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Raghuram Rajan: Die Gefahren lauern im Schatten

Starreferent Raghuram Rajan legte auf dem Institutional Money Kongress 2018 eine optimistisch-kritische Analyse der Weltwirtschaft vor. Der Tenor: Erholung auf breiter Basis, Timing-Probleme in den USA und mögliche Gefahren, die trotz Hochkonjunktur bereits jetzt ihre Schatten werfen

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Früher IWF-Chefvolkswirt und Indiens Notenbank-Präsident, aktuell in Chicago lehrend: Top-Ökonom und Star-Referent auf dem IMK 2018, Raghuram Rajan.
© Institutional Money

Die gute Nachricht vorweg: Die Weltwirtschaft läuft auf Hochtouren. Und zwar in einem Maße, dass selbst kritisch-objektive Geister wie der indische Ökonom Raghuram Rajan zumindest kurzfristig kaum ernstzunehmende Gefahren für die globale Konjunktur orten. Im Rahmen seines Star-Vortrags am Eröffnungstag des Institutional Money Kongresses lieferte er eine Tour de Force über den Zustand der Welt ab.

Gut, aber verschwendet

Seiner Eigendefinition als „streitbar aber nicht streitsuchend“ wurde er gerecht, als er selbst für die Politik von US-Präsident Donald Trump ausgewogene Wort fand. Die Stimuli würden wirken und greifen – allein' über das Timing könnte man streiten. Denn eine Stimulus zu hochkonjunkturellen Zeiten wäre „eine Verschwendung“ und würde in Abschwung- oder Stagnationsphasen eindeutig stärkere Hebeleffekte erzielen. Tatsächlich Sorgen bereitet dem ehemaligen Präsidenten der indischen Notenbank, sowie Ex-Chefökonom des IWF die Kosten von Infrastuktur- und Steuerprogramm. Laut Rajan würde sich das in einem Defizit von sechs Prozent niederschlagen. „Für Friedenszeiten ist das ein gewaltiger Fehlbetrag. Das gilt umso mehr, als dieses Minus in einer Zeit der Hochkonjunktur zustande kommt“, so der Ökonom.

Bitte keine Dummheiten ...

Zwischen Bangen und Hoffen bewegt sich die Einschätzung zu seinem Heimatland und einem der wichtigsten Teile der Emerging Markets: Indien. Die überhastete Bargeldreform hat dazu geführt, dass es zu einem Schock gekommen sei, der die Konjunktur abgewürgt habe. Der Subkontinent könne ohne Probleme jährliche Wachstumsraten von sieben oder acht Prozent ausweisen, „wenn man nichts wirklich Dummes tut“, so Rajan. Würde man die notwendigen Infrastrukturprojekte vorantreiben, würden die Wachstumsraten schnell in den zweistelligen Bereich gehen. Zur Umsetzung brauche man aber nicht nur finanzielles, sondern vor allem auch politisches Kapital. Dieses würde wohl erst nach den nächsten Wahlen zur Verfügung stehen.

Der große Rivale, China zeige ebenfalls positive Tendenzen und stelle sein Wachstum nach und nach auf ein nachhaltiges Fundament. Sorgen bereiten ihm die aktuellen politischen Entwicklungen, die ein mittelfristiges Risiko darstellen könnten.

Überraschendes Europa

Positiv überrascht zeigte sich Rajan von Europa. Union und Eurozone seien enorm stark gewachsen. Er stimmt in den Tenor der Ökonomen ein, die ein Aufholen des Wirtschaftsraumes gegenüber den USA orten. Einen gefährlichen Anstieg der Inflation befürchtet er nicht. „Die Notenbanken haben gelernt, damit umzugehen. Inzwischen ist es leichter, Inflation einzudämmen, als sie zu erschaffen.“ Das bedeutet nicht, dass es zu keinem Anstieg der Teuerung kommt. Anstatt Hyperinflation ortet er aber nur „die Gefahr von Disruption.“ Insgesamt geht Rajan von einem stetigen Anstieg der Leitzinsen aus, wobei das volkswirtschaftliche Risiko eher darin besteht, dass die Notenbanken zu langsam als zu schnell anheben. Die Wahl in Italien werde so oder so „interessant sein“.

Risken und Schatten

Grosso modo ortet Rajan also einen Aufschwung, der auf einer breiten Basis steht, wenngleich es Risken gibt. Zum einen besteht die Gefahr eines Handelskrieges, ausgehend von den USA. Erste Anzeichen gibt es bereits, die Frage lautet, ob es zu „Vergeltungsschlägen durch die betroffenen Parteien kommt.“ Da solche Gegenmaßnahmen immer dort gesetzt werden, „wo sie den höchst möglichen politischen Schaden anrichten“, geht Rajan davon aus, dass eine mögliche Eskalation zunächst über den landwirtschaftlichen Sektor stattfinden würde.

Als großes Makro-Risiko identifiziert Rajan noch die aus seiner Sicht „wachsende globale Ungleichheit“, die wiederum Hand in Hand mit Populismus und den bereits erwähnten möglichen Handelskonflikten gehen könnten.

Gefragt nach immanenten Gefahren für die Weltwirtschaft, die einen neuen Lehman-Moment auslösen könnten, verweist Rajan neben Staatschulden und möglichen fehlerhaften Strategien an der Zinsfront vor allem auf Risken im Bereich der Schattenbanken. Das Risiko, das man früher bei den herkömmlichen Instituten gesehen habe, habe sich aufgrund regulatorischer Eingriffe in diesen Bereich verlagert. Von dort könnten also ähnliche Verwerfungen ausgehen, wie man sie 2007/2008 erlebt hat. (hw)

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