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INSTITUTIONAL MONEY KONGRESS 2017


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Carmen Reinhart über Schulden, Zinsen und neue Krisenherde

Die einflussreiche Kapitalmarkt- und Crash-Forscherin von der Harvard University warnte am 10. Institutional Money Kongress gleich vor mehreren Gefahrenquellen, die institutionelle Investoren derzeit zu wenig eingepreist hätten.

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Harvard-Professorin Carmen Reinhart hielt am 10. Institutional Money Kongress einen interessanten Vortrag und erklärte u.a., wie der Staat aus der Schuldenfallen kommen kann. Die berühmte Buchautorin zeigte einige Grafiken und Charts, die viele Investoren so vielleicht noch nie sahen. Die interessantesten Grafiken haben wir in einer Bilderstrecke für Sie zusammengestellt ->
 
© Bloomberg

Harvard-Professorin Carmen Reinhart skizzierte in „Debt, Interest Rate and Monetary Policy: A Global Sketch“ am Jubiläumskongress von „Institutional Money“ die derzeitige Situation an den Finanzmärkten unter dem besonderem Aspekt der Verschuldung. Sie erläuterte, warum die wirtschaftliche Erholung dieses Mal besonders lange braucht, die Zinssätze extrem niedrig sind und welche Risiken institutionelle Investoren unbedingt am Radarbildschirm haben sollten, um nicht am falschen Fuß erwischt zu werden. 

Schleichende Erholung

„Die wirtschaftliche Erholung nach der Finanzkrise erfolgte in den meisten Ländern nur sehr langsam“, erklärte Reinhart. Von elf wirtschaftlich hoch entwickelten Ländern hätten Ende 2014 lediglich Deutschland und die USA ihr Vorkrisenniveau gemessen am BIP/Kopf übertroffen. 2015 folgten Länder wie Irland, Island und Großbritannien, während beispielsweise Italien und insbesondere Griechenland gerade daran arbeiten würden, einen unrühmlichen Rekord hinsichtlich einer sehr langen Durststrecke nach einer systemischen Krise zu erzielen. Seit Krisenanfang 2007/08 würden viele Länder selbst im zehnten Jahr nach Krisenausbruch alte Wohlstandsniveaus noch nicht erreicht haben. „Diese Erholung ist selbst im Vergleich zu den historisch schweren Krisen der Vergangenheit sehr träge“, erklärte Reinhart.

Schuld daran sei laut Reinhart die ursprünglich von Ex-US-Finanzminister Larry Summers ins Spiel gebrachte „säkulare Stagnation“. Bei dieser würde trotz niedrigster Zinsen nur wenig in neue Güter investiert, da die Rückzahlung bestehender Schulden priorisiert werde. Damit eröffnete Reinhart das nächste Kapitel ihres Vortrages, das die Hintergründe zu den Niedrigstzinsen beleuchtete.

Lower for Longer: Niedrige Zinsen haben mehrere Gründe

Einmal sorgen die hohen Sparguthaben einer alternden Bevölkerung für Anlagedruck, dazu kommt die säkulare Stagnation und insbesondere die finanzielle Repression. Mit diesem „Folterwerkzeug“ wollen Staaten ihre Schulden peu à peu zu Lasten der Sparer reduzieren. „Im Grunde ist das ein Vermögenstransfer von Sparern zu Schuldnern“, konstatierte die Professorin und zeigte auf, mit welchen zusätzlichen Methoden der Staat seiner Schuldenquote gemessen am BIP reduzieren kann: Hohe Wachstum, Sparen, Defaults, sehr hohe Inflation oder eine langjährig verabreichte „Dosis“ an finanzieller Repression in Kombination mit höheren Inflationsraten, die im Idealfall durch eine expansive Geldpolitik ausgelöst wird.

Wenn der Staat die Rendite vorgibt

Reinhart wies darauf hin, dass „Quantitative Easing“ eigentlich nicht nach der Finanzkrise, sondern bereits Jahre davor begann: Denn viele ausländische Zentralbanken und Staatsfonds, insbesondere aus Asien, hätten ihre aus dem Export erzielten Gelder in US-Treasuries investiert. Damit sei der „öffentliche Sektor“ zu einem bedeutenden Player am Sekundärmarkt für Staatsanleihen aufgestiegen. Vor dem Hintergrund, dass mittlerweile fast die Hälfte aller US-Treausuries vom öffentlichen Sektor gehalten wird, stellt sich laut Reinhart auch die Frage, in wie weit der Zinssatz noch auf einem „freien“ Markt bestimmt wird... (siehe die Grafik in der Bilderstrecke oben)

Der Staat respektive seine „unabhängigen“ Notenbanken haben aber schon die nächste Anlageklasse entdeckt, um aktiv zu werden. So kauft die Bank of Japan über ETFs japanische Aktien, um Kurse zu stützen und Inflation anzukurbeln.

Unberechenbarkeit als Markenzeichen

Vielleicht scheinen die jahrelangen Markteingriffe zu wirken: Erstmals seit vielen Jahren sollen 2017 in keinem großen Land deflationäre Tendenzen vorherrschen. Wahrscheinlich ist dies aber dem wieder gestiegenem Ölpreis geschuldet sowie dem neuen Optimismus, den Donald Trump entfacht hat.

Für Reinhart scheint Trump ein Quell an Unsicherheit zu sein, die professionelle Investoren bislang zu wenig in den Marktpreisen berücksichtigt hätten. Sie erwähnte, dass sie vor einigen Tagen in Mexiko war und mit Experten sprach. Da in Mexiko dieses Jahr Wahlen anstehen, würden diverse heimische Politiker zwecks Stimmungsmaximierung den von Trump hingeworfenen Fehdehandschuh aufgreifen und ihrerseits protektionistische Maßnahmen gegen die USA fordern. Eine solche Eskalation könnte von den Märkten irgendwann eingepreist werden…

Target2-Problematik

Probleme respektive ernsthafte Gefahren ortet Reinhart in der Eurozone, in der steigende Target2-Salden von Italien aber auch Spanien eine Kapitalflucht in Richtung Norden, insbesondere Deutschland, anzeigen.

Chinas Zentralbank steht derzeit vor dem Dilemma, dass diese einerseits eine eigenständige Geldpolitik verfolgen möchte, um insbesondere als „Lender of Last Resort“ agieren zu können, andererseits aber auch das Währungspaar Yuan/US-Dollar kontrollieren will. Da dieser Spagat nur in den wenigsten Fällen gelingt, wird China laut Reinhart im Zweifel bei der Währung Flexibilität zeigen müssen. (aa)

 

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