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3/2021 | Produkte & Strategien
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Durch Covid genesen

Hedgefonds sind harte Zeiten gewohnt – meist dann, wenn es für den Rest der Welt gut läuft. Während der Pandemie haben sich diese Vorzeichen umgekehrt. Und das auf rekordverdächtige Art und Weise.

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Hedgefondsstrategien waren nach einer relativ langen Durststrecke im ersten Halbjahr 2021 wieder gefragt. Das lag wahrscheinlich zu einem großen Teil an den Krisenereignissen rund um die Pandemie. Unterschiedliche Ansätze funktionierten dabei unterschiedlich gut – Long/Short Equity gehörte zu den Gewinnern. Stellt sich die Frage, wie es weitergeht.

© eVestment, Redindie | stock.adobe.com

Man könnte es als Treppenwitz der Finanzgeschichte auffassen, dass ausgerechnet das passive Investieren zu einer Königsklasse der Märkte geworden ist. Möglichst nah an diversen Indizes, Faktoren oder Themen entlang zu veranlagen, ohne einem ­aktiven Alpha nachzujagen, ist erstens kostengünstig und zweitens höchst effizient. Stockpicking galt nach 2009 bei vielen als ineffizient und vor allem ­teuer. In kleinen Märkten, in denen eine gewisse Informationsasymmetrie herrscht, konnte aktives Fondsmanagement in der jüngeren Vergangenheit noch halbwegs ­argumentiert werden; das war es in der ­Regel aber auch schon. Fragte man hingegen hart gesottene Investoren nach der einstigen Glanz-und-Glamour-Strategie „Hedgefonds“, wurde ab und zu schon mit den Augen gerollt: nutzlos im besten, ein Verlustgeschäft im schlechtesten Fall.

Trendumkehr

Besonders heftig spürte die Branche das „in den zwei Jahren vom zweiten Quartal 2018 bis ins zweite Quartal 2020“, erzählt Peter Laurelli. Der Global Head of Research des Analyse-Hauses eVestment macht diese Einschätzung an der Subkategorie der Managed Futures fest: „Diese Assetklasse hat in diesem Zeitraum kein einziges Quartal ohne Nettoabflüsse erlebt.“ Doch dann kam Corona: „Und das dürfte die Einstellung der Investoren geändert haben.“
Laut Daten von eVestment verzeichnete diese Anlageform im ersten Halbjahr Zuflüsse im Ausmaß von 8,05 Milliarden Dollar und lieferte nach Multi Strategy – mit einem Plus von 17,4 Milliarden – die zweithöchsten Zuflüsse aus (Anm.: Zur Performance der einzelnen Strategien siehe Tabelle „Weltweit starke Hedgefonds-Performance“).

Die Einzeldaten variieren leicht, je nachdem, von welchem Provider die Informationen eingeholt werden – worüber sich aber alle Datenanbieter einig sind, das ist die Tatsache, dass das gesamte von Hedgefonds verwaltete Vermögen an der Vier-Billionen-Dollar-Marke kratzt. Die Industrieplattform HFM zeigt hier nach dem deutlichen Rückschlag 2018 (siehe Tabelle „Die Vier-Billionen-Dollar-Marke“) einen markanten Sprung im laufenden Jahr.

Rekordjagd

Bis Mai 2021 lagen die Gesamt-Assets demnach bei 3,89 Billionen US-Dollar. Zu Redaktionsschluss lieferte Mitbewerber HFR Daten, die noch einen Tick aktueller waren und bis Ende Juni reichten. Demnach hatten die Assets schon 3,96 Billionen erreicht.
Unterlegt wurden die Zuflüsse von einer beeindruckenden Performance der Branche. Auch hier wurden je nach Datenprovider unterschiedliche Bestmarken geknackt. Demnach hat der HFM Global Composite Index in der ersten Jahreshälfte ein Plus von 8,8 Prozent hingelegt, was der stärksten Halb­jahresperformance seit 2009 gleichkommt.

Der HFRI Fund Weighted Composite Index hat wiederum einen Anstieg von zehn Prozent vorzu­weisen, was dem stärksten Halbjahr seit 1999 entspricht.

Interessant an der HFM-Betrachtung ist, dass die Analysten zwischen großen und kleinen Hedgefonds differenzieren, wobei die Eine-Billion-Marke das Abgrenzungskriterium darstellt. Demnach gibt es einen starken Unterschied in der Performance, der durchaus an den Small-Faktor an den Ak­tienmärkten erinnert (siehe Chart „Small-Faktor bei Hedgefonds?“). Eine weitere ­Parallele ist, dass sich diese laut HFM „langfristig beobachtbare Outperformance“ von Small schön langsam auflösen könnte, haben doch „die größeren Manager im zweiten Quartal ein Plus von 3,9 gegenüber den 3,7 Prozent der kleineren Anbieter ­geschafft“.

Allein aus Gründen der Risikogewichtung könnten institutionelle Investoren ­ohnehin zu den größeren Anbietern neigen, weisen diese doch lauf HFM „eine niedrigere Volatilität auf, was sich in einer Sharpe Ratio von 6,0 zu 3,8 zugunsten der großen Anbieter ausdrückt“.

Weltweit erfolgreich

Vergleicht man die Halbjahresperformance des MSCI World Aktienindex mit dem globalen Hedge Fund Aggregate, wie er von eVestment erhoben wird, kommt man auf ein Resultat von rund zwölf zu neun Prozent zugunsten des Aktienindex – was, zumindest vor Kosten, eine sehr ansprechende Leistung darstellt. Auf regionaler Ebene wurde das Ergebnis der Hedgefondsindustrie von Nordamerika getragen, die Industrienationen Europas bremsten den Zug etwas. Gewichtet man nicht nach Volumen, wurden die stärksten Performances allerdings in Afrika und im Nahen Osten mit mehr als 13 Prozent erzielt.

Losgelöst vom Index

Nachdem aber eines der Hauptziele eines Hedgefonds-Investments die Absicherung von herkömmlichen Marktrisiken sein sollte, interessiert nicht zuletzt, welche indexunabhängigen Strategien besonders erfolgreich waren. Hier haben sich dezidierte Krisenansätze tatsächlich bewährt.

„So haben Event-Driven-Ansätze, die sich oft auf in Ungnade gefallene Unternehmen konzentrieren, die Deep Value generieren und Hoffnung auf Erträge durch Fusionen und Übernahmen wecken, bis in den Juni hinein starke Gewinne erzielt“, wie HFR-Präsident Kenneth Heinz erklärt. Diese Strategien schlagen laut eVestment mit einem Halbjahresplus von 10,8 Prozent zu Buche. Spitzt man „Event-Driven“ noch auf „Event-Driven – Aktivistisch“ zu, sind es sogar knapp 25 Prozent. Ebenfalls hoch ­erfolgreich agierten Fonds, die sich auf „Distressed“ oder „Long/Short Aktien“ spezialisiert haben.

Fortsetzung des Trends

Angesichts dieser Erfolge muss man sich fragen, ob sich dieser Hype nicht eher früher als später wieder totläuft. Tatsächlich spricht einiges für eine Fortführung des Trends – jedoch mit abgeschwächter Dynamik. Das lässt sich an ein paar Kennzahlen ablesen. Für eine Fortsetzung der positiven Entwicklung spricht beispielsweise das Verhältnis von Lancierung zu Liquidierung von Hedgefonds. Laut HFM steht es hier 152 zu 130. Der positive Saldo von 22 steht im Kontrast zum negativen von 38, den man noch im Halbjahr zuvor hinnehmen musste. Auf der anderen Seite waren die 152 Neugründungen der niedrigste Wert seit 2016. In diesem Fünfjahreszeitraum wurden in der Spitze bis zu 443 Hedgefonds neu gegründet – konkret wurde dieser Topwert in den ersten sechs Monaten von 2017 erzielt.

Für fortgesetzt starkes Interesse am Hedging spricht auch eine HFM-Umfrage unter Investoren selbst. Demnach planen 34 Prozent der Befragten, ihre Hedgefonds-Investments zu erhöhen, während 15 Prozent eine Reduzierung vornehmen wollen. Das klingt per se positiv. Bei einer gleich lautenden Umfrage sechs Monate zuvor planten aber noch 45 Prozent, ihre Positionen in diesem Bereich aufzustocken.

Bei einem Abflauen des Trends müssen also alle Beteiligten – sowohl Investoren als auch Manager – im Auge behalten, welche Strategien möglicherweise schon zu teuer sind und welche auch weiterhin gut funktionieren könnten. Hier könnte der Trend Richtung erhöhte Komplexität gehen. So hat das Meinungsforschungsinstitut Pure Profile 100 Hedgefondsmanager aus den USA, Großbritannien und Asien zu Trends in der Branche befragt. Demnach erwarten 80 Prozent der Manager, dass Investoren ­ihre Allokationen Richtung Quant-Strategien ausweiten werden. Diese sollen vor ­allem als Overlay beim Hedging im Bereich Rohstoffe, Währungen und Aktien oder bei der Zinsabsicherung zum Tragen kommen. Was plausibel klingt. So werden etwaige Sorgen um einen nachhaltigen Anstieg der Inflation abgefedert.   

 Hans Weitmayr


Anhang:

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