Deutsche Infrastruktur-Investoren mit negativem Home Bias!
Deutsche institutionelle Investoren haben bei Infrastruktur-Investments einen negativen Home Bias: Die meisten investieren mehr im Ausland. André Pfleger, Karen Armenakyan und Pascal Scheeff von LBBW AM berichteten auf dem Institutional Money Kongress über die Gründe und über TransnetBW.

Eckpunkte:
- Negativer Home Bias von deutschen Investoren
- Rund 720 Milliarden Euro an Investitionen für resiliente Infrastruktur
- Neues vom Südwest-Konsortium an TransnetBW
Deutsche institutionelle Anleger investieren in gerne in Infrastruktur – nur liegen ihre Assets meist im Ausland. Die meisten Investoren wählten hier paneuropäische oder globale Ansätze. In dem Workshop „Zwischen Stabilität und Wandel – Chancen der Energiewende“ auf dem 17. Institutional Money Kongress zeigten André Pfleger, Karen Armenakyan und Pascal Scheeff von LBBW Asset Management Chancen und Wege auf, diesen negativen Home Bias ins Positive zu drehen.
Deutsche Investments im Bereich Infrastruktur führten eher noch ein Schatten-Dasein, so Pascal-Stephan Scheeff, Senior Produktmanager Transformationsfinanzierung Private Markets. Umso verwunderlicher sei es, dass unter den deutschen Investoren rund 80 Prozent in Infrastruktur investierten, aber nur 20 Prozent in deutsche Infrastruktur.
Mangelndes Angebot und Kleinteiligkeit der Projekte
Gründe für die mangelnde Präsenz der Investoren bei deutschen Infrastruktur-Assets liegen Karen Armenakyan, Vorsitzender der Geschäftsführung von LBBW Asset Management, zufolge in der geringen Zahl der Projekte im Vergleich mit internationalen Märkten, also einem knappen Angebot auf der einen Seite und einer oftmals noch verbreiteten Skepsis der Investoren gegenüber Privatkapital, verglichen mit beispielweise Ländern wie den USA, wo Investoren einen deutlich stärkeren Anteil an Private-Market-Investments hielten.
André Pfleger, Head of Transformationsfinanzierung bei LBBW Asset Management, zufolge liegen die Gründe vielfach auch einerseits in der „Kleinteiligkeit der Projekte“, die im Bereich der Kommunalen Energieversorgung einen Kapitalbedarf von in der Regel 50, 100 oder 200 Millionen Euro aufwiesen. „Das sind immer noch beträchtliche Beträge. Damit sind die Stadtwerke in der Finanzierung immer auch auf der Suche nach Eigenkapital“, so Pfleger. Die Haushaltslage vieler Kommunen sei prekär – „selbst in Baden-Württemberg“, so Pfleger. Investoren, deren Fokus bisher stark auf Renewables gelegen hätte, bekämen hier auch die Möglichkeit, in bisherige Closed-Shop-Themen zu investieren.
720 Milliarden Euro für resiliente Energieversorgung
Um die Energieinfrastruktur in Deutschland resilienter zu gestalten und die Ziele der Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, müsse sich die Stromproduktion im gleichen Zeitraum in etwa verdoppeln, führte Pascal Scheeff aus. „Wir benötigen enorme Investitionen.“ Die finanzielle Dimension dieser Elektrifizierung seien rund 720 Milliarden Euro an Investitionsbedarf: „Allein für Deutschland sprechen wir von 721 Milliarden Euro an Investitionen, die in den nächsten zehn Jahren notwendig sind, um dieses Projekt umsetzen zu können.“ Davon circa 300 Milliarden Euro seien Eigenkapital. Eigenkapital sei „extrem wichtig“, da nur mit Eigenkapital auf der Bilanz weitere Fremdfinanzierungen für zum Beispiel Stadtwerke möglich seien.
Investment-KG als Plattform
Derzeit arbeite die LBBW Asset-Management an der Etablierung einer Plattform für Investments in unterschiedliche Asset-Klassen zur Finanzierung kommunaler Investitionsvorhaben. Das Universum soll neben klassischen Renewables wie Wind und Photovoltaik auch Anlageklassen wie Batteriespeicher, Wärmeerzeugungsanlagen, Verkehrsinfrastruktur und Breitband umfassen. Man habe man sich beim Vehikel für die klassische Investment-KG entschieden, bekannt aus dem Immobilienbereich. „Wir haben uns deswegen dafür entschieden, das als Plattform zu betiteln, weil diese Struktur die Möglichkeit gibt, über verschiedene Teilgesellschaftsvermögen verschiedene Investment- und Anlagestrategien mit eben auch verschiedenen Risiko-Rendite-Profilen umzusetzen“, so André Pfleger.
Südwest-Konsortium mit etwas über 60 Investoren
Auch hatten die Referenten Neuigkeiten mitgebracht zur Finanzierung des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW. Im Mai 2023 hatte das Südwest-Konsortium den Zuschlag zum Erwerb von 24,95 Prozent der TransnetBW-Anteile unter der Führung der SV Versicherung erhalten. Seitdem werde institutionellen Investoren die Möglichkeit geboten, über zwei geschlossene Investmentvermögen mittelbar vom Erfolg der TransnetBW zu profitieren. Derzeit seien etwas über 60 deutsche institutionelle Anleger im Konsortium investiert, 52 Prozent aus dem Bereich der Sparkassen, aber auch Versicherungen, vorzugsweise aus Baden-Württemberg, Versorgungswerke, Family Offices und auch kirchliche Investoren. Das Fondsvolumen betrug per Februar 2026 etwa 1,3 Milliarden Euro. Die LBBW Asset Management sei mittlerweile in der dritten Fundraising-Runde, so Scheeff. Alle Anleger hätten einen langfristigen Anlagehorizont. Man richte sich im Fundraising aktuell zusätzlich zum Fokus auf Deutschland auch an Investoren aus Österreich und der Schweiz. (de)


