Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023

E twas mehr als eine Million Mitglieder betreuen die berufsständischen Versorgungseinrichtungen in Deutschland, und zusammen verwalten sie ein Ka- pital von zirka 250 Milliarden Euro. Während für viele Ver- sicherungsunternehmen seit 1. Januar 2016 die Anlagever- ordnung obsolet wurde und Solvency II gilt, wenden die Versorgungswerke – genauso wie die kleineren Versiche- rungsunternehmen – nach wie vor die Anlageverordnung an, und die Aufsicht liegt bei den Finanzministerien der Länder. Einer der Aufseher ist Dr. Ulf Steenken,Ministerial- rat und Referatsleiter für Versicherungsaufsicht im Ministe- rium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW). Die übliche Frage nach den drei Wünschen, die man hat, vermag er kaum zu beantworten. „Wenn ich Wünsche hätte, würde das ja heißen, dass ich unzufrieden bin. Aber so, wie es läuft, bin ich sehr zufrieden: Ich habe ein super Team im Ministerium, und wir pflegen einen vertrauensvollen Aus- tausch mit den Versorgungswerken. Manchmal wird der auch kontrovers geführt, aber das gehört dazu“, sagt Steenken. „Ich arbeite außerdem in einem Bereich im Ministerium, der viele Gestaltungsspielräume zulässt; das ist toll. Meine Vorgesetzten unterstützen mich.Mein Team und ich haben Freude an der Arbeit.“Wo hört man so etwas noch in der Verwaltung? Ach ja, doch, da wäre noch ein Wunsch: „Manchmal würde ich mir mehr Ruhe bei den Rahmen- bedingungen wünschen, damit man Zeit hat, die Dinge mal länger zu überlegen.“ Lob von den beaufsichtigten Einheiten Offenbar beruht diese Zufriedenheit auf Gegenseitigkeit, denn auch die Einheiten, die Steenken beaufsichtigt, sind voll des Lobes: „Wir sind mit unserer Aufsicht äußerst zufrieden und pflegen mit ihr einen aktiven Austausch. Dr. Steenken ist sehr bemüht, auch in schwierigen Zeiten nach Lösungen zu suchen – gemeinsam mit den Versorgungs- werken“, sagt beispielsweise Dirck Smolka, Vorsitzender des Verwaltungsrats beim Versorgungswerk der Zahnärzte- kammer Nordrhein (VZN) in Düsseldorf, im Interviewmit Institutional Money dieses Jahr im Februar. Im Juni gewann Steenken einen Vordenker-Award: 62 Prozent der Stimmen entfielen beim diesjährigen Leserpreis Dr. Ulf Steenken ist Referatsleiter für Versicherungsaufsicht im Ministerium der Finanzen von Nordrhein-Westfalen, wo er für die Aufsicht über berufsständischen Versorgungsein- richtungen und kleinere Versicherungsunternehmen verantwortlich ist. Gestaltungsspielräume genutzt Dr. Ulf Steenken frei assoziierend zu … … Pflichtversicherung für Freiberufler: „Die Versorgungswerke gewähren ihren Mitgliedern eine sichere und selbst- bestimmte Altersversorgung. Das ist wichtig zur Vermeidung von Altersarmut. Bei den Versorgungswerken handelt es sich um funktionierende und kapital- gedeckte Systeme. Sie haben sich in den vergangenen Jahren und Jahr- zehnten bewährt.“ … Risikobehaftete Anlagen in der Alters- vorsorge: „Gehören dazu. In den ver- gangenen Jahren hat man gelernt, dass jede Anlage mit Risiken verbunden ist. Die jeweiligen Risiken sind zu identifi- zieren und zu überwachen. Außerdem sollten die Risiken angemessen verzinst sein“ … Arbeiten bis ins hohe Alter bei Frei- beruflern: „Ist eine Entscheidung, die Freiberufler grundsätzlich selbst treffen sollten. Für ihre Versorgungswerke soll- ten die jeweiligen Berufsstände dann auch die für sie passenden Regelungen treffen. Wir achten als Aufsicht bei Sat- zungsänderungen darauf, dass die Belange der Mitglieder gewahrt bleiben.“ … Langlebigkeit: „Ist grundsätzlich eine schöne Perspektive.“ … Nachhaltig investieren: „Ist zeitgemäß.“ … Nachhaltigkeits-Ratings: „Es würde die Arbeit aller Beteiligten sehr erleichtern, wenn sich jetzt im nächsten Schritt einheitliche und allseits akzeptierte Standards herausbilden. … Vertrauen: „Ist Voraussetzung für jede Zusammenarbeit und ein wertvolles Gut, das man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollte.“ … Bitcoin und Co: „Sind mit vielen Risiken behaftet.“ 220 N o . 3/2023 | institutional-money.com PORTRÄT | Dr. Ulf Steenken | Ministerium der Finanzen Nordrhein-Westfalen » Nachhaltigkeit ist ein Thema, das man nicht ausblenden kann. Auch IT-Risiken oder die Notwendigkeit zum Risiko- management können nerven. Aber nichts zu tun hilft ja auch nicht! « Dr. Ulf Steenken, Referatsleiter für Versicherungsaufsicht im Ministerium der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen

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