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2/2022 | Theorie & Praxis
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Auf Spurensuche

Wie halten es Großanleger beim Thema Nachhaltigkeit mit Kernfragen wie Dekarbonisierung, ­Biodiversität sowie aktiver Eigentümerschaft und Engagement, um beim Kampf gegen den ­Klimawandel einen positiven Beitrag zu leisten? Eine Robeco-Studie liefert Antworten.

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Großanleger wollen mit den ihnen anvertrauten Geldern nicht nur hohe Renditen erwirtschaften, sondern auch einen ­positiven Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.

© Robeco, lassedesignen | stock.adobe.com
Das Klimarisiko stellt zunehmend ein Anlagerisiko dar, das wir identifizieren und dem wir uns stellen wollen. Aus diesem Grund haben wir zum zweiten Mal unsere globale Klima-Umfrage durchgeführt“, erklärte Robecos Vorstandsvorsitzende Karin van Baardwijk anlässlich der Veröffentlichung der Investorenbefragung „2022 Global ­Climate Survey – How investors are taking on the risks and opportunities of climate change“. Für die Studie befragte CoreData Research im Auftrag von Robeco im Januar 2022 300 der weltgrößten institutionellen und Wholesale-Investoren in Europa, Nordamerika und im Raum Asien-­Pazifik (APAC). Zu diesen Großanlegern zählen Versicherungen, Staats- und Pen­sionsfonds, Stiftungen, Family Offices, Privatbanken und Dachfonds. In Summe repräsentieren die Umfrageteilnehmer ein verwaltetes Vermögen von insgesamt 23,7 Billionen US-Dollar.
 
Klimawandel im Fokus
Dass der Klimawandel für Profianleger an Bedeutung gewinnt ist, überrascht auf den ersten Blick kaum. Erstaunlich ist ­jedoch das Tempo und dass dieser inzwischen bei immerhin drei von vier Investoren (75 %) ein „zentraler“ oder „signifikanter“ Faktor der Anlagepolitik ist. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren betrug dieser Wert lediglich 34 Prozent und hat sich damit mehr als verdoppelt. Damit ist das Ende der Fahnen­stange aber noch nicht erreicht. Auf Sicht der kommenden zwei Jahre soll diese Quote von 75 auf 86 Prozent steigen (siehe Grafik „Steigende Bedeutung“). 
 
Als Instrument im Kampf gegen den Klimawandel gilt vor allem die Reduktion von Treibhausgasen. Vor diesem Hintergrund versprechen mehr und mehr Großanleger öffentlich, ihre Netto-Emissionen auf Portfolioebene bis zu einem gewissen Zeitpunkt auf „netto null“ zu reduzieren. Zur Erin­nerung: Darunter versteht man in der Regel eine kalkulatorische „Nullemission“, bei der auf der einen Seite Emissionen entstehen und dafür an anderer Stelle Emissionen in gleichem Maße verhindert oder dauerhaft der Atmosphäre entzogen werden, um ein gewisses Klimaziel zu erreichen. Auf diesem Gebiet besteht offenbar noch Handlungsbedarf, zeigt die Robeco-Studie auf: Weniger als die Hälfte aller weltweit Befragten hat bislang eine öffentliche Zusage gemacht, bis zum Jahr 2050 mit ihren Portfolios Treibhausgasemissionen von netto null zu erreichen (27 %) oder zumindest derzeit daran zu arbeiten, dies auf absehbare Zeit verkünden zu können (18 %). 36 Prozent sind diesbezüglich erst in der Orientierungsphase, 19 Prozent lehnen einen solchen Schritt ab. 
 
Eine tiefere Analyse auf regionaler Ebene ergibt, dass bereits 40 Prozent der befragten europäischen Investoren ein entsprechendes Commitment gaben und 17 Prozent intensiv daran arbeiten, dies verkünden zu können, während die entsprechenden Werte bei den nordamerikanischen Anlegern nur elf und 18 Prozent erreichen. Auf Investorenebene zeigt sich, dass erst 19 Prozent der „Wholesale“-Investoren ein öffentliches Versprechen gaben, während dies immerhin 31 Prozent aller Institutionellen taten, wobei unter diesen insbesondere die Versicherungen mit 43 Prozent zu den Nachhaltigkeitspionieren zählen. 
 
Raus aus Öl und Gas
Der Trend in Richtung netto null bei den Treibhausgasemissionen führt dazu, dass der derzeitige Anteil der Investoren in Höhe von elf Prozent, die komplett aus Öl- und Gasunternehmen aussteigen, in den kommenden zwei Jahren auf 22 Prozent steigen soll. Dieser Ausstieg wird höchstwahrscheinlich über den Verkauf von Ak­tien und Unternehmensanleihen erfolgen. Denn diese beiden Anlageklassen zählen zu jenen Segmenten, über die Investoren eine Dekarbonisierungsstrategie relativ zügig umsetzen können. Aber auch bei illiquideren Anlagen wie Immobilien oder Infrastruktur wollen Investoren Robeco zufolge auf Sicht der kommenden zwei Jahre ihre Dekarbonisierungspläne intensivieren. 
 
Interessant ist der Vergleich zur Vorjahresstudie: So planen Investoren gegenüber der Vergangenheit mittlerweile auch bei Segmenten wie Rohstoffen (relativ stärkster Anstieg aller Anlageklassen von 23 % auf 39 %) sowie bei Staats-, Hochzins- und Schwellenländeranleihen, zukünftig in deutlich stärkerem Ausmaß CO2-Reduktionsstrategien zu implementieren, während Hedgefonds (von 21 % auf 27 %) noch immer relativ unbeachtet unter dem Nachhaltigkeitsradar der Profianleger agieren können. 
 
Eine weitere nennenswerte Studienerkenntnis ist die steigende Bedeutung von Themeninvestments, über die Investoren im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategien mit der Finanzierung sauberer Energie oder ­grüner Technologie positive Veränderungen bewirken wollen. Immerhin 70 Prozent der Anleger haben sich bereits entsprechend ­positioniert. Dabei haben Investoren aus Europa sowie aus der Region Asien-Pazifik einen Vorsprung gegenüber nordamerikanischen Anlegern (siehe Grafik „Viele Wege führen zum Ziel“).
 
Biodiversität 
„Die diesjährige Studie zeigt deutlich, dass Investoren beginnen, die biologische Vielfalt in ihren Investmentansätzen zu berücksichtigen“, erklärt Lucian Peppelenbos, Klimastratege bei Robeco: Gaben vor zwei Jahren lediglich 19 Prozent der Investoren an, dass „Biodiversität“ im Zentrum stehe oder zumindest „ein signifikanter“ Faktor ihrer Investmentstrategien sei, erreicht dieser Anteil inzwischen 41 Prozent und soll in den kommenden zwei Jahren auf 56 Prozent steigen. Zum Vergleich: Der Anteil ­jener Investoren, für die Biodiversität überhaupt kein oder „kein signifikanter“ Faktor der Investmentpolitik ist, reduzierte sich von 80 Prozent von vor zwei Jahren auf derzeit 60 Prozent und soll in zwei Jahren lediglich 43 Prozent betragen. 
 
Befragt nach den zugrunde liegenden Motivationsfaktoren nannten Investoren am öftesten mit 52 Prozent (Mehrfachnen­nungen möglich) die „Verpflichtung zur Verringerung langfristiger systemischer Risi­ken, die mit dem Verlust der biologischen Vielfalt verbunden sind“, gefolgt ex aequo mit jeweils 36 Prozent von den ­Beweggründen „Forderung von Stakeholdern“ und „Wir sehen Biodiversität als den nächsten großen Trend und die nächste ­große Herausforderung ­neben dem Klimawandel“. Lediglich auf Platz vier mit 34 Prozent liegt der vielleicht augenscheinlichste Grund – „Erhaltung von Wildtieren und Ökosystemen“. Darüber ­hinaus nannte jeder zweite Investor den Mangel an Daten, Reporting und Ratings als das Haupthindernis bei der Implementierung einer Biodiversitätsstrategie. Lediglich 43 Prozent führten als Hindernis einen Mangel an passenden Produkten an. 
 
„Hinsichtlich Biodiversität stellen wir fest, dass Investoren derzeit vor der Um­setzungsherausforderung stehen. Dies liegt daran, dass die finanziellen Auswirkungen des Verlustes der biologischen Vielfalt nur selten gemessen werden, was es für Investoren schwierig macht, Maßnahmen zu ­ergreifen. Thematische Investitionen und Impact Investing sind eine Möglichkeit, ­dieses Problem zu lösen“, erklärt Peppe­lenbos. „Eine andere Möglichkeit besteht ­darin, die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zu nutzen, die sich auf die biologische Vielfalt beziehen, was nach ­unseren Erkenntnissen bereits geschieht.“ 
 
Investoren werden aktiv
Neben der biologischen Vielfalt werden auch „aktive Beteiligung“ (Active Ownership) und „Engagement“, also die aktive und engagierte Ausübung von Aktionärsrechten, bei Großanlegern wichtiger, betont Peppelenbos: „Wenn der Klimawandel und in etwas gerin­gerem Maße Biodiversität für die Anlagepolitik der Investoren an Bedeutung ­gewinnen und in den Mittelpunkt ihrer ­Investmentstrategien rücken, dann gilt dies jedenfalls auch für Active Ownership und Engagement, mit deren Hilfe Investoren ebenfalls ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen.“ Das zeigen die erhaltenen Ant­worten der Investoren auf die Frage, wie wichtig Active Ownership und Engagement bei der Investmentpolitik früher, jetzt und in den kommenden zwei Jahren seien:
 
War dieses Paar vor zwei Jahren erst bei 54 Prozent der Investoren „im Zentrum“ oder „ein signifikanter Faktor“ der ­Investmentpolitik, erreicht dieser Wert aktuell bereits 73 Prozent und soll auf Sicht der kommenden zwei Jahre auf 80 Prozent steigen, wobei bei europäischen Investoren der zukünftige Wert beacht­liche 90 Prozent erreichen soll. 
 
Interessantes Detail: Auch bei diesem Kriterium stechen die Versicherungen mit 92 Prozent Zustimmungsquote auf Sicht von zwei Jahren hervor. Die ­„Totalverweigerer“ sind hingegen eine klare Minderheit mit aktuell sieben und zukünftig lediglich fünf Prozent.
 
Als Motive für mehr Active Ownership und Engagement bei der Anlagestrategie nannten die Investoren am ­öftesten (Mehrfachnennungen möglich) mit 66 Prozent Zustimmung „Sicher­stellung der Übereinstimmung der Governance-Standards mit bewährten Verfahren“ (beispielsweise in Bezug auf Stimmrechte, Vertretung im Aufsichtsrat oder die Vergütung von Führungskräften). 60 Prozent führten als Beweggrund „Teil unserer treuhänderischen Pflicht als Langfristinvestor“ und 57 Prozent „Maximierung des Shareholder Value in Unternehmen, in die investiert wird“ an. Auf Platz vier liegt das Motiv „Positiver Einfluss auf die ESG-Politik der Unternehmen, in die wir investieren“ (51 %), Platz fünf belegt der Wunsch, „sicher­zustellen, dass die Unternehmen, in die investiert wird, ihren Verpflichtungen ­gegenüber der Gesellschaft als Ganzes in Bezug auf die soziale Verantwortung nachkommen“ (43 %). 
 
Drohende Verkäufe
„Alles in allem zeigen die Ergebnisse, dass Active Ownership und Engagement als Teil eines Ansatzes für nachhaltige ­Investments weit verbreitet sind, da sie bei den Unternehmen, in die investiert wird, Ver­änderungen bewirken können“, erklärt ­Peppelenbos, um anzufügen: „Es gibt ein ­starkes Argument dafür, dass Active Ownership und Engagement von Investoren, die Veränderungen in Fragen der Nachhaltigkeit anstreben, mit der Bereitschaft zur Ver­äu­ßerung einhergehen müssen. Ist dies nicht der Fall, kann das Engagement ineffektiv und eine Quelle der Frustration für die ­Anleger werden, wenn die Unternehmen, in die investiert wird, keine ausreichenden Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit er­zielen.“
 
Anton Altendorfer

Anhang:

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