Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023
S onne und Wind schicken keine Rechnung“, ist die Lieblingsphrase der Energiewende. Ein schöner Ge- danke, wenn aber Stromgewinnung via Windkraft und Photovoltaik tatsächlich billiger wäre als die traditionel- len Alternativen,müssten mit steigendem Anteil an erneuer- baren Energien bei der Stromerzeugung die Preise pro Kilo- wattstunde doch tendenziell eigentlich sinken. Bislang ist da- von nichts zu merken, das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Tatsächlich sind die Strompreise in Deutschland und Däne- mark – beide Länder zählen zu den Vorreitern bei der Er- zeugung grünen Stroms – die höchsten in Europa bezie- hungsweise sogar die höchsten der Welt (siehe Grafik „Haus- haltsstrompreise versus Erneuerbaren-Penetration“) . In den ost- europäischen Staaten, die sich mit der Umstellung auf er- neuerbare Energieträger Zeit lassen, sind die Strompreise hingegen am günstigsten. Derselbe Zusammenhang mani- festiert sich im Übrigen auch unter den 48 kontinentalen US-Bundesstaaten, wo das in der Energiewende voranschrei- tende fortschrittliche Kalifornien seinen Bürgern den höchs- ten Strompreis in Rechnung stellt – und das, obwohl dort die Ausgangsbedingungen infolge der hohen Sonnenein- strahlung wesentlich besser sind als etwa in Mittel- und Nordeuropa. Warum bewirkt nun aber jedes Mehr an Wind- und Solarenergie höhere Strompreise,wo doch Sonne und Wind gratis liefern? „Das Grundproblem ist die zu eng gefasste Berechnung der Erzeugungskosten und die Vernachlässi- gung der großen Probleme für den Stromnetzbetrieb, die die variablen Stromquellen Wind und Sonne verursachen“, sagt Peter Frech, Portfoliomanager bei der Schweizer Invest- mentboutique Quantex, die sich auf Value-Strategien spezia- lisiert hat. Der studierte Psychologe ist Value-Investor aus Überzeugung und arbeitet seit 2007 als Fondsmanager bei Quantex, verantwortlich ist er dabei für den Global Value und den Strategic Precious Metal Fund des Hauses. Kostenvergleichsgröße LCOE Die allgemein anerkannte Maßzahl für Kostenvergleiche im Energiebereich ist die „Levelized Cost of Energy“, kurz LCOE. Mit ihrer Hilfe berechnet man, wie viel Errichtung und Betrieb eines Kraftwerks über die gesamte Lebenszeit hinweg kosten, und teilt diesen Wert durch die produzierte Gesamtstrommenge. Beides wird noch mit einem Zinssatz abdiskontiert. Windkraft- und Photovoltaikanlagen sehen auf dieser Basis relativ günstig aus. Sie haben zwar hohe Errichtungs-, aber sehr geringe Betriebskosten, da keine Dass Solar- und Windenergie billig sind und die Stromversorgung von morgen sicherstellen, sind die zentralen Argumente zur Begründung der aktuellen Energiepolitik. Bis auf Weiteres sind diese Argumente jedoch sehr fragwürdig. Schön gerechnet Haushaltsstrompreise versus Erneuerbaren-Penetration Je mehr Terawattstunden pro Kopf erneuerbar produziert werden, desto höher ist der Strompreis. Am höchsten sind die Strompreise in Deutschland und Dänemark, die besonders viel Wind- und Solarstrom produzieren, am billigsten in den osteuropäischen Ländern. Quelle: Eurostat /J.P. Morgan 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 0,10 0,15 0,20 0,25 0,30 0,35 Dänemark Schweden Norwegen Niederlande Irland Deutschland Spanien Belgien Portugal Italien Frankreich Estland Rumä- nien Tschechien Lettland Slowenien Slowa- kei Island Polen Litauen Kroatien Malta Bulgarien Ungarn Luxem- burg Öster- reich Griechenland Finnland Strompreise EUR/kWh (H2 2021) Wind- und Solarstromproduktion, TWh pro Kopf 136 N o . 3/2023 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Energieinvestments FOTO: © QUANTEX AG » Öl-, Gas- und Kohletitel werden heute bewertet, als würden sie in fünf bis zehn Jahren wertlos werden. « Peter Frech, Fondsmanager Quantex AG, Bern
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