Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023
D ie Speicherung von Energie ist der Dreh- und Angelpunkt der angestrebten Energiewende auf Basis von Sonne und Wind. Und unter den wenigen Optionen, Energie jederzeit verfügbar und auch transportierbar zu machen, zählt das Element am äußersten linken Rand des Periodensystems. So hofft etwa Deutsch- land, die überschüssige Windenergie aus dem Norden in Wasserstoff umwandeln und in den Süden des Landes trans- portieren zu können. Auch der Einsatz von Wasserstoff in energieintensiven Industrieprozessen (Stahl, Zement, Glas, Aluminium), im Transportsektor (Schwerlastverkehr) und in der Landwirtschaft (grüne Düngemittel) steht zur Diskus- sion. Hier soll Wasserstoff zur Dekarbonisierung beitragen. Bislang steht allerdings die Physik diesen Plänen im Wege, wobei das Ersetzen fossiler Energieträger durch Wasserstoff zwar grundsätzlich möglich ist, kaufmännisch und öko- logisch sinnvoll ist es jedoch in der Regel noch nicht. Vor allem Letzteres stellt dabei das wohl größte Problem dar. Grün im Sinne von CO 2 -Neutralität sind Wasserstoffan- wendungen nur, wenn der Wasserstoff auch mit grünem Strom hergestellt wird.Weil die dabei erzielbaren Wirkungs- grade vergleichsweise schlecht sind, lohnt sich die dafür ein- gesetzte Elektrolyse eigentlich nur dann, wenn der Strom anderweitig nicht benötigt wird – also bei Überproduktion infolge zu starken Windes oder zu viel Sonneneinstrahlung zum falschen Zeitpunkt. Wenn Wasserstoff als Ersatz für fossile Brennstoffe dienen soll, muss aber sichergestellt sein, dass er jederzeit in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Daher müssen unter Umständen auch andere Primär- energiequellen eingesetzt werden. Je nachdem, welche Emis- sionen anfallen, spricht man dann von blauem Wasserstoff aus fossilen Quellen, aber mit CO₂-Abscheidung hergestellt, oder rosa Wasserstoff, der mittels Elektrolyse aus Atomkraft gewonnen wird (siehe Abbildung „Die Farben des Wasserstoffs“) . „Elektrolyse ist bereits seit über 80 Jahren amMarkt, ist also nichts Neues. Aber als Gesellschaft haben wir sie in der Brei- te nicht genutzt, weil Erdgas so günstig war. Der klassische Weg ist daher,Wasserstoff aus Erdgas herzustellen, was heute als grauer Wasserstoff bezeichnet wird“, sagt Thomas Engel- mann, Head of Energy Transition bei KGAL aus Grünwald bei München. Der Asset Manager ist spezialisiert auf er- neuerbare Energien, Real Estate und Aviation und kommt gerade mit einemWasserstofffonds an den Markt. Noch sind die Verluste hoch, was die Kosten für Wasserstoff- anwendungen in die Höhe treibt. Daher wird Wasserstoff auch als der „Champagner unter den Treibstoffen“bezeichnet. Immerhin kostet ein Liter E-Fuel derzeit bis zu 4,50 Euro. Entsprechend wird er bislang nur dort eingesetzt, wo es technisch keine sinnvollen Alternativen gibt, beispielsweise weil eine direkte Elektrifizierung nicht möglich ist oder Batterien zu groß wären: bei Raketenantrieben, in der Hoch- seeschifffahrt oder im Schwerlastverkehr. Auch in der Stahl- produktion und in anderen energieintensiven Prozessen kommt Wasserstoff zum Einsatz. Wer auf die grüne Wertschöpfungskette setzen möchte, setzt aufs Ernten erneuerbarer Energie, die Umwandlung Mit Wasserstofftechnologie lässt sich Energie speichern und transportieren, und es lassen sich E-Fuels und Düngemittel herstellen. Damit das auch ökonomisch sinnvoll ist, müssen allerdings noch die Wirkungsgrade verbessert werden. Von der Fantasie zur Praxis Einsatzbereiche sauberen Wasserstoffs Technologie und der Einsatz von sauberem Wasserstoff umfassen ein breites Spektrum. Technisch machbar ist vieles, aber nicht unbedingt wirtschaftlich. In der Schifffahrt, der Stahlproduktion und als langfristiger Energiespeicher ist der Einsatz von grünem Wasserstoff derzeit fast ohne Alternative. Stand heute ist der wirtschaftliche Einsatz im Individualverkehr oder zur Beheizung von Wohnräumen jedoch noch in weiter Ferne. Quelle: Gregor Hagedorn, Wolf-Peter Schill & Martin Kittel, based on Michael Liebreich / Liebreich Associates, Clean Hydrogen Ladder, Version 4.1, 2021. Concept credit: Adrian Hiel, Energy Cities. CC-BY 4.0 178 N o . 3/2023 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Wasserstofftechnik Winzig klein ist das Wasserstoffatom, aber die Technologie könnte groß raus- kommen. Sie gilt als klimafreundlich und zukunftsträchtig.
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