Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:
2/2019 | Produkte & Strategien
twitterlinkedInXING

Berge statt Sterne

Der österreichische Finanzdatenanbieter Mountain-View Data bemüht sich, die Prognosekraft seiner Fondsratings zu erhöhen, und liefert auf Wunsch auch gleich eine Bewertung der Nachhaltigkeit.

1560325163_zeugnisneu2_52.jpg

Was dem Schüler seine Schulnachricht, ist dem Fondsmanager das Urteil bezüglich Risiko/Rendite und Nachhaltigkeit. Der Datenanbieter Mountain-View ergänzt seine Beurteilung zu Performance und Risiko nunmehr um ein eigenes Nachhaltigkeitsrating.

© Goran Andric; Sigrid Aicher; GMF

Dass Fondsselektoren unter ­einem Mangel an Fonds­ratings leiden, kann man nicht behaupten. Wer das wünscht, kann heute unter einer beträchtlichen Anzahl solcher Analysen auswählen, und diese Systeme werden als Instrument der Vorselektion auch eingesetzt. Allerdings haben professionelle Anleger auch schon vor Langem jegliche Illusion, solche Fondsbenotungen könnten ihnen wirklich Arbeit abnehmen, begraben. Egal ob es sich um eines der vielen quantitativ ansetzenden Ratings handelt oder um eine qualitative Analyse, stets müssen sie mit historischen Daten arbeiten und hoffen, dass sich daraus doch auch Aussagen über die weitere Wertentwicklung ableiten lassen. Alle Forschungsarbeiten zu diesem Thema gelangen aber zu dem Schluss, dass die Vergangenheitsperformance nur sehr eingeschränkte Prognosequalität aufweist.

Trotzdem werden die Fondsdatenspezia­listen nicht müde, neue Anläufe in diese Richtung zu unternehmen. Die Hoffnung besteht darin, die Vergangenheitsdaten so geschickt zu durchleuchten, dass sich darin doch verwertbare Informationen über die Zukunft aufspüren lassen. Auch der österreichische Datenanbieter Mountain-View Data hat dieses Ziel bei seinem MVD Fonds Rating vor Augen. Michael Tschas, Head of Data & Research bei Mountain-View, betont dabei, dass viele am Markt verfügbare Fondsratings zu gleichförmig vorgehen. Naturgemäß fallen die Ergebnisse dann sehr ähnlich aus und werden damit austauschbar. Das sei vor allem aus der Sicht von Anlegern problematisch, die ihre Kaufentscheidungen auf Basis solcher quantitativen Analysen treffen. Enttäuschungen sind hier vorprogrammiert, weil die Performance eben hinter den geweckten Erwartungen zurückbleiben. Beim MVD Fonds Rating verfolgen die Kärntner das Ziel, historische Ertrags- und Risikodaten so zu durchleuchten, dass die Wahrscheinlichkeit, auf diese Weise einen zukünftigen Outperformer zu erwischen, deutlich zunimmt. Tschas ist optimistisch, dass das gelingt: „Dank unserer Ratings müssen Investoren nicht mehr historischen Renditen hinterherlaufen, sondern finden Fonds mit dem höchsten Zukunftspotenzial. Die stärkere Gewichtung der ­aktuellen Entwicklungen gewährleistet, dass sich Fondsmanager beim MVD Fonds Rating auf keinen Fall auf ihren verwelkten Lorbeeren ausruhen können.“

Ganz ohne Blick in den Rückspiegel kommt dabei allerdings auch das MVD Fonds Rating nicht aus. Die annualisierte Performance über die gesamte Laufzeit eines Fonds fließt ebenso in die Berechnung mit ein wie die Outperformance über zwei, fünf und acht Jahre. Sie soll zeigen, ob der Fondsmanager mittel- und langfristig einen höheren Ertrag erwirtschaften konnte als der relevante Index beziehungsweise die Peergroup. Ein weiterer Input-Faktor ist die kurzfristige Outperformance: Hier wird die Entwicklung der jüngsten drei Monate am stärksten gewichtet, die der weiteren Dreimonatszeiträume degressiv. Das bewirkt, dass die aktuell verfolgte Strategie beziehungsweise Portfoliozusammenstellung das Rating stärker beeinflusst als ältere Werte. Schließlich wird die Wertentwicklung auch noch zur Inflation in Relation gesetzt. Angesichts der hohen Bedeutung des realen Kapitalerhalts fließt die Outperformance zum Verbraucherpreisindex mit höherer ­Gewichtung in die Berechnung als weiterer Faktor ein.

Im nächsten Schritt wird die Volatilität unter die Lupe genommen, wobei der empirische Volatilitätswert durch die theoretische proprietäre Fondsrisikokennzahl ergänzt wird, die die hypothetischen Risiken des Fonds aufgrund der darin enthaltenen Wertpapierarten beschreibt. Im Klartext: Die historische Volatilität eines Aktienfonds, der erst ein Jahr auf dem Markt ist, liegt nach einem guten Börsenjahr viel tiefer, als dies für die Zukunft, in der es auch Rückschläge geben wird, zu erwarten ist. Dieser Aspekt fließt in das MVD Rating ein. Weil die meisten Investoren Volatilität primär dann stört, wenn sie durch fallende Kurse verursacht wird, wird beim Rating der Österreicher der Downside Deviation – sie erfasst nur durch fallende Kurse verursachte Schwankungen – besondere Beachtung geschenkt. Ergänzt werden diese Ertrags- und Risikoanalysen um zwei Trendmodelle mit kurz- und mittelfristigem ­Ansatz. Die Idee besteht hier darin, zu ­erfassen, ob ein Produkt aktuell ein günstiges Trendverhalten aufweist – dies ist sinnvoll, weil auch langfristig erfolgreiche Fonds immer wieder Phasen durchlaufen, in denen ihr spezieller Ansatz nicht die gewünschten Ergebnisse liefert. Kombiniert man die beschriebenen Ertrags-, Risiko- und Trendanalysen, ergibt sich eine finale Bewertung. Die besten zehn Prozent einer Fondskategorie erhalten dann die Spitzenbewertung des MVD Fonds Ratings von sechs „Mountains“.

Ethisch Dynamischer Anteil

Mit diesem Rating müsste es, so der Wunsch der Anbieter, Fondskäufern leichter fallen, aussichtsreiche Kandidaten aus dem Meer von Investmentfonds auszuwählen. Heute ist aber auch das schon zu wenig, denn viele institutionelle Anleger können sich nicht mehr nur auf Ertrags- und Risikodaten konzentrieren, wenn sie die Bausteine für ihre Portfolios zusammenstellen. Immer öfter ist ihnen das nur unter Berücksichtigung weiterer Faktoren möglich. Die Rede ist von dem wachsenden Druck, „nachhaltig“ zu investieren.
Zwar existiert nach wie vor kein einheitliches, länderübergreifendes „Gütesiegel“ für nachhaltige Finanzprodukte, nicht einmal der Begriff „Nachhaltigkeit“ selbst ist verbindlich definiert. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis hier klarere Spiel­regeln bekannt gegeben werden. Die EU-Kommission arbeitet schon an einem einheitlichen Klassifikationsverfahren und ­damit an EU-weit gültigen einheitlichen Nachhaltigkeitsstandards, auch in Bezug auf nachhaltige Benchmarks. Bis die Ergebnisse jedoch vorliegen, wird es noch dauern. Dennoch entkommt man schon heute nicht mehr den Buchstaben E, S und G, wenn man sich mit dem Kapitalmarkt beschäftigt. Die Berücksichtigung der Aspekte Umwelt, Soziales und nachhaltige Unternehmensführung ist aus der Finanzindustrie nicht mehr wegzudenken, und daraus erwachsen allen Akteuren auch neue Verpflichtungen. Vermutlich wird man in wenigen Jahren Angaben zur Nachhaltigkeit von Portfolios ebenso selbstverständlich finden, wie dies heute bei Ertrags- und Risikodaten der Fall ist.

Im ersten Schritt geht es darum, die Transparenz bezüglich ESG-Konformität zu steigern. Mountain-View Data hat hier das Glück, schon sehr viel länger einen Research-Schwerpunkt in diesem Bereich gesetzt zu haben. Die Österreicher bieten seit Jahren ESG-Portfolioscreenings an. Die ­Datenbanken der Gesellschaft enthalten Analysen zu Unternehmen, Ländern und Fonds, wobei eine Analyse auf Basis der im Fonds enthaltenen Einzeltitel erfolgt. Die voraussichtlich schon bald von allen Großanlegern geforderte Transparenz von Port­folioinhalten können die Österreicher schon heute auf Knopfdruck liefern. MountainView-Kunden können überprüfen, ob ihre Anlagen tatsächlich so nachhaltig sind, wie es die Fondsbezeichnungen suggerieren. Das schafft der Ethisch Dynamische Anteil „EDA“: Diese Nachhaltigkeitskennzahl, für die Mountain-View sogar ein Patent hat, gibt an, zu welchem Prozentsatz ein Fonds die Standardvorgaben der wichtigsten Ethik-, Sozial- und Umweltkriterien erfüllt. Dabei können maximal 100 Punkte erreicht werden. Je höher der EDA-Wert also ausfällt, desto vollständiger entspricht der Fonds den Nachhaltigkeitsmaßstäben.
Mithilfe von EDA werden Fonds oder ganze Portfolios hinsichtlich ihrer enthaltenen Einzeltitel durchleuchtet. Dies kann nun gemäß der Standard-EDA-Berechnung erfolgen – Mountain-View spricht in diesem Zusammenhang von der vorgegebenen Kriteriologie, daneben sind aber ein eigens für den Investor definierter Anforderungskatalog und die EDA-Berechnung nach dessen Vorgaben möglich – etwa wenn der Investor die EDA-Kriterien anders als in der Standard-EDA-Berechnung gewichtet sehen oder ein Kriterium weglassen möchte. Für die Standard-EDA-Berechnung werden die Positivkriterien „Transparenz“, „Umweltorientierung“, „Anerkennung der Global-Compact-Prinzipien“ sowie der verstärkte Einsatz von erneuerbaren Energien berücksichtigt; bei den Negativkriterien wird auf Ausschluss von Rüstung (Schwerpunkt Clusterbomben, Landminen, Nuklearwaffen), Atomstromproduktion, Gentechnik, Tierversuchen und auf Informationen über Menschenrechtsverletzungen geachtet.

Die Grundlage für die Standard-EDA-Berechnung bei Aktienfonds und Unter­neh­mens­anleihen bilden einmal alle aus Nachhaltigkeitsindizes spezifizierten Kriterien. Wenn also ein Index etwa nur Firmen enthält, die nicht in den Bereichen Rüstung oder Gentechnik tätig sind, können diese Werte den Kriterien entsprechend festgestellt und eingeordnet werden. Dazu kommt außerdem eine von Mountain-View ent­wickelte Branchenstruktur, anhand derer Unternehmen den zugehörigen Branchengruppen zugeteilt und identifiziert werden können.

Zudem kooperiert man mit NGOs und ausgewählten Medien, um Informationen zu einzelnen Unternehmen oder Ländern objektiviert darzustellen. „Vor allem Ad-hoc-Meldungen der NGOs tragen dank eigens entwickelter Technologien dazu bei, Ver­änderungen sofort überprüfen und berücksichtigen zu können“, erzählt Karin Ladinig, Head of Content Management bei Mountain-View Data. „Über 700 Schnittstellen zu Finanzproduktherstellern schaffen die Voraussetzung für aktuellste inhaltliche Datenbestände, die als Grundlage für die Berechnung dienen.“

Die Fondssuchmaschine „EDA Let’s go!“ bietet die Möglichkeit, jene Fonds ausfindig zu machen, die den Nachhaltigkeitsvorgaben des Investors entsprechen. Zur Auswahl stehen derzeit vier Positiv- und sechs Negativkriterien. Für nachhaltig orientierte Inves­toren, die ihre Strategien ohne Fondsan­bieter umsetzen wollen, bietet Mountain-View sein Finanzdatenuniversum auch als Datenbanklösung an. Enthalten sind sämt­liche investierbaren Unternehmen, die den am Markt gängigen Nachhaltigkeitskriterien entsprechen, sowie auch jene, die aufgrund der Negativkriterien auszuschließen sind. Fonds, Portfolios oder Einzeltitel können im Rahmen des „EDA proved Services“ auf Basis individuell gewünschter Ausschlusskriterien gescreent, überprüft und mit der EDA-proved-Zertifizierung ausgezeichnet werden.    

Dr. Kurt Becker


Anhang:

twitterlinkedInXING
 Schliessen