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25. und 26. März 2020
RheinMain Congress Center
Wiesbaden
Friedrich-Ebert-Allee 1

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Jeremy Rifkin:"Die Sonne schickt keine Rechnung"

Der umtriebige US-Amerikaner hielt einen als Vortrag getarnten, leidenschaftlichen Appell zur Rettung der Erde. Demnach könnte die Investment-Community einen gewaltigen Beitrag zur Rettung des Weltklimas leisten – und würde davon letzten Ende auch finanziell profitieren.

Jeremy Rifkin Institutional Money Kongress
Jeremy Rifkin war auf der Bühne nicht zu halten und hielt einen mit Verve gehaltenen Vortrag zu der von ihm propagierten 3. industriellen Revolution.
© Hemmerich / Institutional Money

Wenn der Autor/Soziologe/Ökonom/Aktivist Jeremy Rifkin einmal in Schwung ist, kann er im Vortragssaal durchaus als Naturgewalt auftreten. Seine Thesen sind dabei nicht unumstritten – was seine Ansätze aber wahrscheinlich umso interessanter macht. Mainstream kann schließlich jeder.

Als einer der Starredner auf dem 12. Institutional Money Kongress, bereitete Rifkin den Boden für seinen Vortrag jedenfalls mit ein paar Zahlen auf, die im Publikum das eine oder andere Vorurteil beseitigen sollten – allen voran jenes, wonach es der Weltbevölkerung drastisch besser geht, als das vor ein-, zweihundert Jahren der Fall war. "50 Prozent geht es sicher deutlich besser, keine Frage", räumt Rifkin ein. "Aber 40 Prozent geht es, wenn überhaupt, kaum besser. Der Rest lebt von weniger als einem Dollar pro Tag." Ziehe man nun noch in Betracht, "dass den sieben reichsten Menschen der Welt das selbe  Vermögen zu Verfügung steht, wie den ärmsten 50 Prozent der Bevölkerung, also 3,5 Milliarden Menschen, dann ist klar: Das ist dysfunktional."

Ebenso wenig Fortschritt wurden laut Rifkin in der Produktivität der vergangenen 50 Jahre erzielt. "Wir haben einen Deckel von maximal 20 Prozent erreicht. Mehr ist mit den traditionellen Mitteln der zweiten industriellen Revolution nicht zu erreichen." Als solche definiert Rifkin die Erfindungen und Entwicklungen die von 1904 und 1929 in den USA stattgefunden haben. Also: Telefon, Fabriksarbeit etc.

Warnschuss Finanzkrise
Das Problem dieser Revolution: Gewaltige "stranded costs, die eine weitere Verbesserung von Produktivität und Wohlstand verunmöglichen, gleichzeitig aber unsere Umwelt zerstören." Zwar sei die von Rifkin ausgerufene, digitale dritte industrielle Revolution inzwischen auf dem Weg – die Umstellung erfolge aber zu langsam. Die nach wie vor vorhanden Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sei viel zu stark und habe Ausmaße angenommen, die zu katastrophalen Auswirkungen führen könnten. Als Paradebeispiel und Warnschuss nannte er die Große Finanzkrise. Diese sei laut Rifkin in Wirklichkeit auf einen Wirtschaftskollaps zurückzuführen. "Erinnern sie sich daran, wie der Ölpreis immer weiter gestiegen ist? Er erreichte 2018 einen Barrrel-Preis von 150 US-Dollar. Kurz danach kam die Finanzkrise. Glauben Sie, das war ein Zufall? Sicher nicht. Die Wirtschaft hatte einen Kolbenreiber erlitten, weil sie diesen Ölpreis nicht mehr tragen konnte. Die Finanzkrise war eine direkte Konsequenz", so Rifkin.

Energie frei Haus
Ergo bleibt den Investoren gar nichts anderes übrig, als in grüne Energien und Technologien zu investieren – nicht nur nur aus ökologischen Gründen, sondern eben auch, um zukünftige ökonomische Verwerfungen so gut wie möglich einzudämmen.

Ein zweites Argument für Öko-Investments seien die Kosten, die traditionelle Investments de facto in sich tragen – und letztendlich vom Investor in Form fallender Kurse mitgetragen werden. "Die Ölindustrie ist die teuerste die es gibt. Öl zu fördern ist mit gewaltigem Aufwand verbunden." Und im Gegensatz zu nachhaltigen Energieträgern werden die damit verbundenen Kosten nicht mehr substanziell sinken. "Nehmen Sie im Vergleich dazu Solarenergie: Die war am Anfang auch extrem teuer. Zugeben. Wir reden von 78 US-Dollar pro Solarwatt. Aber inzwischen sind wir bei 40 US-Cent pro Solarwatt angekommen! Und wissen Sie, warum das funktioniert? Die Sonne schickt keine Rechnungen."

Sogenannte "stranded assets" sind aus Rifkins Sicht also "kein gutes Investment" und nachdem die Sonne wahrscheinlich auch die nächsten paar Jahrzehnte frei Haus liefert, sollte sich an dieser Einschätzung wohl auch nicht allzu bald etwas ändern. (hw)

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