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4/2020 | Steuer & Recht
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Dem Sturm standgehalten

Geldmarktfonds wurden von den Investoren während der Coronakrise als Liquiditätsinstrumente eingesetzt und mussten starke Handelsaktivitäten bewältigen. Die europäischen Geldmarktfonds konnten dem Ansturm standhalten.

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„Geldmarktfonds sind sehr effiziente Cash-Management-Tools, insbesondere für Unternehmen mit großen Barguthaben, die weg von ­herkömmlichen Bankeinlagen diversifizieren wollen“, schreibt der europäische Fondsverband EFAMA.

© Fidelity International, photoschmidt | stock.ad

Die Maßnahmen für Geldmarktfonds, die durch die ­europäische Geldmarktfondsverordnung vom 14. Juni 2017 (Money Market Fund Regulation, MMFR) eingeführt wurden, haben sich während der Coronakrise bewährt. Die damals verschärften Regeln beziehen sich unter anderem auf die Liquidität der Geldmarktfonds: Einführung von Ein-Tages- und Ein-Wochen-Liquiditätskennzahlen, strikte Definition der zulässigen Vermögenswerte usw. Die Coronakrise war ein praktikabler Lackmustest, wie sich diese Regeln in einer Krise bewähren. Die Situation war tatsächlich schwierig. „Von Mitte März bis Mitte April kam es zu einer Verknappung der Liquidität, insbesondere am kurzen Ende der Märkte für festverzinsliche Wertpapiere, einschließlich des Geldmarktes“, sagt Vincent Mortier, Deputy CIO der Amundi-Gruppe Mortier. Das Ungleichgewicht rührte daher, dass große Unternehmen und ­Institutionen über Nacht einen Rückgang ihrer Einnahmen verkraften mussten und daher versuchten, massiv Cash aufzubauen. Auf der anderen Seite verließen Geldmarktfonds den Geldmarkt, weil sie große Abflüsse verzeichneten und daher ihre Rolle als strukturelle Käufer kurzfristiger, qualitativ hochwertiger Schulden nicht mehr erfüllen konnten. „Die Kreditmärkte litten insgesamt unter der ­Coronakrise, da die weltweiten Lockdowns zusammen mit der Unsicherheit über die Dauer der Krise zu einer weit verbreiteten risikoaversen Haltung unter den Investoren führten“, so Mortier.

Obwohl es also im März und April 2020 bei vielen Assets aus dem Fixed-Income-Bereich zu Liqui­ditätsengpässen kam, hatten europäische Geldmarktfonds ihre Liquiditätssituation gut im Griff. „In dieser Zeit kam es bei keinem Geldmarktfonds zu Handelsaussetzungen, und alle Geldmarktfonds waren in der Lage, die Rücknahmeanträge ihrer Investoren zu bedienen“, schreibt der europäische Fondsverband EFAMA in seinem Monatsreport vom Oktober 2020 und ergänzt: „Keiner der Low-Volatility-NAV-Geldmarktfonds (LVNAV) hat die erlaubte Schwankungsbandbreite von 20 Basispunkten überschritten.“

Der konstante Nettoinventarwert eines LVNAV-Geldmarktfonds darf nur um maximal 20 Basispunkte vom variablen Nettoinventarwert abweichen; ansonsten werden Folgezeichnungen oder Rücknahmen zu ­einem Preis abgewickelt, der dem variablen NIW des Fonds entspricht. LVNAV-Geldmarktfonds sind etwas riskanter als die sehr konservativ aufgestellten Public-Debt-Constant-NAV-Geldmarktfonds, die mindestens 99,5 Prozent ihres Vermögens in Public Debt Securities investieren. Daneben erwerben LVNAV-Geldmarktfonds auch kurzfris­tige Financials und Corporates (siehe Tabelle „Vier Arten von Geldmarktfonds“).

Obwohl die Geldmarktfonds also gut durch die Coronakrise kamen, ist die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA höchst wachsam. Am 2. Oktober veröffentlichte sie eine Aktualisierung für die Validierung der technischen Anweisungen für die Berichterstattung gemäß Geldmarktfondsverordnung (MMFR). Laut dieser müssen Geldmarktfondsmanager ihre Daten regelmäßig an die nationalen Aufsichtsbehörden übermitteln, die sie dann an die ­ESMA weiterleiten. „Durch die Änderungen werden lediglich neue Validierungen des Warnungstyps hinzugefügt oder Erläuterungen zu vorhandenen Validierungsregeln bereitgestellt, um Inkonsistenzen zu beheben oder das Verständnis der Regeln zu erleichtern“, beruhigt die ESMA. Erst im August hatte die ESMA neue Leitlinien zu ihren Stresstestszenarien für Geldmarktfonds veröffentlicht. Sie enthielten eine Modifikation zu den Risikoparametern, „um eine Änderung der Risikoparameter aufzunehmen, damit wir den jüngsten Marktentwicklungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Krise besser Rechnung tragen“, lautet die ­ESMA-Erklärung.

Aktives ­Investorenverhalten

Die engmaschige Regulierung der Geldmarktfonds hat nicht ­zuletzt dazu beigetragen, das Vertrauen der Investoren in dieses Instrument zu stärken. Entsprechend nutzen die Investoren diese kurzfristig ausgerichteten Fonds, wie die EFAMA-Statistiken zeigen (siehe Chart „Zu- und Abflüsse der Geldmarktfonds“). Demnach verzeichneten europäische Geldmarktfonds zur Covid-19-Krise und in den Monaten danach die heftigsten Ab- und Zuflüsse aller Fondskategorien. Im März 2020 zogen Investoren 45 Milliarden Euro aus Geldmarktfonds ab, was laut EFAMA der höchste ­monatliche Abfluss war, der in dieser Kategorie jemals verzeichnet wurde. Von April bis Juli brachten Investoren dann Monat für Monat wieder zwischen 32 und 59 Milliarden zurück; im August flossen erneut 12 Milliarden Euro ab. Diese starken Bewegungen zeigen, dass Geldmarktfonds von Investoren als effiziente Cash-Management-Instrumente angesehen und entsprechend genutzt werden.

Umschichtungen im Segment

Auch innerhalb des Segments wurde heftig umgeschichtet. „Wir konnten beobachten, dass Investoren im März zum Höhepunkt der Coronakrise von den Corporate-related Geldmarktfonds in die Treasury-­related Geldmarktfonds umgeschichtet haben“, erklärt Annika Milz, Head of Institutional Asset Management Deutschland bei Fidelity International. In Krisenzeiten setzen Investoren also selbst innerhalb der Kategorie Geldmarktfonds noch auf die Gold-plated-Variante. „Gleich im April, als sich die Situation wieder entspannte, kehrten die ­Investoren in die LVNAV-Fonds zurück“, berichtet Milz.

Offenbar lohnt sich das Umschichten, „denn jedes minimale Mehr an Risiko bietet hier einen Mehrertrag, auch wenn er nur gering sein mag“, weiß Milz und ergänzt: „Das Verhalten der Investoren zeigt, dass sie volles Vertrauen in die Fungibilität des Instruments Geldmarktfonds haben und auf dieser Klaviatur spielen, sprich, die nach ihrem Risiko-Ertrags-Profil unterschiedlich abgestuften Produkte bewusst einsetzen.“

US-Geldmarktfonds-Engpässe

Jenseits des Atlantiks waren ebenfalls aktive Umschichtungen zu beobachten, wobei dort einige Geldmarktfonds aufgrund der extremen Bewegungen durch Zu- und Abflüsse in Liquiditätsschwierigkeiten gerieten. Einige von ihnen sahen sich gezwun­gen, externe Tools zu nutzen. Sie nahmen beispielsweise die im März 2020 eigens eingerichtete „Money Market Mutual Fund Liquidity Facility (MMLF)“ der Federal Reserve in Anspruch, mit der sich Geldmarktfonds Liquidität besorgen können. Darüber hinaus schlossen einige amerikanische Government-Geldmarktfonds als Vorsichtsmaßnahme ihre Türen für neue Inves­toren, nachdem die Fed im März zwei Zinsanpassungen vorgenommen hatte. Zweck der Schließungsmaßnahmen war, die Performance für die bestehenden Anleger zu halten und zu vermeiden, in negativ ver­zins­te Staatspapiere investieren zu müssen, schreibt S&P Global Ratings in einem ­Report vom 30. April 2020 (U.S. ‚AAAm‘ Fund Risk Metrics).

„Im ersten Quartal 2020, als sich die ­Covid-19-Pandemie in den USA ausbreitete, konnten wir außergewöhnliche Aktivitäten innerhalb des Geldmarktsektors feststellen“, schreibt S&P Global Ratings in seiner Publikation. Nach Ausverkäufen an den US-amerikanischen Aktienmärkten flüchteten Investoren in Qualität, sichtbar an den starken Zuflüssen in Government- und Treasury-Geldmarktfonds. Allein im März flossen ihnen 620 Milliarden US-Dollar zu, was einem Anstieg von 32 Prozent entspricht. Investoren in den USA reagierten also ähnlich wie die europäischen. Bei den etwas riskanteren Prime-Geldmarktfonds flossen im März 83 Milliarden US-Dollar ab, ein Rückgang um 16 Prozent, so S&P.

Nachfrage steigt

Während in den USA Geldmarktfonds traditionell sowohl von institutionellen als auch von privaten Invest­oren stark genutzt werden, ist ihr Einsatz in Europa noch nicht so lange üblich. „Seit 15 Jahren haben sich Geldmarktfonds in Deutschland nach und nach etabliert, wobei die Finanzmarkt- und die Coronakrise die Entwicklung beschleunigt haben“, beobachtet Sven Lorenz, Head of Money Market bei Amundi Deutschland. Er sagt auch, welche Inves­torengruppen Geldmarktfonds hierzulande nutzen: „Im institutionellen Bereich sind es Versicherungen und Pensionseinrichtungen, aber auch Unternehmen, die Geldmarktfonds für ihr Treasury nutzen. Die Nach­frage von Unternehmen nimmt zu, denn in diesen unsicheren Zeiten wird Liquidität verstärkt zurückgelegt.“

Selektionskriterien

Interessant ist, nach welchen Kriterien ­Investoren Geldmarktprodukte auswählen. „Ein zentraler Aspekt ist ein hohes Fondsvolumen, denn es ermöglicht eine breite ­Diversifikation sowohl nach Assets als auch nach Anlegern“, sagt Lorenz. Dies kann Milz bestätigen: „Das liegt an den relativ hohen Beträgen, die Investoren speziell in Geldmarktfonds handeln. Sie möchten nicht gern mehr als zehn Prozent eines Fonds ­halten. Wenn sie größere Beträge in Cash-Fonds halten wollen – beispielsweise kurz vor einem Unternehmenskauf – streuen sie lieber über mehrere Geldmarktfonds.“

Auch in anderer Hinsicht sehen Investoren Unterschiede zwischen den Geldmarktfonds. „In operativer Hinsicht sind die problemlose Anbindung des Fonds an das Treasury-System, die Lieferung aller Daten und Reports durch den Asset Manager ­sowie kurzfristige Handelbarkeit – idealerweise mit taggleicher Valuta – von Bedeutung“, weiß Lorenz, worauf Investoren achten. Ähnlich wie Fidelity ermöglicht auch Amundi für seine Geldmarktfonds einen taggleichen Handel (t+0), während für Wertpapierfonds t+1 oder t+2 üblich sind.

Darüber hinaus spielen noch weitere ­Kriterien eine Rolle: „Weil unsere Kunden das so gewünscht haben, haben wir für Geldmarktfonds extra späte Cut-off-Zeiten eingerichtet. Außerdem bieten wir die Abwicklung der Trades über unseren Transfer Agent J.P. Morgan an“, so Milz. „Das ist wichtig für institutionelle Investoren, denn sie möchten einen möglichst geringen operationellen Aufwand. Bei Geldmarktfonds muss alles sehr schnell und quasi auf Knopfdruck gehen. Das ist nicht vergleichbar mit der Fondsauswahl im Bond-Bereich.“ Außerdem baut Fidelity International seine Geldmarktfondspalette in Europa aus: „Wir werden wahrscheinlich nächs­tes Jahr unsere Geldmarktfonds-Palette ­erweitern, um auch Kunden mit extrem konservativen Liquiditätsansprüchen bedienen zu können“, verrät Milz.

Anke Dembowski


Anhang:

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