Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023
S anierungen finden derzeit immer auch unter dem Gesichtspunkt einer verbesserten Energieeffizienz statt. Dabei ist das Spannungsfeld zwischen Wirt- schaftlichkeit und sozialer Verantwortung zu lösen. Plattenbausanierung Mittlerweile gibt es Investoren, die sich auf Bestandssanie- rungen spezialisieren. Einer davon ist die SIM-Gruppe in Jena, deren Tätigkeitsfeld von Projektentwicklung über Neu- bau und Sanierung bis hin zumManagement von komple- xen Wohnungsbeständen reicht. „Wir verwalten momentan knapp 10.000 Wohneinheiten, hauptsächlich in den neuen Bundesländern außerhalb der großen Metropolen“, erklärt Benjamin Spieler, Gründer und Geschäftsführer der SIM- Gruppe.Den Anteil der Gebäude mit Energieeffizienzklasse G und darunter schätzt er auf 10 bis 20 Prozent. Bisher in- vestierte die SIM-Gruppe aufs eigene Buch. „Wir stellen uns gerade neu auf und erweitern unser Team. In Zukunft wol- len wir auch Immobilien-Spezialfonds auflegen und treten jetzt schon als Asset Manager auf.Wir sind die Experten bei der Investmentstrategie, und beimNachhaltigkeitsteil arbei- ten wir mit Magnolia zusammen“, erklärt Spieler. Er sieht in der Sanierung von Plattenbauten besondere Vorzüge: „Dort haben wir keine Nachbarhäuser, die gestützt werden müssten, und es gibt auch keine Holzbalkendecken, die Probleme mit dem Brandschutz bereiten. Meistens fin- den wir dort beliebte, zeitgemäße Grundrisse vor, sodass wir Sanierungen seriell planen können“, sagt Spieler. Auch wenn Plattenbauten ein wenig geliebtes Kind sind, böten sie tech- nisch beste Voraussetzung für Sanierungen und ein günsti- ges Kosten-Nutzen-Verhältnis. „Einen unsanierten Plattenbau zu sanieren kostet uns etwa 900 bis 1.400 Euro pro Quadrat- meter. Dass es dort meistens Platz auf demGrundstück gibt, erleichtert die Arbeiten“, erklärt Spieler. „Bei einem klas- sischen Altbau liegen die Sanierungskosten deutlich höher, denn dort gibt es Themen wie Brandschutz und statische Anforderungen. Meistens steht dort gleich rechts und links das nächste Haus, mit dem Sie sich vielleicht die Gie- belwand teilen. Das kann zu immensen Aufwendungen führen.“ ImWiedernutzbarmachen von Bestandsimmobilien sieht er einen hohen Nachhaltigkeitsaspekt. „Aus ökologischen Gesichtspunkten ist eine Sanierung immer lohnenswerter als Abriss und Neubau. Die Immobilie ist schon einmal gebaut. Wenn wir sie sanieren und dadurch weiter nutzen können, stellen wir Wohnraum, den wir in Deutschland dringend benötigen, wieder zur Verfügung.“ Noch Luft außerhalb der Metropollagen Seiner Meinung nach ist die Sanierung auch aus Investoren- sicht sinnvoll. „Man muss überlegen, was mit dem Immo- bilienwert passiert, wenn man es nicht tut. Vielleicht sitzen Sie sonst auf einem Stranded Asset – das sind enorme Opportunitätskosten!“ Außerdem geht er davon aus, dass es bei Immobilien abseits der Metropolen zu einer Veränderung der Mietpreise kommen wird, was dann die Entscheidung zu sanieren leichter macht. „Die Mieten liegen dort oft nur bei fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter. Wenn wir saniert haben, ist das für uns nicht rentabel“, so Spieler. Für einen Plattenbau in Berlin würden aber jetzt schon 12 bis 13 Euro gezahlt. „Eine Krankenschwester oder ein Polizist verdient in Berlin aber nicht das Zwei- bis Dreifache wie in Zwickau“, so seine Überlegung. Spielers Kalkulation beruht darauf, dass die Die energetische Sanierung von Gebäuden wird gefordert, ist aber nicht immer einfach. Praktiker berichten, wie sie die Gebäudeertüchtigung angehen und welche Faktoren sie dabei berücksichtigen. Geschichten aus der Praxis 240 N o . 3/2023 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Nachhaltige Immobilien: Praxisfälle FOTO: © ANNA SCHROLL Die Sanierung von Plattenbauten lässt sich seriell planen. » Käufer suchen Objekte, die den energeti- schen Ansprüchen genügen, oder sie wollen einen deutlichen Preisabschlag sehen. « Benjamin Spieler, Gründer und Geschäftsführer der SIM-Gruppe in Jena
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