Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023

Z u den Hoffnungsträgern beim Thema Energie- wende zählt nach wie vor Wasserstoff. Vor allem in den Bereichen Gütertransport, Schifffahrt und teil- weise auch im Luftverkehr könnte die Brennstoffzellentech- nologie einen Ersatz für die heutigen Antriebssysteme dar- stellen. Dass eine solche Technologieumstellung auch Inves- toren gewaltige Chancen eröffnen könnte, liegt auf der Hand, daher steht mittlerweile eine beträchtliche Anzahl entsprechender Themenfonds zur Auswahl. Inzwischen hat hier allerdings eine gewisse Ernüchterung die anfängliche Begeisterung abgelöst. Auch beim Thema Wasserstoff gilt, dass die Entwicklung einer neuen Technologie bis zur wirt- schaftlich attraktiven Anwendung harte Arbeit und nicht zwingend von Erfolg gekrönt ist. Das haben einige der frühen Investoren in den Jahren 2021 und 2022 zu spüren bekommen. So wurden all diejenigen Investoren enttäuscht, die früh auf liquide Fonds setzten. Hier gingen die Kurse keineswegs durch die Decke, sondern rauschten in den Kel- ler (siehe Tabelle „Liquide Wasserstofffonds“) . „Im Jahr 2020 kam es zu einer enormen Überbewertung von allem, was mit Wasserstoff zu tun hatte. Das war eine spekulative Blase, die vergleichbar ist mit der Dotcom-Blase“, erklärt Carmen Junker,Geschäftsführerin von Grünes Geld.Der ethisch-öko- logische Vermögensverwalter mit Sitz in Aschaffenburg ini- tiierte 2020 den ersten Wasserstofffonds Deutschlands, den GGWasserstoff . Seit Anfang des Jahres 2021 sei es dann bei vielen Wasserstofftiteln zu deutlichen Kursrückschlägen gekommen. Junker rät daher zu einer langfristigen Betrach- tung: „Wasserstoffaktien sind kein Investment für einen Zeit- raum von ein oder zwei Jahren. Die Entwicklung geht bis zur Klimaneutralität und darüber hinaus.“Mittlerweile sei die Auftragslage in den Unternehmen, die mit Wasserstoff zu tun haben, aber deutlich besser als zur Zeit der extremen Überbewertung. Junker verdeutlicht, wie viel Momentum in der Wasserstofftechnik liegt: „Aktuell gibt es weltweit 330 Großprojekte für Wasserstoff im Gigawattbereich. Anfang 2021 lagen wir noch im zweistelligen Bereich.“Natürlich sei das Börsenumfeld mit den zahlreichen Zinserhöhungen aktuell schwierig, „aber wir sehen jetzt Bewertungen, die sich auf einem vernünftigen Niveau eingependelt haben, und die Unternehmen weisen ein solides Auftragswachstum und hohe Wachstumsraten auf“. Lieferkettenprobleme Wasserstoff habe sich von einem Nachfrage- zu einem An- gebotsthema entwickelt. „In den letzten Jahren gab es Lie- ferkettenprobleme. Einzelne, aber wichtige Komponenten waren nicht oder nur verzögert zu bekommen, daher konn- te man die Produktionskapazitäten nicht so schnell wie ge- plant ausbauen. Aber um die Automatisierungsprozesse zu skalieren, brauchen Sie Hardware.Wenn Sie grünen Wasser- stoff nutzen möchten, brauchen Sie für die Produktion Elek- trolyseure, und die fehlten in den letzten zwei Jahren, wer- den jedoch weltweit stark zugebaut“, erklärt Junker. Generell betrachtet sie das Thema Wasserstoff eher als Themen- und weniger als Brancheninvestment: „Mit Was- serstoff lässt sich Strom über lange Zeit nahezu verlustfrei speichern. Kurzfristig geht das auch mit Batterien, aber bei- spielsweise nicht über eine saisonale Speicherung.“ Entspre- chend breit sei die Palette möglicher Investments für ihren Fonds. „Diese reicht vom Ausbau der Pipelines über die Lagerung bis hin zum Einsatz von Brennstoffzellen, wo wie- der eine Rückverstromung stattfindet, oder auch direkte Anwendungen in der Industrie. Mit unserem Fonds halten wir Ausschau nach Investitionschancen in der gesamten Wertschöpfungskette.“ Der ersten Hype um Wasserstoffinvestments endete in einer Enttäuschung, weil kurzfristig keine kostengünstigen, praxistauglichen Technologien zur Verfügung stehen. Mittlerweile hat sich die Auftragslage der Unternehmen aber verbessert. Er nüchterung 182 N o . 3/2023 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Wasserstoffinvestments FOTO: © KATRIN LIMES » Im Jahr 2020 kam es bei Wasserstoff- titeln zu einer spekulativen Blase, die vergleichbar ist mit der Dotcom-Blase.“ « Carmen Junker, Geschäftsführerin Grünes Geld GmbH, Aschaffenburg

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