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1/2019 | Produkte & Strategien
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Anleihen mit sozialer Wirkung

Nach Green Bonds und Social Bonds haben im ESG-Kanon zunehmend auch Social Impact Bonds (SIBs) eine Stimme. Investoren sind hier insbesondere Stiftungen und öffentliche Banken.

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Mit Social Impact Bonds werden Maßnahmen im sozialen Sektor mit Geldern von privaten Investoren finanziert. Kapitalrückzahlung und Rendite hängen vom Erfolg ab – ein britisches Resozialisierungsprojekt für Straftäter zeigte, dass das funktionieren kann.

© Katrin Denkewitz, Phineo, motortion | stock.adob

Kommt nach der Welle der Green Bonds jetzt die Welle der Social Impact Bonds? „Schlecht wäre das nicht, denn oft ist es notwendig, die sozialen Voraussetzungen zu schaffen, um Umweltmaßnahmen realisieren zu können“, meint Béryl Bouvier di ­Nota, stellvertretende Leiterin europäische Aktien bei ofi Asset Management, verantwortlich für Themen- und Impact Investing. Getreu dem Brecht-Motto „Erst kommt das Fressen und dann die Moral“ müsse man beispielsweise in Emerging Markets oft erst die sozialen Voraussetzungen schaffen, damit sich umweltpolitische Projekte umsetzen lassen; beispielsweise die Kinder zur Schule schicken  oder eine grundlegende medizinische Versorgung gewährleisten.

Soziale Wirkung

Social Impact Bonds (SIBs) können helfen, die entsprechenden sozialen Voraussetzungen zu schaffen. Sie sind eine weitere Variante von Anleihen mit Nach­haltigkeitseffekt. Die erste waren Green Bonds. Damit wurden Wasserkraft- oder Windkraftwerke von Emittenten wie dem Land Nordrhein-Westfalen oder der KfW ­finanziert. Der zweite Schritt waren Social Bonds, mit denen Pflegeeinrichtungen oder Flüchtlingsheime finanziert wurden. Emittiert werden solche Bonds oft von den Kommunen. Der konsequente dritte Schritt sind nun Social Impact Bonds.

„Um von einem Social Impact Bond zu sprechen, erwarte ich mehr als nur die ­Finanzierung eines Krankenhauses. Das an sich hat für mich noch keinen sozialen ­Effekt, sondern ist lediglich eine Infrastrukturinvestition“, meint Edda Schröder. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin der Gesellschaft Invest in Visions, mit der sie mehrere Mikrofinanzfonds managt, und verfolgt die Idee von SIBs seit einiger Zeit. „Wenn das Krankenhaus, das finanziert wird, aber die Besonderheit aufweist, dass armen Menschen ein Rabatt bei den Behandlungskosten eingeräumt wird oder sie auch die teureren Medikamente erhalten, dann ist das Social Impact Investing.“ Der Impact wäre hier, dass einer Zweiklassengesellschaft in der medizinischen Versorgung entgegengewirkt wird.

Resozialisierung von Häftlingen

Der erste SIB mutet skurril an, zeigt aber anschaulich die Wirkungsweise: 2010 wurde der Peterborough Social Impact Bond in Großbritannien vom Justizministerium und der Projektgruppe „Social Finance“ lanciert. Das zu lösende Problem war, dass Kurzzeithäftlinge den britischen Staat viel Geld kos­teten und zudem rund 60 Prozent innerhalb eines Jahres rückfällig wurden. Als Grund für die hohe Rückfallquote sah man an, dass die Häftlinge mit einem Handgeld von 46 Pfund entlassen wurden, ohne weitere ­Unterstützung zu erhalten, z. B. bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Durch den ersten SIB wurden Maßnahmen finanziert, die helfen sollten, die Rückfallrate bei zunächst 3.000 Häftlingen zu reduzieren.

Finanziert wurden die Maßnahmen durch einen Fünf-Millionen-Pfund-Bond, der von 17 Investoren initiiert wurde. Kapital und Zinsen wurden in den Jahren vier, sechs und acht durch die öffentliche Hand ausgezahlt, allerdings unter der Voraussetzung, dass die Wiederverurteilungsrate der Ex-Häftlinge gegenüber einer Vergleichsgruppe um mindestens 7,5 Prozent jährlich niedriger ausfiel. Je nach Erfolg der Resozialisierungsmaßnahme betrug die Verzinsung zwischen 2,5 und 13 Prozent per annum.

Der SIB erwies sich als erfolgreich: Die Rate der rückfälligen Ex-Häftlinge konnte im Schnitt um neun Prozent reduziert werden. Die Investoren erhielten in einer Einmalzahlung ihr eingesetztes Kapital zurück sowie die wirkungsabhängige Vergütung, die etwas mehr als drei Prozent Verzinsung per annum für die Investitionsperiode entspricht. Dies verdeutlicht, warum solche Vorhaben auch „Pay-for-Success-Finanzierungen“ genannt werden: Attraktiv ist die finanzielle Rendite nur, wenn die erwünschte soziale Wirkung erreicht wird.

Intervention mit Zielsetzung

„SIBs sind eine Sonderform von ­Public Private Partnerships (PPP) und finanzieren etwas, was eine Gemeinde oder Kommune sonst aktuell nicht leis­ten kann“, erklärt Edda Schröder. „Um einen SIB aufzulegen, bedarf es einer sektorübergreifenden Partnerschaft aus öffentlicher Verwaltung, privaten Inves­toren und sozialen Dienstleistern.“ Die Parteien gründen eine Zweckgesellschaft, die als rechtliche Einheit zur Umsetzung des SIB dient.

„Zielsetzung eines SIB ist es, eine bestimmte soziale Wirkung zu erzielen, indem ein soziales Problem durch präventive Maßnahmen verringert beziehungsweise gelöst wird“, sagt Stephanie Petrick, die bei der Phineo gemeinnützige AG den Bereich Impact Investing leitet. Das kann die Verringerung der Rückfallquote bei Häftlingen sein, die bessere Integration von Langzeitarbeitslosen oder die Verbesserung des Bildungsniveaus einer sozial benachteiligten Gruppe. Im Erfolgsfall führen die Maßnahmen mittel- bis langfristig zu staatlichen Einsparungen, aus denen dann die finanzielle Rendite bezahlt werden kann.

Die gewünschte Wirkung soll durch präventive soziale Maßnahmen, die sogenannte „Intervention“, erreicht werden. „Der soziale Förderer beziehungsweise Investor erhält sein Kapital in dem Maße zurück, wie eine vorher festgelegte Wirkung erreicht wurde“, so Petrick. Ob er zumindest das eingesetzte Kapital oder weniger bekommt, wenn die gewünschte Wirkung nicht erreicht wird, hängt davon ab, was die Vertragsparteien bei dem jeweiligen SIB vereinbart haben. Es liegt also nahe, dass SIB-Investoren überwiegend Wohltätigkeitsorganisationen oder andere private Investoren sind, die ­sowohl an der Wirkung des sozialen Projekts als auch an der finanziellen Rendite ­interessiert sind. Schließlich tragen sie am Ende das finanzielle Risiko der Maßnahme.

Petrick gibt ein Beispiel aus Deutschland: „Gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung haben wir mit Phineo einen SIB begleitet, mit dem die Bildungschancen für Kinder in der Stadt Mannheim verbessert werden sollen. Sozialer Förderer war hier die BASF SE“, so Petrick. „Mit einem anderen SIB stärken wir im Landkreis Osnabrück die Prävention durch Hilfen zur Erziehung. Sozialer Förderer bei diesem SIB ist die Kreissparkasse Bersenbrück.“

Messbarkeit ist wichtig

SIBs basieren auf der Annahme, dass der Kapitalmarkt eine gute Allokationswirkung hat, die dafür sorgt, dass Geld in jene sozialen Projekte fließt, die den größten messbaren Erfolg versprechen. Daher stellt die Erfolgsmessung eine der Herausforderungen dar: Nur wenn der Erfolg einer sozialen Maßnahme klar messbar ist, lässt sich die Verzinsung des SIB an den Erfolg, den „Impact“ der Maßnahme, koppeln. Dazu bedarf es einer umfangreichen Datenerfassung zu Kriterien, die den Erfolg der Maßnahme widerspiegeln. Die Datenerfassung kann gerade von Mitarbeitern im sozialen Bereich als lästig empfunden werden, weil sie die Zeit, die sie für Dokumentation und Aufzeichnungen verbringen, nicht für ihre eigentliche soziale Tätigkeit verwenden können. Die Wirksamkeitsmessung kann auch durch einen neutralen Dritten, etwa ein wissenschaftliches Institut, erfolgen.

Eine weitere Voraussetzung für solche Anleihen ist, dass eine bestimmte soziale Maßnahme in ein Projekt gegossen wird, das durch einen Bond finanziert und Inves­toren als Anlage angeboten wird. Das ist aber nicht immer einfach. Thomas Hassl vom Responsible Team bei BMO GAM sieht hier eine Begrenzung der Möglichkeiten: „Social Bonds werden vornehmlich von Staaten, supranationalen Organisationen und Behörden ausgegeben. Wir setzen hingegen bei den Unternehmen an, um dort durch Engagement auf die Umsetzung von umweltpolitischen und sozialen Belangen zu drängen.“ Damit kann BMO GAM Ziele wie die korrekte Einhaltung des Arbeitsrechts, einen besseren Datenschutz, mehr Gender Diversity etc. verfolgen. Als Gewicht wirft der ­Asset Manager bei seinen Engagement-Aktivitäten nicht nur seine knapp 220 Milliarden Euro an inhouse verwalteten Assets in die Waagschale, sondern repräsentiert durch sein Responsible-Engagement-Overlay-Angebot auch die Assets anderer Manager.

„Wir müssen nicht warten, bis ein bestimmtes Projekt zur Investition als SIB aufbereitet wird, sondern wir können uns beim gesamten Universum gelisteter Unternehmen für soziale und Nachhaltigkeitsbelange engagieren“, argumentiert Hassl. Den Erfolg des Engagements möchte auch er messen und überwachen. Bei einigen Zielen bereitet eine genaue Messbarkeit aber Schwierigkeiten. „Daher legen wir sogenannte ‚Meilensteine‘ für die Verbesserungsprozesse in den Unternehmen fest. In Ermangelung einer genauen Messbarkeit unterscheiden wir hier nur drei Stufen“, zeigt Hassl auf, wie man sich behilft. Offenbar gibt es Bedarf sowohl für SIBs als auch für Engagement-Aktivitäten in Unternehmen; schließlich gibt es für beide Wege der Wirksamkeitserzielung immer mehr ­Anwendungsbeispiele.

Erster SIB-Fonds

So gab es per Januar 2019 weltweit rund 130 Impact Bonds, teilt die Non-Profit-Organisation Social Finance mit. Damit konnten bislang 424 Millionen US-Dollar aufgebracht und das Leben von über einer Mil­lion Menschen positiv verändert werden. Die Projekte werden insbesondere in Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Australien realisiert, aber auch in anderen Ländern gibt es SIB-Projekte. Ein auf SIBs spezialisierter Fondsmanager ist Bridges Fund Management in London, der den Bridges Social Impact Bond Fund aufgelegt hat. Weitere Fonds sind bislang nicht bekannt, aber es ist vorstellbar, dass es künftig zu ähnlichen Fondsauflagen für Investoren kommen wird. Derweil geht die Entwicklung von Impact-Konzepten weiter: In Emerging Marktes wird bereits mit „Development Impact Bonds“ (DIBs) experimentiert, und auch über „Resilience Impact Bonds“ denkt man nach. Auch bei diesen beiden Formen sind klar messbare Erfolge eine Voraussetzung. „Im gesamten Nachhaltigkeitssektor brauchen wir eine zuverlässige Methodologie, um die positiven Beiträge von Projekten messen zu können. Dabei geht es nicht nur um einzelne Projekte und die Unternehmenstätigkeit, sondern auch um soziale und ökologische Auswirkungen“, meint Béryl Bouvier di Nota. „Daneben müssen wir eine gute Datenbank mit den einflussreichsten Impact-Indikatoren aufbauen, damit wir in die erfolgversprechendsten investieren können. Dieser Ansatz hat bereits in der Projektfinanzierung begonnen, sollte aber auch für börsennotierte Unternehmen entwickelt werden.“     

Anke Dembowski


Anhang:

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