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Adair Turner: Ein Lord-Ökonom von teuflischem Intellekt

Der Ökonom, der bei Helikoptergeld nicht nach dem "ob", sondern dem "wie viel" fragt, steckt nicht nur in der Theorie fest, sondern befand sich als Chairman der Financial Services Authority auch im Auge des Krisen-Orkans. Er steht zudem für kontroversielle Thesen und mitreißende Diskussionen.

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The Lord Turner of Ecchinswell steckt mit dem Teufel im Bund – zumindest wenn es um seinen fachlich-literarischen Ansatz geht. Auf dem 10. INSTITUTIONAL MONEY KONGRESS wird der britische Starökonom einen Vortrag unter dem Arbeitstitel "Zwischen Schulden, Teufel und Erlösung" halten und unter Garantie die eine oder andere kontroversielle These vertreten.

Die korrekte Anrede lautet: Baron Turner of Ecchinswell. Ecchinswell, County Hampshire, weil der hinter dem Titel steckende Ökonom Adair Turner dort ein Cottage besitzt. Damit ist schon einiges gesagt – denn eine Lordschaft erhält man im Vereinigten Königreich nicht für zweitklassige Leistungen –, die eine oder andere Frage bleibt aber offen.

Verzichtet man auf die einfache Lösung, sich an Turner chronologisch abzuarbeiten und versucht stattdessen, sich ein wenig an die Person heranzutasten, fällt zunächst auf, mit welcher Eloquenz der britische Ökonom schwierige komplexe Sachverhalte erklärt.

Dass dieses Talent von einer gehörigen Portion intellektueller Feuerkraft begleitet wird, wird klar, wenn man Podiumsdiskussionen besucht hat, die mit anderen Starökonomen wie etwas Joseph Stiglitz besetzt waren. Argumentiert Turner, sitzt Stiglitz dann schon mal kontinuierich nickend daneben, während er sich eifrig auf einem mitgebrachten Zettel Notizent macht. Nicht um gegenzuargumentieren, sondern beizupflichten. Hierbei handelt es sich um ein Szenario, dass man ansonsten nicht allzu oft zu sehen bekommt, neigen akademisch brilliante Geister, die dem Rampenlicht nicht abgeneigt sind, doch ab und an auch dazu, gerne selbst auf Kosten gesinnungsgleicher Ökonomen glänzen zu wollen – vorausgesetzt, der Anwesende lässt das argumentatorisch zu. Gerade die intellektuelle Durchschlagskraft des Lords aus Ecchinswell hat uns dazu veranlasst, Adair Turner zu einem Vortrag unter dem Arbeitstitel "Zwischen Schulden, Teufel und Erlösung" einzuladen.

Die Helikopter-Armada

Was nicht bedeutet, dass jedermann Turners Thesen unterschreibt. Denn der Baron ist vehementer Befürworter des Helikoptergeldes – für Volkswirte der alten Schule ein Tabu. Die Notenbank, so seine Forderung, soll den Staat direkt finanzieren. Anders würde es nicht gelingen, die Industriestaaten aus ihrer Misere zu befreien.

Turner hat es geschafft, dass seine provokanten Thesen nicht mehr nur in den vermeintlich dunklen Ecken der Ökonomie diskutiert werden. 2015 beispielsweise trug er seine Ideen auf der angesehenen Forschungskonferenz des Internationalen Währungsfonds vor – als Vertreter des Institute for New Economic Thinking. Für diese Denkfabrik, die von Hedgefondslegende George Soros finanziert wird, schrieb er auch ein viel beachtetes Buch zum Thema: „Between Debt and the Devil: Money, Credit, and Fixing Global Finance“. Inzwischen mehren sich die Stimmen insbesondere angelsächsischer Ökonomen, die Turners Thesen zustimmen.


Der Teufel steckt also nicht nur im Detail, sondern auch im Titel des fantastischen Sachbuchs "Between Debt and the Devil: Money, Credit, and Fixing Global Finance" von Lord Adair Turner. Für den 10. INSTITUTIONAL MONEY KONGRESS am 21. und 22. Februar in Frankfurt konnten wir den brillanten Ökonom und Rhetoriker für einen Vortrag unter dem Arbeitstitel "Zwischen Schulden, Teufel und Erlösung" gewinnen und freuen uns auf die angriffige Verteidigung seiner ebenso fundierten wie umstrittenen Thesen.

 


Problematische Schulden

Die Entstehung der jüngsten Finanzkrise führt Turner auf den erheblichen Ausbau der privaten Verschuldung zurück. Die Bankkredite dienten allerdings nicht der Finanzierung produktiver Investitionen, sondern flossen zu einem großen Teil in Immobilien, was die Preise nach oben trieb. In den zwei Dekaden vor der Finanzkrise wuchs die Wirtschaft in den Industrienationen im Schnitt um nominal vier Prozent, die private Verschuldung aber um zehn bis 15 Prozent. Das konnte nicht ewig gutgehen – es kam zum bekannten Kollaps. Doch die Gesamtschulden sanken nicht, sie wurden nur von den Privathaushalten auf die Staaten verlagert. So wurde das Finanzsystem gerettet – und die Staatsverschuldung zum Problem.

Die Strukturreformen, die traditionelle Ökonomen fordern, reichen aus Turners Sicht nicht aus um diese Situation zu lösen. Seiner Meinung nach leidet die Weltwirtschaft an einem grundlegenden Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage. Wegen der enormen Staatsschulden sei es nicht möglich, das dringend benötigte Wachstum mit traditioneller Konjunkturpolitik zu erreichen. Um die Nachfrage in einer Welt hoher Schulden garantiert zu erhöhen, gebe es vielmehr nur einen Weg: Die Notenbank muss den Staaten zusätzliches Geld leihen.

Schwierige Zeiten

Seine kontroversen Thesen sind wahrscheinlich nicht zuletzt der Tatsache geschuldet,  dass Turner ausgerechnet zum Höhepunkt der Finanzkrise den Vorsitz der britischen Financial Services Authority (FSA) antrat. In dieser Position musste er verteidigen, wieso die Behörde weder den Finanzkollaps noch die Risken bei HBOS erkannt hatte, als sie ihre Zustimmung zum Merger mit Lloyds gab. Ein Jahr später, 2009, sprach er sich dezidiert für die Tobin-Steuer aus. Für viele ein weiteres rotes Tuch.

Bleiben am Ende also Tobin, der Teufel, Helikopter-Geld und ein Baron aus Ecchinswell ... und ein Vortrag in Frankfurt, den man wohl besucht haben muss ...  (hw)


Das wichtigste Branchenevent für institutionelle Investoren feiert Jubiläum: Am 21. und 22. Februar 2017 geht in Frankfurt der 10. INSTITUTIONAL MONEY KONGRESS über die Bühne! Um diesem Jubiläum auch den gebührenden Rahmen zu verleihen, erwartet die Kongressteilnehmer in diesem Jahr ein Programm, das wirklich keine Wünsche offen lassen sollte. Den Schwerpunkt bilden wie gewohnt über 80 Workshops mit herausragenden Fondsmanagern und die übergeordneten Vorträge internationaler Finanzexperten. Hören Sie den Präsidenten der EZB a.D., Jean-Claude Trichet, den Exekutivdirektor der Nobelstiftung, Lars Heikensten, die Makroökonomin Carmen Reinhart, den Pionier des Fundamental Indexing, Robert Arnott, und den britischen Topökonomen Lord Adair Turner.

 


 

 

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