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IM Investmentforum: Soziale Infrastruktur-Investments

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1/2019 | Steuer & Recht
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»Die Finanzkrise hat uns geholfen«

Nicht weniger als die weltweite Marktführerschaft beansprucht der Datenspezialist SimCorp für seine integrierte Softwarelösung für die Asset-Management-Branche. Und er kann durchaus begründen, warum das nicht übertrieben ist.

Mit weltweit 23 Niederlassungen ist das in Kopenhagen ansässige Softwarehaus SimCorp einer der größten Datendienstleister, der sich auf die Anforderungen von Asset Managern, Pensionskassen und Versicherungen spezialisiert hat. Mehr als 16.000 Anwender aus rund 190 Unternehmen nutzen die unter dem Namen SimCorp Dimension vermarktete Software. Von Bad Homburg, Wien und Zürich aus betreuen rund 200 Mitarbeiter von SimCorp Central Europe die Märkte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Wir haben mit Ralf Schmücker, Sprecher der Geschäftsführung, und Carsten Kunkel, Leiter des Regulatory Center of Excellence, über Trends und Ent­wicklungen in der Branche gesprochen.

Herr Schmücker, Ihre Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Anbieter von Investment-Management-Lösungen für Asset Manager, Pensionskassen und Versicherungen entwickelt. Worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?
Ralf Schmücker: Im Grunde ist die in den letzten Jahren zunehmend komplexer gewor­dene Welt der Investment-Management-Indus­trie – ein Trend, der übrigens nach wie vor anhält – unser Vorteil gewesen. Der Kern unserer Wachstumsgeschichte reicht dabei weit zurück in die Anfangszeit von SimCorp. Einige befreundete Studenten an unserem Stammsitz in Kopenhagen, die ­anfangs gemeinsam Simulationssoftware zur Bilanzanalyse entwickelten, trafen als die späteren Gründer von SimCorp schon in den 80er-Jahren die Entscheidung, die damals vorhandenen Tools zur Verwaltung großer Vermögensbestände von Asset Managern zu einer integrierten Standard­lösung zusammenzuführen. Das war im Grunde die Vorstufe dessen, was wir heute weltweit ­unter dem Namen „SimCorp ­Dimension“ vermarkten.

Aber woher nehmen Sie die Selbstsicherheit, sich als weltweit führender Provider von integrierten Investment-Management-Lösungen zu bezeichnen, wie das aus Ihrer Unternehmensbroschüre hervorgeht? Ihr Unternehmen ist ja keineswegs der einzige große Anbieter in diesem Feld.
Schmücker: Das ist schon richtig, auch wenn dieses Wettbewerbsfeld nicht wirklich groß ist. Aber ich glaube, wir dürfen schon behaupten, dass wir in Bezug auf die Integration der verschiedensten Daten über wirklich alle denkbaren Assetklassen und den gesamten Wertschöpfungsprozess im Asset Management hinweg marktführend mit ­unserem Angebot sind. Jede Abteilung in einem Investmentunternehmen, das mit ­unserer Lösung arbeitet, kann dadurch auf den gleichen Datenbestand zurückgreifen, von der Auswahl von Wertpapieren, der Transaktion und dem Handel im Frontend über das Risikomanagement und das Controlling im Middle Office bis hin zur Verwaltung, dem Reporting und der Verbuchung im Backend. Inzwischen unterstützen wir ein Gesamtvolumen von gut 20 Billionen US-Dollar für mehr als 16.000 aktive Nutzer unserer Plattform und arbeiten mit gut 40 Prozent der 200 größten Asset ­Manager weltweit sowie einer Vielzahl der größten Versicherer zusammen. Es mag in diesem Zusammenhang etwas seltsam ­klingen, aber im Prinzip hat uns auf dem Weg dorthin auch die Finanzkrise von 2008 geholfen.

Inwiefern?
Carsten Kunkel: Bis vor gut zehn Jahren ­haben viele, auch die sehr großen Asset ­Manager, auf unterschiedliche Spezialsys­teme für das Management einzelner Assetklassen gesetzt. Es gab die verschiedensten „Softwarespielwiesen“ für Derivate wie auch für das Anleihensegment und den ­Aktienbereich oder das Währungsmanagement. Solange alles mehr oder weniger gut gelaufen ist und funktioniert hat, ist daraus auch kein großes Problembewusstsein ­erwachsen. Die Finanzkrise hat hier als ­Zäsur ­gewirkt. Mit diesem ­Ereignis entstand das Bewusstsein, dass es gerade im Manage­ment großer Vermögensvolumina von enormer Bedeutung ist, einen wirklich konsolidierten Überblick über möglichst ­alle Assets und Wertpapierklassen zu haben. Allein schon, um das tatsächliche Risiko­exposure des eigenen Gesamtunternehmens erkennen und einschätzen zu können. In dieser Phase hat sich der Begriff „Investment Book of Records“, abgekürzt IBOR, am Markt etabliert. Damit wollte man beschreiben, dass man als Asset Manager – zu jeder Zeit und möglichst wie in einem einzigen Buch – ­eine Übersicht über seine gesamten Investmentbestände haben sollte, um diese in ­ihrer Gesamtheit jederzeit ­erfassen und bewerten zu können. Und das idealerweise in Echtzeit. Damit hat sich eine Erwartung am Markt etabliert, auf die wir mit unserer ­Lösung namens SimCorp ­Dimension schon seit 20 Jahren hingearbeitet haben. Das hat uns damals einen nicht zu unterschätzenden Schub gegeben in einer Zeit, da wir ohnehin schon auf ­einem guten Wachstumspfad waren.

Wer sind denn aus Ihrer Sicht Ihre Wett­bewerber in diesem Bereich?
Schmücker: Auf der lokalen Ebene einzelner Länder oder Jurisdiktionen gibt es natürlich einige Unternehmen, die als Softwaredienstleister für die Asset-Management-Branche aktiv sind. Meist sind das wesentlich kleinere Anbieter, die in der ­Regel nur einen bestimmten Teilbereich im Asset Management abdecken – und dann spezialisiert auf die Belange der Kunden im jeweiligen Sitzland dieser Anbieter. Auf der globalen Ebene und in Bezug auf eine möglichst breite Abdeckung und Integration ­aller Teilbereiche des Investmentgeschäfts nehmen wir daher eigentlich nur zwei Hauptwettbewerber wahr: Das ist zum ­einen BlackRock, selbst der größte Asset Manager weltweit. Über seine hauseigene Plattform namens Aladdin übernimmt das Unternehmen umfassende Serviceleistungen auch für andere Investmentgesellschaften. Auch wenn die Ursprünge von Aladdin ­eigentlich im Risikomanagement liegen, verfolgt BlackRock inzwischen ebenfalls die Strategie, eine ­integrierte Lösung bereitzustellen, die möglichst alle bei einem Investment Manager ­anfallenden Bereiche vom Frontend bis zum Backend abdecken soll.

Kunkel: Seit Mitte vergangenen Jahres ist ­zudem mit State Street, eine der größten Depotbanken weltweit, ein zweiter Wettbewerber entstanden, der antritt, als global agierender Dienstleister die gesamte Wertschöpfungskette der Investmentindustrie vom Portfolio Management über die Risikoanalyse bis hin zum Handel und zur Post-Trade-Abrechnung über seine Systeme abzubilden. Das Unternehmen hat nämlich Charles River Development übernommen, eine Gesellschaft, die auch bisher schon ­Lösungen für das Front und Middle Office angeboten hat. In Kombination mit der Backend-­Expertise von State Street selbst ist so ein weiterer Komplettanbieter entstanden.

Dann gehen Sie davon aus, dass es auch bei BlackRock und State Street auf eine ­integrierte Plattformlösung hinausläuft?
Kunkel: Das ist das Ziel, aber gerade im Softwaresektor kann die Zusammenführung von ursprünglich einzelnen Modulen, die eventuell auch noch auf verschiedenen Sys­temen entstanden sind, unter Umständen deutlich läger als erwartet dauern, bis man von einem wirklich integrierten System sprechen kann. Wir bleiben daher nach unserer Wahrnehmung der einzige Anbieter, der seit seiner Gründung gewissermaßen von seinem Basisdesign und seiner gesamten Entwicklungsstrategie her diese echte Integration des gesamten Datenhaushalts ­eines Asset Managers auf ein- und derselben Plattform anbietet.

Schmücker: Ein weiterer Aspekt, der uns von den beiden genannten Wettbewerbern unterscheidet, ist die grundsätzliche Positionierung des jeweiligen Unternehmens. Wir agieren vollkommen unabhängig in dem Sinne, dass wir weder eine Bank noch einen Asset Manager als Muttergesellschaft haben oder irgendwelche sonstigen Produktinteressen verfolgen. Daher müssen wir nicht mit denkbaren Interessenkonflikten umgehen. Im Übrigen betrachten wir die Ent­wick­lung bei den anderen Anbietern insgesamt weniger als Bedrohung für unser eigenes Geschäft, sondern eher als eine Bestätigung des Trends zu integrierten Lösungen.

Kunkel: Wobei man sagen muss, dass die Entwicklung hin zu einem voll integrierten Wertpapiersystem nicht in jedem Markt ähnlich verlaufen ist. Während die Branche in Kontinentaleuropa schon vor der Finanzkrise auf dem Weg zu einem inte­grierten Ansatz war, haben vor allem die angelsächsischen Anbieter sehr viel länger an ihren Spezialsystemen festgehalten und versucht, singuläre Softwarelösungen miteinander zu verbinden. Das zeigt aus meiner Sicht, dass es in der Regel nicht möglich ist, eine einmal getroffene Grundsatzentscheidung einfach über Bord zu werfen. Es muss zunächst eine Art Sinneswandel stattfinden und die Entscheidung getroffen werden, in ein neues System zu investieren. Dann folgt ein entsprechender Auswahlprozess, und erst danach kann es zur Implementierung und schließlich zur Ablösung der alten Sys­temlandschaft kommen. Was ich damit sagen will: Wir agieren mit unserem Angebot im Investitionsgütermarkt, in dem sich nicht alles ganz so schnell dreht, wie mancher vielleicht glauben mag. Die Marktmeinung und die Einstellung zu der Notwendigkeit von IBOR und zum Thema Integration ­haben sich durchaus ­gewandelt, auch auf globaler Ebene. Aber die Umsetzung ist in jedem Land unterschiedlich, weil man vor allem als sehr großer Akteur ein laufendes System nicht mal eben mit einem Fingerschnipp austauscht.

Zumal gleichzeitig immer wieder neue ­The­men im Markt auftauchen, wenn man an die Tendenz zu alternativen Investments, die Investmentbesteuerung oder auch die Derivateregulierung durch die EMIR-­Direk­tive und die Neuordnung von Trans­aktions­meldungen durch die SFRT-Richtlinie denkt, um nur einige Beispiele zu nennen.
Schmücker: Alles wichtige Stichworte zu ­neuen Entwicklungen, neuen Trends und Regulierungen, die ohne Zweifel unser Kerngeschäft betreffen. Bei all dem wollen wir natürlich eine Rolle spielen, weil damit immer auch entsprechende Chancen für uns verbunden sind. Denn gerade durch das Aufkommen von neuen Regeln wie den von Ihnen genannten EU-Direktiven, aber auch aufgrund einer verstärkten Nachfrage nach alternativen Anlagen in einer Zeit immer noch extrem niedriger Zinsen stellt sich für einen Asset Manager immer wieder die Frage: Neues einbauen ins vorhandene alte System oder jetzt strategisch den ersten Schritt zur Konsolidierung auf ­einer voll integrierten Plattform gehen?

Kunkel: Deshalb investieren wir nicht umsonst ein Fünftel unserer Einnahmen in den Bereich Forschung und Entwicklung – allein schon um mit all diesen Entwicklungen Schritt halten zu können. Das ist auch der Grund, weshalb sich unsere Entwicklungsorganisation schon vor einigen Jahren von einem klassischen Wasserfallprinzip gelöst hat, bei dem man früher die Lösung für ein neu auftretendes Problem zunächst komplett ausdefiniert hat, diese dann entwickelt und getestet hat, um sie schließlich dem Kunden zur Verfügung zu stellen. Wir gehen heute einen anderen Weg und haben uns bewusst zu einer wirklich agilen Organisation mit permanentem Kundenkontakt gewandelt, weil wir so sehr viel schneller auf Veränderungen und neue Herausforderungen ­reagieren können. Wir bekommen jetzt den gesamten Meinungsbildungsprozess innerhalb der Branche gewissermaßen hautnah mit und können ihn im Interesse unserer Kunden zunehmend mitgestalten.

Schmücker: Zumal die meisten neuen Ent­wick­lungen am Ende jeden unserer Kunden in ähnlicher Weise, wenn auch vielleicht in unterschiedlicher Ausprägung betreffen. Deshalb muss man zum einen nicht mit ­jedem Mandanten das Rad neu erfinden. Zum anderen handelt es sich in der Regel um Themen – ob wir nun von Änderungen bei der Besteuerung oder neuen Regulierungsvorschriften sprechen –, die meistens im Vorfeld sehr lange und breit diskutiert, dann aber relativ zügig umgesetzt werden müssen. Deshalb ist es sinnvoll, möglichst proaktiv mit Kunden, aber auch Verbänden und Regulierern zu sprechen. Wir haben deshalb ein eigenes „Regulatory Center of Excellence“ gegründet, das Carsten Kunkel leitet. Sein Team sucht bewusst den Austausch mit den entsprechenden Lobbyorganisationen und Kunden über die anstehenden regulatorischen Themen, um möglichst frühzeitig einen Beitrag zu einer zeitgerechten Umsetzung leisten zu können. Das ist ein weiterer Aspekt, mit dem wir uns vom Wettbewerb unterscheiden, nämlich durch ein klares Commitment zu solchen Tendenzen und Veränderungen in dieser Branche.

Abgesehen vom Stichwort IBOR mit dem gesamten Investmentprozess und der Bestandsführung taucht in Ihren Unterlagen auch immer wieder die Abkürzung ABOR für Accounting Book of Record auf. Bedeutet das, dass Ihre Software auch den gesamten Buchhaltungsbereich mit abdeckt?
Kunkel: Eine integrierte Lösung muss nach unserem Verständnis selbstverständlich auch den gesamten Buchhaltungsbereich mit ­abdecken, zumal hier eine zusätzliche Komplexität mit ins Spiel kommt. Während bei einem Versicherer, der in mehreren Ländern und damit unterschiedlichen Jurisdiktionen aktiv ist, die Anforderungen auf der IBOR-Seite, also bei Bestandsführung und Investment Management, vielleicht noch weit­gehend einheitlich sind, sieht das in Bezug auf die Buchhaltung vollkommen anders aus. Eine Versicherungsgesellschaft, die in Deutschland, der Schweiz und in Frankreich aktiv ist, kann zwar ihre Investmententscheidungen weitgehend länderüber­greifend treffen. In der Buchhaltung aber muss dieser Versicherer neben der konsolidierten Bilanz nach den geltenden IFRS-Standards auch die lokal geltenden Buchhaltungsanforderungen abdecken können. Hier kommt unser ABOR-Modul zum Tragen, mit dem wir unseren Kunden beides bieten können – die Bilanzierung nach IFRS und gleichzeitig die lokale Buchhaltung, in Deutschland zum Beispiel die notwendige Bilanzierung nach HGB.

Von der Größenordnung her scheint es kaum eine Begrenzung nach oben hin zu geben in Bezug auf das von Ihren Kunden verwaltete Volumen. Setzen Sie nach unten hin eine bestimmte Mindestgrenze?
Schmücker: Es erfordert schon ein gewisses Volumen an Assets under Management und einen gewissen Komplexitätsgrad, damit es sich für einen Asset Manager lohnt, unsere Plattform einzusetzen. Andererseits bringen wir in unserem eigenen Interesse eine ausgeprägte Flexibilität mit, die es uns aufgrund einmal erarbeiteter Lösungen ermöglicht, auch kleinere Versicherer, Pensionsfonds und Asset Manager mit einem an ­deren Bedürfnisse angepassten und ent­spre­chend weniger komplexen Angebot zu adressieren. Immerhin sind wir in diesem Segment bereits vor 20 Jahren gestartet und verfügen heute über das notwendige Wissen und die nötigen Referenzen, auch kleinere Unternehmen bedienen zu können.

Kunkel: Im Asset-Management-Sektor binden wir zudem eine Vielzahl von kleineren Kunden über Partner an. Wir haben zum Beispiel Ende vergangenen Jahres die Universal-Investment-Gruppe als Kunden für SimCorp ­Dimension gewonnen. Mit einem adminis­trierten Vermögen von mehr als 400 Milliar­den Euro ist das natürlich zunächst einmal einer unserer größten Kunden. Als Asset-Service-Gesellschaft bietet die Universal ­ihre Dienstleistung aber eben nicht nur ­institutionellen Investoren wie Pensionskassen an. Das Unternehmen arbeitet auch mit einer Vielzahl von kleineren Fondsinitiatoren und Vermögensverwaltern zusammen. Dem Vermögensverwalter bringt das den Vorteil, dass er sich auf das Asset Management seines anfangs vielleicht noch kleinen Fonds konzentrieren kann, denn die ganze Back­-Office-Administration sowie die Bereitstellung der Fondshülle übernimmt die Universal für ihn. Gleichzeitig erhält er ­damit aber auch den Zugang zu unserer Plattform mit den gesamten Möglichkeiten zur Portfolioanalyse, zur Organisation seiner Trades bis hin zur Orderweiterleitung und Compliance-Checks. ­Indirekt ist er über diesen Umweg ein Mandant auf SimCorp Dimension, obwohl er vielleicht erst ein vergleichsweise kleines Fondsvolumen ­managt.

Schmücker: Ein ähnliches Modell haben wir schon seit Längerem für die rund 400 deutschen Sparkassen im Einsatz. Über deren IT-Dienstleister, die Finanz-Informatik mit Sitz in Frankfurt, haben die Sparkassen unabhängig von ihrem Geschäftsvolumen den Zugriff auf unsere Plattform, um darüber zum Beispiel das Handelsgeschäft und das Risikomanagement für ihren Eigenhandel im Depot-A-Geschäft abwickeln zu können.

Angesichts des enormen Volumens, das Ihre Software insgesamt unterstützt, haben Sie einen besonderen Einblick in die großen Tendenzen innerhalb der Investmentbranche. Was sind wichtige Entwicklungen?
Schmücker: Was sich auf jeden Fall als beson­dere Entwicklung in der Branche beobachten lässt, das ist die zunehmende Nachfrage nach alternativen Assets. Angesichts von auf absehbare Zeit noch rekordniedrigen Zinsen bleibt den Asset Managern kaum ­etwas anderes übrig, als ihr Exposure zu Alternatives deutlich auszubauen, um für ihre Kunden noch einen auskömmlichen ­Ertrag erzielen zu können.

Was bedeutet das in konkreten Zahlen?
Kunkel: Anhand unserer eigenen Zahlen ­sehen wir, dass mehr als 60 Prozent unserer Kunden vermehrt auf entsprechende alternative Anlagen setzen. Im Schnitt investieren diese Marktteilnehmer rund 13 Prozent ihrer Assets in entsprechende Strategien. Bei einigen unserer Kunden erreicht diese Zahl sogar einen Wert von 30 Prozent ihrer insgesamt verwalteten Assets. Und angesichts der jüngsten Verlautbarungen seitens der Europäischen Zentralbank kann man davon ausgehen, dass diese Tendenz auch künftig weiter anhalten wird.

Gibt es darüber hinaus besondere strukturelle Veränderungen, die Sie innerhalb der Branche beobachten?
Schmücker: Wir beobachten eine zunehmend notwendige Durchlässigkeit in der Kommunikation zwischen den Asset Ownern auf der einen Seite, sprich den Versicherern und Pensionsfonds, und den Asset Managern auf der anderen Seite. Das hat vor allem ­regulatorische Gründe. Aufgrund der Auflagen, die ein Versicherer gemäß der Solvency-II-Richtlinie im Hinblick auf die Solvabilität seiner Eigenmittel zu erfüllen hat, sind die ihnen zuarbeitenden Asset Manager gezwungen, die möglichen Auswirkungen von Anlageentscheidungen für ihre Versicherungskunden in ihre Investmentstrategien einzubeziehen. Es reicht nicht mehr aus, als Asset Manager eine im Prinzip gute Entscheidung in Bezug auf den relativen Ertrag eines Investments im Vergleich zu einer Benchmark zu treffen. Es geht zunehmend darum, die tatsächlichen Auswirkungen ­dieser Entscheidung auf die Solvenz­trag­­fähigkeit des Versicherungskunden zu berücksichtigen, also jede Anlageentscheidung aus dem speziellen Blickwinkel des Versicherers zu betrachten.

Kunkel: Einige Versicherer ziehen daraus sogar die Konsequenz, das Asset Management sozusagen zu internalisieren, sprich eigene Investmentgesellschaften zu gründen. Statt die Anlageentscheidung an einen au­ßen­stehenden Asset Manager zu delegieren, wollen sie selbst wieder einen besseren Überblick über mögliche Konsequenzen ­eines bestimmten Investments erlangen. Diesen Schritt ist im vergangenen Jahr zum Beispiel die Debeka gegangen und hat eine eigene Investmenttochter gegründet. Bei solchen Entscheidungen spielen natürlich auch Kosten­ersparnisse eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wir wissen zudem von anderen Versicherern, die einen solchen Schritt aus den gleichen Gründen ebenfalls in Erwägung ziehen. Auch einige unserer eigenen großen Kunden wie die Generali, die Swiss Life oder die Axa setzen wieder verstärkt auf das ­Asset Management im ­eigenen Haus.

Zum Abschluss gefragt: Wenn die Perspektiven für SimCorp insgesamt so gut sind, wie Sie es beschreiben, dann dürfte sich das auch im Aktienkurs niederschlagen, oder?
Schmücker: Ja, SimCorps Aktien sind an der Nasdaq Kopenhagen notiert und kosten nach rund 50 Euro Anfang 2018 und 60 Euro Anfang 2019 aktuell etwa 80 Euro. Wir sind also nicht nur Dienstleister für ­Investoren, sondern auch selbst ein gutes Investment für alle, die von den Chancen in unserem Markt und den kommenden Entwicklungen und Innovationen profitieren wollen. Ich nenne nur die Stichworte Cloud und künstliche Intelligenz.

Wir danken für das Gespräch.    

Hans Heuser


Zwei Experten für integrierte Datenverarbeitung

Seit 2008 leitet Diplom-Volkswirt Carsten Kunkel bei SimCorp den Bereich Legal Practices und das von ihm aufgebaute Regulatory Center of Excel­lence. Seitdem hat er mit seinem Team den Einsatz regulierungsgetriebener Lösungen für Kunden von SimCorp weltweit aufgebaut und koordiniert. Bevor er im Jahr 2005 zu SimCorp kam, hat er führende deutsche Finanzinstitute beraten.

Ralf Schmücker arbeitete nach Studium und Promotion in Mathematik zunächst als IT-Consultant für Banken. Ab 1999 war er bei SimCorp zuständig für unterschiedliche Implementierungsprojekte im In- und Ausland. Seit 2012 ist er als Sprecher der Geschäftsführung von SimCorp Central Europe ­verantwortlich für die Aktivitäten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem deutschsprachigen Luxemburg.

 

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