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Kehrtwende: Blackrock verlegt deutsche ETFs doch nicht nach Irland

Blackrock verwaltet von München aus gut 46 Milliarden Euro in deutschen Indexfonds. Eigentlich sollten diese ETFs auf die irische iShares-Plattform umsiedeln, um Größenvorteile zu nutzen. Doch nach heftiger Kritik von Vertriebspartnern und Investoren rudert der Anbieter nun zurück.

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© pixssell / stock.adobe.com

Der Fondsanbieter Blackrock ist von seinem Plan abgerückt, seine in Deutschland aufgelegten ETFs der Marke iShares nach Irland zu transferieren. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die vor wenigen Tagen auf der Website des Unternehmens veröffentlicht wurde.

Eigentlich hatte Blackrock vor, 54 deutsche Indexfonds, die Ende vergangenen Jahres in Summe 46,1 Milliarden Euro verwalteten, auf die irische ETF-Produktpalette zu verschmelzen . Argumentiert wurde insbesondere mit Größenvorteilen, die sich aus einer Zusammenlegung der beiden Plattformen ergeben würden. Der Schritt hätte wohl auch das Aus der Münchner Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) von Blackrock bedeutet, denn ohne eigene Fonds wäre diese rechtliche Hülle obsolet geworden.

"operationelle Bedenken"
Im aktuellen Schreiben verweist Blackrock nun auf Ergebnisse aus einem "Dialog mit unseren Geschäftspartnern, Kunden und Aufsichtsbehörden". Die Größenvorteile seien durchaus anerkannt worden, doch es habe auch Rückmeldungen über unerwünschte Auswirkungen gegeben. "Es wurden insbesondere operationelle Bedenken hinsichtlich der Kundenplattformen und mögliche steuerliche Auswirkungen angeführt", heißt es in der Anlegerinformation. "Im Ergebnis haben wir festgestellt, dass es im besten Interesse unserer Kunden und Geschäftspartner ist, die in Deutschland domizilierte ETF-Palette beizubehalten."

"Ein konkretes Problem, das uns genannt wurde, war die Umstellung der ETF-Sparpläne", sagte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage. "Viele Vertriebspartner hätten die Verträge gemeinsam mit ihren Kunden manuell von der deutschen auf die irische ISIN umändern müssen, was einen großen Aufwand bedeutet hätte." Eine Rolle spielte wohl auch der drohende Verlust des Steuervorteils, den Privatanleger genossen, die schon vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 in deutsche iShares-ETFs investiert hatten.

"Es war uns wichtig, alle Kunden gleichzeitig zu informieren"
Von außen betrachtet wirkt die Kehrtwende sehr überraschend. Warum diskutierte Blackrock nicht vor Bekanntgabe der Umzugspläne mit wichtigen Vertriebspartnern? Diese hätten den Fondsanbieter sicherlich frühzeitig über die Nachteile eines solchen Schrittes unterrichtet. "Es war uns wichtig, alle Kunden gleichzeitig zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, mit uns in den Dialog zu treten", so der Sprecher. "Deshalb haben wir uns dagegen entschieden, die geplante Verlegung nur mit ausgewählten Vertriebspartnern zu besprechen und die anderen dann vor vollendete Tatsachen zu stellen."

Für den deutschen Fondsmarkt ist Blackrocks Rücktritt von den Umzugsplänen eine gute Nachricht. Die Statistik des Branchenverbands BVI beziffert das Volumen der in Deutschland aufgelegten Wertpapierpublikumsfonds auf knapp 500 Milliarden Euro – gemessen daran machen die Münchner iShares-ETFs fast zehn Prozent aus. Durch den Umzug nach Irland wäre also auf einen Schlag ein relevanter Teil des deutschen Fondsmarktes verschwunden. (bm)

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