Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023
D ie Welt befindet sich im Wandel, was aus der Sicht professioneller Investoren vor allem heißt, dass ihr Job nicht einfacher wird. Ein Ausweg, den immer mehr Großanleger gehen, führt raus aus den regulierten Märkten. Allein das Fehlen von täglichen Bör- senkursen erscheint wohl manchem Akteur als angenehmer Kontrast zum permanenten Kursstress der Börsen. Da die bisherigen Erfahrungen suggerieren, dass man in den Seg- menten Private Equity und Private Debt auch noch eine attraktive Illiquiditätsprämie erwarten darf, macht diesen – nach Angaben der Aufsichtsbehörde IOSCO – fast 13 Bil- lionen US-Dollar schweren Markt für Akteure mit entspre- chend langen Anlagehorizonten noch attraktiver. Wie sehr die Popularität von Private-Market-Investments über die letz- ten eineinhalb Dekaden hinweg zugenommen hat, vermit- telt ein Blick auf die Kursverläufe von Aktien wie KKR oder Blackstone, denen der Boom nach 2009 spektakuläre Kurs- gewinne bescherte. US-Statistiken zeigen, dass heute bereits sieben Prozent der US-Arbeitnehmer in Unternehmen ar- beiten, die PE-Investoren gehören (Vergleichswert Europa: 4,3%). Auch die Aufsichtsbehörden beobachten die PE- Begeisterung mit zunehmender Skepsis. Wie die „Financial Times“ jüngst berichtete, kommentierte IOSCO-Chef Jean- Paul Servais Gespräche, die seine Behörde im Rahmen der Untersuchung mit Marktteilnehmern führte, so: „Es gibt ein gewisses Maß an Nervosität, aber, offen gesagt, auch ein wenig zu viel Vertrauen, dass alles gut gehen wird.“Behörden wie die in Madrid ansässige International Organization of Securities Commissions, aber auch die US-Finanzmarktauf- sicht SEC machen sich verstärkt Sorgen, dass sich in den wenig transparenten Märkten jenseits der regulierten Börsen systemrelevante Risiken aufbauen könnten. Vor allem die deutlich höheren Zinsen und eine allfällig bevorstehende Rezession in den USA und in Europa stellen in hoch gehe- belten Privatmarktsegmenten eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Aktuell kündigt sich ein Tauziehen zwischen der SEC und einigen PE-Unternehmen an, die Anfang Sep- tember eine Klage gegen die jüngste Regulierung mit der Bezeichnung „Private Fund Advisor Rule“eingebracht haben. Das Gesetz soll Transparenz beziehungsweise Kostentranspa- renz und Kontrolle im Anlegerinteresse – auch durch Dritte – erhöhen, behindert die Fonds ihrer Ansicht nach aber auf unzulässige Weise bei ihren Investitionen. Es sind solche Auseinandersetzungen, die signalisieren, dass hier eine neue Ära für ein bisher wenig beachtetes Marktsegment begin- nen könnte. Und diese neue Phase wird es den Privatmarkt- akteuren nicht leichter machen, Geld zu verdienen. Bereits in den letzten Jahren zeigen einschlägige Analysen, dass die in den zwei Jahrzehnten bis 2010 erzielten massiven Über- renditen von Private-Equity-Fonds längst nicht mehr zu haben sind. Hinzu kommt, dass auch die Ausstiege aus den Engagements schwieriger werden, erkennbar daran, dass sich PE-Fonds teilweise gegenseitig Beteiligungen abkaufen be- ziehungsweise diese sogar innerhalb eigener Fonds umge- schichtet werden. Auch die „Cashreserven“ in Gestalt zuge- sagter, aber noch nicht abgerufener Anlegergelder haben sich laut Bain &Company in den letzten 20 Jahren von 500 Milliarden auf fast 3,5 Billionen US-Dollar erhöht. All das heißt natürlich nicht, dass man die unregulierten Märkte meiden muss, aber was die kritische Analyse betrifft, muss man wohl einen Gang höher schalten. Wir laden Sie schon heute ein, sich für den kommenden Institutional Money Kongress anzumelden, auf dem Sie dieses und viele andere spannende Themen im Kollegenkreis mit Topexperten diskutieren können. Gerhard Führing und Mamdouh El-Morsi Gerhard Führing Mamdouh El-Morsi Ende der fetten Jahre? BRIEF DER HERAUSGEBER 4 N o . 3/2023 | institutional-money.com
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