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4/2022 | Produkte & Strategien
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Corporate Bonds: Comeback der Rendite

Corporate Bonds bieten nach dem Kurssturz nun wieder Renditen, die es Altersvorsorgeeinrichtungen ermöglichen, ihre Anlageziele zu erreichen. Angesichts trüber wirtschaftlicher Aussichten stellt sich aber die Frage, ob der richtige Kaufzeitpunkt bereits gekommen ist. Ein Überblick.

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Europäische Unternehmensanleihen liefern institutionellen Investoren endlich wieder jene Renditen, die diese Profianleger zur Erreichung ihrer Anlageziele dringend benötigen, ohne Wechselkursrisiken aufzuweisen. Im langjährigen Vergleich präsentieren sie sich damit aktuell attraktiv wie schon lange nicht mehr.

© maurice norbert | stock.adobe.com
Obwohl das Anlagejahr 2022 noch nicht ganz zu Ende ist, lässt sich bereits jetzt sagen, dass es nicht nur für Aktienanleger, sondern insbesondere für die in der Regel sicherheitsorientierten Renteninvestoren aus Performancesicht als eines der schwärzesten Jahre in die Annalen eingehen wird. Quer über alle Rentensegmente und Laufzeiten gab es dieses Jahr Kursverluste im niedrigen, teilweise sogar im hohen zweistelligen Prozentbereich zu beklagen. Die Rückkehr des Inflationsgespenstes zwang die Zentralbanken schlussendlich zu Zinserhöhungen, die dazu geführt haben, dass innerhalb kurzer Zeit die Kursgewinne vieler Jahre ausgelöscht wurden. Die Bank of America schrieb vom dritten großen Bärenmarkt bei Anleihen der Börsengeschichte und vom größten Ausverkauf am Rentenmarkt seit 1949. „Selbst in der Corona-Pandemie und in der Finanzkrise 2008/2009 gab es keinen deutlicheren Abriss in der Wertentwicklung“, hält M.M. Warburg in ihrem „Rentenmonitor“ fest. 
 
Diese Kursverluste sorgten jedoch dafür, dass Anleihen renditehungrigen Großanlegern nach langer Zeit nunmehr endlich wieder nennenswerte Renditen bieten. Darunter fallen inzwischen auch europäische Unternehmensanleihen mit Bonitätseinstufung „Investment Grade“ (IG). So bot der ICE BofA Euro Corpo­rate Index Investoren Mitte Oktober eine laufende Rendite von etwa 4,40 Prozent Rendite. Das ist ein Niveau, das seit 2012 nicht mehr gesehen wurde (siehe Grafik „Höhere Spreads und Renditen“). 
 
Damit sind europäische IG-Unternehmensanleihen plötzlich wieder ein überaus hilfreiches Instrument zur Erreichung der Zielrenditen, die bei vielen Großanlegern, etwa bei Versorgungswerken, im Bereich von rund drei Prozent liegen. Zum Vergleich: Breit gestreute europäische Staatsanleihen (gemessen am ICE BofA Euro Government Index) rentierten noch immer mit weniger als drei Prozent, sichere zehnjährige deutsche Bundesanleihen boten zuletzt nur knapp über zwei Prozent laufende Rendite. „Europäische Unternehmensanleihen sind unter mehreren Gesichtspunkten interessant. Sie bieten heute eine Rendite von fast 4,5 Prozent, was im Vergleich zur Dividendenrendite des Euro Stoxx 600 von 3,5 Prozent vorteilhaft ist, insbesondere in einer Zeit, in der die Bilanzen der Unternehmen stabil sind, die Gewinnentwicklung aber schwieriger vorherzusagen ist“, erläutert Alexis Foret von Edmond de Rothschild Asset Management (EdRAM), Fondsmanager des EdRF Euro High Yield und EdR SICAV Euro Sustainable Credit, um anzufügen: „Die Credit Spreads europäischer Unternehmensanleihen befinden sich fast auf jenem Höchststand, der während der Coronakrise erreicht wurde. Zudem bieten europäische Unternehmensanleihen einen Aufschlag von über zwei Prozent gegenüber deutschen Staatsanleihen und liegen damit deutlich über ihrem 20-Jahres-Durchschnitt.“ Vor dem Hintergrund, dass im Fixed-Income-Universum querbeet alle Segmente Kursverluste erlitten, stellt sich die Frage, warum Großanleger just in IG-Unternehmensanleihen investieren und nicht stattdessen etwa über High Yield Bonds noch stärker ins (Credit-)Risiko gehen sollten. 
 
Fragliche Alternativen 
Investoren könnten alternativ zu europäischen IG Corporate Bonds beispielsweise Euro-Hochzinsanleihen mit etwa acht Prozent Rendite interessanter finden. Angesichts ­einer bevorstehenden schweren Rezession und damit einhergehend zunehmend wahrscheinlich werdenden Unternehmenspleiten beziehungsweise Defaults in Euroland ist es aber wahrscheinlich gut, dass Regularien wie das VAG deutschen Großanlegern Investments im Non-Investment-Grade-Segment nur in homöopathischen Dosen erlauben. Darüber hinaus ist zahlreichen Großanlegern aufgrund der bisherigen Kursverluste inzwischen wohl das Risikobudget für riskantere Investments ausgegangen. „Renditen europäischer IG Corporate Bonds in Höhe von über vier Prozent machen diese As­setklasse im historischen Vergleich ­attrak­tiv. In der Folge ist das Ertrags-Risiko-Verhältnis unwiderstehlich. Es besteht keine Notwendigkeit für Anleger, nach Renditen in den unteren Bereichen der Kreditqualität oder der Kapitalstruktur – wie beispielsweise Subordinated Bonds – zu suchen“, betont David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton. 
 
Alternativ dazu sind Investments in die traditionell höher verzinsten US-Anleihen ebenfalls nicht angeraten: In diesem Fall wird in der Regel eine Währungsabsicherung gegenüber dem Euro notwendig, die seit dem dritten Quartal dieses Jahres erstmals seit Mitte 2019 wieder mehr als drei Prozent pro Jahr kostet und damit sämtliche Renditevorteile auslöscht. 
 
Spreadanalyse
Obwohl der Risikoaufschlag (Spread) ­europäischer IG Corporate Bonds (gemessen am ICE BofA Euro Corporate Index) im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen im Oktober dieses Jahres mit etwas mehr als 200 Basispunkten noch nicht ganz das Coronakrisenniveau aus dem Jahr 2020 von in der Spitze etwa 220 Basispunkten erreicht hat – geschweige denn die „Spikes“ der Euroschuldenkrise 2011/12 (330 Basispunkte) und 2008/09 (rund 400 Basispunkte) –, gelten europäische IG Credits im historischen Vergleich zumindest aus diesem Risikoprämienblickwinkel derzeit schon wieder als attraktiv bewertet. 
 
Eine von Insight Investment im September dieses Jahres veröffentlichte Analyse per Stand Ende August zeigt, dass die Kreditaufschläge europäischer Unternehmens­anleihen in den letzten 23 Jahren in 91 Prozent der Zeit niedriger als heute waren. Statistisch ausgedrückt befinden sich damit ­europäische IG Corporates in der historischen Betrachtung im Zeitraum seit 1999 aktuell im 91. Perzentil, was die Attraktivität betrifft (Anmerkung: Der höchstmögliche Stand wäre das 100. Perzentil).
 
Insight Investment hat auf dieser Basis des Weiteren europäische IG Corporate Bonds mit europäischen Hochzinsanleihen wie auch mit US-Unternehmensanleihen verglichen und ist zum Ergebnis gelangt, dass europäische IG-Unternehmensanleihen auch hier die bessere Wahl für Investoren sind (siehe Tabelle „Statistik spricht für ­Euro Corporate Bonds“). „Aus Sicht der Credit Spreads erscheint der Markt für ­Euro-Unternehmensanleihen deutlich attraktiver als für US-Unternehmen, und zwar über die verschiedenen Ratingklassen und Analysezeiträume hinweg. Diese Betrachtung gilt auch für den Euro-High-Yield-Bereich im Vergleich zu US-High-Yield. In der langfristigeren und relativen Betrachtung ist Euro-High-Yield gegenüber Euro-Investment-Grade teurer“, kommentiert Frank Diesterhöft, Head of Fixed Income Sales, Germany, Insight Investment, das Ergebnis. 
 
Bestätigung kommt vom Leiter Fixed ­Income bei LBBW AM, Uwe Maderer: „Europäische IG-Unternehmensanleihen weisen aktuell eine attraktive absolute Rendite aus und haben einen Risikoaufschlag, der über dem historischen Mittel liegt.“ Diesen Risikoaufschlag gibt es jedoch nicht grundlos. 
 
Never fight the Fed
Selbst wenn die Anleihenkurse nicht mehr tief fallen und einen Boden ausbilden sollten – mit höheren Schwankungen sollten Rentenanleger jedenfalls rechnen. Auf kurze Sicht würden nach Einschätzung von Adres­sen wie Berenberg oder M.M. Warburg die negativen Faktoren die Überhand behalten. Dazu zählen die unsichere Energieversorgung in Europa, der Ukrainekrieg, noch immer bestehende Lieferkettenprobleme, eine drohende (schwere) Rezession und als wohl wichtigster Faktor eine restriktive Geldpolitik der großen Zentralbanken. 
 
„Gegen die Fed oder irgendeine ­andere Zentralbank sollte man nicht ­ankämpfen“, warnt Robeco in seinem Ausblick auf das vierte Quartal dieses Jahres. Immerhin gilt das Abschöpfen von Liquidität als der treibende Marktfaktor. Aus diesem Grund korrelieren Aktien- wie auch Anleihenkurse mit den Veränderungen der Gesamtbilanzen der wichtigsten Zentralbanken. Der jüngst eingeleitete Wechsel von Quantitative Easing auf Quantitative Tightening sollte damit für weiteren ­Abwärtsdruck auf die Preise von Vermögensanlagen sorgen. 
 
„Wir raten daher aktuell dazu, keine ­zusätzlichen Risikopositionen aufzubauen, sondern Neuinvestitionen am kurzen Ende der Kurve in hoher Qualität mit Buy-and-Hold-Charakter vorzunehmen“, rät M.M. Warburg zur Vorsicht.
 
Viel Pessimismus 
Gaurav Chatley, Manager für europäische Credit-Strategien bei M&G Investment, sieht in der vielfach empfohlenen Vorsicht bei Risikoanlagen inzwischen etwas Posi­tives. Er meint, dass die Mehrzahl der Credit-Strategen mittlerweile dem Bärenlager angehören würden – trotz mittlerweile günstiger Bewertungen. Und genau das sei als Kontraindikator zu sehen und rechtfertige gestaffelte antizyklische Käufe.
 
Ein weiteres mögliches Zeichen für eine bevorstehende Wende könnte das Emis­sionsgeschehen am Primärmarkt für Euro Corporate Bonds sein. Einem Helaba-Bericht zufolge wurde im dritten Quartal 2022 mit lediglich 44 Milliarden Euro Emissionsvolumen das niedrigste Niveau seit zehn Jahren am Markt erzielt. Für das Gesamtjahr wird ein Volumen von lediglich rund 250 Milliarden Euro erwartet. Dieses derzeit niedrige Angebot am Rentenprimärmarkt sollte auf mittlere Sicht für eine Verknappung bei den peu à peu abreifenden Unternehmensanleihen und damit für eine Bodenbildung sorgen, da die dadurch frei werdenden Gelder von den Anlegern re­investiert werden. 
 
Stochern im Nebel
Unter Abwägung der bislang angeführten Bewertungsniveaus und Markteinflussfaktoren müssen kaufinteressierte Investoren am Ende als wohl wichtigstes Kriterium pro­gnostizieren, inwieweit die europäische Wirtschaft zukünftig zur Schwäche neigt oder ob über eine Rezession hinaus gar eine schwere Krise als „Worst Case“-Szenario droht und damit Unternehmensanleihen weiter an Wert verlieren. Diese wohl für ­Investoren entscheidende Frage stellte ­Institutional Money vier Fondshäusern. 
 
Franklin Templetons europäischem Rentenchef David Zahn zufolge befinden sich Euro IG Spreads bereits auf Rezessions­ni­veau und spiegeln damit das schwierige makroökonomische Umfeld sowie die Erwartung einer weiteren Verschlechterung wider. 
 
„Wir erwarten eine Rezession, aber ­keinen tiefen wirtschaftlichen Einbruch. Zwar belasten die hohen Energiepreise die Wirtschaftsaktivitäten im Euroraum stark, wir rechnen aber damit, dass es bei einem durchschnittlich kalten Winter und ohne größere Kälteeinbrüche nicht zu einer Gasmangellage kommt. Unsere Volkswirte ­gehen von einem Minus im Bruttoinlandsprodukt von einem Prozent im Euroraum im kommenden Jahr aus“, erklärt ­Stephan Ertz, Leiter Unternehmensanleihen und Senior Portfoliomanager, Union Investment. 
Ertz zufolge preisen die Risikoprä­mien im Hauptszenario seines Hauses bereits erhebliche Rezessionsrisiken ein. „Daher sollten sich die Spreads, wenn das konjunkturelle Basisszenario eintrifft, nicht mehr stark ausweiten.“ 
 
Für EdRAMs Alexis Foret preisen europäische Unternehmensanleihen ebenfalls eine Rezession ein, nicht aber eine ­Krise. Diese könnte jedoch ausbrechen, wenn die Inflation weiter steigt oder kein Ausweg aus der europäischen Energiekrise erkennbar wäre. In diesem Fall drohe eine tiefere und längere Rezession. „Ohne geldpolitische Intervention der Zentralbanken würden die Kreditrisiko­prämien gegenüber dem bereits ­hohen Niveau von heute weiter ­ansteigen“, warnt Foret. 
 
Maderers Meinung nach ist es grundsätzlich schwierig zu bewerten, ob die hohen Renditelevels ­eine Rezession beziehungsweise ­eine Deflation voll einpreisen: „Generell ist auf dem aktuell erreichten Renditeniveau eine gewisse negative Marktentwicklung eingepreist.“ Maderers Worst-Case-Szenario beinhaltet eine stark ansteigende ­Inflation in Kombination mit anhaltend schwachen Wirtschaftsdaten. „Wenn die sich herausbildenden ­Inflationserwartungen hoch bleiben, besteht zudem das Risiko ­einer Lohn-Preis-Spirale. In diesem Umfeld ist von weiter ansteigenden Renditen auszugehen“, prognostiziert der LBBW-Mann und erwartet in diesem Fall eine „Underper­formance“ von Unternehmensan­leihen. Eine Underperformance beziehungsweise erhebliche Verluste drohten spätestens dann, wenn es auf breiter Front zu Unternehmenspleiten und damit einhergehend zu Zahlungsaus­fällen käme.
 
Defaults
Kreditausfälle (Defaults) sollten trotz ­einer sich eintrübenden Wirtschaft bis auf weiteres relativ selten vorkommen, pro­gnostizieren Maderer und Zahn. „Die Ausfallraten dürften im IG-Bereich trotz Rezession sehr überschaubar bleiben. Viele Unternehmen haben sich in der Coronakrise durchfinanziert und die Verschuldung eher reduziert“, begründet dies Ertz. Wenig Default-Sorgen müssen sich Investoren ­beispielsweise bei exportorientierten Unternehmen machen, denen der schwache Euro im internationalen Vergleich Wettbewerbsvorteile verschafft. 
 
Auf längere Sicht könnten höhere Infla­tionsraten verschuldeten Unternehmen sogar in die Hände spielen, meint Ertz: „Perspektivisch hilft dem Corporate-Bereich eine ­höhere Inflation, da der Verschuldungsgrad von Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell eher sinken dürfte.“ Und falls ein Teil der Unternehmen doch in ­finanzielle Bedrängnis gerät und Kursverluste verzeichnet, müssen sich Investoren mit den bis dahin eingesammelten Risikoprämien trösten. „Die mittlerweile erreichten Spreadniveaus bieten eine Überkompensation, gemessen am Mittel der historischen Ausfallraten“, merkt Maderer an. 
 
Attraktive Segmente
Die europäischen Wirtschaftssektoren und Unternehmen sind unterschiedlichen Belastungsfaktoren ausgesetzt – vor allem derzeit, wenn es um die Bezahlbarkeit und Sicherheit der eigenen Energieversorgung geht. Diesen seit Februar 2022 plötzlich hochrelevanten ­Faktor sollten Großanleger bei der Über- oder Untergewichtung von Unternehmensanleihen jedenfalls berücksichtigen. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit erachtet Franklin Templetons David Zahn Emissionen von stabilen, nicht zyklischen Unternehmen als attraktiv. Anleihen mit langer Laufzeit sind nach dem Abverkauf zwar günstig, Anleger sollten aber eine Kursberuhigung abwarten, bevor sie in dieses Segment investieren. Vorsicht ist derzeit angebracht bei Credits zyklischer Unternehmen mit niedrigen BBB-Bonitäten. Vor potenziellen „Fallen Angels“, also Unternehmensanleihen, die aufgrund des Verlustes ihrer „Investment Grade“-Bonität zu High Yield Bonds mutieren könnten, warnt EdRAMs Foret: „In einem Abwärtszyklus nimmt die Zahl der ,Fallen Angels‘ in der Regel zu, und wir befinden uns derzeit in der Nähe des Tiefststandes vor der Coronakrise. Hier sehen wir ein Risiko für Emittenten aus zyklischen Branchen mit niedrigem BBB-Rating.“ In Anbetracht steigender Zinsen und einer sich eintrübenden Wirtschaft bevorzugt ­Foret zumindest aktuell kürzere Laufzeiten und defensive, qualitativ hochwertige Bereiche wie Versorgungsunternehmen und Telekommunikationsdienste. Dabei meidet Foret den Immobilien- und Verbrauchsgütersektor. 
 
Etwas mutiger hinsichtlich der Laufzeiten ist Ertz von Union Investment: „Aus unserer Sicht bieten im Rentenmarkt IG-Unternehmensanleihen mit kürzeren und mittleren Laufzeiten inter­essante Anlagemöglichkeiten, da sie hohe Kupons und damit einen gewissen Puffer gegen Kursverluste bieten.“ Ertz weist darauf hin, dass fundamental betrachtet die Ratingtrends im Unternehmensanleihensegment bislang unauffällig sind. Gerade große Emittenten sind wenig ausfallgefährdet, da sie die Effekte höherer Kosten besser abfedern können. 
 
Das Eingehen etwas höherer Durationsrisiken empfiehlt Maderer. Für ihn sind Unternehmensanleihen mittlerer Laufzeit (drei bis sieben Jahre) attraktiv. „Bei den Sektoren erachten wir Anleihen aus dem Industriesektor als aussichtsreich. Aber auch der Bankensektor, hier insbesondere die starken Emittenten der ersten Reihe, bietet attraktive Anlagemöglichkeiten“, erklärt Maderer. 
 
Vom Finanzsektor hält Ertz seinerseits viel: Dieser profitiere von steigenden Zinsen und damit von zukünftig höheren Zinserträgen. Andererseits biete die zumeist gute Kapitalausstattung ausreichend Puffer, um steigende Ausfallraten bei Krediten gut zu überstehen: „Wir favorisieren derzeit Banken, Pfandbriefe – außerhalb der Benchmark – sowie Lebensversicherungen.“ Investoren mit Übergewichtung von Finanzwerten sollten jedoch nicht nur die für ­Geschäftsbanken wichtige Steilheit der Zinskurve, sondern auch den Arbeitsmarkt im Auge behalten, empfiehlt Maderer: „Es gilt, die Entwicklung der Arbeitslosenquote zu beobachten, da ein Anstieg dieser als Vorläufer für steigende Kreditausfälle stehen und für ein sich eintrübendes Bankenumfeld betrachtet werden kann.“ 
 
Beobachten beziehungsweise auf die Watchlist nehmen können Investoren auch jene Fonds, die in einem von Institutional Money exklusiv auf Basis von Informationen des Fondsdatenanbieters MountainView erstellten Ranking bei der Fünfjahresperformance überzeugen. 
 
Interessante Fonds
Den ersten Platz der Fondstabelle im fünfjährigen Analysezeitraum per Stichtag Ende des dritten Quartals 2022 belegt der über zwei Milliarden Euro Fondsvolumen schwere Invesco Euro Corporate Bond. Der bereits 2006 an den Start gegangene Fonds wird von Morningstar mit fünf Sternen geratet und befindet sich in der Morningstar-Kategorie „EAA Fund EUR Corporate Bond“ über die Zeitfenster ein, drei und fünf Jahre im ersten Quartil seiner Vergleichsgruppe. Der Fonds muss zu mindestens 70 Prozent in IG Corporate Bonds investieren. Zur Renditesteigerung oder Risikoreduktion ist eine Beimischung von Hochzins- und Staatsanleihen in Höhe von insgesamt maximal 30 Prozent erlaubt, die aber in der Realität nicht bis zur maximalen Höhe genutzt wird. Des Weiteren dürfen auch Finanzanleihen und Hybridanleihen erworben werden. Allfällige Währungsrisiken gegenüber dem Euro werden größtenteils abgesichert. Angesichts der dem Fondsmanagement gewährten Freiheiten wurde die Benchmark des Vehikels Anfang November 2021 vom ICE BofA Euro Corporate Total Return Index umgestellt auf ­eine Kombination von 85 Prozent ICE ­BofA Euro Corporate Index (TR) und 15 Prozent ICE BofA Euro High Yield Index (TR). Diese neue Benchmark spiegelt das tatsächliche eingegangene Credit-Risiko des Fonds realistischer wider: Zuletzt betrug der High-Yield-Bond-Anteil im Portfolio ­etwas mehr als 16 Prozent. Das durchschnittliche Rating des Portfolios belief sich auf „BBB+“.
 
Die Überrendite gegenüber der Benchmark und seiner Vergleichsgruppe verdankt der Fonds unter anderem der Entscheidung der beiden Fondsmanager Julien Eberhardt und Tom Hemmant, ab Mitte 2021 angesichts steigender Zinsen auf Defensive zu setzen und dies auch im laufenden Jahr beizubehalten. „Der Hauptgrund für die Outperformance des Fonds in diesem Jahr war seine defensivere Haltung bei der Duration. Der Fonds begann das Jahr mit einer modifizierten Duration von vier gegenüber einer Indexduration von fast 5,5. Als die Renditen stiegen, gab unser Fonds etwas weniger nach als der breite Markt“, erklärt Eberhardt auf Anfrage. Zuletzt betrug die Duration 4,7. „Wichtig ist, dass wir nun zum ersten Mal seit Covid eine positive Einstellung zu dieser Anlageklasse haben und dem Fonds Risiken beigemischt haben, um bessere Ren­diten zu erzielen. Heute liegt die Rendite des Fonds vor Gebühren bei über fünf Prozent und damit deutlich über dem, was unsere Hochzinsfonds zu Beginn des Jahres erzielten“, äußert sich Eberhardt optimistisch. 
 
Mit einem hauchdünnen Rückstand von lediglich neun Basispunkten hinter dem ­Invesco-Fonds liegt im Fünfjahreszeitfenster der Zantke Euro Corporate Bonds AMI I. Auf Year-to-date-Sicht sowie über ein und drei Jahre befindet sich der von Dietmar Zantke verantwortete Fonds sogar vor dem Invesco-Fonds. Morningstar gab dem Vehikel, das seine jüngste Outperformance seit Mitte 2020 herausgearbeitet hat, fünf Sterne, und Eckhard Sauren hat dem Manager eine Goldmedaille verliehen. Investoren könnte trotz der guten Performance das relativ niedrige Fondsvolumen dieses „Flaggschifffonds“ wundern, obwohl Zantke AM als eine auf Corporate Credit spezialisierte Rentenboutique für Institutionelle in Summe Assets von mehr als 2,5 Milliarden Euro verwaltet. 
 
„Viele Anleger waren in unseren Fonds investiert und haben sich dann für einen Spezialfonds bei uns entschieden und ihre Fondsanteile verkauft. Deshalb hat sich das Fondsvolumen in den letzten Jahren ver­ringert. Zurzeit ziehen die Nachfrage und das Fondsvolumen aber wieder an, und wir sind wieder deutlich über 100 Millionen Euro“, erklärt Zantke. 
 
Benchmark des Zantke Euro Corporate Bonds AMI I ist der ICE BofA Euro Corporate Index. Zantke setzt aus Renditegründen im Fonds innerhalb des europäischen IG-Universums auf möglichst niedrige ­Rating Buckets (25,1 Prozent an „BBB–“ im Fonds versus 9,5 Prozent in der Benchmark) und mischte darüber hinaus zuletzt zirka 11,6 Prozent High Yield Bonds und 15 Prozent „nicht geratete“ (NR)-Anleihen bei. Auf Sektorenebene hatte Zantke jüngst eine starke Untergewichtung von Financials und gewichtete dafür Sektoren wie nichtzyklischer Konsum, Rohstoffe und zyklischer Konsum höher als die Benchmark. Unterm Strich ergibt dies ein 66 Anleihen umfassendes Portfolio, das mit einem durchschnittlichen Rating von „BBB“ eine höhere gewichtete Marktrendite (5,40 %) bei einer wesentlich niedrigeren modifizierten Duration (2,65) als die Benchmark (4,14 % und 4,64) aufweist und damit einen Top-Drei-Platz im Ranking errungen hat.
 
Anton Altendorfer 

Anhang:

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