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25. und 26. März 2020
RheinMain Congress Center
Wiesbaden
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Nächste Krise? Zumindest ein Jahr Galgenfrist

Globale Natixis-Umfrage unter global agierenden Institutionellen zeigen steigende Verschuldung der öffentlichen Haushalte und niedrige Wachstumsraten als potenzielles Hauptproblem. Eine veritable Krise wird vorerst nicht erwartet, dafü höhere Volatilität und der Zug Richtung Alternatives als Trend.

sturm feld
Investoren orten Krisenstürme am Horizont. Es bleibt aber noch Zeit, sich auf solche einzustellen.
© Ruslan Mitin / stock.adobe.com

Weltweit sehen institutionelle Investoren vor allem die steigende Verschuldung der öffentlichen Haushalte und niedrige Wachstumsraten als Problem. Dies zeigt eine aktuelle Befragung von Natixis Investment Managers unter 500 institutionellen Investoren in Europa, Nordamerika, Latein-Amerika, Asien und dem Nahen Osten. In Deutschland wurden 33 Großanleger befragt. Insgesamt verwalten alle Befragten eine Anlagevolumen von 15 Billionen US-Dollar.

Pessimismus & Schonfrist
89 Prozent der Befragten befürchten, dass die hohe öffentliche Verschuldung sich negativ auf die globalen Finanzmärkte auswirken werde. Vor diesem Hintergrund erwarten 83 Prozent eine weitere Finanzkrise innerhalb der nächsten fünf Jahre. Allerding gehen auf de anderen Seite 95 der Befragten davon aus, dass in den kommenden zwölf Monaten keine Krise auftreten wird.



Laut Natixis-Umfrage gehen 90 Prozent der befragen Investoren davon aus, dass es noch zumindest ein Jahr dauern wird, bevor es zu einer großen Krise kommt. Immerhin 32 Prozent glauben an eine Schonfrist von zumindest vier Jahren


Sebastian Römer, Leiter Natixis Investment Managers für das Geschäft in Zentral- und Osteuropa, meint dazu: “In den vergangenen zwölf Monaten sahen sich Investoren mit einer Vielzahl an makroökonomischen Herausforderungen konfrontiert, ohne dass dies die Wertentwicklung vieler Anlageklassen negativ beeinflusst hat. Viele haben bisher eine abwartende Haltung angenommen, schichten ihre Portfolios nun aber vorsichtig um”.

Anleger rechnen mit steigender Volatilität
Das weiterhin komplexe markoökonomische Umfeld ist nach Ansicht der Profianleger eine Quelle für erhöhte Volatilität. 52 Prozent gehen davon aus, dass die Volatilität an den Währungsmärkten im kommenden Jahr zunehmen wird. 77 Prozent erwarten dies mit Blick auf die Aktienmärkte, und 62 Prozent für die Anleihemärkte. Eine erhöhte Unsicherheit geht für Investoren auch vom globalen politischen Umfeld aus. 69 Prozent der befragten Großanleger sehen in der Beeinflussung von Wahlen durch das Ausland einen erheblichen Störfaktor. 64 Prozent erwarten im Rahmen des US-Wahlkampfs eine erhöhte Volatilität an den Märkten.

Insgesamt steht Volatilität als Risikofaktor ganz oben auf der Sorgenliste von institutionellen Investoren. 53 Prozent äußerten sich enstprechend. Mit 50 Prozent steht das anhaltende Niedrigzinsumfeld an zweiter Stelle, gefolgt von Sorgen über sich verschlechternde Kreditbedingungen mit 37 Prozent. Mangelnde Liquidität betrachten 35 Prozent als ein zentrales Risiko. 20 Prozent sorgen sich verstärkt um Deflation. 

Mögliche Chance für aktives Management
Angesichts steigender Volatilität und eines herausfordernden Zinsumfeldes erwartet fast die Hälfte der Befragten eine zunehmende Dispersion.Der daraus resultierende erhöhte Spread von Wertpapierpreisen könnte ein Grund dafür sein, dass institutionelle Investoren zu zwei Dritteln der Meinung sind, dass das aktuelle Marktumfeld aktives Management begünstige. 71 Prozent weisen daher in ihren Portfolios eine starke Gewichtung des aktiven Managementstils auf und gehen davon aus, das Verhältnis von 70 Prozent aktivem Management und 30 Prozent passivem Management auch in den kommenden drei Jahre beizubehalten.

ESG gewinnt an Bedeutung
64 Prozent der Großanleger gaben an, in der einen oder anderen Weise ESG-Strategien in ihrer Kapitalanlage zu berücksichtigen. 2017 lag die Zahl der Nichtanwender noch bei 40 Prozent. Überwiegend nutzen Investoren ESG-Strategien aus Renditegründen. 54 Prozent erkennen darin eine Chance, Alpha zu erzielen. 57 Prozent sehen in ESG-Strategien eine Möglichkeit, ihre Kapitalanlage mit ihren Unternehmenswerten in Einklang zu bringen. 37 Prozent nutzen ESG als Instrument der Risikominimierung.

Zug Richtung Alternatives
Mehr als die Hälfte geht für 2020 von einem steigenden Anteil negativer Renditen bei Anleihen aus. 54 Prozent sehen die Zentralbanken nicht in der Lage, eine neue Krise meistern zu können. Insgesamt sind sich die Investoren bewusst, auf der Suche nach auskömmlichen Renditen vermehrt Risiken eingehen zu müssen. Drei Viertel von ihnen glauben allerdings, dabei bisher zuviel Risiko genommen zu haben. Der Renditedruck hat Großanleger weltweit veranlasst, sich verstärkt dem privaten Kapitalmarkt zuzuwenden. Davon versprechen sie sich vor allem zwei Vorteile: 62 Prozent wollen damit die Diversifikation im Portfolio verbessern, 61 Prozent erwarten sich attraktivere Renditen. 79 Prozent setzen dabei auf Private Equity, und 76 Prozent auf Private Debt. Dazu Römer: “Nach einem Jahrzehnt niedriger Zinsen wenden sich institutionelle Investoren nun verstärkt alternativen Anlageklassen zu, um ihre langfristigen Renditeziele zu erreichen. Immerhin 68 Prozent sagten uns, dass sie die Chancen an den privaten Kapitalmärkten künftig dauerhaft nutzen wollen”. (hw)


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