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INSTITUTIONAL MONEY KONGRESS 2018


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Wirtschaftsweise Lars Feld: „Vorsicht vor dem Boom“

Der Professor und Wirtschaftsweise hielt am IM-Kongress einen Vortrag über das derzeitige wirtschaftliche Umfeld sowie dessen Zukunftsaussichten und forderte von der Politik mehr Anstrengungen zur Bewältigung diverser struktureller Probleme. Einer "Vergemeinschaftung" erteilte er eine klare Absage.

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Die EZB weitet ihre Bilanz weiter aus und auch zukünftig ist damit zu rechnen (siehe blaue „Prognoselinie“ rechts oben in der Grafik. Laut Lars Feld sollte die EZB jedoch besser ihr Ankaufprogramm (hellblaue Fläche) bald beenden.
 
© Sachverständigenrat

„Wir kommen auch in Europa langsam in die Überauslastung“, erklärte der Lars Feld, Professor sowie Vorstand des Walter Eucken Instituts an der Universität Freiburg und Keynote Speaker am 11. Institutional Money Kongress in Frankfurt. Der Professor analysierte den derzeitigen Konjunkturaufschwung, die Inflationsentwicklung und ging in Folge auch auf die langsam anstehende, geldpolitische Wende ein.

Überauslastung, aber noch keine Überhitzung
Auch wenn in einigen Branchen, wie etwa der Bauindustrie, die Kapazitäten ausgelastet sind und weitere Steigerungen nur mehr äußerst schwer möglich sind, kann man auf gesamtwirtschaftlicher Ebene in Deutschland zwar von einer „Überauslastung“, aber noch nicht von einer Überhitzung sprechen. „Es herrscht Dynamik, aber noch keine Überhitzung“, merkte Fels an. Im Euro-Raum dagegen ist nach Jahren der Krise endlich Normalauslastung festzustellen - mit steigender Tendenz, wie der Grafik oben in der Bildstrecke zu entnehmen ist.

Geldpolitik sollte straffer sein
Während die FED bereits begann, über Quantitative Tigthening (QT) die in der Krise verteilten Gelder langsam einzusammeln, ist die EZB weiterhin expansiv eingestellt und hat vor, zumindest bis September 2018 über den Markt Anleihen zu kaufen und damit ihre Bilanz weiter aufzublähen (siehe Grafik oben). Mit dieser „Lower-for longer-Strategie“ will die EZB Deflationsrisiken unbedingt vermeiden – obwohl derzeit keine Deflationsrisiken bestehen, wie Feld kritisch anmerkte. Seiner Ansicht nach sei es ratsam, die Anleihekäufe zügig zu verringern und zu beenden, symmetrisch auf makroökonomische Entwicklungen zu reagieren und die „Forward Guidance“ auszubauen. Laut Einschätzung von Feld bzw. diversen Modellannahmen, wäre der „richtige“ Leitzins derzeit nicht bei null, sondern im Bereich zwischen 1,0 und 1,5 Prozent. Obwohl die Konjunktur sehr gut läuft, wird diese stark expansive Geldpolitik gegen alle volkswirtschaftlichen Lehren zusätzlich und unnötig durch eine (leicht) expansive Fiskalpolitik ergänzt. Das sei zu viel des Guten und wirke prozyklisch, so Feld, dere damit  indirekt die geplante Ausgabenpolitik der Bundesregierung kritisierte, die auf Kosten der Steuerzahler und vor allem der Leistungsträger ihre eigene, mittlerweile zahlenmäßig geschrumpfte Wählerschaft mit großzügigen Geschenken bei Laune halten wolle. 

Nachhaltigkeit der Wirtschaftspolitik: Lohn und Tadel
Feld erläuterte die derzeitige Lage am deutschen Arbeitsmarkt, die von Rekordbeschäftigung und  weiterhin sinkender Arbeitslosigkeit geprägt ist. Erfreulich seien auch der sinkende Anteil der atypisch Beschäftigten, der Rekordstand an offenen Stellen sowie das gesunkene Entlassungsrisiko bei Arbeitnehmern. Feld äußerte explizit ein Lob für die von der Bundesregierung beschlossenen bzw. getroffenen Maßnahmen betreffend den Arbeitsmarkt um sich gleich darauf einem heiklen Punkt zu widmen, der zu hohen Steuerbelastung der Leistungsträger. Feld monierte, dass durch Inflation und darauf basierende Lohn- und Gehaltserhöhungen die kalte Progression bei immer mehr Arbeitnehmern zuschlage und Gehaltsempfänger zwar nominal mehr verdienten, aber unterm Strich trotzdem an Kaufkraft verlören.

Warum wird der Soli nicht endlich abgeschafft?
Kritikwürdig ist auch der als „Provisorium“ im Nachgang der deutschen Wiedervereinigung eingeführte Solidaritätszuschlag auf Einkommens-, Abgeltungs- und Kirchensteuer etc., der allen Lippenbekenntnissen der Politik zum Trotz noch immer besteht. Feld meinte, dass einige Juristen den „Soli“ als verfassungswidrig einschätzen und dass die Steuerbelastung in Deutschland vielfach zu hoch sei.

US-Steuereform als Investitionsmagnet
Das sei umso bedeutender, als die USA begönnen, Unternehmen niedriger zu besteuern bzw. diesen äußerst attraktive Steuervorteile gewähren. Damit drohe ein Kapitalabfluss aus Hochsteuerländern wie Deutschland und dessen Umleitung in unternehmerfreundlichere Destinationen. Im zweiten Schritt würde dies auch negative Auswirkungen auf den europäischen bzw. deutschen Arbeitsmarkt haben. „Die USA wird ein Magnet für Investitionen“, warnte Feld und erläuterte Vorteile wie äußerst großzügige Abschreibungsmöglichkeiten, die die USA böten. Darauf sollte Europa bzw. Deutschland nicht mit bürokratischen Mindeststeuern, sondern ebenfalls mit niedrigeren Steuersätzen, reagieren, so Feld.

Stabilität gefragt
Feld analysierte auch die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Euro-Länder und erinnerte daran, dass bei der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Euro-Zone noch immer spürbare Unterschiede bestünden (siehe Grafik oben) und die Leistungsfähigkeit im internationalen Vergleich nur durch Strukturreformen erhöht werden könnte. Die Verantwortung liege bei den nationalen Regierungen. Notwendig sei auch eine Reform der nationalen Rechtssysteme. So monierte Feld, dass in Italien aufgrund einer ineffizienten und langsamen Bürokratie Gläubiger wie beispielsweise Banken oft ein Jahrzehnt auf einen Rechtstitel gegenüber ihren Schuldnern respektive dessen Durchsetzung warten müssten. Daher sei es müßig, über ein einheitliches europäisches Insolvenzrecht oder eine europäischen Einlagensicherung und dergleichen zu sprechen, wenn selbst bestehende Regelungen nicht, oder nur unzumutbar lange, umsetzbar seien. Auch die vielen faulen Kredite in den Bankbilanzen der Peripheriestaaten machen wenig Lust auf eine Querfinanzierung durch den deutschen Steuerzahler bzw. Sparer.

Pulver trocken halten
Kritik übte Feld auch den hohen öffentlichen Schuldenstand im Euroraum, denn dadurch sei bei der nächsten Krise „das Pulver verschossen“, und eine expansive Fiskalpolitik nur schwer umsetzbar. „Es ist die Aufgabe der Nationalstaaten, ihre Haushalte zu sanieren“, mahnte er und räumte aber ein, dass betreffend die „richtige“ Fiskalpolitik im Sachverständigenrate keine einheitliche Meinung vorherrsche. Seiner persönlichen Ansicht nach sei eine Zentralisierung der Fiskal- und Wirtschaftspolitik wenig ratsam. „Es gibt keine Notwendigkeit einer gemeinsamen Fiskalkapazität oder anderer fiskalischer Ausgleichsmechanismen“, betonte Feld. Er begründete dies mit der Schwierigkeit, strukturelle und zyklische Effekte in Echtzeit zu trennen. Eine Stabilisierung im Fall der Fälle habe durch die nationale Fiskalpolitik und notfalls über den ESM stattzufinden. Eine Risikoteilung solle besser über die Kapitalmärkte durch eine Stärkung der Europäischen Kapitalmarktunion erfolgen. Für Feld sein ein „fiskalischen Hineinregieren“ eines US-Superstaates in die Budgetbelange von Gliedstaaten wie Deutschland „unerträglich“. Er erinnerte an Deutschland und das Verhältnis von Bund und Ländern: Auch hier ließen sich die Länder vielfach nicht vom Bund bevormunden.

Eine Absage erteilte Feld auch den Plänen für eine europäische Arbeitslosen-Rückversicherung. Denn diese sorge im Endeffekt für statischere Arbeitsmarkte und in Folge für strukturell höhere Arbeitslosenquoten. Die Wirtschaftshistorie habe gezeigt, dass exogene Schocks durch flexiblere Arbeitsmärkte schneller und rascher absorbiert werden würden und damit unterm Strich mittel- bis langfristig die Arbeitslosigkeit niedriger sei. Ein Beispiel dafür sei die USA nach der Finanzkrise.

Globalisierung und Kapitalismus sorgen für Wohlstand
Globalisierungs- und Kapitalismuskritikern hielt Feld entgegen, dass „nichts so gute gegen Armut wie die Teilnahme am wirtschaftlichen Geschehen durch die Globalisierung hilft“m und untermauerte dies mit einer Grafik (siehe oben in der Bildstrecke).

Last but not least, riet der Wirtschaftsprofessor den anwesenden Investoren, mit „Argusaugen“ auf die Entwicklung im chinesischen Finanzsektor zu achten, wo „nicht alles Gold ist, was glänzt“. Aber auch ein anderes, wenig beachtetes Risiko, nannte Feld: und zwar die steigende Verschuldung in Afrika. 

Redaktioneller Hinweis: Die interessantesten Slides der von Feld gehaltenen Präsentation finden Sie oben in der Bildstrecke. (aa)

 

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