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25. und 26. März 2020
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bAV-Einrichtungen: An diesen Stellen drückt der Schuh

Die Geldfluten der Zentralbanken bringen über niedrige Zinsen Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) unter Druck. Pensionskassen – und fonds kommen aber auch von anderen Fronten unter Zugzwang.

Pascal Blanqué, Group Chief Investment Officer bei Amundi
Pascal Blanqué, Amundi
© Magali Delporte

Zu viel von einer Sache ist niemals gut. Das gilt sogar für jene Gelder, die durch die diversen Quantitative Easing-Maßnahmen der Zentralbanken nach den Krisenjahren bereitgestellt wurden. Als Maßnahme in Krisenzeiten war das Quantitative Easing erfolgreich. Doch die unerwünschten Nebenwirkungen schwächen die finanzielle Tragfähigkeit von bAV-Einrichtungen, so ein aktueller Bericht von CREATE-Research und Amundi.

Dem Bericht liegt eine Befragung von 153 bAV-Einrichtungen mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 1,88 Billionen Euro und von 38 Pensionsfondsberatern mit einem betreuten Vermögen von insgesamt 1,4 Billionen Euro zugrunde. Er zeigt auf, wie sich QE-Programme bislang auf bAV-Einrichtungen ausgewirkt haben und wie die Fonds ihre Strategien neu ausrichten wollen, wenn die Lockerungsmaßnahmen der Zentralbanken in die nächste Runde gehen. Die akkommodierende Geldpolitik habe aus Sicht der Umfrageteilnehmer eine Phase anhaltend niedriger Renditen, stark gestiegener Vermögenspreise und nicht tragbarer Defizite geschaffen. Die Vorsorgeeinrichtungen passen sich laut Umfrage diesem radikal neuen finanziellen Umfeld an und ändern ihre Anlagestrategien und Geschäftsmodelle.

Zentralbanken retteten das System
Es besteht laut der von Amundi-Umfrage kein Zweifel, dass die expansive Geldpolitik viel erreicht hat. Zwei Drittel, nämlich 67 Prozent, der Befragten stimmen überein, dass die Maßnahmen die Finanzmärkte nach dem Lehman-Zusammenbruch stabilisiert hätten. 58 Prozent geben an, sie habe dazu beigetragen, die Renditen riskanter Anlagen zu steigern. Mittlerweile gäbe es jedoch deutliche Bedenken, dass die Schritte in allen Regionen, in denen sie seit der Krise eingesetzt werden, an Wirkung einbüßen. Mit den Worten eines Umfrageteilnehmers: „Die Probleme in Europa und Japan sind struktureller Natur. QE kann sie nicht lösen. Es ist lediglich eine Betäubung vor der Operation.“

Die überwiegende Mehrheit der Befragten – fast 80 Prozent – ist der Meinung, die quantitative Lockerung habe die globale Verschuldung kontinuierlich weiter in die Höhe getrieben und den Boden für die nächste Krise bereitet. Zwei Drittel der Befragten sind sich einig, dass QE durch Nullzinsen die Erfüllung von Pensionsverbindlichkeiten erschwert. Die Hälfte der Befragten gibt zudem an, dass Regierungen die Zentralbankmaßnahmen als Vorwand nutzen, um wachstumsfreundliche fiskalpolitische Reformen auszusetzen oder aufzuschieben. 

Projektleiter Professor Amin Rajan von CREATE-Research kommentiert: „Quantitative Easing büßt zunehmend an Wirksamkeit ein und hat die Finanzen der bAV-Einrichtungen untergraben. Investoren haben QE aber schon so sehr verinnerlicht, dass ein Abschied ohne größere Marktvolatilität schwierig werden dürfte.“

Pascal Blanqué, Group Chief Investment Officer bei Amundi, hebt hervor: „Das Auslaufen von Quantitative Easing stellt bAV-Einrichtungen vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Steigende Volatilität und fallende Märkte machen Liquiditätsmanagement und Kapitalerhalt zu zentralen Aufgaben für bAV-Einrichtungen."

Kapitalerhalt steht an erster Stelle
Die bAV-Einrichtungen fürchten, die nächste Rezession mit einer schwächeren finanziellen Aufstellung als je zuvor meistern zu müssen. Derzeit hat gerade einmal ein Drittel von ihnen einen positiven Cashflow, während 40 Prozent einen negativen Cashflow aufweisen. Dementsprechend sinkt die Risikobereitschaft, und Kapitalerhalt steht ganz oben auf der Agenda.  

bAV-Einrichtungen sehen drei Optionen, einen größeren Verlust ihrer Portfolios in fallenden Märkten zu vermeiden. Fast neun von zehn Befragten möchten ihre Asset Allocation und das Fälligkeitsprofil ihrer Pensionsverpflichtungen besser aufeinander abstimmen. 62 Prozent setzen auf Liquiditätsmanagement, und 37 Prozent auf Durations-Management, wobei der Schwerpunkt auf unterbewerteten Vermögenswerten entlang der Zinskurve liegt. 

Tanzen, solange die Musik noch spielt…
Mit 58 Prozent setzt die Mehrheit der Befragten auf Aktien, solange die lockere Zinspolitik fortgesetzt wird. Während sich Pensionsfonds infolge der Altersstruktur ihrer Mitglieder immer weiter in Richtung negativer Cashflows bewegen, bieten Aktien eine defensive Geldanlage mit guten Dividenden und immer noch vernünftiger Gesamtrendite. Ganz oben in der Gunst stehen globale Aktien, US- und europäische Aktien sowie Aktien aus Schwellenländern. 

Bei der periodischen Neuausrichtung der Portfolios stehen nicht-börsengehandelte Assets im Vordergrund, die nicht korrelierte absolute Returns liefern sollen. An der Spitze stehen Infrastrukturinvestments mit 51 Prozent, Immobilien mit 46 Prozent, alternative Credits mit 44 Prozent und Private Equity mit 42 Prozent. Dabei sind die überdurchschnittlichen Renditen in jüngster Zeit allerdings nur ein Faktor. Der andere ist, dass ihrer Bewertungen vom Marktgeschehen abgekoppelt sind, was die Portfolios vor Volatilität schützt. Ein Umfrageteilnehmer dazu: „Infrastruktur und Immobilien sind ein guter Ersatz für Anleihen.“ Das Risiko-Rendite-Verhältnis festverzinslicher Anlagen wird angesichts der zusammengelaufenen Kreditkurve und der engeren Spreads allgemein als zu riskant empfunden. bAV-Einrichtungen setzen auf Schwellenländer, um von deren langfristiger Wachstumsdynamik zu profitieren. Innerhalb dieser Anlageklasse werden Aktien mir 38 Prozent bevorzugt, gefolgt von Staatsanleihen mit 36 Prozent und Unternehmensanleihen im Investment Grade mit 33 Prozent. 

Kostenbewusstsein stärkt passive Fonds
Während die Märkte verzerrt bleiben, unternehmen bAV-Einrichtungen die notwendigen Schritte, um vergangene Fehler bei Gestaltung und Umsetzung ihrer Portfolien zu begradigen, die erst im Nachhinein erkennbar werden. Zwei Drittel der Befragten stufen Kostenreduktion als eine der wichtigsten Quellen für Outperformance ein. Sie erhöhen den Anteil passiver Fonds in ihrem Kernportfolio und verhandeln mit aktiven Fonds niedrigere Gebühren.

Nachdem die quantitative Lockerung einen großen Teil bisher geltender Kapitalmarktzusammenhänge ausgehebelt hat, müssen die Gremien der Vorsorgeeinrichtungen weitreichende Entscheidungen ohne ihren traditionellen Kompass treffen. Daher gehen 59 Prozent der Befragten davon aus, dass die Portfoliorendite maßgeblich von einer starken Investment-Expertise in den Gremien der bAV-Einrichtungen beeinflusst wird, 53 Prozent von Güte und Größe des Fachkräfte-Talent-Pools und 44 Prozent von einer wirksamen Governance-Struktur. (aa)



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