Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023

M üsste man die jüngste Umfrage von Goldman Sachs AM bei den Investmentverantwortlichen von Versicherungen auf allen Kontinenten in einem Satz zusammenfassen, würde dieser so lauten: Die Ri- sikobereitschaft bleibt hoch, wobei die Nachfrage nach fest- verzinslichen Wertpapieren dank höherer Renditen zu- nimmt und das Interesse an privaten Assets hoch bleibt. Die diesjährige Studie mit dem Titel „Ausbalancieren der Ren- dite im inflationären Umfeld“ („Balancing with Yield on the Inflationary Tightrope“) wurde im April veröffentlicht und berücksichtigt die Antworten von 343 CIOs und CFOs von Versicherungsunternehmen, die in Summe ein globales Bilanzvermögen von über 13 Billionen US-Dollar (das ent- spricht 12,12 Billionen Euro) repräsentieren. Die Antworten wurden vom 1. bis 17. Februar 2023 gesammelt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Versicherer zwar mit einer Verschlechterung der Credit-Qualität und einer bevorstehen- den Rezession in den USA rechnen, sich aber dennoch stark auf festverzinsliche Wertpapiere konzentrieren. Dabei ver- suchen sie, die Duration und das Risiko im Credit-Bereich zu erhöhen. 30 Prozent der befragten Häuser gaben an, dass sie planen, ihr Durationsrisiko zu erhöhen. Das ist eine Stei- gerung um 28 Prozentpunkte gegenüber den Angaben im Jahr 2022, wo lediglich zwei Prozent eine Erhöhung ihres Durationsrisikos anpeilten. Diese Haltung steht im Einklang mit den Marktpreisen, die nach einem Jahr intensiver Zinserhöhungen mögliche Zinssenkungen bereits einpreisen. In diesem Jahr glauben 73 Prozent der antwortenden Unternehmen, dass wir uns in einer eher späten Phase des Kreditzyklus befinden, was eine starke Veränderung gegenüber 2022 darstellt. Damals glaub- ten das nur 39 Prozent. Steigende Renditechancen Im aktuellen Umfeld stuften die Versicherer zum ersten Mal steigende Renditechancen als den wichtigsten Faktor ein, der ihre Asset-Allocation-Entscheidungen bestimmt (68 Pro- zent), fast dreimal so hoch wie der Anteil derjenigen, die angeben, dass sie das Risiko in ihrer Kapitalanlage aufgrund von Bedenken hinsichtlich Verlusten im Aktien- oder Cre- dit-Bereich verringern (25 Prozent). Sehr abhängig sehen sich die Versicherungshäuser aber auch von Regulierungsmaßnahmen, Reporting-Anforderun- gen und Bestimmungen für Ratingagenturen (siehe Chart „Freude über steigende Renditen“) . Einen hohen Einfluss auf die Portfoliogestaltung haben auch Liquiditätsgesichtspunk- te: 32 Prozent der Versicherer geben an, dass Liquiditätsüber- legungen ihre Asset-Allocation-Entscheidungen maßgeblich beeinflussen.Während Liquiditätsrisiken in den Jahren 2020, 2021 und 2022 lediglich von zwei beziehungsweise drei Pro- zent der Versicherer weltweit als das höchste Investitionsrisi- ko wahrgenommen wurde, ist dieser Anteil in der Studie Zum zwölften Mal wollte Goldman Sachs Asset Management von Versicherungen aus aller Welt wissen, wie sie ihre Asset Allocation an das inflationäre Umfeld anpassen und welche Herausforderungen sie für die nächsten Monate erwarten. Keine Angst vor dem Risiko Befürchtete Makro-Risiken Inflation wird als die größte Gefahr für die Portfolios angesehen. Welches der folgenden Dinge stellt das größte makroökonomische Risiko für Ihr Anlageportfolio dar? Als größte Gefahren betrachten die Versicherer: Inflation, wirtschaftliche Verlangsamung beziehungsweise Rezession in den USA, steigende Volatilität an Credit- und Aktienmärkten sowie geopolitische Spannungen. Quelle: Versicherungsstudie von Goldman Sachs Asset Management, S. 4 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % Wiederaufleben einer COVID-Variante Konjunkturabschwächung / Rezession in China Großes Cyber-Event Deflation Verschlechterung der Liquiditätslage Konjunkturabschwächung / Rezession in Europa Politische Ereignisse / Geopolitische Spannungen Straffung der Geldpolitik Konjunkturabschwächung / Rezession in den USA Volatilität an den Kredit- und Aktienmärkten Inflation 55 % 52 % 46 % 45 % 38 % 24 % 21 % 5 % 5 % 5 % 4 % Makroökonomische Risiken in Prozent 188 N o . 3/2023 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Versicherungsumfrage Goldman Sachs Die Illiquiditäts- prämien in privaten Anlageklassen wollen sich die Versicherer auch künftig nicht entgehen lassen.

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