Nobelpreisträger Aghion: Europa muss KI-Anstrengungen verzehnfachen!
Philippe Aghion warnt vor einer dauerhaften technologischen Abhängigkeit Europas. Der renommierte Wachstumsökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger ist einer der Keynote Speaker beim Institutional Money Kongress 2027 in Frankfurt.

Eckpunkte:
- Ökonom Philippe Aghion fordert Europa auf, seine Anstrengungen zu intensivieren
- Benötigt werden mehr Wettbewerb, Forschung, qualifizierte Arbeitskräfte und Kapital für neue Unternehmen
- Institutionelle haben die Chance, Prof. Aghion live am Institutional Money Kongress zu erleben
Europa droht im Wettbewerb um künstliche Intelligenz den Anschluss zu verlieren. Davor warnt Philippe Aghion so eindringlich wie kaum ein anderer europäischer Ökonom. Der französische Wirtschaftsnobelpreisträger ist einer der Starreferenten am kommenden Institutional Money Kongress, der von 23. bis 24. Februar 2027 im Congress Center Messe Frankfurt stattfindet.
Schon Monate vor seinem mit Spannung erwarteten Kongressauftritt prägt Aghion die aktuelle Debatte: Erst am Montag (14.9.) legte eine Gruppe führender Ökonomen, ehemaliger Politiker und KI-Forscher eine Strategie für Europas Umgang mit transformativer künstlicher Intelligenz vor. Zu den Autoren gehören neben Aghion unter anderem die frühere EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager und "Wirtschaftsweisen"-Chefin Monika Schnitzer.
Der Ökonom der kreativen Zerstörung
Aghion und Peter Howitt teilten sich 2025 eine Hälfte des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften. Ausgezeichnet wurden beide für ihre Theorie des nachhaltigen Wachstums durch "kreative Zerstörung". Ihr Modell beschreibt, wie neue Technologien und bessere Produkte bestehende Angebote verdrängen und langfristiges Wachstum ermöglichen.
Innovation schafft demnach Fortschritt, produziert aber auch Gewinner und Verlierer. Damit dieser Prozess nicht stockt, benötigen Volkswirtschaften Wettbewerb, Forschung, qualifizierte Arbeitskräfte und Kapital für neue Unternehmen. Genau daran mangelt es Europa nach Ansicht Aghions zunehmend.
Europa als technologisches Dornröschen
In einem Interview mit "Bloomberg Television" bezeichnete Aghion Europa als eine Art "Dornröschen", das sich in den vergangenen 30 bis 40 Jahren zu sehr auf die USA und andere Teile der Welt verlassen habe. Der Kontinent habe nicht ausreichend in bahnbrechende Hochtechnologien und Verteidigung investiert.
Europa müsse wieder stärker auf die eigenen Fähigkeiten bauen und seinen technologischen Abstieg umkehren. Als Hindernisse nennt Aghion den unvollständigen Binnenmarkt und das Fehlen integrierter Kapitalmärkte. Start-ups benötigten mehr Risikokapital und Europa mehr institutionelle Investoren, um ein leistungsfähiges Innovationsökosystem zu schaffen.
KI-Anstrengungen verzehnfachen
Die neue "Transformative AI Strategy for Europe" verschärft diese Warnung. Ohne entschlossenes Handeln drohe Europa bei Wohlstand, Souveränität und Sicherheit von Entscheidungen ausländischer Unternehmen und Regierungen abhängig zu werden. Die Strategie umfasst mehr als 40 Empfehlungen, darunter der Ausbau europäischer Rechenkapazitäten, die Sicherung wichtiger Lieferketten und Vorkehrungen gegen KI-gestützte Cyberangriffe und andere Krisen.
Es stehe außer Frage, "dass KI den Verlauf unser aller Zukunft bestimmen wird", erklärt Aghion. Deshalb sei es "unerlässlich", dass die Europäische Union ihre Anstrengungen verzehnfacht. Während Washington und Peking die Technologie mit der nötigen Ernsthaftigkeit behandelten, schließe sich Europas Zeitfenster zum Handeln schnell.
Schlüsselfrage für Europas Kapitalmärkte
Beim Institutional Money Kongress 2027 trifft Aghions Forschung damit auf entscheidende Fragen für Wirtschaft und Kapitalmärkte: Was bedeutet es für Volkswirtschaften, die zwar mehr Wachstum wollen, gleichzeitig aber bestehende Strukturen, Unternehmen und Arbeitsplätze schützen möchten? Und wie viel Disruption muss man zulassen, damit tatsächlich Neues entstehen kann? (mb)/(aa)
Der Institutional Money Kongress 2027 findet am 23. und 24. Februar 2027 im Congress Center Messe Frankfurt statt. Die Veranstaltung richtet sich exklusiv an institutionelle Investoren.
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