Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023

O bwohl Gold in Portfolios aus Risikogesichtspunk- ten aufgrund seiner günstigen Korrelationseigen- schaften und insbesondere in seiner Funktion als „sicherer Hafen“ berücksichtigt werden sollte, stellt es über- zeugte Nachhaltigkeitsinvestoren vor ein Dilemma. Schließ- lich gelten die Direktanlage wie auch indirekte Investments über Minenaktien aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten als wenig bis gar nicht ESG-konform. „Das liegt daran, dass das meiste leicht zu fördernde Gold bereits vor vielen Jahren geschürft wurde“, erklärt Hector McNeil, Co-CEO und Mitgründer von HANetf, einer un- abhängigen White-Label-ETF- und ETC-Plattform, gegen- über Institutional Money, um das ursächliche Problem folgendermaßen zu skizzieren: „Der Abbau wird damit zunehmend teurer und ist mit Praktiken verbunden, die die Folgen des Klimawandels verstärken können. Zum einen wegen der möglichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt und zum anderen aufgrund der für den Abbau erforderlichen Logistik und Ressourcen.“ Das Problem der Ressourcenvergeudung bringt Inves- toren damit in Konflikt mit dem UN-SDG (Sustainable Development Goal) Nummer 12, also „nachhaltiger Kon- sum und Produktion“. Immerhin müssen Schätzungen zufolge für die Gewin- nung von einem Kilogramm Gold im Schnitt knapp 1.300 Tonnen Gestein bewegt werden, 260 TonnenWasser werden benötigt und vor allem fallen aufgrund des massiven Ener- gieverbrauchs zirka 18 Tonnen CO 2 -Emissionen an. Weitere Problemfelder Kritiker sehen bei der klassischen nicht nachhaltigen Gold- gewinnung Problemfelder wie beispielsweise den Einsatz von gesundheitsgefährdenden Chemikalien wie Quecksilber, um das Gold aus dem Gestein zu lösen. Diese Substanzen können jedoch die umliegenden Bäche und Flüsse verseu- chen sowie über das Einsickern in das Grundwasser die Trinkwasserversorgung ganzer Regionen gefährden.Umwelt- schutzorganisationen wie Greenpeace oder Fairtrade zufolge sollen allein in den Amazonas jährlich rund 100 Tonnen Quecksilber gelangen. Die Goldförderung schneidet aber nicht nur beim „E“ in „ESG“ schlecht ab, sondern auch beim „S“wie Soziales. Bei der Goldgewinnung, insbesondere bei kleinen, von Hand ausgehobenen (illegalen) Minen, kommt es vielfach zur Ausbeutung der Arbeiter und zu Kinderarbeit. Darüber hinaus ereignen sich aufgrund der oftmals schlecht abge- sicherten Löcher und Minenstollen schwere Unfälle mit Ver- letzten und Todesopfern. Eine negative Begleiterscheinung beim Bau von illegalen Minen ist auch die Vertreibung von indigenen Bevölkerungsgruppen, Kleinbauern und Fischern. Selbst wenn die soeben genannten Probleme durch die lokalen Behörden verhindert werden sollten, drohen noch immer die Risiken, dass das gewonnene Gold die dortige Korruption fördert oder die Erlöse aus dem Goldverkauf den Regierungen oder herrschenden „Warlords“ zur Finan- zierung bewaffneter Konflikte dienen und das gelbe Edel- metall damit zum „Blutgold“mutiert. Lösungen gefragt Vor diesemHintergrund wollen Profianleger lieber in nach- haltiger gefördertes Gold investieren und erwarten die Auf- lage von entsprechenden Produktlösungen respektive Um- schichtungen in diese. Das zeigt zumindest eine Umfrage von HANetf im vierten Quartal 2022 unter 100 institutio- nellen Anlegern und Vermögensverwaltern, die für ein ver- waltetes Vermögen von über 67 Milliarden US-Dollar in Aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit glänzt Gold nur wenig und ist für besonders strenge ESG-Investoren ein „No-Go“. Einige Entwicklungen der vergangenen Jahre scheinen dem gelben Edelmetall nunmehr neuen, grünen Glanz zu verleihen. Grünes Gold 200 N o . 3/2023 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Nachhaltiges Gold FOTO: © HANETF Strenge ESG-Investo- ren monieren, dass Anlagegold mit viel Aufwand der Erde ent- rissen wird, nur um es dann in Tresoren zu verwahren oder im Extremfall wieder irgendwo im Erdreich zu vergraben. » Mehrere Pensionskassen haben ihre Gold-Allokationen gemäß nachhaltigen Kriterien umgestellt. « Hector McNeil, Co-CEO und Mitgründer von HANetf

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