Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023

A usgelöst durch die Zinswende hat der Gewerbe- immobilienmarkt 2023 einen historischen Ein- bruch erlebt. Immobilien werden aber auch wei- terhin fester Bestandteil der institutionellen Kapitalanlage sein. Investoren investieren jedoch künftig selektiver“, skiz- ziert Dieter Seitz, Geschäftsführer von LHI Capital Manage- ment, das aktuelle Stimmungsbild am heimischen Gewer- beimmobilienmarkt im Gespräch mit Institutional Money. Der Druck auf die Gewerbeimmobilienpreise – Schätzun- gen gehen gesamthaft betrachtet von einem durchschnitt- lichen Rückgang im niedrigen zweistelligen Prozentpunkt- bereich vom Top aus – war begleitet von einem massiven Rückgang des Transaktionsvolumens. Das hatte mehrere Auswirkungen: negative – wie inzwischen auch positive. Transaktionsvolumen halbiert Der Immobilienberater und Makler Colliers kommt bei- spielsweise bei deutschen Gewerbeimmobilien für das erste Halbjahr 2023 auf ein Transaktionsvolumen von 10,1 Milli- arden Euro. Trotz aller Stabilisierungstendenzen ist das viel weniger als der Zehnjahresdurchschnitt für das erste Halb- jahr, der mit 22,8 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch ist.Mitbewerber Savills errechnete ein Transaktionsvolumen von 9,6 Milliarden Euro. Das ist um etwa zwei Drittel weni- ger als im selben Zeitraum des Vorjahres und zugleich der niedrigste Umsatz eines ersten Halbjahres seit 2012. Dieser Rückgang bei den Transaktionen erschwerte oder verunmöglichte Investoren nicht nur einen erwünschten Verkauf, sondern beeinträchtigte auch die Preisfeststellung und damit eine marktkonforme Bewertung der im Portfolio gehaltenen Immobilien. Das betraf zur Überraschung vieler Marktakteure nicht nur die als riskant und damit verhältnis- mäßig illiquide eingeschätzten Immobilien wie „Value Add“ und „opportunistisch“ (Opportunity), sondern auch das sta- bile „Core“-Segment, bei dem davon ausgegangen wurde, dieses aufgrund der hohen Qualität jederzeit ohne (größere) Abschläge zum gewünschten hohen Verkaufspreis veräu- ßern zu können. Denn gerade dieses Qualitätssegment, das im Verhältnis zum eingesetzten Kapital relativ niedrige Miet- erträge bringt und damit implizit eine hohe „Duration“hat, wurde von den stärker als erwartet ausfallenden Zinserhö- hungen der EZB am falschen Fuß erwischt. Das führte zwi- schenzeitlich dazu, dass Eigentümer ihre Verkaufsangebote vom Markt zurückzogen, während die Käuferseite ange- sichts des höheren Zinsniveaus und der damit einhergehen- Steigende Zinsen setzten nicht nur Aktien und Anleihen, sondern auch die Preise vieler Immobilien unter Druck. Angesichts eines möglichen Endes bei den Zinser- höhungen sollten die Chancen auf eine Bodenbildung am Immobilienmarkt steigen. Stochern im Nebel Transaktionsvolumen Die Immobilienumsätze sind zurückgegangen. Höhere Zinsen in Verbindung mit wirtschaftlicher Unsicherheit haben dafür gesorgt, dass in Deutschland die Transaktionsvolumina bei Immobilien seit Herbst 2022 stark zurück- gegangen sind. Das gilt insbesondere für das Segment Wohnen und auch für Büroimmo- bilien. Relativ stabil hielten sich Einzelhandel sowie Industrie und Logistik. Quelle: Savills 0 20 40 60 80 100 120 Juli 23 Juli 22 Juli 21 Juli 20 Juli 19 Juli 18 Juli 17 Juli 16 Juli 15 Juli 14 Sonstige Wohnen Einzelhandel Büro Industrie/Logistik Mrd. EUR 226 N o . 3/2023 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Immobilien FOTO: © BERND BRUNDERT » Der Preisnebel ist noch nicht verschwun- den, hat sich aber deutlich gelichtet. « Matthias Pink, Head of Research Germany bei Savills

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