Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023
B ei schokoladigen Süßigkeiten für Kinder wird gern mit Werbeversprechen wie „das Beste aus der Milch“ oder der „Extraportion Milch“ geworben. Letztlich landen aus der Milch womöglich aber eher Milch- zucker und Fett in den Süßigkeiten, die Kindern so schmecken, und es braucht NGOs wie Foodwatch, um allzu vollmundige Werbesprüche mit Gesundheitsargumenten in die Schranken zu weisen. Leitlinienentwurf zu Fondsnamen Offenbar ist das mit nachhaltigen Kapitalanlagen ähnlich. In einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem nach Möglichkeit alles „nachhaltig“ oder „grün“ sein soll, ist die Gefahr gege- ben, dass diese Begriffe imMarketing stärker hervorgehoben werden, als es der Wirklichkeit entspricht. Nun möchte die EuropäischeWertpapier- undMarktaufsichtsbehörde (ESMA) einschreiten. Wenn Nachhaltigkeit draufsteht, muss auch nachhaltig investiert werden – das fordert die ESMA für UCITS und AIFs und will entsprechende Leitlinien zu Fondsnamen veröffentlichen („Guidelines on funds’ names using ESG or sustainability-related terms“). Darin sollen auch Schwellenwerte für einen Mindestanteil an nachhalti- gen Investments im Portfolio festgelegt werden. Konsultationsperiode verstrichen Bisher liegt aber lediglich ein Papier vor, das vom 18. No- vember 2022 bis zum 20. Februar 2023 zur Konsultation stand. Darin schreibt die ESMA: „Nachhaltigkeitsangaben können das Risiko von Greenwashing bergen. Dies ist ins- besondere dann relevant, wenn Fonds Begriffe wie ,grün‘ oder ,sozial nachhaltig‘ in ihrem Namen tragen, ohne dass ausreichende Nachhaltigkeitsstandards, die diesem Namen entsprechen, erfüllt sind.“ Aus den Eingaben der Marktteil- nehmer will die ESMA aufsichtliche Maßnahmen ableiten. Die „Leitlinien zu ESG, Fondsnamen und Greenwashing“ der ESMA wurden für das zweite oder dritte Quartal oder 2023 erwartet, aber noch sind sie nicht veröffentlicht. Der Markt wartet dringend auf Klarstellung. „Wenn Greenwashing-Anschuldigungen fallen, hat das sehr weitreichende Konsequenzen für die Betroffenen, ins- besondere was deren Reputation betrifft. Daher ist es im- mens wichtig, Greenwashing klar zu definieren“, erklärt Jenn-Hui Tan, Chief Sustainability Officer bei Fidelity Inter- national. „Wir haben uns bei der Konsultation eingebracht und unseren Input geliefert. Hoffentlich kommen die fina- len Leitlinien bald raus“, erklärt Tan.Derzeit müsse man sich mit den allgemeinen Anforderungen nach fairen, klaren und nicht irreführenden Werbeaussagen („fair, clear and not misleading“) begnügen. Uneinheitliche Daten Das größte Risiko resultiert aus seiner Sicht aus den mangel- haften und uneinheitlichen Nachhaltigkeitsdaten. „Wir kön- nen schließlich nur die Daten verwenden, die es gibt, um nachhaltige Portfolios zusammenzustellen“, meint Tan. Es gebe zwar die Taxonomie, die Offenlegungsverordnung und die CSRD. „Aber trotz all dieser Regulierungen existieren immer noch erhebliche Datenlücken“, bemängelt er. Angela Wiebeck, Chief Sustainability Officer (CSO) bei Aquila Capital, sieht das ähnlich: „Um einen Fonds im Sin- ne der Regulierung als nachhaltig zu vermarkten, braucht es viele Daten. Für einen Artikel-9-Fonds sind pro Investment etwa 35 Datenpunkte notwendig. Bei 50 Holdings sind das für einen Fonds 1.750 Datenpunkte, und das betrifft ledig- lich die Nachhaltigkeitsaspekte.“Es seien nicht nur der posi- tive Beitrag, sondern unter anderem auch die „Do no signi- ficant harm“-Kriterien mit Daten zu belegen. „Wir haben bei Aquila Capital für das Datenmanagement ein eigenes Pro- Die ESMA möchte Greenwashing eindämmen. Dazu hat sie ihre Sustainable Finance Roadmap 2022–2024 ausgerollt. Die „Leitlinien zu ESG, Fondsnamen und Greenwashing“ werden demnächst erwartet und sollen die Subjektivität in diesem Bereich beenden. Klarere Vorgaben 254 N o . 3/2023 | institutional-money.com STEUER & RECHT | Greenwashing FOTO: © RON YUE Greenwashing zu definieren ist offen- bar schwieriger, als es sich anhört. » Die Konsequenzen eines Greenwashing- Vorwurfs sind weitreichend. « Jenn-Hui Tan, Chief Sustainability Officer bei Fidelity International
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