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Rob Arnott live IM-Kongress: Woran man die Blase erkennt

Der Smart Beta-Guru erklärte auf dem 10. Institutional Money Kongress, woran man merkt, dass ein Markt überhitzt, welche Strategien dieser Tage funktionieren und warum es sich lohnt, immer den schmerzhaften Weg zu gehen – selbst wenn die menschliche Natur in die andere Richtung drängt.

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Finanz-Experte Rob Arnott legt im prall gefüllten Auditorium seine Thesen zur aktuellen Marktsituation dar. Schonungslos rechnet er dabei mit dem Missbrauch des Begriffs "Smart Beta" ab – und steckt damit in der Kontroverse um seine Person nicht unbedingt zurück ...
©Hemmerich/Institutional Money

Wenn Rob Arnott den Eröffnungsvortrag zum Thema „Data Mining, Performance Chasing and the Quest for Real Returns“ hält ist eines klar: Keine Auge bleibt trocken und kein Sitzplatz frei. Denn wenn es um den Markt und die damit verbundenen Aussichten geht, ist der „Pate von Smart Beta“ keiner, der sich um unangenehme Wahrheiten drückt – schon gar nicht, wenn es um das so stark mit ihm verbunden Factor-Investing geht.

"Das ist nicht Smart Beta!"

Gegen den Missbrauch – ob dieser nun bewusst oder unbewusst geschieht – zieht er auch auf dem 10. Institutional Money Kongress ins Feld, den er mit seinem Vortrag eröffnet hat. „Smart Beta umfass dieser Tage alles und bedeutet dieser Tage genau deshalb gar nichts“, zeigt sich der Gründer von  Research Affiliates enttäuscht. Unlängst, so erzählt er, sei er bei einer Fonds-Präsentation anwesend gewesen, in der die Argumentation gelautet hätte, der Fonds sei währungsgesichert und deshalb Smart Beta. „Das ist nicht Smart Beta“, wird Arnott emotional, „das ist währungsgesichert. Auch legitim. Aber nicht Smart Beta.“

Davon abgesehen, bricht Arnott eine Lanze für den schwierigen Weg. Sowohl was das Timing als auch was die Auswahl der Faktoren betrifft. „Vergangene Performance bietet keine Aufschlüsse über zukünftige Erträge. Etwas anderes zu glauben ist sinnlos und trifft sowohl für den Bond-, als auch den Aktienmarkt zu“, erklärt Arnott und warnt vor „Trend Chasing“, das von Investoren ebenso betrieben wird, wie von Akademikern oder Asset Managern. Denn der Trend, kann sich mitunter zwar als friend erweisen, ist nach einiger Zeit vor allem eines: Teuer.

Blasenbildung

Besonders warnt er in diesem Zusammenhang vor dem Faktor „Momentum“. Wenn dieser „Buy“ sagt, ist das laut Arnott das erste Anzeichen dafür, dass „die Blasenbildung beginnt.“ Hohe Bewertungen ortete Arnott deshalb in den USA, sowohl an der Anleihen-, wie auch der Aktienfront. Diese Kategorie zählt er zu den konventionellen Investments, weshalb er zu – aus Sicht eines Angelsachsen – unkonventionellen Varianten rät. Dazu gehören Emerging Market Bonds, High Yields, Banken und große europäische Märkte wie Großbritannien und Deutschland. „Wer jetzt in Europa und die Emerging Markets investiert, wird in zehn Jahren deutlich besser da stehen, als jemand, der in die USA investiert hat“, meint Arnott, der in diesem Zusammenhang zu Inflations-Hedges rät: Also reine Inflationslinker ebenso, wie die erwähnten High Yields, die über die Bande vor steigenden Teuerungsraten schützen. Ebenso im Mix, der eine positive Korrelation zu steigender Inflation ausweisen sollte: Rohstoffe und Immobilien. Im von ihm angeführten Drei-Säulen-Modell entspricht das der dritten Säule – die in strikter Abgrenzung zur ersten Säule der konventionellen Investments und zur zweiten Säule der herkömmlichen Bonds steht.

Der menschliche Faktor

Von den Faktoren her rät Arnott zu Value vs. Growth. „Hier haben wir einen neunjährigen Bärenmarkt hinter uns, der im Januar zu einem Ende gegangen sein dürfte“, derzeit aber noch billig ist. Diese Faktor-Bewertung sollte einen recht zuverlässigen Indikator für zukünftige Erträge darstellen. Warum dann nicht alle Investoren auf diesen Zug aufspringen? Bei der Beantwortung dieser Frage wird Arnott, der jüngst ein eigenes Faktor-Bewertungs-Tool online gestellt hat,  behavioristisch, nahezu philosophisch: „Weil alles, das billig ist, zuvor Schmerz verursacht hat. Das versuchen wir zu vermeiden und tappen stattdessen oft in die Falle, Trend-Chaser zu werden. Das ist zwar ein Fehler. Aber auch menschlich.“ (hw)

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