Institutional Money, Ausgabe 3 | 2023
S eltene Hochrisikoszenarien sind spätestens seit der großen Finanzkrise 2008 und verstärkt seit dem Aus- bruch der Covid-Pandemie in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Das Bild des „Schwarzen Schwanes“ für das unerwartete Eintreten von Extremrisiken ist inzwischen nicht nur Insidern bekannt, sondern mehr oder weniger zu einem geflügelten Wort geworden. Hinzugekommen ist nun bekanntlich das Kriegsszenario, von dem auch für die Märkte das größte Risiko auszugehen scheint. Genau mit diesem beschäftigen sich die Autoren von „War Discourse and the Cross-Section of Expected Stock Returns“ von David Hirshleifer, Dat Mai und Kuntara Pukthuanthong. Hirshleifer wirkt an der University of Southern California, die beiden anderen Forscher sind an der University of Mis- souri-Columbia tätig. Auffettung des Datenmaterials Die Beschäftigung mit einem Kriegsfaktor erscheint umso sinnvoller, als „dessen Erfassung eine höhere Prognosekraft hat als andere Risikoquellen wie etwa Rezessionen, Pande- mien oder aggregierte Aktien- oder Anleihenerträge“, wie Mai festhält. Eine Problem bei der Untersuchung der Aus- wirkungen von Katastrophenrisiken auf die Preisgestaltung von Vermögenswerten besteht darin, dass Maßnahmen für solche Risiken laut Hirshleifer „aufgrund ihrer Seltenheit ungenau sind. ImDurchschnitt erlebt ein Land alle 15 Jahre eine internationale politische Krise, alle 74 Jahre einen Groß- krieg und alle 119 Jahre einen inneren Konflikt.“ Deshalb konzentrieren sich die Autoren nicht auf tatsächliche Kriegs- ereignisse, sondern auf die Veränderung der Aufmerksam- keit für das Kriegsrisiko, wie es in Medien reflektiert wird. Über die Auswertung diverser Seed-Wörter (siehe Grafik „Die Saat des Krieges“) werden die Auswirkungen der Kriegswahr- nehmung auf die Querschnittserwartungen der Aktienren- diten erfasst.Da die mediale Aufmerksamkeit für das Kriegs- risiko ständig schwankt, ist die Stichprobe von Veränderun- gen in der Messung der Kriegswahrnehmung sehr groß – der Ansatz umgeht auf diese Weise das Problem einer be- grenzten Stichprobengröße, das bei der Verwendung von seltenen tatsächlich eingetretenen Kriegsrisiken besteht. Zeitleiste per 1871 Die Autoren nutzen dabei die Vorarbeit, die sie in einem früheren Paper, „War Discourse and Disaster Premia: 160 Years of Evidence from Stock and Bond Markets“, geleistet haben. Dort haben sie den Kriegsrisikoindex „War“ aus der Über die Auswertung von 6,8 Millionen Artikeln der „New York Times“ (NYT), die bis ins Jahr 1871 zurückreichen, erstellen Forscher einen War-Index, der das wahrgenommene Kriegsrisiko messen und Preisfehler im Markt prognostizieren soll. Das größtmögliche Risiko Die Saat des Krieges Diese Seed-Wörter wurden bei der Erstellung des Kriegsrisikoindex verwendet. Erstellt wird der Kriegsrisikoindex „War“ über die Auswertung von NYT-Artikeln. Diese werden auf Seed-Wörter gescannt, die im Kontext mit Krieg verwendet werden. Je häufiger diese Wörter vorkommen, desto höher der Index. Quelle: Studie Hirshleifer et al. conflict war state united government united_state country american tension minister foreign nation military president british time general take force world terrorist terrorism french army peace soviet official report germany political russian union international people leader russia order gen london policy power south communist england officer united_nation troop west receive britain soviet_union men treaty attack soldier party present washington security give question conference europe iraq group regiment north col command lord navy indian capt league company secretary japanese vietnam japan israeli dispatch york_time mexico arm english palestinian kill administration western send iran iraqi italy ally lieut premier spanish land emperor service cuba council ireland bush department vietnamese place talk right arab naval hitler ship admiral enemy island law national southern guard air area constitution plane syria bomb congress fight front korea private news mile public continue 112 N o . 3/2023 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Geoökonomie FOTO: © UNIVERSITY OF MISSOURI » Die Erfassung des Kriegsrisikos hat eine höhere Prognosekraft als andere Risiko- quellen wie etwa Rezessionen, Pandemien oder Aktien- oder Anleihenerträge. « Dat Mai, University of Missouri-Columbia
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