Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023
Nachweis erbringen können, wie wir diesen Anspruch erfüllen. Vermutlich wird es nie eine einheitliche Ansicht darüber geben,was nachhaltig ist, aber es muss klar sein,was der einzelne Marktteilnehmer darunter versteht, und zwar auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette“, meint Tan. Die Thematik sei schwierig, weil es nicht den einen Blick auf das Thema Nachhaltigkeit gibt. „Mit Nachhaltigkeit versucht man ganz unterschiedliche Dinge zu erreichen: von einer besseren Governance über die Transition bis hin zur Förde- rung erneuerbarer Energiequellen. Es gibt ja auch nicht die eine Taxonomie, sondern sehr viele unterschiedliche Taxo- nomien. Beispielsweise formuliert Großbritannien gerade eine Nachhaltigkeits-Taxonomie, die sich von der EU-Taxo- nomie unterscheidet“, weist Tan auf die Vielschichtigkeit hin. Wie anspruchsvoll sind die Ziele? Selbst dort, wo in Sachen Nachhaltigkeit bereits vieles regu- liert ist, gibt es noch Dinge, die Interpretationsspielräume lassen: „Nehmen Sie das Beispiel von Sustainability-Linked Bonds. Die sind weitgehend reguliert und werden von Anlegern verstanden. Trotzdem ist es für uns als Investor schwierig zu erkennen, ob die Key Performance Indicators (KPIs) tatsächlich anspruchsvoll sind und ob sie Additiona- lität bringen oder ob der jeweilige KPI auch ohne die Emis- sion dieses Bonds erreicht worden wäre“, so Tan. Dieser verbleibenden Unsicherheit bei Green Bonds ent- gegnet man bei Franklin Templeton, indem man viel Zeit in die Forschung investiert und bei der Entwicklung neuer Produkte sehr gewissenhaft vorgeht. „Wir gehen nicht bis an die Grenzen und reizen keine Quoten aus. Zumal sich das Verständnis, was unter Grün zu verstehen ist, auch regional unterscheidet und wir ja international aktiv sind“, erklärt David Zahn. Er ist Head of European Fixed Income und Head of Sustainable Investing bei Franklin Templeton. „Mit unserem konservativen Ansatz reduzieren wir das Risiko, des Greenwashings bezichtigt zu werden. Immerhin mussten wir im Bond-Bereich keinen unserer Artikel-9-Fonds zurück- stufen.“ Was die Fondsnamen betrifft, versucht man bei Franklin Templeton zu vermeiden, Begriffe wie ESG, PAB oder Nach- haltigkeit in die Fondsnamen der Fixed-Income-Produkte aufzunehmen. „Lediglich bei unserem Green Bond und unserem Social Bond Fund haben wir Nachhaltigkeits- begriffe im Namen. Bei beiden Fonds haben wir uns eine Mindestquote von 75 Prozent für die entsprechend gelabel- ten Bonds gesetzt. Aber auch damit gehen wir konservativ um. Aktuell liegen wir eher bei 90 Prozent“, erklärt Zahn. Hinzu kommt, dass es auch Unternehmen gibt, die zwar viel für die Energiewende tun, aber ihre Bonds nicht grün labeln lassen. „Beispiele dafür sind die Deutsche Bahn oder das dänische Windenergieunternehmen Ørsted. Die von uns festgelegte Mindestquote von 75 Prozent bezieht sich aber auf die als grün oder sozial gelabelten Bonds. Daher haben wir hier ebenfalls noch Luft“, erklärt Zahn. Um bei den Daten auf der sicheren Seite zu sein, baut Franklin Templeton derzeit eine eigene Nachhaltigkeits- datenbank auf. Das ist ein erheblicher Aufwand, aber Zahn sieht auch einen deutlichen Mehraufwand auf Seiten der Investoren. „Die Investoren versuchen, die jeweiligen Nach- haltigkeitsprozesse und -metriken der Asset Manager zu ver- stehen. Das erhöht den Aufwand und die Dauer der Due- Diligence-Prozesse bei den Investoren“, beobachtet Zahn. Schließlich käme die Nachhaltigkeits-Due-Diligence zur Finanz-Due-Diligence hinzu. Nicht unnötig schwer machen Auch wenn Daten und Definitionen mit der Zeit präziser werden, bleibt ein gutes Stück Unsicherheit. Daher kann Greenwashing nicht nur absichtlich, sondern auch unab- sichtlich begangen werden. Tan wünscht sich eines: „Nur die absichtliche Falschdarstellung sollte als Greenwashing definiert und geahndet werden. Die unabsichtliche Falsch- darstellung basiert nämlich auf der unterschiedlichen Defi- nition dessen, was als nachhaltig anzusehen ist, und das können Sie als Marktteilnehmer nicht kontrollieren.“ Ver- schiedene Stakeholder werden vermutlich immer unter- schiedliche Sichtweisen haben, beispielsweise ob Ausschlüsse oder Engagement der bessere Ansatz ist oder was genau die Transition fördert. „Schließlich haben alle, die sich imNach- haltigkeitsbereich engagieren, das eine große Ziel: die Tran- sition zu ermöglichen. Dabei sollte man es den Marktteil- nehmern nicht unnötig schwer machen. Jeder Schritt zählt doch“, spricht sich Tan für einen weniger aufgeladenen Umgang mit dem Thema aus. ANKE DEMBOWSKI Anders als andere Mandatsabweichungen Irreführendes Marketing ist immer ein Fehltritt. Aber im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit scheint es eine besondere Bewandtnis zu haben. Immerhin gibt es das Wort Greenwashing, aber keine entsprechenden Begriffe in anderen Bereichen, etwa für „Value Washing“, „Growth Washing“ oder „Technology Washing“. Was macht den Nachhaltigkeitsbereich anders? „Das ist schwer zu sagen. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen beim Thema Nach- haltigkeit besonders leidenschaftlich sind“, meint David Zahn von Franklin Templeton. Jenn-Hui Tan von Fidelity International hat eine weitere Idee: „Ich glaube, das hat damit zu tun, dass man durch nachhaltige Investments die Richtung des Kapitalmarktes ver- ändern möchte, so dass insgesamt weniger schädliche Aktivitäten stattfinden. Daher schädigt Greenwashing nicht nur das individuelle Finanzprodukt, sondern es beschädigt ein viel breiteres öffentliches Interesse, nämlich den Wunsch, nachhaltig mit dem Planeten Erde umzugehen.“ 258 N o . 3/2023 | institutional-money.com STEUER & RECHT | Greenwashing FOTO: © CHARLES STURGE » Mit unserem konservativen Ansatz reduzieren wir das Risiko, des Greenwashings bezichtigt zu werden. « David Zahn, Head of European Fixed Income und Head of Sustainable Investing bei Franklin Templeton Wichtig ist, ein ein- heitliches Erwar- tungsmanagement hinsichtlich der ver- schiedenen Begriffe zu ermöglichen.
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