Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023
D ie moderne Finanzindustrie ist von Zahlen und Fakten geprägt. Scheinbar lässt sich alles mehr oder weniger genau berechnen und simulieren. och währendman bei den erzielten Renditen und Handels- kosten jeden Basispunkt einzeln umdreht, rücken andere wichtige Aspekte in den Hintergrund. So zum Beispiel die Art und Weise,wie in der Praxis imRahmen der regelmäßig stattfindenden Investmentausschüsse ein gemeinschaftlicher Konsens gefunden wird. Anlagekomitees sind etwas, das so ziemlich jeder aktive Portfoliomanager kennen dürfte. In der Regel werden dabei qualitative Gruppendiskussionen abgehalten, um die einzel- nen Perspektiven, Fähigkeiten und Erfahrungen der beteilig- ten Experten zu berücksichtigen. Basierend darauf wird an- schließend die bestmögliche weitere Ausrichtung der Portfo- lios festgelegt. Grundsätzlich klingt das zunächst vernünftig. Aber ist diese Vorgehensweise auch wirklich zielführend und zeitgemäß? Mit dieser Frage scheint sich die Forschung bislang kaum beschäftigt zu haben. Umso interessanter ist das Paper „Optimal Design of Investment Committees“von Bernd Scherer (EDHEC Risk Institute). Scherer hat 30 Jahre Erfahrung als Forscher, Investor und CIO verschiedener Firmen und sitzt damit an der Schnittstelle von Theorie und Praxis. Aggregierter Skill Er schreibt, dass die Zentralisierung von Anlageentscheidun- gen in Komitees sinnvoll sein und zu besseren Portfolios führen kann. Das liegt daran, dass individuelle Prognose- fehler der einzelnen Teammitglieder auf diese Weise diver- sifiziert werden. Gleichzeitig nimmt dadurch aber auch die Streuung der Performance über verschiedene Mandate des Asset Managers ab.Deshalb ist die Aggregation der Einschät- zungen nur für diejenigen Firmen von Vorteil, deren Port- foliomanager über tatsächlichen Skill verfügen und entspre- chendes Alpha-Potenzial mitbringen. In diesem Fall über- wiegen die Vorteile der Diversifikation die Nachteile einer kollektiven Underperformance aller Mandate für den Fall, dass das Komitee falschliegt (siehe Abbildung „Outperformance- Wahrscheinlichkeit mit Skill“) . Scherer schlussfolgert, dass sich die starken Asset-Manage- ment-Firmen mit echtem Skill deshalb für eine Zentralisie- rung im Rahmen von Investmentausschüssen entscheiden. Das hat auch den Vorteil, dass man sich nicht von sogenann- ten „Star-Managern“ abhängig macht, denen sonst eine potenziell starke Verhandlungsposition zufällt. Die schwä- cheren Firmen ohne echten Skill haben dagegen den Anreiz, die einzelnen Portfoliomanager nach deren eigenem Gutdünken investieren zu lassen. Daraus resultiert eine grö- ßere Streuung der Performance über verschiedene Mandate. Das hat den Vorteil, dass in nahezu jedem Marktumfeld zumindest einige Fonds gut performen und entsprechende Gebühren beziehungsweise Zuflüsse generieren.Man diver- sifiziert hier also aus wirtschaftlichen Motiven. In traditionellen Investmentausschüssen wird viel diskutiert, bis man schließlich zu einem Konsens gelangt. Damit gehen aber auch einige Probleme einher. Besser wäre ein algorithmischer Weg. Quantifiziertes Komitee Outperformance-Wahrscheinlichkeit ohne Skill Dezentralisiertes vs. zentralisiertes Asset Management Die Grafik zeigt die Outperformance-Wahrscheinlichkeit von insgesamt zehn Port- foliomanagern eines Asset Managers, die über kein Alpha-Potenzial verfügen. Sie entscheiden entweder individuell (dezentralisiert) oder kollektiv über ein Komitee (zentralisiert) für ihre Mandate. Quelle: Scherer, B. (2023), Optimal Design of Investment Committees, S. 6 0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % I 10 I 9 I 8 I 7 I 6 I 5 I 4 I 3 I 2 I 1 I 0 Zentral Dezentral Anzahl Fonds mit Outperformance 122 N o . 3/2023 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Investmentkomitees In der Regel werden qualitative Gruppen- diskussionen abgehal- ten, um die einzelnen Perspektiven, Fähig- keiten und Erfahrun- gen der Beteiligten zu berücksichtigen.
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