundi Funds Euro Corporate Short Term Green Bond (Mindestanlagesumme: fünf Millionen Euro), der im Ein- und Dreijahresbeobachtungszeitraum nur einen Verlust von 4,99 und 4,42 Prozent verzeichnete. Der Fondsname gibt bereits einen Hinweis darauf, warum die Strategie den Abverkauf an den Rentenmärkten vergleichsweise glimpflich überstanden hat. Fondsmanagerin Yael Muscat investiert einerseits in Investment-Grade-Unternehmensanleihen, die in der Regel ­eine kürzere Duration als Anleihen von Staaten oder staatsnahen/supranationalen Emittenten haben. Hinzu kommt die explizite Short-Duration-Strategie, bei der die Duration zwischen einem und drei Prozent liegen soll. Per Ende des ersten Halbjahres lag die ­Duration des Fonds laut Bloomberg-Daten bei sehr niedrigen 1,25 Prozent. Bei diesem Gefäß ist ein weiterer Faktor wichtig, der dem Fondsnamen jedoch nicht mehr zu entnehmen ist, den potenziell interes­sierte Investoren aber wissen sollten: Per 6. Juni 2022 wurde aus dem seit vielen Jahren am Markt befindlichen klassisch investierenden Amundi Funds Euro Corporate Short Term Bond der Amundi Funds Euro Corporate Short Term Green Bond, der ­seinen Schwerpunkt nunmehr auf grüne ­Anleihen setzt. Yael Muscat bleibt trotz Umstellung auf eine Nachhaltigkeitsstrategie Fondsmanagerin, kann aber auf die ­Expertise des zuletzt 44-köpfigen Credit-Research- und ESG-Analyse-Teams von Amundi zurückgreifen. Amundi reduzierte bei dieser Gelegenheit die Management­gebühr von 0,30 auf 0,25 Prozent per ­annum. Die Performance Fee in Höhe von 20 Prozent, die bei Überschreiten des Euro Short Term Rate Index+1 (ESTER+1) fällig wird, bleibt jedoch bestehen. Angesichts der negativen Performance wurde diese aber in den letzten Jahren nicht fällig. 
 
Wie dem letzten Marktbericht für den Monat Juli zu entnehmen ist, arbeitet Fondsmanagerin Muscat an der Transformation in Richtung eines nachhaltigeren Portfolios und hat in den vergangenen ­Wochen günstige Kurse bei den Green Bonds von BPCE, Commerzbank, Sumitomo und der Swedbank zum Kauf genutzt. Auf Ebene der Nachhaltigkeit orientiert sich Amundi an den Green Bond Principles der ICMA (International Capital Market Association). Über eine offizielle Benchmark verfügt das Gefäß laut eigenen Angaben nicht. Ein Grund dafür ist das dynamische Durationsmanagement, um das Risiko steigender Zinsen für die Anleger so gering wie möglich zu halten. 
 
Pionier
Den zweiten Platz im Ranking – sowohl im Ein- als auch im Dreijahreszeitfenster – belegt der SEB Green Bond Fund IC EUR mit minus 6,51 und minus 5,37 Prozent. Wie Amundi zählt SEB zu den Pionieren beziehungsweise großen Playern im Bereich grüner Anleihen. Immerhin entwickelte SEB Mitte der Nullerjahre gemeinsam mit der Weltbank das Green-Bond-Konzept mit. Der SEB Green Bond Fund IC EUR entstand im Jahr 2015 aus der Umstellung des SEB ÖkoRent Fund, der wiederum seine Anfänge (in einer anderen Tranche) bereits in den späten 1980er-Jahren hatte. Das SEB-Vehikel setzt wie der genannte Amundi-Fonds auf eine relativ kurze Duration (2,65 per Ende Juli 2022) und orientiert sich aus diesem Grund an der Benchmark Bloomberg Barclays MSCI Green Bond ­Index 1–5 years (Duration 3,65). „Der SEB Green Bond Fund hat sich zum Ziel gesetzt, die Kohlenstoffemissionen zu reduzieren. Dies geschieht durch Investitionen in er­neuerbare Energien, Energieeffizienz und durch die Erleichterung eines allgemeinen Übergangs zu einer grünen Wirtschaft“, skizziert Christoph Knapp, Sales Executive bei SEB in Frankfurt, die Anlagestrategie, bei der auch Derivate zur Depotsteuerung zum Einsatz kommen. Rund 95 Prozent des Portfolios sind in grünen Anleihen investiert, wobei mit 45 Prozent der Schwerpunkt auf Unternehmen aus dem Erneuerbare- Energien-Sektor liegt. Die niedrigste Bonität des Portfolios liegt beim Rating „BBB“, die höchste Ländergewichtung mit 26 Prozent hatte Ende Juli Schweden, vor den USA mit 19 und den Niederlanden mit zehn Prozent. Die relativ gute Performance ­begründet Fondsmanagerin Marianne Gut gegenüber Institutional Money wie folgt: „Der Fonds war defensiv positioniert, als die Welt von einer globalen Pandemie heimgesucht wurde. Nicht weil wir glaubten, dass ein globaler Virus die Welt lahmlegen würde, sondern weil wir eine Verlangsamung des Geschäfts- und Handelszyklus sahen. Wir waren in der Lage, das schwierige Investitionsumfeld zu meistern, indem wir uns auf die langfristige Rendite des Fonds konzentrierten.“ 
 
Gut und günstig
Beim drittplatzierten iShares Green Bond Index Fund (IE) Class Flex Dist Eur handelt es sich um keinen börsengehandelten ETF, sondern um einen von David Antonelli ­gemanagten Indexfonds mit einer Mindestanlagesumme von 500.000 Euro, der den Bloomberg Barclays MSCI Green Bond Index möglichst nah abbildet. Die Top-Drei-Werte im Index und damit im Fonds sind sehr lang laufende grüne Anleihen von Frankreich (2039), der EU (2037) und den Niederlanden (2040) und erklären die (im Vergleich zu den beiden oben genannten Amundi- und SEB-Fonds) längere Duration von rund 7,80. Trotzdem belegt der Indexfonds einen Platz am Treppchen, was unter anderem am laufenden Kostenvorteil liegt: Denn die Verwaltungsgebühr beträgt insgesamt ­lediglich 0,05 Prozent im Jahr und ist damit die niedrigste im gesamten Ranking. Wohl auch aus diesem Grund haben institutionelle Investoren dem Gefäß mittlerweile mehr als 1,1 Milliarden Euro an Geldern anvertraut. 
 
Viele Freiheiten
Platz vier bei der Performance erringt die österreichische Erste Asset Management mit ihrem Erste Responsible Bond Global ­Impact. Fondsmanager Martin Cech kauft für das global ausgerichtete Portfolio nicht nur grüne Anleihen, sondern mischt auch Climate Awareness, Social, Sustainable und Sustainability Linked Bonds bei, sofern diese über ein Mindestemissionsvolumen von 200 Millionen Euro und ein Investment-Grade-Rating verfügen. Eine Benchmark gibt es für den frei agierenden Fondsmanager nicht, für statistische Vergleiche zieht Cech jedoch den ICE BofA Green Bond ­Index heran. Dabei zeigt sich, dass der Fonds gegenüber diesem Index per Ende Juni auf Anleihen mit kürzeren Restlauf­zeiten setzte und dabei eine Duration von fünf hatte. Die höchste Gewichtung im Portfolio unter den verschiedenen 147 Emittenten hatte Henkel (zirka 1,1 Prozent Gewichtung) mit einer nachhaltigkeits­gebundenen Anleihe, die im November 2026 fällig wird.
 
Ebenfalls aus Österreich kommt der Raiffeisen-GreenBonds, der wie der Erste Responsible Bond Global Impact auf eine Benchmark verzichtet. Anlageuniversum dieses „unconstrained“ Themenfonds sind Green Bonds von Staaten, supranationalen Emittenten und Unternehmen, sofern diese ein IG-Rating aufweisen. Eine Beimischung von 20 Prozent Sub-IG-Bonds sowie ein ­offenes Fremdwährungs-Exposure von bis zu 25 Prozent sind erlaubt. Die angestrebte ­Volatilität soll zwischen zwei und drei Prozent liegen. Die Duration soll möglichst um die fünf betragen, wobei strategische ­Abweichungen innerhalb einer Bandbreite zwischen vier und sechs möglich sind. Zuletzt betrug die Duration 5,47. „Der Raiffeisen-Greenbonds stellt ein ausbalanciertes Portfolio dar, das Chancen auf der Zins- und Währungsseite und im Bereich der ­Unternehmensanleihen wahrnimmt“, erklärt Christian Zima, Fondsmanager des Raiff­eisen-GreenBonds in der Raiffeisen KAG, auf Anfrage. „Infolgedessen war das Zins­risiko zuletzt gegenüber der Peergroup verringert, das Credit-Risiko dagegen erhöht und auch nur ein Teil des Währungsrisikos abgesichert. Der Fonds konnte damit beispielsweise von der Aufwertung der Dollarwährungen profitieren.“
 
Der DWS Invest Green Bonds XD investiert in Anleihen, die von öffentlichen, privaten und gemischtwirtschaftlichen Emittenten weltweit ausgegeben werden, die spezielle Projekte mit Bezug zu Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Themen finanzieren. In der Praxis investiert das Fondsmanagementteam unter Lead Manager Bernhard Birkhäuser fast nur in Green Bonds von Unternehmen, wobei 80 Prozent aller Anleihen im Portfolio zumindest zum Kaufzeitpunkt ein IG-Rating aufweisen müssen. 
 
Flexibilität gibt es auch bei der Nachhaltigkeit: Der Fonds investiert zu mindestens 70 Prozent in grüne Anleihen, die den strengen DWS-Green-Bonds-Standards gerecht werden. Bis zu 30 Prozent können darüber hinaus in Unternehmensanleihen investiert werden, die lediglich den DWS-Mindest­kriterien in Sachen Nachhaltigkeit entsprechen, aber keine dezidierten Green Bonds sind. Dieser Anteil betrug beispielsweise per Ende des ersten Halbjahres 6,2 Prozent. Angesichts dieser Strategie wird das Portfolio nicht unter Bezugnahme auf eine Benchmark verwaltet, auch weil großer Wert auf die Reduzierung von Zinsänderungsrisiken gelegt wird: Mit Erfolg, wie Bernhard Birkhäuser, Portfolio Manager des DWS Invest Green Bonds, berichtet: „Dies führte – ­gerade in der starken Zinsanstiegsphase seit Jahresbeginn – zu einer relativen Outper­formance aus der Kombination von hoher Emittentenqualität und einer niedrigen durchschnittlichen Restlaufzeit der Anleihen. Haupttreiber der Performance auf Sektorenebene war die niedrige Allokation in Titeln, deren Emittenten von einer starken Abhängigkeit zum Öl- und Gassektor ­geprägt sind.“ 
 
Schwergewichte
Der rund 1,6 Milliarden Euro schwere und damit auch größte Fonds im Ranking, der Eurizon Fund Absolute Green Bonds, strebt laut Unternehmensangaben eine ­„positive absolute Rendite“ bei einer „moderaten Volatilität“ auf mittlere Sicht an. Ganz gelungen ist das bislang noch nicht: Im Dreijahresrückblick verzeichneten die Italiener ein Minus in Höhe von zirka 9,7 Prozent sowie einen Maximum Drawdown von mehr als 18 Prozent. Die Dreijahres­volatilität betrug zum Stichtag 3,93 Prozent, in den vorangegangenen sechs Monaten ­jedoch 7,14 Prozent. Laut Caterina Ottavi, Co-Managerin des Fonds, unterscheidet sich der Ansatz von seinen Mitbewerbern aufgrund des aktiven Managements sowie diverser Performancehebel, insbesondere der Durationssteuerung über Derivate, und seiner Unabhängigkeit von einer Benchmark. Die im Vergleich zur Peergroup leicht überdurchschnittlich gute Performance begründet Matteo Merlin, ebenfalls Co-Manager des Fonds wie auch Head of Green and Sustainable Finance Fixed Income & FX bei Eurizon Capital, wie folgt: ­„Eurizon und das engagierte Managementteam waren in der Lage, das Portfolio so zu positionieren, dass der Fonds in Phasen eines plötzlichen Anstiegs der Renditen oder einer Verengung der Spreads optimal verwaltet werden konnte, wobei im ersten Fall die Duration verringert und im zweiten Fall das Risiko erhöht wurde.“
 
Die jüngste Positionierung des Fonds ­bestand per Ende Juli zu 57 Prozent aus IG-Corporate-Bonds (vorwiegend aus Europa), zehn Prozent grünem EMD, 13 Prozent grünen HY-Bonds und 20 Prozent grünen Anleihen von Staaten, Agenturen und supranationalen Organisationen. Der Fonds will perspektivisch aus strategischer Sicht weiterhin seine Long-Position in Durations- und Credit-Risiken beibehalten und entsprechende Risiken auf der taktischen Ebene diskretionär über Derivate reduzieren.
 
Der zweitgrößte Fonds, gemessen am ­Volumen, ist der von Johann Plé, Fixed ­Income Portfolio Manager bei Axa Investment Managers verantwortete AXA WF-ACT Green Bonds. Weltweites Anlageuniversum sind Green Bonds mit IG-Bonität von Staaten und supranationalen und staatsnahen Organisationen sowie Agenturen. Und Plé mischt auch IG-Corporate-Bonds bei. Referenzindex ist der BofA Merrill Lynch Green Bond Hedged Index, wobei AXA IM mehr als 25 Prozent der im Index enthaltenen grünen Anleihen als nicht kaufenswert erachtet. Die Strategie respektive Plé haben zumindest in den vergangenen Jahren die Investorenerwartungen erfüllt: „Unsere Strategie hat ihre Benchmark in den Jahren 2019, 2020 und 2021 um durchschnittlich 75 Basispunkte in Bezug auf die Bruttoperformance übertroffen. Wir glauben, dass es uns gelungen ist, diese Outperformance durch die Kombination der verschiedenen im Universum verfügbaren Performancetreiber zu erzielen“, berichtet Plé. Dieser Ansatz hat relativ gut funktioniert, um die relative Outperformance der Strategie bis Mai dieses Jahres zu halten. Dann kam jedoch der Juni-Abverkauf: Der Fonds musste einer Duration von etwas mehr als sieben Tribut zollen und verlor nach einem bereits schwachen Jahresverlauf 2022 allein im Juni fast vier Prozent. „Der Juni 2022 war eine größere Herausforderung für das Portfolio“, räumt Plé ein und blickt sofort wieder optimistisch in die Zukunft: „Mit Blick auf die Zukunft glauben wir, dass die veränderte Volatilität seit Jahresbeginn mehr Möglichkeiten für aktive Manager bieten wird und dass unser langfristiger Ansatz uns in die Lage versetzen sollte, durch dieses volatile Umfeld zu navigieren und lang­fristig eine nachhaltige Outperformance zu erzielen.“
 
Anton Altendorfer

Anhang:

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