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Klaus Regling: Streitbarer Schirmherr der Eurozone

Der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM hat schon mit Altkanzler Gerhard Schröder seine Kämpfe ausgefochten. Jetzt könnte Klaus Regling mit noch mehr Machtfülle ausgestattet werden. Doch es wäre nicht Regling, hätte er bei dieser Frage nicht seine ganz eigene Meinung – in milder Opposition zu Berlin.

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Bis hieher und nicht weiter – nicht nur in Sachen Griechenland stellt der Chef des Euro-Rettungsschirmes das Interesse der Gemeinschaft über das individueller Befindlichkeiten. Das hat Klaus Regling auch den einen oder anderen harten Konflickt mit seinem eigenen Heimatland eingetragen.
© Krisztian Bocsi / Bloomberg

Analogien zwischen Thomas Beckett und Klaus Regling können zwar gezogen werden, sind aber aufgrund der unterschiedlichen historischen Usancen am Ende dann doch nicht zu hundert Prozent zulässig. Was den mittelalterlichen, anglo-normannischen Priester und den EU-Topfunktionär verbindet, ist die Tatsache, dass beide von den zu ihrer Zeit mächtigsten Männern ihres Landes in ihre jeweiligen Positionen gebracht wurden.

Der eine wurde von einem mitunter zum Jähzorn neigenden Heinrich II. zum Erzbischof von Canterbury ernannt. Im zeitgeschichtlichen Fall war es der damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder – auch nicht wirklich für sein mildes Temperament verschrien – der Regling 2001 zum Generaldirektor für wirtschaftliche und finanzielle Angelegenheiten bei der Europäischen Kommission machte. Als Deutschland und Frankreich die Defizitgrenzen 2002 und 2003 überschritten hatten, leitete die EU-Kommission auf seine Initiative hin ein Defizitverfahren gegen Deutschland ein. Schröder war alles andere als amüsiert.

Wütender Opponent
Wer später die "Elefantenrunde" nach dem Wahlverlust der Kanzlerschaft im Fernsehen verfolgen sollte, hat seither ein Ahnung davon, wie sich das anfühlen könnte – einem wenig amüsierten Schröder gegenüber zu sitzen. Regling spürte das jedenfalls am eigenen Leib und wurde in Berlin zur "persona non grata" erklärt, wie das Handelsblatt später in einer Rückschau der Ereignisse schreiben sollte.

Mit einem Bann belegt wurde auch Becket, der in Folge lange Jahre in Paris verbrachte. Da soll es Schlimmeres geben. Ab hier enden die Gemeinsamkeiten auch. Denn während Regling später aufgrund der eingetretenen Ereignisse rund um die Eurozon nicht nur rehablitiert wurde sondern als Chef des Rettungsschirmes ESM zu einem der mächtigsten Männer der Währungsunion aufgestiegen ist, wurde Becket auf indirekten Geheiß von Heinrich II. der Schädel eingeschlagen.



Wie ist Klaus Regling mit schwierigen politischen Auseinandersetzungen umgegangen und was hat er eigentlich mit des Europäischen Stabilitätsmechanismus vor? Diese und andere Fragen wird der einflussreiche EU-Profi auf dem Institutional Money Kongress  im Rahmen seines Vortrages "Nächstes Ziel: Europäischer Währungsfonds", am 28. Februar 2018, von 16:30 - 17:20 im Großen Saal, beantworten. Für diese und andere hochkarätige Veranstaltungen können Sie sich hier, oder über eine der Schaltflächen anmelden.

 

 



Zupackender Entscheidungträger
Regling selbst gilt jedenfalls als zupackender Entscheidungsträger. In Brüssel schätzen Diplomaten Regling als Mann, der Schwierigkeiten zügig aus dem Weg räumt. Herausforderungen begegnet er sachlich, Lösungen geht er sehr struk­turiert an.
Der Verfechter einer nachhaltigen Finanzpolitik entspricht dabe nahezu klischeehaft dem Typus eines Hanseaten: 1950 in Lübeck als Sohn eines Tischlermeisters geboren, zog er später für die SPD in den Bundestag. Klaus ­Regling selbst ist parteilos, nachgesagt wird ihm jedoch, dass er der CDU nahesteht. Er studierte Volkswirtschaft in Regensburg und Hamburg. 35 Jahre lang sammelte er Erfahrung im öffentlichen und privaten Sektor. Unter anderem war er beim IWF und beim Bundesfinanzministerium tätig.

In Brüssel war der ausgewiesene Wirtschafts- und Finanzfachmann von 2001 bis 2008 Generaldirektor für wirtschaft­liche und finanzielle Angelegenheiten der Europäischen Kommission und einer der Hauptverantwortlichen für den Euro. ­Regling ist bis heute außerdem stellvertretender Gouverneur für die EU bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Vorstandsmitglied der Europäischen ­In­ves­­­titionsbank.

Bestätigung
Im Februar 2017 haben die Euro-Finanzminister Regling einstimmig für fünf weitere Jahre im Amt bestätigt. „Ich bin ­glücklich, als Chef des ESM weiterzumachen“, sagte der sonst eher nüchterne Volkswirt nach seiner Wiederernennung. Vom Nutzen des Rettungsschirms ist der Mann an seiner Spitze voll und ganz überzeugt. „Man kann guten Gewissens sagen, dass ohne den ESM einige Mitgliedsstaaten gezwungen gewesen wären, die Eurozone zu verlassen“, erklärt er ohne Umschweife. Immerhin: Von den fünf Ländern, die bislang Hilfen aus dem Schutzschirm und von dessen Vorgänger EFSF in Anspruch genommen haben, stehen vier wieder auf ­eigenen Beinen. Dies zeigt für den Herrn des Rettungsschirms ganz eindeutig, „dass unser Ansatz ,Geld gegen Reformen‘ tatsächlich funktioniert.“

Bald mehr Macht?
In Zukunft könnte Reglings Portfolio noch stärker erweitert werden. Denn vor allem Deutschland dringt auf eine bedeutendere Rolle des ESM. Demnach soll dieser zu einem Europäischen Währungsfonds ausgebaut werden, der auch zur Überwachung der Finanzpolitik von Regierungen dient. Aus Deutschland kommt zudem der Vorschlag, einen Umschuldungs-Mechanismus für Euroländer einzuführen, die finanziell in Schwierigkeiten geraten und den ESM um Hilfen bitten.

Dazu sagte Regling, für solche Fälle ein geordneteres, transparenteres Verfahren zu haben, sei zwar ein gutes Ziel. Er sprach sich aber gegen einen automatischen Mechanismus aus, da dieser die Krise verschärfen könnte. „Sobald das Gerücht umgeht, dass ein Land zum ESM gehen könnte, würde jeder versuchen, sein Geld abzuziehen“, erläuterte der  ESM-Chef. Einmal mehr steht er in Oppostion zum offiziellen Berlin. Geschadet hat ihm das bislang nicht. (hw)

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